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[Geschlossen] [Psychologie] Selbstmanagement als Pokerspieler

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Psychologische Grundlagen – Selbstmanagement als Pokerspieler

Neben den strategischen-technischen Fertigkeiten kommt es beim Pokern darauf an, sich selbst unter Kontrolle zu haben. Poker ist ein Kampf gegen das eigene Ich! �?berall lauern Gefahren und Versuchungen, vom richtigen Wege abzukommen. Wir zeigen euch sämtliche Fallstricke auf und ebenso die Mittel, wie ihr eure Standhaftigkeit stärken könnt.

1. Das Bad Beat-Problem

Bad Beat ist der Fachausdruck für folgendes Phänomen: Man spielt eine qualitativ hochwertige Hand, trifft den Flop oder hat dort bereits ein hohes Paar, nur um von einer minderwertigen Hand überflügelt zu werden. Der Niederlage ist beim Bad Beat stets ein schlechtes Spiel vom Gegner vorausgegangen.

Beispiele 1: Man raist mit AK, der Gegner callt das Raise cold (2 Bets auf einmal) mit A6s. Der Flop kommt A 6 2 rainbow (dreifarbig). Man hat allen Grund anzunehmen, weit vorne zu liegen und verliert die Hand schlie�?lich gegen 2 Paar. Der preflop Call vom Gegner war katastrophal schlecht.

Beispiel 2: Man raist drei Caller mit AK. Der Flop kommt A K 4. Es wird durchgecheckt, man bettet. Nur ein Early-Spieler callt. Der Turn ist eine 9. Wieder callt der Early-Spieler die Bet. Der River ist eine 2. Natürlich bettet man wieder, der Early-Spieler checkraist. Er hat die ganze Zeit mit 22 runtergecallt, in der Hoffnung eines seiner beiden Outs zu treffen. Ein miserables Spiel gegen alle Wahrscheinlichkeit.

In solchen Fällen möchte man sich die Haare raufen. Verlieren ist ja schon schlimm genug, dann aber noch gegen einen Vollidioten..... Kommen mehrere Bad Beats hintereinander, stellt das die eigene Belastbarkeit auf eine harte Probe. Es kann zu folgenden Kurzschlusshandlungen kommen:

a) Du traust dich nicht mehr, mit guten Händen zu raisen. „Ich werde ja, doch auf dem River eingeholt. Da investiere ich lieber nicht so viel Geld.“ Das ist natürlich ein Fehler. Man versäumt damit, möglichst viel Geld mit seinen starken Händen zu verdienen, und erlaubt Weak Draws (z.B. Gutshot), in der Hand zu bleiben und einen noch einzuholen.

Regel: Lasse dich nie durch schmerzhafte Erlebnisse vom theoretisch richtigen Weg abbringen!

b) Du bist versucht, den Gegner auf sein schwaches Spiel hinzuweisen (zu belehren) oder gar zu beschimpfen. Dies ist nachvollziehbar aber auch in einer gewissen Weise absurd. Man beschimpft den Gegner als Anfänger / schlechten Spieler und outet sich dabei selbst als einer, indem man elementare Anfängerfehler begeht. Wenn man Gegner belehrt, kann das mehrere Folgen haben: 1. Der Gegner wird schlauer und damit gefährlicher. 2. Der Gegner, der nur zum Zocken kam, wird durch die verbissene Atmosphäre zu mehr Ehrgeiz und Konzentration animiert. Beschimpfen ist noch schlimmer. Erstens ist das nicht nett und zweitens dumm. Die schlechten Gegner sind die Kunden des seriösen Pokerspielers. Die Beschimpfung der eigenen Kunden ist wahrlich kein Zeichen von Intelligenz. Häufig verlä�?t der Beschimpfte Just-for-Fun-Player darauf den Tisch, denn der Spa�? ist ihm vergangen. Wichtig ist die Einsicht, dass einem die schlechten Spieler durch ungerechtfertiges Callen mehr Profit einbringen, als sie durch Bad Beats wieder abziehen. Man will diese Spieler am Tisch haben und man will, dass sie genauso spielen, wie sie es tun! Also, kein Grund auszurasten, wenn sie mal treffen.

Regel: Belehre deine Gegner nicht!

Regel: Beschimpfe deine Gegner (Kunden) nicht!

Regel: Lasse deine Spielweise nicht von Bad Beats beeinflussen. Spiele wie eine Maschine!

Regel: Habe immer einen längerfristigen Focus. Habe immer das gro�?e Bild vor Augen!

