Hallo meine Strategen. Ich war bisher hier eher nur der stille Mitleser (meine Posts wurden meistens vor mehreren Jahren im BBV verfasst). Schon seit langer Zeit überlege ich mir, etwas zu schreiben, bisher hat mir aber die Zeit/Motivation/der Anstoss gefehlt. Da ich gesehen habe, dass ihr einem Freund von mir schon ziemlich gut geholfen habt, möchte ich nun eure Hilfe in Anspruch nehmen.
Ich weiß, dass ich hier nicht so große Probleme wie andere habe und dass es schwer ist hierdrauf zu antworten, ich würde mich einfach freuen, wenn jemand das hier liest.
Aber erst einmal zu mir:
Ich bin 25 Jahre alt, studiere derzeit noch im Master (muss eigentlich meine Masterarbeit gerade schreiben) und arbeite nebenbei in der Uni als studentische Hilfskraft. Seit 1. März wohne ich mit meiner Freundin zusammen, mit der ich vorher etwa 1 ¼ Jahre zusammen war.
Ich war eigentlich mein ganzes leben lang übergewichtig und man kannte mich auch nicht anders. Das lag zum größten Teil daran, dass ich die wohl schlechteste Ernährung aller Menschen hatte, die ich jemals kennen gelernt habe. Aus irgendwelchen Gründen (die ich selber nicht einmal verstehe) habe ich seitdem ich 2,3 Jahre alt bin kein Fleisch, keinen Fisch, kein Obst und fast kein Gemüse gegessen. Daraus folgte natürlich, dass ich mich lange nur von Kohlenhydraten (Kartoffeln, Pommes, Brot/Brötchen, Nudeln, Reis) ernährt habe und nur sehr selten mal ein paar Vitamine bekommen habe. Meine Eltern haben da sicherlich einige Fehler gemacht, da sie mir zwar versuchten zu helfen (war auch beim Psychologe), das aber nie durchgezogen wurde.
Im September 2012 habe ich mir dann meinen Fuß gebrochen (beim Fußball schauen... - ich weiß: Doof) und irgendwie kam gleichzeitig ein Umschwung in meinem Kopf, als ich mit einer Bekannten bei Skype redete. Ich dachte mir: Ich muss etwas ändern. Gleichzeitig hatte ich zwar mit dem gebrochenem Fuß immer noch viel Langeweile, aber ich konnte nicht mehr selbstständig zum Süßigkeitenschrank laufe und habe deswegen weniger gegessen. Leider habe ich in der Zeit (da ich mich nie mit Essen beschäftigt habe) fast noch schlimmer gegessen. Statt einer Tüte Chips am Tag, habe ich nur noch 3,4 trockene Brötchen gegessen. Natürlich gab es auch mal Nudeln oder andere Dinge, aber ich habe (auch durch Kalorienzählen) sehr darauf geachtet, dass ich nicht zu viel esse. Ich habe dann in ½ Jahren etwa 50 Kilo abgenommen und kam von 125 auf etwa 75 Kilo (evtl sogar noch weniger – nun bin ich jetzt auf 75 Kilo bei 1,86cm Größe). September 2013 traf ich dann meine Freundin (und viele andere Freunde) auf einem Anime-Treffen wieder und einige Leute hatten wirklich Angst um mich, da ich extrem dürr aussah. Mit meiner jetzigen Freundin habe ich mich auf dem Treffen viel unterhalten (wie schon vorher im Internet – sie dachte bis zu dem Tag noch, dass ich immer noch dick bin). Kurz danach kamen wir zusammen.
Zu meiner Situation mit meiner Freundin:
Meine jetzige Freundin war meine erste Freundin und brachte mir auch meine erste sexuelle Erfahrung. Ich habe sie schon 2007 kennengelernt und wir waren bis zum Zusammekommen immer ziemlich gut befreundet (Out of the friendzone!). Anfangs war die Situation für mich etwas schwierig, da ich ein sehr fauler, „ritualisierter“ Mensch war. Ich hatte meine bestimmten Rituale, die ich auf einmal nicht mehr durchziehen konnte. Ich hatte beispielsweise einen Freund, mit dem ich immer (über Internet) Serien zusammen geschaut habe, ich ging jede Woche mit meinem Vater ins Kino und hatte im Internet andere Dinge, die ich sehr häufig gemacht habe. Viele dieser Dinge sind auf einmal weggefallen und das war anfangs ziemlich schwer für mich. ABER: Ich habe mich dafür entschieden, da ich glaube, dass ich auch mal Veränderungen brauchte. Meine Freundin half mir auch meine Essstörungen etwa in den Griff zu bekommen, indem wir zusammen anfingen Gemüse und Obst zu probieren. Nun esse ich vegetarisch und bin damit zufrieden.
