Ich sag doch...halbwegs richtig schätzen kann ich die Odds und Outs...und bisher reicht das auch.
9) Du bist CO. �?ber deinem Namensschild im Fenster des Stars-Tables befinden sich die Karten A 6
Der Spieler under the Gun raised. Alle zu dir folden. Du hast den Typen schon in jeder Position mit allem raisen sehen. Vor 2 Runden hat er in UTG+1 glatt gewagt, mit 65o zu raisen und dein AA mit nem besseren Straight zu busten. Du denkst dir, dass du nen Ace-high hast. Das ist nen Monster gegen den Fisch. Du denkst dir, er habe sich mal ne Abreibung verdient, und reraised ihn, auch wenn das nach Chart nicht erlaubt ist. Alle nach dir folden und UTG called.
Der Pot ist 7,5 SB gro�?. Flop: 2 7 6
UTG checked. Du bettest und wirst gecalled.
Pot: 4,25 BB Turn: 3
UTG checked. Du bettest wieder und er raised dich.
Antwort in wei�?:
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3 outs.
Nun. Als allererstes ist es wichtig, dass wir uns darüber Gedanken machen, was er haben könnten. Das Einzige, was wir uns über sein Spielverhalten gemerkt haben, ist, dass dieser Spieler unabhängig von der Position und seiner Hand gerne raised. Tja, diese Info hilft uns nicht viel weiter. Was sagt uns sein Bet-Verhalten? Er hat den flop ge-check/called. Es gibt 3 Gründe aus denen ein Gegner so etwas tut.
1. Er ist auf einem draw. Es muss nicht unbedingt bedeuten, dass er ein passendes Out/Odd Verhältnis hat um zu callen, aber er hat Möglichkeiten, eine starke Hand zu kriegen, was ihm reicht, um hier eine SB zu opfern.
2. Er hat ein Monster und slowplayed. Auch das ist meist eine schlechte Spielweise, besonders weil du preflop gezeigt hast, dass du bereit bist, um diesen Pott zu kämpfen, also vermutlich nicht vor Aggression zurückschrecken würdest. Trotzdem wird auch diese Spielweise von unerfahrenen Spielern oft angewandt.
3. Seine Unterhose hat ihm gesagt, er soll so spielen. Da in einer Herde häufig das intelligenteste Wesen den Ton angibt, kann es schon sein, dass er hier auf sie gehört hat. Das soll heissen, dass manche Fische manchmal ganz paradox mit irgendeiner Hand callen. Vielleicht haben sie sich verdrückt, vielleicht versuchen sie, dich zu bluffen und den bluff zu slowplayen, oder wei�? der Himmel warum, aber es kommt vor. Besonders Situationen die ab dem Flop Heads Up sind (so wie hier).
Nun checken wir mal ab, wie wahrscheinlich diese Punkte sind.
1. Wir hoffen inbrünstig, dass unser Gegner hier auf einem Draw ist oder auf seine Unterhose hört, ansonsten bleibt nämlich nur noch das Monster. Deshalb ist es schade, dass hier kein Flushdraw Möglich ist. Durch die Verbundenheit der 7 und der 6 ist es aber möglich, dass er einen gutshot oder einen OESD hält.
Mögliche Hände wären also: 45, 58, 89, T9. Offensichtlich ist 58o die unwahrscheinlichste dieser Hände. 89 halte ich für die wahrscheinlichste. Diese würde auch voll in unser aktuelles Bild der openraisingstandards des Gegners passen.
2. Mögliche Monster sind hier, Set 2's, Set 6's, Set 7's. 2pairs: 62, 72, 76. Overpairs: AA-TT. Für diesen Gegner ist wahrscheinlich ein toppair auch ein Monster. Also sind noch Hände wie A7, K7 und 78 möglich.
3. Tja eigentlich alles. Gehen wir mal davon aus, dass hierzu alles zählt, was wir schlagen können.
Wenn wir uns nun mal anschauen, was da zusammengekommen ist, sehen wir, dass 1. und 2. fast gleichwertig sind. Unpaired und farb-irrelevante Kombinationen wie unter 1. sind sehr viele pro mögliche Hand. Dafür gibt es viele verschiedene, aber dafür recht seltene Handkombinationen bei 2. �?ber drittens denken wir nicht gro�? nach. Wir realisieren, dass es solche Punkte gibt, und erhöhen unsere Gewinnschätzungen um ein paar Prozentpünktchen Optimismus, um diesen Punkt Respekt zu zollen. Mehr können wir zu diesem Punkt sowieso nicht herausfinden, weil wir nur abschätzen können, wie Menschen denken, aber leider nicht, wie eine Unterhose denkt.
Ich würde sagen, wir haben hier 47% 1. 43% 2. und 10% 3.
Da wir Erstens oft und Zweitens fast sicher schlagen, haben wir hier eine Münzwurfsituation (also nahezu eine 50% Chance vorn zu liegen). Schauen wir uns also an, was am Turn passiert ist.
