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[Geschlossen] Weg von hier, aber wohin?

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Krach-Bumm-Ente
Beigetreten: 01.05.2006
BlackMember

Hi,

ich weiss überhaupt nicht wo ich posten soll, passt wohl in Selbstmanagement, aber auch in Philosophie und vor allem in die Sorgenhotline.

Zur Situation:

Das Umfeld in dem ich aufgewachsen bin, damit mein ich Familie, Lehrer, Freunde, Bekannte, Vereine usw., eben alles was einen Menschen prägt, hat mir keine wirklich guten Dienste erwiesen. Ich bin so frei und gebe denen, die mich großgezogen haben, die Schuld für alles was bisher schief gelaufen ist, weiß aber gleichzeitig, dass es alleine an mir liegt, jetzt etwas zu verändern.

Angefangen bei meiner Familie, es war immer ein recht kühles Verhältnis, es wurden selten Gefühle gezeigt und noch seltener drüber gesprochen, Scheidungskind. Bin mit meiner Mutter zu nem anderen gezogen bis da auch schluss war, dann wieder umgezogen (alles innerhalb eines Ortes von ~1500 Einwohnern). Jetzt ist sie wieder mit einem zusammen der auch hier im Ort wohnt und eigentlich nur noch bei dem, ich seh sie 1-2 mal die Woche. Sozusagen wohn ich momentan alleine. Wenn ich mal 2-3 Tage nicht zu Hause bin fällt das keinem auf, obwohl meine Mutter keine 1000m Luftlinie weg ist. Im Januar zieht mein Onkel aus seinem Haus aus, dann zieht meine Mutter mit ihrem Freund dort ein (und ich auch). Meine Mutter war seit der Scheidung mit mindestens vier (von vieren weiß ich halt bescheid) Männern zusammen, das zeigt schon wie unfähig sie ist eine Beziehung zu führen. Auch mit ihrem aktuellen Freund hat sie schon Schluss gemacht gehabt, nur um ne Woche später wieder zu ihm zu rennen.

Lehrerinnen waren in der Grundschule und SekI auch nicht das Gelbe vom Ei. Das Problem liegt imo teilweise schon darin, dass ich hauptsächlich Frauen als Lehrer hatte. Frauen ziehen Kinder anders groß als Männer, die Kinder neigen unter Frauen einfach mehr dazu "niceguys" zu werden, zu verweichlichen usw.
Tyler Durden sagt das in Fight Club ganz treffend, we are a generation raised by women, I wonder, if an other woman is really the answer we need.

Das Umfeld im Verein war sicherlich auch bedeutend für mich, ich hab bis zur E-Jugend Fußball gespielt und war Torwart. Und wie das in der frühen Jugend halt so ist, der Buhmann bei jedem Gegentor. Bei den Erwachsenen ist es die Abwehr, bei den Kindern eben immer der Torwart, was lässt der den auch rein.
Wenn dann bei jedem Gegentor auf einem rumgehackt wird hinterlässt das sicherlich Spuren. Ich hab mich auch nie wohl gefühlt im Fußball, aus genau diesem Grund. Mit 8 hab ich auch das Schießen angefangen, kam da über meinen Vater dazu. Das war auch der Grund warum ich aufgehört hab Fußball zu spielen. Ich wurde sehr erfolgreich im Schießen, war schnell im Landeskader, stand vor der Nationalmannschaft, hab auf Landesebene alles mit Leichtigkeit gewonnen. Im Verein konnte mir schnell keiner mehr etwas beibringen, im Landeskader wurde Vetternwirtschaft betrieben, ich kam im Prinzip aus dem falschen Verein, hab nie die Förderung erfahren wie andere (auch wenn sich das jetzt nach Ausrede anhört). Bin dann auf meinem Niveau stecken geblieben, hatte aber im Kopf, dass ich sowieso alles gewinn, und bin dann regelmäßig auf die Nase gefallen. Je älter ich wurde desto weiter wurde ich nach hinten durchgereicht. Jetzt ist mir das alles klar geworden, ich trainier besser, kümmer mich selbst um meine Leistung und bin auch auf nem guten Weg wieder zurück nach oben.

Freunde waren zu Grundschulzeiten die, die auch im Fußball auf mir rumgehackt haben und beim Kicken auf dem Bolzplatz auch immer beschissen haben (Regeln immer so geändert, dass es ihnen passt usw.). Da konnte ich dann halt nie wirkliche Freundschaften aufbauen. Auf dem Gymnasium gabs dann andere Probleme, ich war einer von denen, die am weitesten weg wohnten, konnte die Schulfreunde nie nach der Schule treffen und so wurden das halt alles weniger echte Freunde und mehr Schulkameraden, mehr auch nicht. Das hat sich so dann halt durch die einzelnen Jahrgänge verfestigt und dann waren die Kontakte in der Oberstufe auch einfach nicht die intensivsten, zumal mein bester Freund weggezogen ist.