Regel: Verschwende keine Gedanken an Glück oder Pech, also an Dinge, die du nicht beeinflussen kannst! Sie lenken dich nur von deinen Aufgaben ab.

Regel: Menschliche Grö�?e ist, sich ins Unabänderliche zu fügen (nach Nietzsche).

2. Das Downswing-Problem

Mein Mitgefühl ist bei jenen, die gerade einen fiesen Downswing durchlaufen. Natürlich hatte ich auch schon mehrfach damit zu tun. Es ist immer wieder ein frustrierendes Erlebnis.

a) Der kurzfristige Downswing
Kurzfristige Downswings ereignen sich ziemlich oft. Man spielt seinen normalen soliden Stil und am Ende der Session hat man drei ganze Tische verloren. Wie ist das zu erklären? Im Prinzip ist es nichts anderes als eine Verkettung unglücklicher Ereignisse. Jede Menge zweitbeste Hände, Bad Beats und dann noch all die kostspieligen High Quality Draws, die sich nicht materialisieren wollen. Mein persönlicher Rekord ist Minus 3000 Dollar in vier Stunden. Drei ganze Tische auf 20/40. In der letzten Hand der Session befand ich mich in einer Small Blind versus Big Blind Konstellation gegen den Tisch-Maniac (70 % flop seen). Ich hatte AA und floppte einen Nutflushdraw. Er floppte eine Straight. Ich war gelöscht.

Für viele Spieler ist es angebracht, eine Stop-Loss-Marke festzulegen. Diese könnte sehr gut bei - 50 BB (Big Bets) liegen. Es ist nun einmal so: Wenn man verliert, dann verschlechtert sich die Stimmung. Es besteht die Gefahr, dass man dann nicht mehr seine optimale Leistung (A-Game) bringen kann. Umgekehrt gilt ja auch, dass man alles, was man mit Freude macht, besonders gut erledigt. Jeder, der dazu neigt, on tilt zu gehen, sollte sich strikt an eine bestimmte Stop-Loss-Marke halten. Noch etwas kommt hinzu. Wenn man verliert, kann dies auch äu�?ere Umstände haben. Vielleicht sind die Gegner besonders stark. Es spricht jedenfalls einiges dafür, ein wenig Abstand zwischen sich und den Mi�?erfolg zu bringen. Morgen ist auch noch ein Tag!

Die 50 BB Regel: Verliert man während einer Session mehr als 50 BB, so macht man am besten bis zum nächsten Tag Pause.

Die 300 BB Abstiegsregel: Erreicht eure Bankroll die 300 BB Grenze für das darunterliegende Limit, so müsst ihr auf dieses Limit wechseln. Spielt ihr z.B. 3/6 und eure Bankroll fällt auf 1200 (also 300 BB bei 2/4), so müsst ihr auf 2/4 zurückwechseln.

Die Nichtaufstiegsregel: Unter gar keinen Umständen dürft ihr während eines Downswings im Limit raufgehen oder spontan auf ein anderes Spiel wechseln (z.B. von fixed Limit zu No-Limit).

b) Der langfristige Downswing
Der eigentliche Härtetest für den Pokerspieler ist der langfristige Downswing. Dieser kann sich über Wochen erstrecken und hat schon manche verhei�?ungsvolle Pokerkarriere beendet, bevor sie eigentlich begann. So unwahrscheinlich es klingt, aber auch sehr lange Pechsträhnen befinden sich durchaus im Rahmen des mathematisch Plausiblen. Um sich gegen die psychische Belastung während eines Downswings zu wappnen, sollte man sich auf jeden Fall mit der mathematischen Natur von Glücks- und Pechsträhnen vertraut machen. Zwar ist Poker ein Strategiespiel, aber es kann oft sehr lange dauern, bis die richtige Spielweise Früchte trägt. Denn die sogenannte Varianz – also der mathematische Faktor, um Glücks- und Pechsträhnen zu messen – ist unerwartet gro�?. Unter Umständen kann man über mehrere tausend Hände Verlust machen, obwohl man perfekt gespielt hat. Andererseits kann aber auch der Gewinn über die gleiche Zahl an Händen deutlich grö�?er sein als erwartet. Auf lange Sicht jedoch, wird sich der tatsächliche Gewinn mit dem mathematisch erwarteten Gewinn (hinsichtlich der eigenen Spielstärke) decken.