Sie hatte vor mir zwar einige Beziehungen aber keine dieser Beziehungen war (wenn ich ihr vertrauen kann) besonders gut. Aus diesem Grund hatte sie auch ihren ersten Sex mit mir. Sie hatte – von einer Psychologin bestätigt – sehr lange Beziehungsprobleme und Bindungsängste und konnte deswegen nie langfristige Beziehungen eingehen. Durch unsere Beziehung hat sie es einigermaßen geschafft (jedenfalls laut ihrer Aussage und der Aussage von Freunden) dies zu überwinden. Neben diesen Ängsten hatte sie früher Panikattacken, die heutzutage immer noch auftauchen, aber sehr selten sind und Depressionen. Depressive Phasen sind in letzter Zeit leider immer wieder gekommen, da sie im Januar ihre Bachelorarbeit (Japanologie) abgegeben hatte, wir im März zusammenzogen und sie sehr lange keine Arbeit gefunden hat. Sie bewarb sich auf viele schlechte Jobs (wie dm, Rossmann, TK-Maxx) und sie bekam wenige Antworten oder Absagen. Ein Tag Probearbeit bei Backwerk hat ihr gar nicht gefallen. Da sie am liebsten auch etwas mit Japanologie machen würde (oder irgendwas kulturelles), fand sie auch keine richtigen Jobs, auf die sie sich bewerben konnte. Nun hat sie ab dem 1. September einen Bundesfreiwilligendienst und immerhin in der Hinsicht geht es ihr etwas besser.
Nach einigen Monaten der Beziehung hatten wir unseren ersten großen Streit. Das war für mich ziemlich schwer, da ich nur sehr selten in Streitsituationen komme und ich deswegen Probleme habe, damit klarzukommen. Ein damaliger Kumpel beleidigte (über Internet) meine Freundin als „Hure“, da sie in Skype mehrere zweideutige Bemerkungen machte. Ich war an dem Tag, an dem dies passierte, unterwegs, kam nach Hause und las erst einmal (in einem Forum) nach was passierte und fühlte mich direkt zwischen den Stühlen, da sie mir vorwarf ihr nicht sofort geholfen zu haben. Nach etwas Überlegen habe ich mich dann dazu entscheiden, mit von dem „Freund“ zu trennen.
Anfang August 2014 musste sie nur noch die Bachelorarbeit schreiben, ihre WG löste sich aber auf und sie überlegte, für ein halbes Jahr zu meinen Eltern zu ziehen, bevor wir richtig zusammenziehen (auch wenn mein Elternhaus etwa 250km von ihrer Uni entfernt war). Ich machte einige „falsche“ Kommentare (ich sagte, dass ich „Angst“ habe, dass es nicht funktioniert) und sie war extrem sauer auf mich, redete einige Tage nicht mit mir und entschied, sich in eine neue WG zu ziehen (für ein halbes Jahr). Diese WG war leider ziemlich schlimm und machte sie ziemlich fertig. Wir kamen wieder aufeinander zu und verstanden uns danach ziemlich gut. Am 1. März zogen wir dann in unsere gemeinsame 50m²-Wohnung. Anfangs gefiel ihr die Wohnung nicht besonders gut, aber wir lebten uns relativ schnell in der neuen Stadt und Umgebung ein. Sie hatte nur Probleme neue Freunde zu finden, da sie kein richtiges Hobby hat (neben Cosplay). Sie ist in unserer Beziehung sicherlich der dominantere Part. Nun hat sie fast nur noch „Japan“ als Hobby. Sie war einmal vor einigen Jahren für ein knappes Jahr in Japan und hat da eine sehr schöne Zeit erlebt, manchmal denke ich, dass es ihr da besser gehen würde als hier.
Früher war sie auf einem Musikgymnasium und hat sehr viel gesungen. Dieses Singen war ihr größtes Hobby. Durch viele Probleme, hat sie das aufgegeben, kommt damit aber nicht richtig klar. Sie weiß selber, dass sie Probleme mit der „Anerkennung“ hat. Sie hat früher durch das Singen relativ viel Anerkennung bekommen. Da sie diese nicht mehr bekommt, sucht sie manchmal andere Dinge (Teilnahme an Cosplaymeisterschaften, obwohl sie das gar nicht mag), um Anerkennung zu bekommen.
Trotzdem lief die Zeit in der Wohnung (neben der Phasen aufgrund der Jobsuche) ganz gut und wir verstanden uns fast noch besser als am Anfang der Beziehung. Es gab zwar kleinere Streits, aber nicht was ich als „normal“ bezeichnen würde. Ihr Vorwurf an mich war immer, dass ich etwas „kalt“ bin und meine Gefühle nicht im Gesicht und meinem Körper gut zeigen kann. Deswegen glaubt sie manchmal, dass ich mich nicht richtig freue, wenn sie mir etwas Gutes tut. Außerdem sei ich etwas „geizig“ (das stimmt, das weiß ich selber), im Bezug auf die Wohnung aber auch besonders im Bezug auf mich selbst.