Warum ist das alles wichtig?

Nun, solche Erlebnisse prägen einen Menschen, auch vermeintlich unwichtige Erlebnisse. Wenn die Eltern ihrem Kleinkind ständig sagen, was es alles nicht kann, brennt sich das ins Unterbewusstsein ein. Es kann nicht gut für ein Kind sein wenn es ständig zu hören bekommt was es alles nicht kann und nicht darf.
So wurde ich halt unfähig Gefühle zu zeigen weil das in meiner Familie nicht üblich war, es fällt mir auch heute noch schwer über sowas zu reden. Mein Selbstbewusstsein ist nicht das beste, eben weil mir schon als Kind im Fußball immer wieder klar gemacht wurde, ich bin an allem schuld, ich hab das Spiel verloren. Ich bins gewohnt wenig zu tun und trotzdem zu gewinnen, weil das anfangs im Schießen halt so war.
Probleme im sozialen Verhalten, einschließlich Frauen, kennen sicher einige die hier lesen ( :P ). Das kreide ich einerseits auch meiner Familie an. Eine typische Situation die man täglich beobachten kann, eine Mutter ist mit ihrem Kind in der Öffentlichkeit, das Kind ist von etwas begeistert (z.B. ein Baustellenkran), ruft "Mama, kuck mal", und die Mutter, der das in aller Öffentlichkeit peinlich ist, ignoriert ihr Kind oder ermahnt es still zu sein und zeigt ihm damit, dass man sich in der Öffentlichkeit möglichst ruhig und unauffällig verhalten soll. So werden keine Redner gemacht. So in etwa waren auch meine Eltern. Andererseits geb ich da dem PC die Schuld, vor dem hab ich meine halbe Jugend verbracht und dadurch einiges an sozialer Kompetenz eingebüst (was man wiederum den Eltern zuschreiben könnte, die hätten meine PC-Nutzung auch einschränken können).
Das könnte man endlos so fortführen, und natürlich gibts auch gute Eigenschaften die mir "antrainiert" wurden.

Und jetzt?

Ich denke es ist irgendwo berechtigt, für meine Misere den "Verantwortlichen" die Schuld zu geben. Wenn ich nichts ändere kann ich dafür aber nur mir selbst die Schuld geben, und das will ich nicht. Ich hab schon einige Dinge ändern können, z.B. seh ich Erfolg nicht mehr als geschenkt an und weiss, dass viel Arbeit dahinter steckt. Auch an der sozialen Kompetenz arbeite ich, wobei das wohl ein Effekt ist den fast jeder Nerd erlebt wenn er erwachsen wird, man wird einfach oft in soziale Interaktionen gezwungen und lernt automatisch.

Und wo ist das Problem?

Das Problem ist wohl, dass ich, solang ich in dem Umfeld bin, das mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin, mich nicht wirklich werde ändern können. Ich kann die "Symptome" vielleicht lindern, allerdings in diesem Umfeld nie loswerden. Nachdem ich mich mehr mit der Psychologie beschäftigt hab fällt mir mittlerweile ständig auf, wie immer noch diese negativen Einflussnahmen auf mich einrieseln sobald jemand den Mund aufmacht. Natürlich macht das keiner bewusst und absichtlich. Das ist wohl viel mehr von den eigenen Eltern übernommen und wird dann unbewusst an die Kinder weitergegeben.
Ich möchte also aus diesem Umfeld rauskommen und stoße direkt auf innere Widerstände - dummerweise ist eben auch eine typisch negative Eigenschaft, dass man Dinge nicht loslassen kann und es sich lieber im warmen Nest gemütlich macht als raus zu gehen und auch mal Risiken in Kauf zu nehmen. Neuem gegenüber skeptisch zu sein ist eine richtig beschissene Einstellung die sich quer durch unsere Gesellschaft zieht. Das äußert sich dann auch darin, dass viele von der großen Freiheit träumen, was sie alles machen würden wenn sie genug Geld hätten blablabla... Dann werden die fadenscheinigsten Gründe erfunden warum etwas nicht geht und vielleicht doch nicht so toll ist und man es lieber sein lassen sollte.
Scheinbar reicht das bewusste Wissen um diesen Umstand aber nicht, weil der innere Widerstand wohl nicht immer nur mit Rationalität zu überwinden ist.
Ich hab also gleich ein doppeltes Problem: Ich weiss zwar, dass ich von hier weg muss, ausbrechen, aber ich weiss nicht wohin, und selbst wenn ich es wüsste, ich weiss nicht, ob ich es wirklich tun würde.

