Hi,
ich weiss überhaupt nicht wo ich posten soll, passt wohl in Selbstmanagement, aber auch in Philosophie und vor allem in die Sorgenhotline.
Zur Situation:
Das Umfeld in dem ich aufgewachsen bin, damit mein ich Familie, Lehrer, Freunde, Bekannte, Vereine usw., eben alles was einen Menschen prägt, hat mir keine wirklich guten Dienste erwiesen. Ich bin so frei und gebe denen, die mich großgezogen haben, die Schuld für alles was bisher schief gelaufen ist, weiß aber gleichzeitig, dass es alleine an mir liegt, jetzt etwas zu verändern.
Angefangen bei meiner Familie, es war immer ein recht kühles Verhältnis, es wurden selten Gefühle gezeigt und noch seltener drüber gesprochen, Scheidungskind. Bin mit meiner Mutter zu nem anderen gezogen bis da auch schluss war, dann wieder umgezogen (alles innerhalb eines Ortes von ~1500 Einwohnern). Jetzt ist sie wieder mit einem zusammen der auch hier im Ort wohnt und eigentlich nur noch bei dem, ich seh sie 1-2 mal die Woche. Sozusagen wohn ich momentan alleine. Wenn ich mal 2-3 Tage nicht zu Hause bin fällt das keinem auf, obwohl meine Mutter keine 1000m Luftlinie weg ist. Im Januar zieht mein Onkel aus seinem Haus aus, dann zieht meine Mutter mit ihrem Freund dort ein (und ich auch). Meine Mutter war seit der Scheidung mit mindestens vier (von vieren weiß ich halt bescheid) Männern zusammen, das zeigt schon wie unfähig sie ist eine Beziehung zu führen. Auch mit ihrem aktuellen Freund hat sie schon Schluss gemacht gehabt, nur um ne Woche später wieder zu ihm zu rennen.
Lehrerinnen waren in der Grundschule und SekI auch nicht das Gelbe vom Ei. Das Problem liegt imo teilweise schon darin, dass ich hauptsächlich Frauen als Lehrer hatte. Frauen ziehen Kinder anders groß als Männer, die Kinder neigen unter Frauen einfach mehr dazu "niceguys" zu werden, zu verweichlichen usw.
Tyler Durden sagt das in Fight Club ganz treffend, we are a generation raised by women, I wonder, if an other woman is really the answer we need.
Das Umfeld im Verein war sicherlich auch bedeutend für mich, ich hab bis zur E-Jugend Fußball gespielt und war Torwart. Und wie das in der frühen Jugend halt so ist, der Buhmann bei jedem Gegentor. Bei den Erwachsenen ist es die Abwehr, bei den Kindern eben immer der Torwart, was lässt der den auch rein.
Wenn dann bei jedem Gegentor auf einem rumgehackt wird hinterlässt das sicherlich Spuren. Ich hab mich auch nie wohl gefühlt im Fußball, aus genau diesem Grund. Mit 8 hab ich auch das Schießen angefangen, kam da über meinen Vater dazu. Das war auch der Grund warum ich aufgehört hab Fußball zu spielen. Ich wurde sehr erfolgreich im Schießen, war schnell im Landeskader, stand vor der Nationalmannschaft, hab auf Landesebene alles mit Leichtigkeit gewonnen. Im Verein konnte mir schnell keiner mehr etwas beibringen, im Landeskader wurde Vetternwirtschaft betrieben, ich kam im Prinzip aus dem falschen Verein, hab nie die Förderung erfahren wie andere (auch wenn sich das jetzt nach Ausrede anhört). Bin dann auf meinem Niveau stecken geblieben, hatte aber im Kopf, dass ich sowieso alles gewinn, und bin dann regelmäßig auf die Nase gefallen. Je älter ich wurde desto weiter wurde ich nach hinten durchgereicht. Jetzt ist mir das alles klar geworden, ich trainier besser, kümmer mich selbst um meine Leistung und bin auch auf nem guten Weg wieder zurück nach oben.
Freunde waren zu Grundschulzeiten die, die auch im Fußball auf mir rumgehackt haben und beim Kicken auf dem Bolzplatz auch immer beschissen haben (Regeln immer so geändert, dass es ihnen passt usw.). Da konnte ich dann halt nie wirkliche Freundschaften aufbauen. Auf dem Gymnasium gabs dann andere Probleme, ich war einer von denen, die am weitesten weg wohnten, konnte die Schulfreunde nie nach der Schule treffen und so wurden das halt alles weniger echte Freunde und mehr Schulkameraden, mehr auch nicht. Das hat sich so dann halt durch die einzelnen Jahrgänge verfestigt und dann waren die Kontakte in der Oberstufe auch einfach nicht die intensivsten, zumal mein bester Freund weggezogen ist.
Warum ist das alles wichtig?
Nun, solche Erlebnisse prägen einen Menschen, auch vermeintlich unwichtige Erlebnisse. Wenn die Eltern ihrem Kleinkind ständig sagen, was es alles nicht kann, brennt sich das ins Unterbewusstsein ein. Es kann nicht gut für ein Kind sein wenn es ständig zu hören bekommt was es alles nicht kann und nicht darf.
So wurde ich halt unfähig Gefühle zu zeigen weil das in meiner Familie nicht üblich war, es fällt mir auch heute noch schwer über sowas zu reden. Mein Selbstbewusstsein ist nicht das beste, eben weil mir schon als Kind im Fußball immer wieder klar gemacht wurde, ich bin an allem schuld, ich hab das Spiel verloren. Ich bins gewohnt wenig zu tun und trotzdem zu gewinnen, weil das anfangs im Schießen halt so war.