Natürlich ist nicht auszuschlie�?en, dass ein Downswing spielerische Ursachen hat. Man sollte sich stets fragen, ob das Limit einen nicht überfordert. Wer unsere Anweisungen zum richtigen Bankrollmanagement befolgt, der wird natürlich automatisch im Limit herunter gehen, wenn es längerfristig schlecht läuft. Ein Downswing ist immer eine gute Gelegenheit, sein eigenes Können auf den Prüfstand zu stellen. Wo sind meine Schwächen, wo die Leaks, durch die ständig Geld versickert? Während einer Pechsträhne sollte man verstärkt an seinem Spiel arbeiten und sich vermehrt mit Literatur beschäftigen. Da das Spielen ja in solchen Phasen ohnehin nicht so viel Freude bereitet, dürfte das nicht schwer fallen.

Regel: Mache dich mit der mathematischen Natur von Glücks- und Pechsträhnen vertraut!

Regel: �?berprüfe, ob der Downswing spielerische Ursachen hat!

Regel: Benutze den Downswing, um dich vermehrt mit der theoretischen Seite des Pokerns zu beschäftigen!

3. Das Lern-Problem

Viele Spieler bleiben auf einem bestimmten Niveau stecken, da ihr gewohnter Lernmechanismus beim Pokern versagt. Sie tappen in die Falle des ergebnisorientierten Denkens! Wie wir gezeigt haben, darf man die korrekte Spielweise einer Hand nicht an deren Ergebnis festmachen. Es gibt Hände, die man komplett falsch gespielt aber gewonnen hat, und welche, die man absolut korrekt gespielt aber verloren hat. Dies stellt den menschlich angeborenen Lernmechanismus extrem auf die Probe. Das Gehirn arbeitet üblicherweise in Abhängigkeit von kurzfristigem Erfolg- und Misserfolg, d.h. nach der Methode von "Trial and Error". Poker ist aber ein langfristig angelegtes Spiel. Der Erfolg stellt sich sehr häufig zeitverzögert ein. Lernen bedeutet hier in erster Linie, die theoretischen Grundlagen und Prinzipien ausgiebig zu studieren und durch Anwendung in der Praxis zu verfestigen.

Regel: Lerne Poker auf eine abstrakte, theoretische Weise!

Regel: �?berprüfe und verfestige das Gelernte in der Praxis!

Regel: Lasse dich nicht von einzelnen Ereignissen irritieren. Ziehe Schlussfolgerungen nur auf Basis ausreichend gro�?er Datenmengen!

4.Das Kaffeesatzleserei-Problem

Das KSL-Problem ist mit dem Lernproblem verwandt und basiert auf einer der grö�?ten Fähigkeiten des menschlichen Gehirns: der Mustererkennung. Der Mensch lernt, indem er im gewaltigen und chaotischen Strom der Sinneseindrücke nach Analogien, wiederkehrenden Strukturen und Sinnzusammenhängen sucht. Dieser unbremsbare zerebrale Trieb ist ungemein produktiv, führt aber auch häufig dazu, dass Muster erkannt werden, wo einfach keine existieren. Beim Pokern versteifen sich einige fantasievolle Zeitgenossen gerne dazu, Prognosen aufgrund vergangener Begebenheiten anzustellen, obwohl diese keinerlei Einflu�? auf die Zukunft haben. Glücks- und Pechsträhnen sind Begriffe, die Vergangenes sehr gut beschreiben können, aber mehr auch nicht. Man kann sie immer nur im Rückspiegel erkennen. Wenn ich meinen Flush Draw fünf mal hintereinander verfehlt habe, dann hat das keine Auswirkung auf meinen nächsten Flush Draw. Es bedeutet keinesfalls, dass ich aufhören sollte, mit meinen Flush Draws bis zum River zu gehen, "weil es eh nicht klappt". Wenn ich gerade 1.000 Dollar verloren habe, dann war das zweifelsohne eine Pechsträhne. Diese hat aber keine Auswirkung auf die Zukunft. Direkt mit der nächsten Hand kann schon der Gegenlauf einsetzen. Viele Menschen glauben an übersinnliche Phänomene. Meiner Meinung nach haben die Spielkarten (der Zufallsgenerator) keinerlei Gedächtnis, hegen keine böswilligen Absichten und unterstehen auch keinem kosmischen Plan. Ein rationale Sicht der Dinge verstärkt den Erfolg beim Pokern!

Regel: Immer schön rational bleiben! Ziehe keine Verbindungen zwischen voneinander unabhängigen Ereignissen!