Das "von hier weg Gehen" ist mir auch noch etwas rätselhaft - ich weiss nicht, ob es ausreichen würde z.B. in eine andere Stadt zu ziehen, einen neuen Freundeskreis aufzubauen usw. Das wäre eventuell nur ein Tapetenwechsel, man bleibt aber im selben Zimmer sitzen. Das kann aber auch vielleicht nur von mir so gesehen werden, weil ich momentan generell an unserer seelenlosen, sinnentleerten Gesellschaft zweifle. Ein Leben als Mönch oder als Aussteiger im Wald wär da sicherlich ein echter Umbruch, vielleicht aber auch zu viel des Guten.

Ich werd im Dezember ne fünfmonatige Reise durch SüdOst-Asien machen, alleine, das wird mir bestimmt helfen und mir eine Pause geben. Ich kann mir auch von der Reise die Erleuchtung erhoffen, realistischer ist es aber wohl wenn ich erwarte, dass sich durch die Reise zwar etwas ändert, das aber nur temporär der Fall ist. 20 Jahre werden nicht durch 5 Monate ausgehebelt. Irgendwann, vermutlich einige Wochen bis Monate nach der Rückkehr, werde ich in die alten Muster zurückfallen und die Reise wird nicht mehr sein als eine tolle Erinnerung.
Ich muss mich also aktiv um die Zeit bis zur Reise und die Zeit nach der Reise kümmern und darf nicht denken, die Eindrücke meiner Auszeit regeln das schon. Aber wie kann ich das machen? Ich weiss, ich muss weg, aber ich weiss nicht wohin (das soll jetzt nicht (nur) geographisch verstanden werden).

Ich werd im Mai zurückkommen (falls ich zurückkomme :f_biggrin: )und im Oktober studieren. Dass ich nicht hier wohne bleibe und um die Ecke studiere ist klar, ich will auf jeden Fall in ne andere Stadt. Aber wird das schon reichen? Nur ein Tapetenwechsel?

Naja das ist jetzt ziemlich lang geworden, cliffs gibts keine, lest es oder lasst es bleiben.

€dit: Beim zweiten Lesen ist das glaub ich besser in der Sorgenhotline aufgehoben, was meinen die Mods?


12 Antworten
michimanni
Beigetreten: 03.08.2006
Elite Grinder

Moin Krach-Bumm-Ente,

mir fällt bei Deinem Post auf, dass Du jegliche Selbtkritik vermissen lässt. Ja, Du hast recht, natürlich prägt einen das soziale Umfeld und ja, die beschriebenen Umstände sind sicher nicht immer ideal gewesen. Es ist auch sicherlich traumatisch, wenn man als Kind immer nur getadelt und nie gelobt wird. Man kann aber durchaus selbst etwas an seinem Leben verändern - auch in jungen Jahren!
Ein Beispiel: Du hattest das Gefühl im Fußballverein der Buhmann im Tor zu sein? Warum hast Du dann nicht insistiert und gesagt, dass Du diese Position zukünftig nicht mehr bekleiden willst? Ich habe zwischen F- und C-Jugend so ziemlich jede Position mal gespielt und war auch als Torwart sicher nicht immer nur der Depp.
Anderes Beispiel: Du hast in der Schulzeit am weitesten weg gewohnt. Sicher, so lassen sich Freundschaften schwieriger bilden, es macht es aber auch nicht unmöglich. Man muss es eben auch wollen!
Ein Halbsatz von Dir ließ mich wirklich mit dem Kopf schütteln:

Original von Krach-Bumm-Ente
Ich bins gewohnt wenig zu tun und trotzdem zu gewinnen...

Hier liegt imo die Quintessenz Deiner heutigen Probleme: Du hast es Dir zu leicht gemacht. Du hast die Dinge, die Dir leicht von der Hand gingen, akzeptiert. Die, die Dir nicht so leicht von der Hand gingen (z.B. die Gründung und Aufrechterhaltung von Freundschaften), die wurden entweder vernachlässigt oder gar nicht erst angepackt.