Er check/raised. CR ist eine Aktion, die Stärke simbolisiert. Auch bei einem recht aggressiven Gegner sollte man bei einem check/raise anfangen, sich Gedanken zu machen. Nun hat dieser Gegner am Flop gecalled und am Turn ge-check/raised.
Hier eine Grundregel:
Wenn dich ein Gegner in einer Situation, wo er mit dir am Flop allein ist, selbigen called und darauf am turn raised (egal ob check/raise oder einfach so raise), dann streiche das Wort "Bluff" aus deinen Gedanken.
Ab und zu stellt man nach diesem Move am Showdown fest, dass er nix hatte. Das kommt aber nur bei absoluten übermaniacs vor und auch bei denen vielleicht nur in 5% der Fälle.
Die Unterhose können wir also streichen. Mit einem draw hier zu check/raisen ist auch dumm. Manchmal sieht man Spieler die einen draw raisen um ihre Gegner zu verschrecken und damit nichts in der nächsten Betrunde zahlen zu müssen. Hier kommst du aber nach ihm am River dran. Wenn er also den River nicht bettet, ist es zu wahrscheinlich, dass du bettest, als dass es hier eine auch nur halbwegs sinnvolle Aktion wäre.
Bleibt also nichtmehr vielmehr als 2.
Entweder hat er also 2pair, set, overpair oder er hat einen straight mit 45 getroffen (ziemlich unwahrscheinlich).
Gegen 2pair hast du hier 3 outs für ein höheres 2pair und 2 outs für Trips. Hat er ein Set, hast du keine Outs mehr. Sogar, wenn du noch Trips machen würdest, hätte er ein Full House, was dich auch wieder schlägt. Hat er ein straight stehst du auch recht Chancenlos da. Aber gegen ein Overpair hast du häufig wieder die 5 outs wie gegen 2pair. Einen straight hat er hier vielleicht in 10% der Fälle und ein Set in 30%. Bleiben dir also noch 60% von 5 outs. Wenn wir also pi*daumen mit hinzumultiplizieren, bleiben uns hier vielleicht noch 3 outs.
Nicht gerade viel und zum callen nicht genug.
Theoretisch bräuchten wir für einen call also einen Pot der mindestens 15 Big Bets enthält. Unser Pot enthält aber erst 7,25 BB (4,25 vor dem Turn + 1 bet von uns + 2 bets durch raise vom Gegner = 7,25) also ein fold. Wir sollten aber abwägen, ob wir hier folden. Ein fold könnte fatale Folgen haben. Dieser raisende Gegner macht viel Mist, aber man sollte nie au�?er Acht lassen, dass ein Gegner, der viel raised, zumindest auf den Tisch guggt und uns damit doch zusieht. Wenn wir hier also folden, kann dies unseren Gegner zu dem Gedanken führen, dass wir Angst vor Turnraises haben und uns damit mehr bluff-turn-raisen. So etwas wollen wir aber überhaupt nicht. Aus diesem Grund ist es am Tisch sitzend doch häufiger mal nötig hier zu callen und am River zu folden, wenn wir keine unserer 5 outs treffen (wir zählen nur 3 für die Odds, aber trotzdem ist es Möglich dass uns eine von diesen 5 hilft).
Am River haben wir hier auf jeden Fall leichtes Spiel. Treffen wir hier eine der 5 Karten, callen wir, ansonsten folden wir. Wenn wir am River noch vor schwierige Entscheidungen gestellt werden könnten, neigen wir dazu schon gegen den Turnraise zu folden und uns an die Mathematik zu halten. Solange der River wie bei dieser Hand hier aber keine gro�?en Fragezeichen bieten, wird fällt es uns leichter, aus strategischen Gründen ab und zu mal am Turn zu callen.
Häufig wird der Gegner hier den Pot mit einer der aufgezählten Hände mitnehmen.
Okay, was haben wir gelernt?
-Ein Gegner der einen Fehler macht, ist kein Grund, den selben Fehler zu machen. Entferne dich nicht vom SHC, nur weil ein Gegner dieses nicht kennt. Hättest du preflop gefoldet, hättest du hier einiges gespart.
-Selbst nachzudenken, kann einem beim Pokern mehr bringen, als das Auswendiglernen von Verhaltensmustern. Das Verhaltensmuster wäre hier 3 outs -> fold turn. Das bringt uns später aber wahrscheinlich in Schwierigkeiten, die uns mehr kosten als 1 BB. Sich mit charts und Grundregeln zu verheiraten, bringt einen nicht an die 100$/200$ tables. Es ist immer wichtig, dass man versucht, mitzudenken und seine Situation abzuschätzen.
-Wenn ein Gegner call flop, raise turn spielt, fangen alle roten Lämpchen die wir in unserem Kopf haben, an zu leuchten (ja, jeder uns in einem solchen Moment ansieht, wird uns ganz genau erklären, dass er NICHT John Connor ist.)
-Unterhosen können sprechen.
Alle 4-5 Sekunden im Eifer des Gefechts eine solche strategische �?berlegung machen, ist aber nicht möglich und mir kann keiner erzählen dass er das kann.