5. Das Ungedulds-Problem

Wer sich an unseren Preflop-Chart hält, spielt im Durchschnitt 20 % seiner Hände. In vier von fünf Fällen schmei�?t er seine Karten weg. Einige Spieler langweilen sich dann, weil ihnen die Action fehlt. Sie erinnern daran, dass der heroische Cowboy im Film eher durch waghalsige Bluffs als durch kleinliches Ablegen seiner Karten aufgefallen ist. Aber das ist Hollywood. Die Realität ist eher nüchtern. Nur wer sich strikt daran hält, ausschlie�?lich Qualitätshände zu spielen, wird mit Erfolg belohnt. Das gleiche Prinzip gilt natürlich auch auf dem Flop. Wenn man nichts geschossen hat – weg mit dem Dreck! Das Folden ist eure stärkste Waffe beim Pokern!

�?brigens gibt es überhaupt keinen Grund, sich zu langweilen. Selbst au�?erhalb der Hand gibt es jede Menge zu tun. Um erfolgreich zu pokern, muss man seine Gegner beobachten und klassifizieren. Auf Partypoker kann man sich über die Hyperlinks oben rechts die Handhistories anschauen und daraus Rückschlüsse auf die gegnerischen Verhaltensmuster ziehen. Wenn man vom absoluten Anfänger zum Fortgeschrittenen avanciert, wird man in der Lage sein, konzentriert an zwei Tischen zu spielen. Die Langeweile dürfte dann verschwinden. Oder aber, man steigt so weit in den Limits auf, dass das auf dem Spiel stehende Geld für den nötigen Adrenalinkitzel sorgt. Spätestens dann sollte man mit Respekt und Sorgfalt an seine Pokerpartien gehen.

Ein weiteres Mittel gegen die Langeweile ist das Praktizieren des Handreadings. Handreading ist eine der anspruchsvollsten und wichtigsten Fähigkeiten beim Pokern. Man sollte es ständig trainieren, um seine Skills darin zu schärfen. Benutzt die gefoldeten Hände, um zu überlegen, welche Karten die verbleibenden Spieler halten könnten.

Die Mega-Pokerregel: Winning by folding!

Regel: Zolle deinen Tätigkeiten Respekt! Das ist Respekt gegenüber dir selbst.

Regel: Beobachte deine Gegner nach dem Folden. Praktiziere Handreading!

6. Das Break-even-Problem

Vielen Spielern fällt es schwer, die Session mit einem Verlust zu beenden. Dies führt dazu, dass man länger spielt, als es die Konzentrationsfähigkeit gebietet. Besonders gefährlich ist dieses Phänomen natürlich kurz vorm Zubettgehen, da die übergro�?e Müdigkeit zu einem deutlichen Abfall der Spielstärke führt. Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, die Verluste auf Biegen und Brechen wieder auszugleichen. Eine überaggressive Spielweise führt meistens zu noch grö�?eren Verlusten.

Hier sollte man sich stets das Zitat von David Sklansky vor Augen führen:"It's one big session." Unsere Pokerlaufbahn ist eine gro�?e Sitzung und die nächste Stunde ist immer die nächste Stunde, egal ob sie sofort stattfindet oder am nächsten Morgen, wenn man wieder ausgeschlafen ist. Die einzelne Session ist somit nur eine künstliche, willkürliche Einteilung ohne wirklichen Realitätswert. Hat man sich eine gro�?e Bankroll erspielt, wird man auch nach einer verlorenen Session noch deutlich im Plus sein. Man war vorher ein Winning Player; man ist auch hinterher ein Winning Player. Es gibt absolut keinen Grund zur Beunruhigung. Am besten, man plant feste Spielzeiten ein und hält sich strikt an diese Vorgaben.

Eine spezielle Form des Break-even-Problems entsteht im Rahmen der Table Selection-Problematik. Leider passiert folgendes sehr häufig: Man sucht sich einen Tisch mit schwachen Spielern und gerät dort in Rückstand. Ehe man sich versieht, ist der Gro�?teil der Zielobjekte verschwunden. Der Tisch ist nun sehr tight geworden. Viele Spieler bleiben in solchen Fällen am Tisch sitzen, da sie ihn nicht als Loser verlassen wollen. Diese Einstellung ist natürlich falsch. Beim Pokern geht es stets um den Erwartungswert und der ist nun mal höher an Tischen mit schwachen Spielern.

Regel: Halte dich an feste Spielzeiten!

