Der Ausdruck "Donkbet" kommt von "donkey" (Esel), womit suggeriert wird, dass es sich um eine dumme oder merkwürdige Aktion handelt. Die genaue Bedeutung kann variieren:
Definition 1: Allgemein: Eine unerwartete Bet (Bet out of nowhere), deren Bedeutung sich schwerlich erschliesst, da sie nicht im Einklang mit der bisherigen Betting Sequenz zu stehen scheint.
Definition 2: Eine riskante und egozentrische Bet, welche die Gefährlichkeit des Boards in Verbindung mit Stärke demonstrierenden Gegnern ignoriert. Häufig weist das auf schwache Spieler hin, die nur stur (Esel) ihre eigenen Karten spielen und nicht schauen, was um sie herum passiert. Solche Spieler betten z.B. ihr Top Pair out of position, obwohl Straight- und Flushmöglichkeiten bestehen, oder die Action nahe legt, dass ein Gegner bereits „2 Pair or better“ hat.
Definition 3: Eine Donkbet seitens eines starken Spielers kann auf eine Stop-and-go-Taktik zurückzuführen sein.
a) Donkbet Turn
Bei einer Standard-Donbet handelt es sich normalerweise um eine Bet auf dem Turn in Early Position gegen den Flop-Raiser.
a1) Heads-up gegen den Flop-Raiser nach "check-call Flop" oder "bet/call Flop":
Man spielt diesen Zug mit sehr starken Händen (z.B. Set) gegen aggressive Gegner, in der Hoffnung, geraist zu werden, damit man daraufhin reraisen kann. Auf diese Weise kann man mehr Chips verdienen als mit der Alternative "check-raise Turn".
Der psychologische Vorteil: Man hofft, dass die Lead Bet auf dem Turn als Bluff ausgelegt wird, und mit einem Gegen-Semibluff gekontert wird.
Der monetäre Vorteil: Man hofft darauf, dass der Gegner eine teure Second Best Hand besitzt (AK bei einem Flop mit einen A, man selbst hält ein Set), und aggressiv for value raist.
Der positionelle Vorteil: Man gibt dem Gegner keine Chance auf eine Freecard.
Der Magnet-Vorteil: Man lässt den Gegner nicht so einfach von der Hand. Bei einem normalen "check-raise Turn" gibt es für viele Gegner ein leichten Ausstieg.
Das folgende Beispiel stammt von garandou:
Party Poker 5.00/10.00 Hold'em (4 handed) link
Preflop: Hero is SB with 6♦, 6♥.
UTG calls, 1 folds, Hero raises, BB 3-bets, 1 folds, Hero calls.
Flop: (7.00 SB) 6♣, 5♠, J♣ (2 players)
Hero checks, BB bets, Hero calls.
Turn: (4.50 BB) 5♥ (2 players)
Hero bets, BB raises, Hero 3-bets, BB calls.
River: (10.50 BB) K♥ (2 players)
Hero bets, BB calls.
Final Pot: 12.50 BB.
a2) Trapping mehrer Spieler mit einer Monsterhand:
"bet/cal Flop" > "bet Turn". Wenn das Board ungefährlich ist, kann man versuchen, Gegenspieler zwischen dem Flop-Aggressor und einem selbst zu trappen, um maximalen Value aus der Hand zu holen. Das folgende Beispiel stammt von pKay:
Party Poker 2.00/4.00 Hold'em (9 handed) link
Preflop: Hero is SB with 7♣, 7♠.
2 folds, MP2 calls, 1 folds, CO raises, Button calls, Hero calls, BB calls, MP2 calls.
Flop: (10.00 SB) A♣, 7♥, 2♠ (5 players)
Hero bets, BB calls, MP2 folds, CO calls, Button raises, Hero calls, BB calls, CO calls.
Turn: (9.00 BB) 3♦ (4 players)
Hero bets, BB calls, CO calls, Button is all-in ($1.00).
River: (12.25 BB) J♣ (4 players, 1 all-in)
Hero bets, BB calls, CO calls.
Final Pot: 15.25 BB.
b) River Donkbet Heads-up:
Eine weitere interessante Version der Stop-and-go-Taktik ist die Sequenz "check-call Flop" > "check-call Turn" > "bet River". Angenommen, man spielt im Big Blind gegen einen Pre-flop-Raiser und befindet sich gegen ihn heads-up auf dem Flop.
b1) Der Flop kommt mit relativ niedrigen Karten, man trifft eine von ihnen und setzt den Gegner aller Wahrscheinlichkeit nach auf zwei hohe Karten. Am River würde der Gegner natürlich mit einem unimproved AK nur noch checken. Bettet man nun den River, gewinnt man gegen Leute, die einen auf einen Bluff setzen und gewohnheitsgemä�? mit "Ace high" callen noch eine Bet. Was ist aber, wenn der Gegner ein Overpair besitzt? Häufig callt er dann den River nur, aus Angst, gegen "2 Pair or better" zu stehen. Auf diese Weise verliert man nur die gleiche 1 Big Bet, die man auch durch "Check-call River" verloren hätte. Diese Spielweise scheint besonders gegen eine Callingstation interessant. Eine solche callt den River mir "Ace high" und raist ihn nicht mit einem Overpair. Sie sollte aber auch wiederum nicht so passiv sein, dass sie den Turn unimproved niemals betten würde.