Probleme im sozialen Verhalten, einschließlich Frauen, kennen sicher einige die hier lesen (
). Das kreide ich einerseits auch meiner Familie an. Eine typische Situation die man täglich beobachten kann, eine Mutter ist mit ihrem Kind in der Öffentlichkeit, das Kind ist von etwas begeistert (z.B. ein Baustellenkran), ruft "Mama, kuck mal", und die Mutter, der das in aller Öffentlichkeit peinlich ist, ignoriert ihr Kind oder ermahnt es still zu sein und zeigt ihm damit, dass man sich in der Öffentlichkeit möglichst ruhig und unauffällig verhalten soll. So werden keine Redner gemacht. So in etwa waren auch meine Eltern. Andererseits geb ich da dem PC die Schuld, vor dem hab ich meine halbe Jugend verbracht und dadurch einiges an sozialer Kompetenz eingebüst (was man wiederum den Eltern zuschreiben könnte, die hätten meine PC-Nutzung auch einschränken können).
Das könnte man endlos so fortführen, und natürlich gibts auch gute Eigenschaften die mir "antrainiert" wurden.
Und jetzt?
Ich denke es ist irgendwo berechtigt, für meine Misere den "Verantwortlichen" die Schuld zu geben. Wenn ich nichts ändere kann ich dafür aber nur mir selbst die Schuld geben, und das will ich nicht. Ich hab schon einige Dinge ändern können, z.B. seh ich Erfolg nicht mehr als geschenkt an und weiss, dass viel Arbeit dahinter steckt. Auch an der sozialen Kompetenz arbeite ich, wobei das wohl ein Effekt ist den fast jeder Nerd erlebt wenn er erwachsen wird, man wird einfach oft in soziale Interaktionen gezwungen und lernt automatisch.
Und wo ist das Problem?
Das Problem ist wohl, dass ich, solang ich in dem Umfeld bin, das mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin, mich nicht wirklich werde ändern können. Ich kann die "Symptome" vielleicht lindern, allerdings in diesem Umfeld nie loswerden. Nachdem ich mich mehr mit der Psychologie beschäftigt hab fällt mir mittlerweile ständig auf, wie immer noch diese negativen Einflussnahmen auf mich einrieseln sobald jemand den Mund aufmacht. Natürlich macht das keiner bewusst und absichtlich. Das ist wohl viel mehr von den eigenen Eltern übernommen und wird dann unbewusst an die Kinder weitergegeben.
Ich möchte also aus diesem Umfeld rauskommen und stoße direkt auf innere Widerstände - dummerweise ist eben auch eine typisch negative Eigenschaft, dass man Dinge nicht loslassen kann und es sich lieber im warmen Nest gemütlich macht als raus zu gehen und auch mal Risiken in Kauf zu nehmen. Neuem gegenüber skeptisch zu sein ist eine richtig beschissene Einstellung die sich quer durch unsere Gesellschaft zieht. Das äußert sich dann auch darin, dass viele von der großen Freiheit träumen, was sie alles machen würden wenn sie genug Geld hätten blablabla... Dann werden die fadenscheinigsten Gründe erfunden warum etwas nicht geht und vielleicht doch nicht so toll ist und man es lieber sein lassen sollte.
Scheinbar reicht das bewusste Wissen um diesen Umstand aber nicht, weil der innere Widerstand wohl nicht immer nur mit Rationalität zu überwinden ist.
Ich hab also gleich ein doppeltes Problem: Ich weiss zwar, dass ich von hier weg muss, ausbrechen, aber ich weiss nicht wohin, und selbst wenn ich es wüsste, ich weiss nicht, ob ich es wirklich tun würde.
Das "von hier weg Gehen" ist mir auch noch etwas rätselhaft - ich weiss nicht, ob es ausreichen würde z.B. in eine andere Stadt zu ziehen, einen neuen Freundeskreis aufzubauen usw. Das wäre eventuell nur ein Tapetenwechsel, man bleibt aber im selben Zimmer sitzen. Das kann aber auch vielleicht nur von mir so gesehen werden, weil ich momentan generell an unserer seelenlosen, sinnentleerten Gesellschaft zweifle. Ein Leben als Mönch oder als Aussteiger im Wald wär da sicherlich ein echter Umbruch, vielleicht aber auch zu viel des Guten.
Ich werd im Dezember ne fünfmonatige Reise durch SüdOst-Asien machen, alleine, das wird mir bestimmt helfen und mir eine Pause geben. Ich kann mir auch von der Reise die Erleuchtung erhoffen, realistischer ist es aber wohl wenn ich erwarte, dass sich durch die Reise zwar etwas ändert, das aber nur temporär der Fall ist. 20 Jahre werden nicht durch 5 Monate ausgehebelt. Irgendwann, vermutlich einige Wochen bis Monate nach der Rückkehr, werde ich in die alten Muster zurückfallen und die Reise wird nicht mehr sein als eine tolle Erinnerung.
Ich muss mich also aktiv um die Zeit bis zur Reise und die Zeit nach der Reise kümmern und darf nicht denken, die Eindrücke meiner Auszeit regeln das schon. Aber wie kann ich das machen? Ich weiss, ich muss weg, aber ich weiss nicht wohin (das soll jetzt nicht (nur) geographisch verstanden werden).
Ich werd im Mai zurückkommen (falls ich zurückkomme
)und im Oktober studieren. Dass ich nicht hier wohne bleibe und um die Ecke studiere ist klar, ich will auf jeden Fall in ne andere Stadt. Aber wird das schon reichen? Nur ein Tapetenwechsel?
Naja das ist jetzt ziemlich lang geworden, cliffs gibts keine, lest es oder lasst es bleiben.
€dit: Beim zweiten Lesen ist das glaub ich besser in der Sorgenhotline aufgehoben, was meinen die Mods?