Regel: Spiele nicht aggressiver, wenn du hinten liegst!

Regel: It’s one big session!

Regel: Verlasse den Tisch, wenn sich die Bedingungen rapide verschlechtern, egal ob du vorne oder hinten liegst.

7. Das Ego-Problem

Einige Menschen besitzen ein grö�?eres Ego als andere. Beim Pokern kann das verschiedene Konsequenzen haben:

a) Die hyper-aggressiven Spieler, genannt Maniacs haben den Drang, im Mittelpunkt zu stehen und durch exzessives Bluffen ihre Gegner aus der Hand zu drängen. Sie möchten möglichst viele Pötte gewinnen, um ihre Persönlichkeit damit aufzuwerten. In der Tat gewinnen sie viele Pötte, aber sie verlieren auf Dauer all ihr Geld. Dem erfolgreichen Pokerspieler geht es nicht um Pötte, sondern um einen positiven Saldo.

Regel: Es geht nicht um Pötte, sondern um Geld.

b) Einige Spieler suchen die Herausforderung. Sie wollen sich auf hohen Limits mit starken Gegnern messen. Die Low Limits sind unter ihrer Würde. Wer über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, der mag diesen Weg einschlagen und als sein Privatvergnügen betrachten. Für gewinnorientierte Pokerfreunde ist diese Einstellung selbstredend zerstörerisch. Erfolgreiche Pokerprofis haben eines gemein. Sie spielen nur, wenn sie einen Vorteil für sich erkennen. Treffen sie auf starken Widerstand, weichen sie aus. Beim Pokern gibt es kein Platz für eine Art falsch verstandene Ritterehre. Es geht einzig und allein um Overlay, Edge und Profit.

Regel: Spiele nur die Limits, die du schlagen kannst!

Regel: Spiele nur, wenn du einen Vorteil hast!

8. Das Misstrauen-Problem

Misstrauische Naturen neigen dazu, zu oft zu callen, da sie es nicht ertragen können, geblufft zu werden. Möglicherweise haben sie im Leben schlechte Erfahrungen gemacht, sind verletzt und betrogen worden. Sie betrachten es als Demütigungen, aus einer Hand heraus geblufft zu werden und setzen nun alles daran, dieses Trauma zu verhindern. Wie wir alle wissen, ist übermä�?iges Callen ein Loosing Play. Mein Ratschlag: Am Pokertisch ja nichts persönlich nehmen. Es ist keine Schande aus der Hand geblufft zu werden.

Regel: Wer noch nie einen Winner gefoldet hat, spielt viel zu loose!

Regel: Lasst andere den Tisch-Sheriff spielen!

9. Das Pessimismus-Problem

Der Pessimist sieht ständig die Nuts gegen sich. Er spielt viel zu schüchtern und holt zu wenig Value aus seinen starken Händen heraus. Au�?erdem lässt er sich wirklich (siehe Punkt 7) zu oft aus der Hand bluffen.

Regel: Zum Pokern braucht man einen gesunden Optimismus!

Regel: Nicht hinter jedem Baum steht gleich der Butzemann!

10. Das Rache-Problem

Es kommt häufig vor, dass man gerade bei einem speziellen Gegner sehr viel Geld ablädt, möglicherweise in Verbindung mit fürchterlichen Bad Beats. Da steigen dann manchmal schon negative Gefühle in einem auf. Trotzdem sollte man die Angelegenheit auf keinen Fall persönlich nehmen. Spielt weiterhin euer objektives, wissenschaftlich korrektes A-Game.

Regel: Rachegedanken vernebeln die Sinne und schwächen die Urteilskraft!

11. Das Focus-Problem

Es gibt viele potentielle Konzentrationskiller beim Pokern: Müdigkeit, Alkoholgenuss, Ablenkungen wie z.B. Fernsehen gucken, Emails beantworten etc..

Regel: Sorge für gute Spielbedingungen!

Regel: Volle Konzentration!

12. Das Komfortzonen-Problem

Die Wahl des richtigen Limits hat auch viel mit der eigenen Komfortzone zu tun. Für jeden hat das Geld einen individuellen Wert. Spielt man auf einem niedrigen Limit, kann es sein, dass man den Einsatz nicht genügend achtet, und anfängt, zu lässig zu spielen. Spielt man dagegen auf einem Niveau über der eigene Komfortzone, stellt sich leicht eine Art Beklommenheit ein. Man verhält sich passiver, als es die strategische Vernunft gebietet.

