hi,
dies ist ein anonym erstellter thread - siehe dazu sticky "Anonym Threads erstellen in der Sorgenhotline"
der text wird also von mir nur stellvertretend gepostet, ebenso wie mögliche antworten auf kommentare von euch
gruss, smokin
************* (originaltext) *************
Ich bin 20 Jahre alt und letzte Woche Mittwoch ist einer meiner besten
Freunde gestorben.
Heute war seine Beerdigung und ich liege nun im Bett und mich halten
diverse Dinge wach.
Ich hoffe, dass ich sie durch das Schreiben etwas ordnen kann und mir
eventuelle ratsame Tipps gegeben werden können.
Vor knapp einem Jahr ist Paul, einer meiner besten Freunde, an Leukämie
erkrankt.
Er war eine fröhlich, weltoffener und symapthischer Typ. Wie immer
niemand, der es irgendwie verdient hätte.
Sein Krankheitsverlauf war im letzten Jahr mehr als unschön. Ihm wurden
vielversprechende Therapien in Aussicht gestellt, welche jedoch scheiterten.
Er hatte nach vielen Chemotherapien einen Herzstillstand, fiel einige
Tage ins Koma, wachte jedoch wieder auf.
Nach 8 Monaten war er dann endlich fit genug, um eine
Stammzellentransplantation zu überstehen. Der Monat in Isolation war
hart, für ihn und für mich.
Doch danach ging es aufwärts mit ihm. Er kam danach nach Hause, wohnte
in seiner eigenen kleinen Wohnung, direkt über der seiner Eltern.
Man konnte ihn wieder besuchen. Ich hatte wieder Hoffnung.
Er nahm wieder zu, sein Gesicht strahlte wieder Lebensfreude aus und er
find wieder an mit Freude zu Essen. Alles wirkte perfekt.
Am 7. Dezember dann die Diagnose: Die Leukämie war zurück, die
Transplantation erfolglos.
Die Ärzte sahen keine Heilungschancen mehr für ihnen und schickten ihn
ohne Therapie und Hoffnung nach Hause, damit er die letzte Zeit ohne
Einschränkungen erleben konnte.
Im Nachhinein erfuhr ich, dass die Ärzte nicht damit rechneten, dass
Paul Weihnachten überleben würde. Dies wusste jedoch nur seine Familie
und seine Freundin Ariane.
Die Diagnose kam wenige Tage vor seinem Geburtstag.
Wir organisierten ihm innerhalbe weniger Tage eine tolle
Geburtstagsparty mit allen Freunden aus ganze Deutschland, schenkten ihm
eine praktische Hubschrauberflugstunde.
Ich verbrachte die nächsten Wochen so viel Zeit wie möglich bei ihm,
obwohl ich 400km weit weg studiere.
Drängte mich ihm förmlich auf, da er oft lustlos und müde war, trat
Freunden in seinem Namen in den Arsch, damit sie wieder Kontakt zu ihm
aufbauten und tat auch sonst alles mögliche, um ihm beizustehen.
Um Silvester herum war es dann der Tiefpunkt. Er konnte nur wenige
Stunden Besuch haben ohne, dass er sich für eine Stunde hinlegen musste
und war allgemein sehr lustlos und kraftlos.
Ich sah jede Nacht mehr mals auf mein Handy, da ich zu jeder Zeit mit
einem Anruf rechnete...
Mitte Januar kam dann die überraschende Entscheidung, dass er sich an
einen Homöopathen wenden wolle.
Ich versprache mir von der Sache zwar nicht viel, unterstütze ihn aber
bei seiner Entscheidung.
Mein Problem war allerdings, dass meine Weihnachtsferien zu Ende waren
und ich für die Klausuren in den Semsterferien lernen musste.
Ich konnte mit ihm ab hier also nur noch über Telefon oder Skype Kontakt
haben, da ich 400 KM weit weg studiere.