Zu Deinem "Problem": Wenn ich das richtig sehe, bist Du 20 Jahre alt, also alt genug um die Belange, die für Dich von Bedeutung sind, selbst anzugehen. Dann bekomme Deinen Allerwertesten hoch und packe es an! 5 Monate Südostasien ist eine schöne Sache, aber sobald Du wieder in D bist, wird Dich Dein Alltag auch schnell wieder einholen. Von daher solltest DU daran arbeiten, Dir einen Alltag zu schaffen, wie Du ihn haben willst! Du willst studieren? Okay, dann hole Dir die Information, die Du brauchst, um Dich für eine Uni zu entscheiden. Du fühlst Dich in Deinem aktuellen Umfeld nicht wohl? Dann ändere Dein Umfeld und ziehe um. Der Schlüssel, zu dem Leben wie DU es führen willst, lautet Eigeninitiative! Und die solltest Du imo dringend an den Tag legen, wenn Du unzufrieden bist.

Gruß,
michimanni

Original von Krach-Bumm-Ente
€dit: Beim zweiten Lesen ist das glaub ich besser in der Sorgenhotline aufgehoben, was meinen die Mods?

Verschoben in die Sorgenhotline: Allgememein.

Gruß,
michimanni


Casihasi
Beigetreten: 14.02.2008
Oldschool Grinder

Hey,

Das eigentlich schlimme ist: Ich glaube selbst, dass Du weißt wo Dein Problem liegt. Daher mag der Text etwas provokativ wirken.. Ist aber auf keinen Fall bösartig gemeint.

Kann Michi nur zustimmen. Für mich liest sich der Text als alleinige Rechtfertigung Dir selbst gegenüber, dass Du so bist wie Du bist. Das Hirn von uns is halt so programmiert, dass wir nie selbst an etwas schuld sind. Nicht umsonst sehen sich alle Menschen als gute Menschen und haben prinzipiell und immer recht. Auch wenn sie egomanische Masochisten sind. (Ich bin da keine Ausnahme.) Du beschreibst das Kernproblem ja selbst..

"Ich möchte also aus diesem Umfeld rauskommen und stoße direkt auf innere Widerstände - dummerweise ist eben auch eine typisch negative Eigenschaft, dass man Dinge nicht loslassen kann und es sich lieber im warmen Nest gemütlich macht als raus zu gehen und auch mal Risiken in Kauf zu nehmen."

Du bist eventuell nicht der, der sich nach der Nestwärme sehnt.. Ich würde Dich mehr als Blatt im Wind sehen, dass sich treiben lässt und immer auf der Suche nach dem geringsten Widerstand sucht um langsam durchs Leben zu treiben. Das kann auch ne schön sein.. Fühl mich da selber bei ertappt wie ich das schreibe. Nur Muss man dann auch wissen, dass einen der Rückenweg in die richtige Richtung treibt und gegensteuern, wenn die Flugrichtung nicht mehr der gewünschten entspricht. ;)

Ja, Dein Umfeld ist nicht perfekt.. Aber Du gefällst Dir in Deiner Opferrolle auch verdammt gut. Du bist nicht Opfer Deines Umfelds. Wessen Umfeld war oder ist das schon perfekt? Wenn Du mit Dir selbst nicht zufrieden bist dann ist die Frage was verkehrt lief sicher richtig und wichtig.. Aber nur um diese Fehler später an seinen eigenen Kindern nicht auch zu wiederholen und nicht, um als Ausrede zu dienen. Den eigenen Anteil daran oder ein Hauch von Selbstkritik fehlt da vollständig.

Anstatt die Probleme anzugehnen krallst Du Dich an Deine Asienreise, die eher nach dem nächsten Lüftchen (ich nenns mal Fluchreflex) aussieht als nach einem aktiven Angehen der Probleme. Wieder halt der Weg des geringeren Widerstandes. Was möchtest Du in der Zeit davor machen? 10 Wochen hier rumgammeln, in welchem Du nicht zufrieden bist? Und das Halbe jahr danach bis zum Beginn des Studiums? Du lebst nur einmal (außer Du glaubst an etwas anderes dann: Man wird nur einmal so geboren! ;) ). Jede Sekunde ist wertvoll.. Verschwende Deine Zeit nicht.

Ins Bild dazu passt, dass Du Dich selbst als Nerd bezeichnest und Dich somit selbst an den Rand stellst mit Deinen Ausreden, da sie Dir eine Rechtfertigung liefern so zu sein. Anstatt der Überzeugung zu sein: "Ich mache hier etwas was nicht alltäglich ist und es ist großartig!" Kommt bei Dir "Ich Nerd.." Wenn Du nicht findest, dass das was Du tust etwas großartiges ist, dann lass es und mach etwas anderes! Niemand hindert Dich daran außer Dein Selbstwertgefühl und Deine Trägheit.

Gruß,
Casi


Krach-Bumm-Ente Themenstarter
Krach-Bumm-Ente
Beigetreten: 01.05.2006
BlackMember

Original von Casihasi
Hey,

Das eigentlich schlimme ist: Ich glaube selbst, dass Du weißt wo Dein Problem liegt. Daher mag der Text etwas provokativ wirken.. Ist aber auf keinen Fall bösartig gemeint.