Regel: Wenn deine Spielstärke dafür ausreicht, wähle das Limit, welches genau im Zentrum deiner finanziellen Komfortzone liegt.

Gemä�? unseres Bankrollmanagements muss ein Anfänger auf einem möglichst niedrigen Limit im Cent-Bereich beginnen. Nun kommt es natürlich vor, dass unser Anfänger z.B. ein erfolgreicher Geschäftsmann und mit einem beträchtlichen Vermögen ausgestattet ist. Für ihn haben die Cent-Beträge natürlich keinerlei finanziellen Reiz. Soll er nun gemä�? seiner finanziellen Komfortzone gleich auf ein hohes Limit springen? Nein. Auf gar keinen Fall! Er hätte natürlich gar keine Chance und würde Misserfolg und Frustration erleben. Seine Pokerlaufbahn könnte dann ein jähes Ende nehmen. Er hat wirklich keine Wahl. Wie jeder andere muss auch er sich die einzelnen Limit hoch arbeiten, um über Erfolgserlebnisse ständig motiviert bleiben zu können. Dabei kann er ja gerne schon mal vom 4000er/8000er Tisch im Bellagio träumen. Das wäre dann auch für ihn eine gewisse finanzielle Herausforderung.

Regel: Auch reiche oder wohlhabende Anfänger müssen ganz unten anfangen!

Regel: Vermögende Anfänger sollen nicht in Cent-Einheiten sondern in Erfolgspunkten denken!

Die Tugenden des Pokerspielers

Fassen wir an dieser Stelle noch einmal alle Tugenden des Pokerspielers zusammen:

1. Geduld
2. Disziplin
3. Gelassenheit
4. Flei�?
5. Objektivität (Selbstkritik)
6. Gesunder Optimismus, Courage
7. Sportsgeist
8. Wirtschaftliche Vernunft
9. Konzentrationsfähigkeit
10. Nervenstärke

Schlussüberlegung

Neben den spieltechnischen Anforderungen stellt Poker eine gro�?e Herausforderung für eure charakterliche Disposition dar. Wer die Mehrzahl der aufgeführten Tugenden bei sich vermisst, dem empfehle ich, sich gründlich zu überlegen, ob er sich das Ganze überhaupt antun will.

Auf der Positivseite kann man all die psychischen Fallstricke natürlich auch als Chance begreifen. Nicht zuletzt durch diese Abhandlung werdet ihr auf der psychologischen Seite von unserem Team einigerma�?en gut betreut. Anders sieht es bei euren Gegnern aus. Teilweise sind die auf sich allein gestellt und völlig ohne Plan. Jedes der genannten Probleme ist damit eine potentielle Falle für eure Gegner und ein Vorteil für euch.

Poker wird manchmal als verrucht, sündhaft und geldlastig beschrieben. Sicherlich ist da etwas dran, aber es gibt auch eine andere Seite. Richtig erfolgreich wird nur derjenige, der ständig an sich und den Pokertugenden arbeitet. Jede Session stellt den eigenen Charakter immer wieder auf eine neue, harte Probe. Jede Session ist eine Schulung der eigene Geduld, Disziplin und Gelassenheit. Jeder Downswing macht demütig. Poker hat damit durchaus eine Art meditative Note.

Literaturhinweis

Psychologische Aspekte werden in vielen Pokerbüchern erwähnt. Das spezielle Natur des Themas geht eigentlich über den Anfängerbereich hinaus. Da dieser Artikel aber auch von Fortgeschrittenen gelesen wird, hier ein paar Buchempfehlungen. Die folgenden zwei beschäftigen sich ausschlie�?lich mit Psychologie, wobei das Zen-Buch etwas esoterisch ist:

The Psychology of Poker, Dr. Alan Schoonmaker, Twoplustwo

Zen and the Art of Poker, Larry W. Phillips, A Plume Book

Die nächsten zwei bieten ebenfalls gutes Material:

Inside the Pokermind, John Feneey, Twoplustwo

Ace on the River, Barry Greenstein, Last Knight Publishing

Weiterführende Beiträge zum Thema Selbstmangement finden sich in der Fortgeschrittenensektion (siehe das dortige Inhaltsverzeichnis) und im Psychologieforum. Besonders aktuell ist ein Artikel über den Downswing.


70 Antworten

Hervorragender Inhalt. Sehr schöne Zusammenfassung extrem wichtiger Themen, die man in den eher "analytischen" Poker-Büchern nur am Rande erwähnt findet. Viele der angesprochenen Punkte kenne ich und ich arbeite hart daran, auch, weil es mir sicherlich in meinem zukünftigen Berufsleben helfen wird.