Vor knapp zwei Wochen hat sie sich leider mit ihrer besten Freundin gestritten (evtl auch ihrer einzigen richtig guten Freundin?). Die Beziehung zwischen den Beiden war leider schon immer etwas komisch, da sie sich nicht so richtig vertrauen (da früher Dinge passiert sind, die das jeweilige Vertrauen angeknackst haben). Sie haben waren beide früher sehr gute Freundinnen und sind immer mit einer dritten Person zusammen auf Cosplaytreffen gefahren. Das funktioniert nicht mehr, da meine Freundin eifersüchtig auf die dritte Person ist, da sie sich auf den Treffen anscheinend mit ihrer Freundin besser versteht. Zusätzlich glaubt meine Freundin, dass sie immer verarscht wird, da ihre Freundin häufig ihre Meinung zu bestimmten Personen/Dingen ändert. An dem besagten Tag passierte genau das. Sie unterhielten sich über die dritte Freundin, meine Freundin sagte etwas wie „Ja aber X kommt doch auch nur zu dir, wenn sie was wegen Cosplay will.“ Ihre Freundin antwortete darauf: „Nein das stimmt gar nicht“ (obwohl sie eine Woche vorher genau das selber sagte). Zusätzlich war ihre Freundin etwas angegriffen davon, dass meine Freundin sich neue Freundinnen/Freunde suchen möchte, weil sie hier in der Stadt nur Leute von mir kennt und sich so manchmal einsam fühlt. Das ist meiner Meinung nach ein vernünftiger Gedanke, ihre Freundin fühlt sich davon aber angegriffen. Als in einer späteren Situation ihre Freundin ihr noch vorwarf, dass sie nie Hilfe annehmen würde, eskalierte die Situation und ich musste die Freundin zur Straßenbahnhaltestelle bringen (sie wohnt etwa ~50km entfernt, ihr Mann arbeitete aber gerade in der Stadt und zu dem ist sie dann gefahren).
Ich habe mich schon vorher mit der Freundin ein paar mal unterhalten und sie sagte mir, dass sie glaubt, dass – ihrer Meinung nach – meine Freundin manchmal etwas fies zu mir ist. Ich bin beispielsweise etwas tollpatschig und wenn das passiert, ist sie böse auf mich, weil sie sagt, dass ein erwachsener Mann nicht mehr „stolpert“ (wobei ich nicht hinfalle, aber ja ich bin tollpatschig). Ich selber hatte auch manchmal das Gefühl, dass sie etwas gemein zu mir ist und dass für sie ihre Meinung immer richtig ist.
Nun haben wir uns gestern Abend nach längerer Zeit wieder mal gestritten, da ich nicht auf ihre Gefühle Rücksicht nehme. Ich müsste wissen, dass es ihr nicht so gut ist und mir sei es egal, dass sie sich von ihrer besten Freundin verabschieden kann (dabei redeten wir sehr lange darüber). Ich kam um kurz vor 24 Uhr nach Hause, weil ich im Kino war. Sie suchte mir im Internet einen neuen Rucksack heraus, da meiner vor 2 Tagen etwas kaputt ging (nicht komplett, aber ich brauch bald einen neuen). Es war schon sehr spät und ich sagte, dass ich um die Uhrzeit mich nicht entscheiden möchte (sie zeigte mir ein paar Rucksäcke im Internet), ich mich auch selber damit beschäftigen möchte und ich evtl lieber in einen Laden gehen möchte, da ich schauen will, welcher mir am Besten gefällt und ich die Rucksäcke gerne einmal austesten möchte. Außerdem sagte ich zu einem Rucksack, dass er mir nicht gefällt, da ich ganz vorne gerne noch eine Tasche habe. Daraufhin war sie enttäuscht, da ich angeblich nicht wertschätze, was sie alles für mich tut. Am nächsten Morgen versuchte ich mit ihr darüber zu reden, sie denkt aber, dass ich sage, dass sie „Die Böse“ ist und dass sie alles falsch macht. Nun reden wir heute nicht mehr miteinander, ich denke aber, dass es bald wieder „in Ordnung“ ist.
Zusätzlich bin ich selber gerade kurz vor meiner Masterarbeit und bin gerade in einer Phase, in der ich nicht weiß, ob ich die Arbeit überhaupt so schaffen kann, wie ich es mir mal gedacht habe. Ich melde die Arbeit nächste Woche an und kam bisher auch immer ganz gut durchs Studium, aber nun frage ich mich, ob ich es wirklich schaffe. Ich denke, dass ich einfach ein bisschen Angst habe.
Warum schreibe ich das alles? Ich wollte mir das einfach mal von der Seele schreiben.Ich denke ich musste das einfach einmal schreiben, da ich kaum jemanden habe, mit dem ich darüber reden kann.
Ich weiß auch nicht, was ihr mir für Ratschläge geben sollt. Ich habe schon ein paar mal darüber nachgedacht, ob ich in der Beziehung überhaupt glücklich bin. Meistens denke ich: Ja, in einigen Situationen denke ich aber, dass es eventuell besser für uns beide wäre, wenn die Beziehung nicht bestehen würde. Auf der anderen Seite weiß ich, dass ich derzeit die letzte Person im Leben meiner Freundin bin, die „zu ihr hält“. Ich weiß nicht was passieren würde, wenn es aus wäre.
Ihr dürft mir hier im Thread gerne Fragen stellen und ich versuche die Fragen so gut wie es geht zu beantworten. Ich habe sicherlich einige Dinge vergessen.
Ich danke euch schon einmal für die Hilfe, bzw. eure Ohren.