Kann Michi nur zustimmen. Für mich liest sich der Text als alleinige Rechtfertigung Dir selbst gegenüber, dass Du so bist wie Du bist. Das Hirn von uns is halt so programmiert, dass wir nie selbst an etwas schuld sind. Nicht umsonst sehen sich alle Menschen als gute Menschen und haben prinzipiell und immer recht. Auch wenn sie egomanische Masochisten sind. (Ich bin da keine Ausnahme.) Du beschreibst das Kernproblem ja selbst..

Klar trag ich auch selbst eine gewisse Mitschuld, aber in den meisten Fällen wusste ich es damals auch einfach nicht besser. Die exzessive PC-Nutzung z.B., ich fand das damals cool, heute wär mir lieber gewesen, dass meine Eltern zu meinem eigenen Wohl meine Zeit am PC eingeschränkt hätten, auch wenn mir das damals wohl gegen den Strich gegangen wär. Was michi sagte, im Fußball mal auf ner anderen Position spielen - das ging bei uns nicht so einfach. Ich wollte auch mal woanders spielen und hab das auch dem Trainer gesagt, allerdings war ich halt schon immer der Torwart und wohl auch der beste Torwart in der Mannschaft (respektive eher schwach auf anderen Positionen).

"Ich möchte also aus diesem Umfeld rauskommen und stoße direkt auf innere Widerstände - dummerweise ist eben auch eine typisch negative Eigenschaft, dass man Dinge nicht loslassen kann und es sich lieber im warmen Nest gemütlich macht als raus zu gehen und auch mal Risiken in Kauf zu nehmen."

Du bist eventuell nicht der, der sich nach der Nestwärme sehnt.. Doch das denke ich schon, aber das Nest in dem ich gerade sitze ist eben nicht so, wie ich es gerne hätte. Dennoch gibt es Widerstände einfach zu gehen. Ich würde Dich mehr als Blatt im Wind sehen, dass sich treiben lässt und immer auf der Suche nach dem geringsten Widerstand sucht um langsam durchs Leben zu treiben. Das kann auch ne schön sein.. Fühl mich da selber bei ertappt wie ich das schreibe. Nur Muss man dann auch wissen, dass einen der Rückenweg in die richtige Richtung treibt und gegensteuern, wenn die Flugrichtung nicht mehr der gewünschten entspricht. ;)

Ja, Dein Umfeld ist nicht perfekt.. Aber Du gefällst Dir in Deiner Opferrolle auch verdammt gut. Du bist nicht Opfer Deines Umfelds. Wessen Umfeld war oder ist das schon perfekt? Wenn Du mit Dir selbst nicht zufrieden bist dann ist die Frage was verkehrt lief sicher richtig und wichtig.. Aber nur um diese Fehler später an seinen eigenen Kindern nicht auch zu wiederholen und nicht, um als Ausrede zu dienen. Den eigenen Anteil daran oder ein Hauch von Selbstkritik fehlt da vollständig.

Ich hätte auch kein perfekte Umfeld erwartet, bin aber in einigen Belangen doch schon von meiner Familie enttäuscht. Und auch sowas wie Mobbing in der Schule ist einfach nicht meine Schuld.
Ja, in vielen Dingen bin ich auch selbst schuld und hab einiges versäumt, aber es bringt nichts mir das jetzt ständig vorzuhalten. Wichtig ist es eben jetzt das Zepter selbst in die Hand zu nehmen um mir später nicht erneut, und dann in vollem Umfang die Schuld zuschieben zu müssen.

Anstatt die Probleme anzugehnen krallst Du Dich an Deine Asienreise, die eher nach dem nächsten Lüftchen (ich nenns mal Fluchreflex) aussieht als nach einem aktiven Angehen der Probleme. Das stimmt so nicht, ich hab doch selbst geschrieben, dass die Reise ohne eigene, aktive Arbeit keinen anhaltenden Effekt haben wird und nur zu einer Erinnerung in der alten Tretmühle wird. Wieder halt der Weg des geringeren Widerstandes. Was möchtest Du in der Zeit davor machen? 10 Wochen hier rumgammeln, in welchem Du nicht zufrieden bist? Und das Halbe jahr danach bis zum Beginn des Studiums? Das ist eben die Frage. Ich weiss es ja auch nicht. Da ich aber mehr oder weniger alleine wohne sind die 8 Wochen nicht unbedingt problematisch. Die meiste Zeit bin ich sowieso am grinden. Du lebst nur einmal (außer Du glaubst an etwas anderes dann: Man wird nur einmal so geboren! ;) ). Jede Sekunde ist wertvoll.. Verschwende Deine Zeit nicht.