Vielleicht hast du ein paar weiterführende Literaturhinweise, die du hier oder in einem anderen passenden Forum/Post angeben könntest.

MfG,

Je - "Bi-Ba-Butzemann" - ns


lordTasse
Beigetreten: 17.01.2005
PokerStrategist

gutes posting

aber irgendwie alles nichts was man nicht eigentlich auch so schon weiss, die meisten der sätze hätt ich auch selber komplettieren können :)

das schwierige ist einfach es in die praxis umzusetzen, und da hilft kein text der welt, da muss jeder selber draufkommen.


_Anonymous_ Themenstarter
_Anonymous_

Hallo CentreFold,

ich habe einen Literaturhinweis hinzugefügt.


Original von lordTasseaber irgendwie alles nichts was man nicht eigentlich auch so schon weiss, die meisten der sätze hätt ich auch selber komplettieren können :)

Deswegen steht der Artikel ja auch im Anfängerforum :P


Sehr schöner Artikel !

mfg


lordTasse
Beigetreten: 17.01.2005
PokerStrategist

@garandou

das was hier steht wusste ich schon vor der ersten pokerhand die ich jemals gespielt hab, das sind doch ganz einfache psychologische grundlagen die jeder kennen sollte.


_Anonymous_ Themenstarter
_Anonymous_

Sicherlich ist meine Problem-Liste nicht vollständig. Wenn ihr noch Probleme kennt, ergänze ich die Liste natürlich.


Sehr schöner Artikel Matthias !

Obwohl ich mir selber der groben psychologischen Grundlagen bewusst bin, finde ich es äusserst gut, diese Grundsätze moch einmal kompakt in gedruckter Form zu haben.
Ich denke speziell nach einer Zeitperiode, in der man sich selber öfters dabei erwischt hat, gegen diese Grundsätze zu verstossen (kommt ja leider mal vor ;)) , sollte man sich diesen Artikel mal wieder durchlesen.
So fällt das Ausmerzen dieser Schwächen auf jeden Fall leichter.


MeiBra
Beigetreten: 12.03.2005
PokerStrategist

Original von lordTasse
@garandou

das was hier steht wusste ich schon vor der ersten pokerhand die ich jemals gespielt hab, das sind doch ganz einfache psychologische grundlagen die jeder kennen sollte.

Ein weiterer gerne gemachter Fehler, egal ob beim Pokern oder sonstwo:

Zu glauben, da�? man nicht mehr weiss als die anderen... ;)


JSFan
Beigetreten: 30.01.2005
BlackMember

Ich finde den Artikel sehr schön, vieles was fundamental wichtig ist für den Erfolg als Pokerspieler ist gut auf den Punkt gebracht

Fortgeschrittene sollten natürlich die Probleme kennen und für sich schon Lösungsansätze gefunden haben. Ich möchte von meinen eigenen Erfahrungen berichten, ich hoffe es kann für einige nützlich sein

zu 1) Bad beats müssen einen völlig kalt lassen, im Poker wird schlechtes Spiel manchmal belohnt, aber das funktioniert nur kurzfristig, man darf sich auf keinen Fall anstecken lassen und anfangen 2-outer zu jagen (mache ich nicht) oder sinnlos zu bluffen (eher mein Problem).

Einfach cool bleiben und sich immer weider sagen, die schwachen Spieler sind die besten Kunden. Leider ist das leichter gesagt als getan, manchmal kommt es dicke, ich erinnere mich an einen Abend, da hatte ich KK 5mal hintereinander verloren, beim 6.Mal KK fing meine Hand an zu zittern und ich wollte am liebsten Preflop auf fold drücken (die Hand habe ich dann gewonnen).

Lasst Euch nicht von Bad Beats beeeinflussen , das ist nur ein kurzfristiges Phänomen (KK ist Nr.2 +EV für mich im Pokertracker, so wie es sein sollte !)

zu 2) Mit der 50 BB Regel kann ich mich nicht anfreunden, man mussda meiner Meinung nach etwas härter im Nehmen sein, 50BB ist zu wenig , ich hatte schon oft zwischendurch - 80-100 BB und habe den Tag noch mit Gewinn abgeschlossen, das geht häufig schnell vorbei.

Auch kurzfristige Downswings sollten uns alle 0,0 beeinflussen !

