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Bester Freund gestorben

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smokinnurse
Beigetreten: 26.03.2007
Oldschool Grinder


hi,

dies ist ein anonym erstellter thread - siehe dazu sticky "Anonym Threads erstellen in der Sorgenhotline"
der text wird also von mir nur stellvertretend gepostet, ebenso wie mögliche antworten auf kommentare von euch

gruss, smokin

************* (originaltext) *************

Ich bin 20 Jahre alt und letzte Woche Mittwoch ist einer meiner besten
Freunde gestorben.
Heute war seine Beerdigung und ich liege nun im Bett und mich halten
diverse Dinge wach.
Ich hoffe, dass ich sie durch das Schreiben etwas ordnen kann und mir
eventuelle ratsame Tipps gegeben werden können.

Vor knapp einem Jahr ist Paul, einer meiner besten Freunde, an Leukämie
erkrankt.
Er war eine fröhlich, weltoffener und symapthischer Typ. Wie immer
niemand, der es irgendwie verdient hätte.
Sein Krankheitsverlauf war im letzten Jahr mehr als unschön. Ihm wurden
vielversprechende Therapien in Aussicht gestellt, welche jedoch scheiterten.
Er hatte nach vielen Chemotherapien einen Herzstillstand, fiel einige
Tage ins Koma, wachte jedoch wieder auf.
Nach 8 Monaten war er dann endlich fit genug, um eine
Stammzellentransplantation zu überstehen. Der Monat in Isolation war
hart, für ihn und für mich.
Doch danach ging es aufwärts mit ihm. Er kam danach nach Hause, wohnte
in seiner eigenen kleinen Wohnung, direkt über der seiner Eltern.
Man konnte ihn wieder besuchen. Ich hatte wieder Hoffnung.
Er nahm wieder zu, sein Gesicht strahlte wieder Lebensfreude aus und er
find wieder an mit Freude zu Essen. Alles wirkte perfekt.

Am 7. Dezember dann die Diagnose: Die Leukämie war zurück, die
Transplantation erfolglos.

Die Ärzte sahen keine Heilungschancen mehr für ihnen und schickten ihn
ohne Therapie und Hoffnung nach Hause, damit er die letzte Zeit ohne
Einschränkungen erleben konnte.
Im Nachhinein erfuhr ich, dass die Ärzte nicht damit rechneten, dass
Paul Weihnachten überleben würde. Dies wusste jedoch nur seine Familie
und seine Freundin Ariane.
Die Diagnose kam wenige Tage vor seinem Geburtstag.
Wir organisierten ihm innerhalbe weniger Tage eine tolle
Geburtstagsparty mit allen Freunden aus ganze Deutschland, schenkten ihm
eine praktische Hubschrauberflugstunde.
Ich verbrachte die nächsten Wochen so viel Zeit wie möglich bei ihm,
obwohl ich 400km weit weg studiere.
Drängte mich ihm förmlich auf, da er oft lustlos und müde war, trat
Freunden in seinem Namen in den Arsch, damit sie wieder Kontakt zu ihm
aufbauten und tat auch sonst alles mögliche, um ihm beizustehen.
Um Silvester herum war es dann der Tiefpunkt. Er konnte nur wenige
Stunden Besuch haben ohne, dass er sich für eine Stunde hinlegen musste
und war allgemein sehr lustlos und kraftlos.
Ich sah jede Nacht mehr mals auf mein Handy, da ich zu jeder Zeit mit
einem Anruf rechnete...

Mitte Januar kam dann die überraschende Entscheidung, dass er sich an
einen Homöopathen wenden wolle.
Ich versprache mir von der Sache zwar nicht viel, unterstütze ihn aber
bei seiner Entscheidung.
Mein Problem war allerdings, dass meine Weihnachtsferien zu Ende waren
und ich für die Klausuren in den Semsterferien lernen musste.
Ich konnte mit ihm ab hier also nur noch über Telefon oder Skype Kontakt
haben, da ich 400 KM weit weg studiere.
Die Behandlung mit biovegetarischer Ernährung zeigte zum Erstaunen Aller
Wirkung. Seine Blutwerte wurden besser und die Ärzte wagten es eine neue
Chemotherapie zu machen, um das zu unterstützen. Vorher war er für diese
zu schwach. Er war voller Lebensfreude und fing sogar an sich für mich
zu interessieren. Allein, dass er sich wieder von selbst meldet und mich
fragte, wie mein Studium liefe, war für mich ein unglaublich schönes
Zeichen und erfüllte mich mit Hoffnung.
Ich hatte in dieser Zeit etwa 6 von 7 Tagen Kontakt zu ihm. Wir spielten
oft Call of Duty zusammen. Computerspiele waren eine Leidenschaft,
welche uns schon immer verband.
Er schmiedete Pläne und wollte Goldschmied werde und für seinen
kompletten Freundeskreis irgendwann als Dank für Alles die
Hochzeitsringe machen.