Ins Bild dazu passt, dass Du Dich selbst als Nerd bezeichnest und Dich somit selbst an den Rand stellst mit Deinen Ausreden, da sie Dir eine Rechtfertigung liefern so zu sein. Anstatt der Überzeugung zu sein: "Ich mache hier etwas was nicht alltäglich ist und es ist großartig!" Kommt bei Dir "Ich Nerd.." Wenn Du nicht findest, dass das was Du tust etwas großartiges ist, dann lass es und mach etwas anderes! Niemand hindert Dich daran außer Dein Selbstwertgefühl und Deine Trägheit. Ich denke die Bereitschaft etwas zu ändern hab ich schon gezeigt, ich wähne mich nicht nur in meiner Opferrolle und versinke in Selbstmitleid wie von dir dargestellt.

Gruß,
Casi


Casihasi
Beigetreten: 14.02.2008
Oldschool Grinder

Hey,

Nomma vorweg: Ich kenn Dich nicht, will Dich nicht beleidigen. Ich kann halt nur anhand der 5 Postings, die ich bisher von Dir wahrgenommen habe auf das schließen, was dahinter vermute. Ob das stimmt oder nicht.. Dunno. Does it matter? Dont think so. Alles worauf es ankommt ist imo, dass Du eine kritische Meinung bekommst um evtl. eine andere Perspektive zu erhalten. Ansonsten können wir auch Ringelreihe tanzen und haben uns alle liep. Denke das brauchen wir nich.. Daher lieber mit offenem Visier.. ;)

Die Gründe, die Du nennst können ja alle berechtigt sein und der Realität entsprechen.. Dennnoch bleibe ich dabei, dass Du Dich zum Teil dahinter zu versteckest. Wenn Du mit Dir nicht glücklich bist würde ich mich nicht beschweren und die Verbesserung meines Lebens so weit in die Zukunft verschieben. Fang heute mit den Dingen an, die möglich sind. Meiner Meinung nach tust Du genau dies eben nicht sondern ruhst Dich auf den eigenen Rechtfertigungen aus.

Du machst Deinen Eltern Vorwürfe, dass sie Dich vom offensichtlich exzessiven Computergebrauch hätten abhalten sollen. Du wirfst Deiner Mutter vor unfähig zu sein ihr Leben auf die Reihe zu kriegen und Dich inner frühen Kindheit versaut zu haben. Sie trägt eine Mitschuld daran, dass Du zu einem Nerd / Außenseiter geworden bist. So weit so gut. Kann alles stimmen.. Aber _heute_ bist Du ein erwachsen(werden)des Individuum, mit einer eigenen Meinung und eigenen Gedanken. Du kannst frei entscheiden was Du tust, trainierst oder lässt. Du hast für Dich entschieden, dass zu viel Rechnerzeit für die Entwicklung Deine Softskills negative Auswirkungen hatten.

Wenn dem wirklich so ist, dann würde ich doch genau DAS als erstes einschränken. Da Du dies nicht tust schließe ich, dass Du es mit Deinem Improvementtrip nicht zu ernst meinen kannst. Meine Schlussfolgerung: Du fühlst Dich vielleicht nicht wohl in Deiner Opferrolle.. Aber Du arrangierst Dich damit und machst nicht das, was möglich ist um da raus zu kommen. --> Die Gründe sind für mich vorgeschoben. Man kann sich ja dafür rechtfertigen weil die anderen haben Dich ja verhunzt.

Du musst Dich weder mir gegenüber rechtfertigen noch gegenüber Deinen Freunden oder Deinen Eltern oder irgend einem anderen. Alles worum es geht ist:

Bist Du mit Deinem Leben glücklich?
Offensichtlich nicht.

Tust Du alles, um mit Deinem Leben happy zu sein?
Imo nein.

LG,
Casi

€dit: Grad erst den Post des Vorposters gelesen und kann ihn nur rautieren. Andere Umstände wie die Änderung des Ortes können ein Resetten der Situation bewirken.. Wenn Du Dich jedoch nicht veränderst, so wird sich Dein Umfeld imo. ähnlich entwickeln und Du stolperst in ähnliche oder gleiche Probleme. Wenn man sich gezielt in eine Richtung verändern will, so ist dies _immer_ ein aktiver Prozess, in welchem man selbst Energie investieren muss.. Egal ob man sich nu irgendwo Unterstützung holt oder nicht.