Leider hatte ich schon einmal einen langfristigen Downswing (10 Tage hintereinander nur verloren). Das wirklich ätzend und das Selbstvertrauen schwindet stark. Ich denke man sollte dann weniger spielen, mehr an sich arbeiten mit Literatur und im Limit absteigen. Bei mir ging es dann irgendwann vorbei und inzwischen habe ich wieder einige 100BBs gewonnen. Allerdings hat sich die Einstellung zum Poker dadurch schon etwas geändert und ich kann nur hoffen das längerfristige Downswings nur ganz selten vorkommen.

zu 4) Oft war mir bei einem Tisch full ring game langweilig. Auf keinen Fall darf man mehr Hände spielen. Für mich sind multitabling und shorthanded games da gute Lösungen (man darf es allerdings nicht übertreiben, ich spiele meist 2 oder 3 Tische)

zu 5) Das ist mein grö�?tes psychologsiches Problem. Ich möchte doch so gerne jede Session gewinnen. Leider funktioniert das beim Poker überhaupt nicht. Ich habe dann manchmal die ganze Nacht durchgespielt, um auf even zu kommen. Bitte macht das nicht (obwohl es meistens sogar klappt). Man kommt völlig aus dem Rhythmus, ist tagelang übermüdet und leicht reizbar. Wenn man das zur Gewohnheit macht, muss man wohl sogar aufhören mit Poker !
Zum Glück gibt es eine Lösung für das break-even Problem : Pokerspielen nach Stundenplan (leider wohl der einzige Weg für mich ,
aber das ist sicher individuell)

zu 11) Auch das ist sehr wichtig. Ich kam ziemlich schnell auf 3/6. Leider lag das au�?erhalb meiner Komfortzone, obwohl die Bankroll theoretisch ausreichte. Allerdings machten die Swings mich weak-tight (man kann $72 in einer Hand verlieren), auch hatte ich das Gefühl auf überlegene Gegner zu treffen (wenig Erfahrung, kein Pokertracker und Pokerace). Ich bin dann wieder abgestiegen, das war wohl zwangsläufig.

Steigt nicht zu schnell im Limit auf, immer Korns Rat befolgen

Viele Grü�?e


sehr gelungener artikel !


davidh38
Beigetreten: 18.01.2005
PokerStrategist

*zutiefst beeindruckt*

Ich werde nur noch Vivaldi während meiner Pokersessions hören!


Finde den Artikel auch sehr gut, weiter so!


Nekroma
Beigetreten: 16.01.2005
PokerStrategist

sehr gut !

konnte mich oft darin wiederfinden ...und schmunzeln ... besonders bei der Rachesache und der "ich las mich nicht bluffen"sache ... (Probleme in meiner Kindheit oder meinem Leben habe ich aber nicht !!!!! )


_Anonymous_ Themenstarter
_Anonymous_

Danke für all das Lob!
Und danke, JSFan, für deinen lebendigen Erfahrungsbericht!


tmy
tmy
Beigetreten: 15.01.2005
BlackMember

Joa ich stimme den anderen zu,

gut gegliedert
gute Struktur
guter Inhalt

und man kann soviele Artikel schreiben wie man will , die grö�?te Aufgabe ist einfach der innere Schweinehund ;) (oder der bibabutzemann? ;) )

MfG Tim


und ich schau immer fernsehen wärend ich rumschreie weil ich von dem typen badbeatet wurde ggn den ich doch schon seit stunden mal ne hand gewinnen will damit ich das geld wieder reinhole was ich auf 30/60 in massen verloren hab!!


Korn
Beigetreten: 14.01.2005
Elite Grinder

Original von ips.seri
und ich schau immer fernsehen wärend ich rumschreie weil ich von dem typen badbeatet wurde ggn den ich doch schon seit stunden mal ne hand gewinnen will damit ich das geld wieder reinhole was ich auf 30/60 in massen verloren hab!!

Das Lustige ist, dass ich weiss, dass du die Wahrheit sagst :)


Original von Matthias Wahls
Sicherlich ist meine Problem-Liste nicht vollständig. Wenn ihr noch Probleme kennt, ergänze ich die Liste natürlich.

Ich habe vor Monaten mal einen ganz langen Bericht geschrieben, wo ich meine ganzen Fehler augelistet habe. Ich denke das ist für den ein oder anderen ganz aufschlu�?reich, der jetzt neu dazugekommen ist. Er räumt mit Irrtümern auf!

http://pokerstrategy.org.uk/wbb/thread.php?threadid=1371&sid=


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