Am 8. Februar rief seine Schwester mich an. Als ich ihre Stimme am
Telefon hörte war für mich schon alles klar.
Paul hatte über Nacht eine Hirnblutung und starb am nächsten Mittag im
Krankenhaus.
Ich fuhr noch am selben Tag in die Heimat. Übernahm die Aufgabe es allen
Freunden am Telefon zu erzählen und war seine Freundin, meine beste
Freundin, Ariane da.
Erst nach 2 Tagen fand ich Zeit und Ruhe, um selbst in tiefe Trauer zu
fallen. Obwohl ich dankbar bin, dass ich noch 2 schöne Monate mit ihm
hatte und froh bin, dass ich alles Mögliche getan habe.

Ariane und ich haben uns über Paul kennengelernt. Die beiden waren mehr
als 5 Jahre zusammen. Ich kenne Paul seit 7 Jahren.
Ariane und ich haben uns schon immer gut verstanden. Die Fronten waren
klar und frei von irgendwelchen sexuellen Spannungen.
Im letzten Jahr hat sich zwischen Ariane und mir eine absolut
platonische Liebe entwickelt.
Wir schrieben uns täglich ca. 100 SMS. Erzählten uns alles, waren immer
für einander da. Sie gab mir die Aufmerksamkeit und Zuneigung, wenn ich
sie brauchte.
Gerade in der letzten Zeit war dies sehr hilfreich. Paul wusste davon
und sagte vor einem Monat scherzhaft, dass wir eine Dreierbeziehung
führten, weil wir alles miteinander teilten, was in unseren Leben passiert.
Im letzten Jahr konnte ich Ariane immer helfen, wenn es ihr schlecht ging.
Es schien als ob ich immer die passenden Worte fande, um sie zu
besänftigen oder, um sie wieder zu klarem Kopf zu bringen. Andererseits
hatte sie das richtige Händchen, um mir bei vielen Angelegenheit und
Probleme weiterzuhelfen. Es schien, als ob allein unsere Worte uns
helfen würden.

Seit letzter Woche ist es alles schwierig. Unserer Gespräche sind
oberflächlich und sie vermeidet das Thema Paul.
Einerseits kann ich es nachvollziehen, dass sie nicht dauerhaft drüber
reden mag, da sie meine Gesellschaft und Kontakt als Ablenkung nimmt.
Ich denke, das ist in Ordnung, da sie zum Trauern viel Zeit braucht und
dafür auch alleine sein muss.
Andererseits brauche ich zur Zeit meine beste Freundin. Ich brauch sie,
um über das Thema zu reden und um Trost zu finden.
Außerdem brauche ich sie, damit sie mir bei einem Thema auf die Füße tritt.

