Hallo,
ich stehe im Moment vor einem in meinen Augen sehr großen Problem und weiß absolut nicht, wie ich damit umgehen soll. Vielleicht kann man mir hier ja den einen oder anderen guten Rat geben.
Worum geht’s?
Meine Freundin (1.5 Jahre) macht im April ihr Abitur und will danach studieren (Grundschullehramt ist im Moment ihr Wunsch). Da sie aber in der Schule immer eher faul war, ist ihr Abitur nicht wirklich gut… es wird auf irgendwas zwischen 2.4 und 2.7 rauslaufen. Deswegen hat sie bei der Wahl der Unis natürlich nur ein begrenztes Spektrum. Ich studiere bereits an der Uni Hamburg Chemie und werde im Sommersemester nun meine Bachelor-Arbeit schreiben. An die Uni Hamburg wird sie es nicht schaffen, da der NC dort für Grundschule ungefähr bei 1.8 liegt, also quasi in utopischen Dimensionen. Nun stehen wir vor dem großen Problem, wie wir weiter machen wollen.
Dazu sei vorweg gesagt, dass hier viele jetzt natürlich denken und sagen werden, dass Studium > Freundin… vllt habt ihr damit Recht, vllt ist es rational und objektiv betrachtet so… doch da ich in der Situation drinne bin, ist es natürlich eine ganz andere Situation. Desweiteren sind wir uns sehr sicher, dass es bei uns etwas langfristiges werden soll und auch eine Verlobung steht eigentlich nicht mehr in weiter Ferne. Deswegen würde ich gerne im Folgenden die Problmstellung unter der Prämisse behandeln, dass man nicht einfahc sagen kann Studium > Freundin.
Nun stellt sich eben die Frage, was macht man. Sie müsste an eine andere Uni gehen, wir müssten vermutlich ein gutes Stück wegziehen. In Hamburg hätte sie erst noch überlegt Logopädin zu werden, aber die Ausbildung kostet Geld und ihre Eltern, obwohl sie nicht arm sind, sind mit der finanziellen Unterstützung ziemlich zurückhaltend. Sie wohnt auf dem Dorf und wenn sie um 8 in Hamburg sein müsste, müsste sie grob um 4 Uhr aufstehen. Das ist halt auch nicht so das menschenwürdige Leben, aber die Eltern würden ihr keine Wohnung finanzieren, sie würden max. die Kosten für die Ausbildung (Privatschule) übernehmen. Wenn sie in Hamburg studieren würde, würden die Eltern wohl gar nichts übernehmen, wie ich das bisher verstanden habe. Diese Einstellung kotzt mich sowieso schon hart an, weil ich nicht verstehen kann, wie man seiner Tochter solche Steine in den Weg legen kann.
Desweiteren tut meine Freundin sich auch schwer damit sich umzuorientieren. Mich halten in Hamburg aber halt auch so einige Gründe.
- Die Fachbereich der Chemie in denen ich mich spezialisieren würde, da ist Hamburg die beste Uni Deutschlands, für meine Jobaussichten etc ist das also ein großer Faktor.
- Meine Familie lebt in Hamburg (lebe atm noch zu hause), meine Mutter ist allein erziehend und auch recht krank. Ich tue mich extremst schwer damit, jetzt einfach zB nach Frankfurt zu ziehen und sie alleine zu lassen. Das kann ich halt doch auch irgendwie nicht machen?
Bei einer Fernbeziehung ist sie der Meinung, dass sowas nicht halten wird und das wollen wir natürlich eben auch nicht. Es gäbe für sie evtl die Möglichkeit in Flensburg zu studieren, das wäre von Hamburg aus nur 160 km und wäre in meinen Augen eine gut überbrückbare Distanz, aber sie ist eben der Meinung das eine Fernbeziehung mit großer wahrscheinlichkeit das Todesurteil für uns wäre. Auch die Möglichkeit mit 1. Semester in Flensburg zu studieren und dann nach Hamburg zu wechseln ist sehr schwierig, da es grade bei Lehramtsstudiengängen sehr viele länderspezifische Einzelheiten gibt, die einen Uni-Wechsel extrem schwer machen.
Jetzt stehe ich halt vor dem riesigen Problem, was ich machen soll.
Einer von uns beiden wird verzichten müssen, wenn wir zusammen bleiben wollen. Und ich kann auch für ihre Seite die Argumente durchaus verstehen
- Sie macht sich, wenn sie sich umorientiert, halt schon abhängig von mir.
- Ihre Eltern sitzen ihr im Nacken, weil sie sich eben, aus ihrer Sicht verständliche, Sorgen machen, dass sie, sollte unsere Beziehung doch nicht klappen, halt ohne alles dasteht, was natürlich nicht sein kann.
Aber ich sehe halt meine Argumente genauso
- Für eine gemeinsame Zukunft ist mein Job als Chemiker halt der bei weitem rentablere, dementsprechend hat meine Ausbildung in dieser Hinsicht in meinen Augen eine gewisse Priorität, grade da Sie auch eine Freundin der klassischen Rollenteilung ist, d.h. bei einer Familiengründung (die wir auch vorhaben), würde sie auch durchaus bereit nur noch halbtags zu arbeiten und sich eben großteils um die Kindererziehung zu kümmern. Auch hier wäre dementsprechend meien gute Ausbildung um so wichtiger und die ist halt in Hamburg mehr gegeben als an anderen Unis (desweiteren macht die Uni HH im Studium auch deutlic mehr, als viele andere Unis.)
- Irgendwo in mir sehe ich es halt auch so, dass ich mir für das was ich erreicht habe, den Arsch aufgerissen habe (1.7 Schnitt im Studium, komme aus armen Verhältnissen mit auch so einigen familiären Problemen und bin teilweise etwas kränker – hatte es also nicht so leicht), während sie halt oftmals zu faul war sich mal hinzusetzen und was zu tun. Imo kann JEDER mit Fleiß ein 2.0 Abitur machen. Sie ist nicht dumm, sie ist eigtl ziemlich gebildet etc… aber sie ist sehr faul und das führte eben zu dem schlechteren Abitur. Aber warum sollte ich jetzt verzichten müssen, obwohl ich immer alles gegeben habe, schon viel weiter bin als sie, nur weil sie nie Bock hatte? Das kann ich ihr halt aber auch niemals sagen…
- Ich kann in meinen Augen auch meine Familie nicht einfach so im Stich lassen. Trotz einiger Probleme, haben sie immer zu mir gehalten, mich unterstützt und für vieles auf mich verzichtet. Soll ich meine kranke Mutter jetzt einfach alleine lassen?
Jetzt stehe ich halt da und weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll. Ich würde mich deswegen mal über Input eurerseits freuen unter der Prämisse, dass die Beziehung etwas ernsthaftes ist und auf jeden fall längerfristig ausgelegt ist und wir zusammen bleiben wollen.
Beste Grüße und vielen Dank