b2) Wieder kommt der Flop so, dass er zwei hohen Karten nicht hilft. Diesmal erwischt man einen starken Draw. Der Standardmove wäre jetzt "check-raise Flop" > "bet Turn". Wird der Flop daraufhin von einem sehr aggressiven Gegner gethreebettet, würde man a) den Turn betten, wenn der Draw ankommt (das ist eine Donkbet) und b) könnte man einen Checkraise-Semibluff bringen, wenn dies nicht der Fall ist. Der Semibluff hat aber nur Sinn, wenn man dem Gegner so viel Aggression unterstellt, dass seine Threebet am Flop sehr gut ein Semi-Bluff hätte sein können. Wie sieht es mit den Alternativsequenzen aus?
Alternative 1: "check-call Flop > check-raise Turn"
Das Problem hierbei ist, dass die Fold-Equity nicht grö�?er ist, da bereits 1 Big Bet mehr im Pott ist, als bei unserem Standard-Move. Natürlich ist dies ein sehr kraftvoller Zug, doch sind Checkraise-Bluffs am Turn heute nichts Ungewöhnliches mehr, so dass man danach nicht automatisch foldet. Ein weiteres Problem besteht in der Gefahr eines Check Behinds am Turn, was unseren Semi-Bluff verhindert. Betten wir nun den River, könnte das als "Bluff nach gezeigter gegnerischer Schwäche" am Turn ausgelegt werden. Der Gegner würde dann sicherlich mit einem gro�?en Ass (Bluff-Catcher) callen.
Alternative 2: "check-call Flop" > "check-call Turn" > "bet River"
Diesmal dient die Donkbet als Riverbluff, sollte sich der Draw nicht materialisieren. Diese Sequenz ist eher ungewöhnlich, da die Fold-Equity hier geringer ist beim Checkraise am Flop.
b3) Man hält ein A mit Weak Kicker OOP (out of position) gegen einen Preflopraiser.
OnkelHotte hat uns folgendes Beispiel aus dem 2+2-Forum heraus gesucht:
UB 10/20: I limp UTG with Ah7. Folded to the button who raises. Blinds drop out. I call. Flop: Ac 5h 3d Check. Bet. Call. Turn: 9c Check. Bet. Call. River: Ts I bet.
Untersuchen wir die gespielte Strategie: "check/call Flop > check/call turn > bet/call River". Wir nehmen an, dass es sich beim Gegner um ein TAG (tight-aggressive Player) handelt, was auf dem Niveau 10/20 häufig der Fall ist. Durch die Riverbet versucht man, maximalen Value aus der Hand zu extrahieren, indem man Underpairs keinen Free Showdown gewährt. Eine solche Bet wird nur selten von grö�?eren Assen geraist, aus Sorge vor vor "2 pair or better". Liegt man hinten, verliert man damit also in der Mehrzahl der Fälle die gleiche Big Bet wie nach "check-call". Liegt man vorne, gewinnt man eine zusätzliche BB.
Wie sieht es mit der Alternativstrategie "check-raise Flop > bet Turn" aus? Ein TAG könnte dort seine TT folden, wonach wir im Gegensatz zur Standardvariante nur eine SB verdienten. Mit einem gro�?en Ass würde er jedoch den Flop oder den Turn raisen, was für uns kostspieliger wäre.
Wir verändern nun zwei Parameter, zuerst den Spieler, dann das Board. Beide Veränderungen begünstigen die Sequenz "check-raise Flop > bet Turn":
Angenommen, wir befinden uns in der gleichen Konstellation gegen einen loose-passive Player. Hier wäre die Variante "check-raise Flop > bet Turn" interessanter, da der LPA seine TT vermutlich nicht folden würde. Au�?erdem wäre er weniger dazu aufgelegt, mit einem gro�?en Ass auf dem Flop oder Turn zu raisen. Drittens beherzigt ein LPA das Follow-through-Prinzip unter Umständen nicht. Mit einem Underpair würde er am Turn nur check-behind spielen, was unsere Standard-Sequenz entkräften würde.
Nehmen wir an, das Board wäre Ac Th 9h. Es ist Draw Heavy, da Flush- und Gutshot Draws möglich sind. Ein solches Board favorisiert ebenfalls die Sequenz "check-raise Flop > bet Turn", da 1. Draws leichter in der Hand blieben (selbst wenn die Odds nicht ausreichen) und man 2. eher auf einen Semi-Bluff mit einem Draw gesetzt wird (mit entsprechendem Calldown von Underpairs). Natürlich ist ein Draw Heavy Board auch weniger dazu geeignet, dem Gegner eine Freecard zu erlauben.