Das Thema: Lisa

Lisa ist eine Freundin von mir. Um ehrlich zu sein wünsche ich mir seit
3 Jahren, dass sie meine Freundin ist.
Lisa ist kein Mensch der sich bei anderen meldet, ist leider sehr
gutaussehend, Monogamie ist ihr ein Fremdwort und sie ist die Königin in
Verdrängung.
Als mein Vater vor 3 Jahren starb gab sie mir alles was ich brauchte.
Aufmerksamkeit, Trost und Zuneigung. Jedoch nie körperlicher Art.
Wie ich nun so bin, verliebte ich mich dummerweise in sie. Ich lief ihr
hinterher und sie hielt mich hin. Friendzoned kann man wohl gut sagen.
Ich hätte alles für sie getan und sie war mir eine gute Freundin. Jedoch
nicht mehr.
Ariane brachte mich irgendwann dazu, dass es dumm wäre mich weiter zu
unterwerfen und trat mir in den Arsch, damit ich etwas daran änderte.
Also meldete ich nicht mehr bei ihr. Nach 2 Jahren hatte ich es endlich
geschafft, dass ich kaum noch an sie dachte.
Dies ging mehrere Monate gut, bis sie (völlig überraschend) anfang sich
oft bei mir zu melden und sich mit mir treffen wollte.
Ariane hielt mich in der Zeit immer von diesen Treffen ab, da ich mich
damit nur selbst zerstören würde.
Jedoch trafen Lisa und uns natürlich trotzdem öfter beim feiern und
hatten ab und zu mal was mit einander.
Was immer dazu führte, dass ich wieder über Wochen völlig kirre im Kopf
war. Das letzte mal ging es dieses Jahr um Weihnachten so. Also wieder
in einer Phase, wo ich emotional sehr angeschlagen war.
Ich weiß, dass ich Lisa sehr wichtig bin, da ich eine enge Beziehung zu
ihrer Mutter habe und diese mir neulich anvertraute, dass ich nach den
Eltern und der Schwester Lisas wichtigste Bezugsperson in ihrem Leben
bin. Auch, wenn sie nur selten den Kontakt zu mir sucht.
Lisa war heute ebenfalls auf der Beerdigung. Sie suchte davor und danach
den Körperkontakt zu mir. Küsste mich bei der Begrüßung auf die Wange
und versuchte meine Hand zu ergreifen.
Das erste mal in meinem Leben blieb ich hier standhaft und entzog mich
ihr. Als ich jedoch zu Hause ankam schrieb ich ihr, ob sie nicht noch
vorbeikommen wolle. Sie hatte jedoch schon getrunken und schlug mir vor,
dass ich mit dem Auto zu ihr führe und Wein mitbringe. Bei 30km
Entfernung war dies eindeutig....
Ich konnte dem widerstehen. Konnte das Treffen jedoch nicht komplett
absagen und hab es jetzt auf Freitag verschoben.

Eigentlich sagt mir mein Herz zur Zeit, dass ich hinfahren möchte, um
Trost zu finden.
Mein Kopf sagt mir ganz klar, dass es mich zerstören würde und ich den
Kontakt zu ihre abbrechen muss.
Mein Kopf sagt mir jedoch auch, dass ich kein Arschloch bin und nicht
möchte, dass sie 2 Freund in einer Woche verliert.

Ich hab eigentlich keine Ahnung, warum ich diesen Roman hier schreibe.
Vermutlich muss ich es einfach mal aufschrieben, um meine Gedanken
ordnen zu können. Ich muss es jemandem im kompletten erzählen ohne, dass
meine Gedanken wirr werden und ich die Hälfte vergesse. Ich schreibe den
Text auch, damit ich nicht zu Lisa fahre.

Aber eigentlich brauche ich einen Tipp, um Ariane zu helfen, die die
Liebe ihres Lebens verloren hat. Ich möchte ihr bei der Trauer helfen,
aber auch dabei helfen auf andere Gedanken zu kommen. Kann jedoch nicht
einschätzen, wo der Punkt ist an dem Ablenkung unangebracht ist. Ich
möchte mich ihr nicht aufdrängen, habe jedoch die Befürchtung, dass sie
sich völlig zurückzieht und in die Depression abrutscht.

Ich hoffe, ihr habt hilfreiche Worte für mich. :(

PS: Entschuldigt bitte, wenn der Text nicht fehlerfrei oder wirr ist.


Antwort
Zitat
4 Antworten
GrandeSmokio
Beigetreten: 24.11.2006
BlackMember

ob du zu lisa fahren sollst oder nicht, das weiß ich nicht, auch nicht, wie du ariane helfen kannst.

aber vielleicht solltest du auch etwas an dich denken - immerhin hast auch du einen wichtigen menschen verloren ... das schien mir in deinem text arg kurz zukommen. auch wenn es löblich ist, sich nach so einem ereignis um andere zu kümmern, solltest du auch zeit und ruhe für dich finden

.. sry dass ich nicht mehr beisteuern kann


Antwort
Zitat

Hallo Anonymous,

wenn in jungen Jahren das Sterben so nahe kommt, verändert einen das für immer. Sicher wirst Du Zeit brauchen, um für Dich auf die Reihe zu bekommen, was Dir in den letzten Wochen widerfahren ist. Lass Dir diese Zeit!

Wenn auch der Verlust groß ist, so sind die Erfahrungen, die Ihr miteinander gemacht habt, nicht umsonst. Ihr wart füreinander da. Du hast Dich als ein verlässlicher Freund erwiesen. Du hast Dich nicht unterkriegen lassen, und so wie ich Deinen Post einschätze, wirst Du das auch jetzt nicht.