Die Behandlung mit biovegetarischer Ernährung zeigte zum Erstaunen Aller
Wirkung. Seine Blutwerte wurden besser und die Ärzte wagten es eine neue
Chemotherapie zu machen, um das zu unterstützen. Vorher war er für diese
zu schwach. Er war voller Lebensfreude und fing sogar an sich für mich
zu interessieren. Allein, dass er sich wieder von selbst meldet und mich
fragte, wie mein Studium liefe, war für mich ein unglaublich schönes
Zeichen und erfüllte mich mit Hoffnung.
Ich hatte in dieser Zeit etwa 6 von 7 Tagen Kontakt zu ihm. Wir spielten
oft Call of Duty zusammen. Computerspiele waren eine Leidenschaft,
welche uns schon immer verband.
Er schmiedete Pläne und wollte Goldschmied werde und für seinen
kompletten Freundeskreis irgendwann als Dank für Alles die
Hochzeitsringe machen.
Am 8. Februar rief seine Schwester mich an. Als ich ihre Stimme am
Telefon hörte war für mich schon alles klar.
Paul hatte über Nacht eine Hirnblutung und starb am nächsten Mittag im
Krankenhaus.
Ich fuhr noch am selben Tag in die Heimat. Übernahm die Aufgabe es allen
Freunden am Telefon zu erzählen und war seine Freundin, meine beste
Freundin, Ariane da.
Erst nach 2 Tagen fand ich Zeit und Ruhe, um selbst in tiefe Trauer zu
fallen. Obwohl ich dankbar bin, dass ich noch 2 schöne Monate mit ihm
hatte und froh bin, dass ich alles Mögliche getan habe.
Ariane und ich haben uns über Paul kennengelernt. Die beiden waren mehr
als 5 Jahre zusammen. Ich kenne Paul seit 7 Jahren.
Ariane und ich haben uns schon immer gut verstanden. Die Fronten waren
klar und frei von irgendwelchen sexuellen Spannungen.
Im letzten Jahr hat sich zwischen Ariane und mir eine absolut
platonische Liebe entwickelt.
Wir schrieben uns täglich ca. 100 SMS. Erzählten uns alles, waren immer
für einander da. Sie gab mir die Aufmerksamkeit und Zuneigung, wenn ich
sie brauchte.
Gerade in der letzten Zeit war dies sehr hilfreich. Paul wusste davon
und sagte vor einem Monat scherzhaft, dass wir eine Dreierbeziehung
führten, weil wir alles miteinander teilten, was in unseren Leben passiert.
Im letzten Jahr konnte ich Ariane immer helfen, wenn es ihr schlecht ging.
Es schien als ob ich immer die passenden Worte fande, um sie zu
besänftigen oder, um sie wieder zu klarem Kopf zu bringen. Andererseits
hatte sie das richtige Händchen, um mir bei vielen Angelegenheit und
Probleme weiterzuhelfen. Es schien, als ob allein unsere Worte uns
helfen würden.
Seit letzter Woche ist es alles schwierig. Unserer Gespräche sind
oberflächlich und sie vermeidet das Thema Paul.
Einerseits kann ich es nachvollziehen, dass sie nicht dauerhaft drüber
reden mag, da sie meine Gesellschaft und Kontakt als Ablenkung nimmt.
Ich denke, das ist in Ordnung, da sie zum Trauern viel Zeit braucht und
dafür auch alleine sein muss.
Andererseits brauche ich zur Zeit meine beste Freundin. Ich brauch sie,
um über das Thema zu reden und um Trost zu finden.
Außerdem brauche ich sie, damit sie mir bei einem Thema auf die Füße tritt.
Das Thema: Lisa
Lisa ist eine Freundin von mir. Um ehrlich zu sein wünsche ich mir seit
3 Jahren, dass sie meine Freundin ist.
Lisa ist kein Mensch der sich bei anderen meldet, ist leider sehr
gutaussehend, Monogamie ist ihr ein Fremdwort und sie ist die Königin in
Verdrängung.
Als mein Vater vor 3 Jahren starb gab sie mir alles was ich brauchte.