Original von Krach-Bumm-Ente
Ich kann mir auch von der Reise die Erleuchtung erhoffen, realistischer ist es aber wohl wenn ich erwarte, dass sich durch die Reise zwar etwas ändert, das aber nur temporär der Fall ist. 20 Jahre werden nicht durch 5 Monate ausgehebelt.aufgehoben, was meinen die Mods?

Mich haben 5 Tage New York verändert, sodass mich jeder gefragt hat, was ich gemaüht habe und was passiert ist. Einen Monat später bin ich wieder hingefahren, und wieder und wieder.

Was mir auffällt: Du versucht alles vorherzusehen und zu berechnen und jede Eventualität zu kalkulieren. Lass es einfach sein, es ist verschwendete Zeit und Gedankenkraft. Genau wie sich über Bad Beats aufzuregen oder was ein Fischcall das wieder war. Am Ende kommt es sowieso anders.

Gestatte Dir die Freiheit, frei zu sein. Du machst nämlich 50% deines Gefängnisses in deinem Kopf!

Nochmal: Gestatte Dir die Freiheit, frei zu sein.


Denz
Beigetreten: 16.01.2005
Elite Grinder

Ich denke auch das ein Umfeldwechsel nur mit einer veränderten Einstellung wirklich sinnvoll ist!

Du benennst die Probleme ja selbst relativ eindeutig von daher hast du es auch in der eigenen Hand etwas zu verändern.
Dass du dich in deinem jetzigen Umfeld nicht wohlfühlst kann ich gut verstehen, hier könnte es in der Tat schwierig sein sich gravierend zu verändern weil einen viele Leute vllt schon in einer Schublade haben.

Die lange Zeit bis zum Studienbeginn ist natürlich nicht so schön. So abgedroschen es auch klingt: Würde dir echt empfehlen mit Kampfsport oder Kraftsport anzufangen.
Man glaubt gar nicht wieviel Selbstbewusstsein man über derart fordernde Sportarten tanken kann...dazu die körperlichen Veränderungen.

Wenn du versuchst in kleinen Schritten Verbesserungen an dir selbst vorzunehmen wird sich dein Erfolg immer mehr steigern was dich automatisch selbstbewusster macht.
Vermeiden solltest du jegliche Form von Selbstmitleid oder Resignation...das bringt dich einfach nicht weiter.


Krach-Bumm-Ente Themenstarter
Krach-Bumm-Ente
Beigetreten: 01.05.2006
BlackMember

Liest sich mein Text wirklich so extrem, dass man mir ne Therapie empfehlen kann?
Ich denk ne Therapie brauch ich sicher nicht, ich bin nicht psychisch krank oder so. Ich bin jetzt auch kein komplett lebensunfähiger Nerd mit Hornbrille und Hochwasserhose. Das Nerd-Sein ist fast schon eher in den Köpfen der anderen (die mich schon lange kennen) so verfestigt als dass es wirklich noch Tatsache ist. Ich hab mich schon um einiges verbessert was soziale Kompetenz angeht, bin nur noch nicht dort wo ich sein will.

@Casihasi, was wären denn Dinge, die ich jetzt sofort ändern könnte? Meine Zeit vorm Rechner seh ich mittlerweile nicht mehr als schädlich an bzw ist gut eingeteilt - ich hab gerade "nichts zu tun", also keine Schule, Job oder sonst was. Poker ist momentan mein Job und das fordert eben, dass ich ein paar Stunden am Tag am PC sitze. Ich würde aber niemals irgendjemandem absagen weil ich am PC sein will. Ich geh 4-5 mal die Woche trainieren, geh abends öfters weg usw.
Das Problem bei meiner früheren PC Nutzung war eben, dass ich andere versetzt hab, weil ich jetzt unbedingt das AoK-Szenario fertig spielen wollte. Das ist heute aber auf keinen Fall mehr so.

@Denz, Kampfsport mach ich seit 3 Jahren fast und hat mir schon enorm weitergeholfen. Hab mich da mit einem angefreundet der mir auch schon viel geholfen hat was Persönlichkeit angeht, mich auf Probleme hingewiesen hat usw. Anfangs hatte ich z.B. Probleme beim "Kiai", so ne Art Kampfschrei. Ich war einfach zu schüchtern. Mittlerweile kann ich über sowas lachen.

@amayaner, das ist wohl wieder die Geschichte vom Tun und vom Sein. Ich werd drauf achten!


dezi
Beigetreten: 13.11.2006
Oldschool Grinder

Original von Krach-Bumm-Ente
Liest sich mein Text wirklich so extrem, dass man mir ne Therapie empfehlen kann?
Ich denk ne Therapie brauch ich sicher nicht, ich bin nicht psychisch krank oder so. Ich bin jetzt auch kein komplett lebensunfähiger Nerd mit Hornbrille und Hochwasserhose. Das Nerd-Sein ist fast schon eher in den Köpfen der anderen (die mich schon lange kennen) so verfestigt als dass es wirklich noch Tatsache ist. Ich hab mich schon um einiges verbessert was soziale Kompetenz angeht, bin nur noch nicht dort wo ich sein will.