In der Bibel steht der Satz: Lehre uns zu bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Du wirst festgestellt haben, dass Dir Dinge wichtiger geworden sind als früher und andere Dinge unwichtiger. Du wirst Dich selbst ein bisschen besser kennen gelernt haben.

Da kannst Du anknüpfen, auch was die Beziehungen zu anderen Menschen wie die von Dir genannten Mädchen angeht. Lass Dich nicht von den Wünschen anderer vereinnahmen, sei authentisch, sei, was Dich ausmacht. Nicht im egoistischen Sinn, indem Du allen Deinen Willen aufzwingst. Sondern weil Du erlebt hast, dass Du mit Deinem Da-Sein und So-Sein etwas Gutes bewirkst.

Nicht alle Fragen lassen sich in wenigen Tagen beantworten. Nochmals: nimm Dir die Zeit, die Du brauchst.

Gruß

wespetrev


Antwort
Zitat
aikira
Beigetreten: 05.08.2006
PokerStrategist

ich les seit fast 1 stunde den text immer wieder und probier mir zu überlegen was ich dazu schreiben könnte.

erstmal respekt, lob und anerkennung dafür was du Paul für ein guter Freund warst.

Kann mich GrandeSmokio aber auch nur anschliessen, wo bleibst am Ende du?
Eine Freundschaft besteht auch aus geben und nehmen und auch wenn du Rücksicht auf Ariane nehmen willst finde ich, hast du dass Recht mit Ihr über das zu sprechen was dich bedrückt (Paul). Ich weiss jetzt nicht ob das fordernder klingt als es soll.

zum thema lisa...ich würde probieren es so gut es geht erstmal auf eis zu legen auch wenn das wohl unmöglich ist. Aber du machst dir soviele Gedanken über deine ganzen Mitmenschen, bist für soviel der Ansprechpartner und vergisst dich am Ende komplett selbst mmn. Du erwähnst dich in deinem Roman kaum selbst, sondern schaust wie du am besten der dir aufgetragenen Verantwortung gerecht wirst.

Kannst du nciht einfach 1 Woche zu deinen Grosseltern/Freunden im Notfall nen Hotel in ner andern Stadt wo du dir einfach mal Zeit für dich nimmst zum trauern, Abstand gewinnst und mal zur Ruhe kommst.
Das ist sicher auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein aber ich bin mir sicher, dass es dir helfen wird deine Gedanken zu ordnen( so wie als du diesen Text geschrieben hast).

Ich bin mir sicher, dass beide deine Freundinnen dafür verständnis haben und komm mir nicht du willst kein Arsch sein und beide im Stich lassen, wenn du kaput bist kannst du auch niemand reperieren.

Es tut mir leid, dass ich dir nicht wirklich helfen kann,


Antwort
Zitat
PremiumFisch
Beigetreten: 07.07.2011
Poker Player

Hey!
Ich weiß jetzt ist schon ne Woche her, aber ich wusste nicht genau wie ich auf den Post antworten sollte. Dass das mit Paul so geendet ist, besonders nachdem noch einmal die Hoffnung auf seine Genesung bestand, ist sehr traurig. Meine Gedanken sind bei euch.

Im Gegensatz zu aikira finde ich, dass du Ariane ersteinmal in Ruhe lassen solltest. Jeder geht mit Schmerz anders um und sie hat sich dazu entschieden sich zurückzuziehen. Das solltest du respektieren. Schreib ihr eine kurze SMS, dass du für sie da bist, falls sie jemanden brauch. Sie wird sich schon von selber melden und dann mit dir vllt. auch wieder über Paul reden können.

Und wie geht es dir eigentlich mit der Situation? Vllt. solltest du dir wie Ariane etwas Zeit für dich nehmen, um alles zu verarbeiten. Kannst du dich keinem deiner männlichen Freunde anvertrauen?

Wegen Lisa. Tu das, was du für richtig hälst bzw. für ertragbar. Ich denke du weißt selber, dass das Hin und Her mit Lisa in naher Zukunft nicht zu verhindern ist und vllt. ist das gut so. Manche "Fehler" muss man immer wieder machen. Wenn das zwischen euch so weiter geht, denke ich wirst du irgendwann von alleine keinen Nerv mehr dafür haben.

Ich würde gerne noch irgendwas sagen, aber mir fällt nichts Gescheites ein. Einen guten Freund in so jungen Jahren zu verlieren, dass ist schlimm. Ich hoffe, dass du bald wieder klare Gedanken findest und bis dahin vor allem Ruhe. Tu das, was du für richtig hälst, was dir im Moment gut tut. Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft.


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