Aufmerksamkeit, Trost und Zuneigung. Jedoch nie körperlicher Art.
Wie ich nun so bin, verliebte ich mich dummerweise in sie. Ich lief ihr
hinterher und sie hielt mich hin. Friendzoned kann man wohl gut sagen.
Ich hätte alles für sie getan und sie war mir eine gute Freundin. Jedoch
nicht mehr.
Ariane brachte mich irgendwann dazu, dass es dumm wäre mich weiter zu
unterwerfen und trat mir in den Arsch, damit ich etwas daran änderte.
Also meldete ich nicht mehr bei ihr. Nach 2 Jahren hatte ich es endlich
geschafft, dass ich kaum noch an sie dachte.
Dies ging mehrere Monate gut, bis sie (völlig überraschend) anfang sich
oft bei mir zu melden und sich mit mir treffen wollte.
Ariane hielt mich in der Zeit immer von diesen Treffen ab, da ich mich
damit nur selbst zerstören würde.
Jedoch trafen Lisa und uns natürlich trotzdem öfter beim feiern und
hatten ab und zu mal was mit einander.
Was immer dazu führte, dass ich wieder über Wochen völlig kirre im Kopf
war. Das letzte mal ging es dieses Jahr um Weihnachten so. Also wieder
in einer Phase, wo ich emotional sehr angeschlagen war.
Ich weiß, dass ich Lisa sehr wichtig bin, da ich eine enge Beziehung zu
ihrer Mutter habe und diese mir neulich anvertraute, dass ich nach den
Eltern und der Schwester Lisas wichtigste Bezugsperson in ihrem Leben
bin. Auch, wenn sie nur selten den Kontakt zu mir sucht.
Lisa war heute ebenfalls auf der Beerdigung. Sie suchte davor und danach
den Körperkontakt zu mir. Küsste mich bei der Begrüßung auf die Wange
und versuchte meine Hand zu ergreifen.
Das erste mal in meinem Leben blieb ich hier standhaft und entzog mich
ihr. Als ich jedoch zu Hause ankam schrieb ich ihr, ob sie nicht noch
vorbeikommen wolle. Sie hatte jedoch schon getrunken und schlug mir vor,
dass ich mit dem Auto zu ihr führe und Wein mitbringe. Bei 30km
Entfernung war dies eindeutig....
Ich konnte dem widerstehen. Konnte das Treffen jedoch nicht komplett
absagen und hab es jetzt auf Freitag verschoben.
Eigentlich sagt mir mein Herz zur Zeit, dass ich hinfahren möchte, um
Trost zu finden.
Mein Kopf sagt mir ganz klar, dass es mich zerstören würde und ich den
Kontakt zu ihre abbrechen muss.
Mein Kopf sagt mir jedoch auch, dass ich kein Arschloch bin und nicht
möchte, dass sie 2 Freund in einer Woche verliert.
Ich hab eigentlich keine Ahnung, warum ich diesen Roman hier schreibe.
Vermutlich muss ich es einfach mal aufschrieben, um meine Gedanken
ordnen zu können. Ich muss es jemandem im kompletten erzählen ohne, dass
meine Gedanken wirr werden und ich die Hälfte vergesse. Ich schreibe den
Text auch, damit ich nicht zu Lisa fahre.
Aber eigentlich brauche ich einen Tipp, um Ariane zu helfen, die die
Liebe ihres Lebens verloren hat. Ich möchte ihr bei der Trauer helfen,
aber auch dabei helfen auf andere Gedanken zu kommen. Kann jedoch nicht
einschätzen, wo der Punkt ist an dem Ablenkung unangebracht ist. Ich
möchte mich ihr nicht aufdrängen, habe jedoch die Befürchtung, dass sie
sich völlig zurückzieht und in die Depression abrutscht.
Ich hoffe, ihr habt hilfreiche Worte für mich.
PS: Entschuldigt bitte, wenn der Text nicht fehlerfrei oder wirr ist.