Du fragst ja nach Meinungen - hier meine:

Ich habe nur den op und den oben zitierten Absatz gelesen. Imho ergibt sich daraus folgendes Bild: Du meinst zu wissen, was du ändern möchtest und sagst, dass du auch einiges dafür getan hast/tust. Allerdings kannst du quasi machen, was du willst, du wirst nie glücklich werden, denn irgendwelche Leute haben in deiner Sozialisation einfach zu viel vergeigt.

Ich denke, du solltest einfach daran arbeiten zu akzeptieren, dass du heute lebst und die Möglichkeit hast, an deiner Zukunft zu arbeiten.
Was in deiner Vergangenheit passiert ist lässt sich nicht ändern und es bringt noch viel weniger dafür irgendjemandem die Schuld zu geben.
Jeder muss hart für seien Träume arbeiten. Vielleicht hast du es tatsächlich etwas schwerer einige umzusetzen - das mag durchaus sein. Aber dann musst du eben etwas härter dafür arbeiten - umso mehr kannst du dann auch genießen, wenn du dich weiter entwickelst.

Also hör auf dich in deiner Vergangenheit zu wälzen und fang an nach vorn zu denken.
In diesem Zusammenhang empfehle ich dir keine Therapie, sondern dich mit dem Thema Meditation zu beschäftigen. Meditation beschäftigt sich u.a. damit, Gefühle zu betrachten - nicht sie zu auszublenden und nicht darin zu versinken.
Und genieße einfach deine Reise/alles was du dich entschließt zu tun. Und frag dich nicht ständig, was hätte sein können oder nicht sein wird etc. - bringt nix. :)

edit: ok, ich habs auf die Schnelle getippt - hoffe es ist verständlich, was ich ausdrücken wollte.


FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

Es gibt verschiedene Formen von aha-Erlebnissen, meine waren beispielsweise mein Patenkind, ein komplett neuer Freundeskreis und n Umzug nach München.

Früher in der Schule hatte ich halt wenig mit anderen zu tun und es war mir auch nicht so wichtig. Das kam hauptsächlich daher, weil mich alle für nen Streber gehalten haben(Topnoten ohne zu Lernen, i-wann sehr viel über Mitarbeit rausgeholt).

Du musst einfach mal schaun, ob du nicht im falschen Umfeld sitzt, das war während meiner Schulzeit der Fall. Ich war auf dem besten Gymnasium bei uns in der Gegend, und überwiegend in Klassen, wo sich viele für was besseres gehalten haben.

Vorm Abi war es schon so, dass meine besten Freunde an unserem städtischen Gymnasium waren und mittlerweile sind die alle auf nem Berufskolleg, da pass ich charakterlich einfach besser rein.

Wirkt sich interessanterweise auch positiv auf mein Verhältnis zu den ehemaligen Klassenkameraden aus, die meinen alle ich hätte mich extrem verändert.

Bevor sich das hier jetzt so megaschlimm anhört, es war einfach so, dass ich mit den Leuten in der Schule nichts zu tun haben wollte bzw. wir einfach nich soviel gemeinsam hatten, als das man deepe Freundschaften hätte schließen können.


michimanni
Beigetreten: 03.08.2006
Elite Grinder

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Das halte ich für maßlos überzogen. Krach-Bumm-Ente hat unbestritten Probleme, aber er ist ein junger Mensch und muss gewisse Dinge erst einmal lernen um sie danach besser zu machen als bisher. Dazu muss er sich selbst aber auch zunächst einmal selbst die Gelgenheit geben! Jetzt gleich mit einer Therapie anzurücken ist imo weit über das Ziel hinausgeschossen.


Naems
Beigetreten: 27.05.2008
Elite Grinder

Ich hab mir mal geschworen, dass egal was kommt, ich nie wieder leiden werde, sondern einfach immer glücklich bin. Selbstmitleid ist ne scheiß Sache. Sei dankbar für das, was du hast und schau nicht immer auf die Dinge die du nicht hast.


michimanni
Beigetreten: 03.08.2006
Elite Grinder

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Schön, dass Du das noch einmal klargestellt hast, Gallagher. Ich denke nach wie vor, dass ein Tapetenwechsel in erster Instanz vermutlich ausreicht, danach kann man weiter schauen und unter gegebenen Umständen seinem Arzt die Situation schildern.


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