Ok, dann werfe ich noch mal eine Ergänzung ein, die vielleicht auch besser meinen ersten Post erklärt.
Von einem Kommentar zum Flop habe ich abgesehen, weil ich denke, das kann man mal so und mal so spielen. Es ist ok, das zu checken, es ist auch ok, mal zu bluffen, weil nur Flush Draws zu bluffen zu wenig ist. Da kann man backdoor Hände durchaus reinmischen, um es Overcards schwer zu machen, die er vielleicht nicht immer contibettet. Man muss damit rechnen, dass man am Turn oft noch mal betten muss, wenn man am Flop bettet, da preflop 3-bet plus check/fold Flop auf trockenem Board so gut wie nicht vorkommt. Ausser der Gegner ist wirklich weak oder teilt seine Range am Flop extrem in der Weise, dass seine Checks wirklich schach sind.
Von der Balance her ist das kein Problem, da man am Flop vor allem dann valuebettet, wenn man auch noch am Turn und River damit eine Valuebet hat. Mit anderen Händen betreibt man eher Potcontrol. Bets am Flop sind daher stark polarisiert. Da aber die gegnerische Range prinzipiell immer noch stark ist, wird man auch viele made Hände behind checken. Sowohl die check behind Linie als auch die bet Flop Linie sind damit balanciert. Made Hände und Draws wird man mit beiden Linien spielen. Weil aber die Draws dann auch mal gecheckt werden, kann man auch andere Hände als die besten Draws bluffen. Insgesamt aber selten, weil man wegen der Rangedifferenz nicht so häufig bettet.
Ich würde einen Bluff mit QTs oder so vorziehen anstatt T9s, weil QTs immerhin schon ein Overpair blockt und auch AQ, was der Gegner check/call spielen könnte. Das sind zusammen mehr Kombos, als T9s blockt (TT/99), was der der Gegner ebenfalls nicht aufgeben wird. Ich denke ausserdem, dass der Gegner TT/99 durchaus öfter betten sollte, weil er damit noch oft vorne liegt, diese Hände aber viele Karten fürchten müssen, von denen sie überholt werden können. TT/99 hat nach check/check Flop am Turn oft grosse Schwierigkeiten und muss dann aufgegeben werden. Deren Equity lässt sich mit einer Bet am Flop besser realisieren. Das heisst, unter Berücksichtigung des Checks blockt T9s gar nicht so viel. QTs blockt mehr, was der Gegner callt.
Die Floptextur ist generell günstiger für den 3-Bettor. Das ist bei allen gepairten Boards so, ganz besonders, wenn sich die niedrige Karte paart. Übermonster haben hier beide ungefähr gleich viele, weil keiner wirklich viele 6en hat, JJ sich aber in beider Range befindet. Beim Rest hat Villain mehr Overpairs als Hero und auch bessere top Pairs. Der made Hand Vorteil liegt ganz klar auf Villains Seite. Er sollte oft betten, range-betten muss er aber nicht.
Das ändert sich sehr am Turn. Die Range von Villain ist durch die zwei Checks bereits deutlich geschwächt, weil er durchaus motiviert ist, seine kleineren Pairs am Flop zu betten, um sie zu schützen und im Fall von QQ auch guten Value zu erzielen. Das einzige Overpair, das keine Probleme nach check/check hätte ist AA. Genau deswegen wird der Solver (ich habe keinen, solche Situationen aber schon woanders analysiert gesehen) AA häufig am Flop checken, die anderen aber häufig betten, und zwar um so häufiger, je niedriger sie sind. Kombiniert mit dem Check am Turn heisst das, der Gegner sollte nur noch selten ein Overpair haben, da er nur sehr selten zweimal check spielen sollte. Irgendwann muss ja der Value reinkommen und jetzt gibt es schon zwei mögliche Flush Draws, die gefährlich sind.
Andererseits passt die Turnkarte viel besser in die Range von Hero als in die von Villain. Das heisst, am Turn hat sich die Boardstruktur unter Berücksichtigung der Schwächung von Villains Range durch die zwei Checks zugunsten von Hero gedreht. Wenn das so ist, dann kann Hero jetzt häufig betten (und er sollte es auch). Hero hat einen guten Draw, der sich zu einem Monster entwickeln kann und es gibt sehr viele Karten auf dem River, die er erfolgreich bluffen können wird, weil es so viele andere Draws gibt, die Hero auch haben könnte.
Der Draw von Hero kann keine guten Pairs treffen und benötigt viel Foldequity. Deswegen würde ich mit diesem Draw eine höhere Bet bevorzugen. Ein Draw, der gute Pairs treffen kann wie z. B. KQs mit Flush Draw braucht nicht so viel Foldequity, weil er häufiger den Showdown gewinnt. Den kann man daher kleiner betten. Insgesamt aber mixt man die Linien etwas, damit man mit jeder Size am River das absolute Monster hat. Auch aus Balancing-Gründen will man ein paar grosse Bluffs spielen, weil man die Monster gross spielen muss, um sie am River all-in zu bekommen.
Zum Sinn des Min-checkraises des Gegners ist halt festzustellen, dass man keine Reads hat. Es ist möglich, dass er ein Freizeitspieler ist, aber man weiss es nicht. Er hat einen grossen Stack und keinen Krüppelstack. Andere Reads hat man nicht. Wirklich Sinn ergibt die Linie nicht viel. Ich habe jedenfalls auch schon Freizeitspieler gesehen, die diese Linie gewählt haben, weil sie am Turn etwas aufgepickt haben, weil sie Asse so spielen oder weil sie denken, sie wollen sich nicht einfach so aus der Hand bluffen lassen, andererseits aber auch nicht wirklich in den Showdown wegen der vielen möglichen Draws, die ihnen am River eine schwierige Entscheidung aufzwingen würden. Über Foldequity gegen made Hände denken sie dabei nicht nach. Sondern nur darüber, ob sie damit einen Bluff rauskriegen, weil sie am River keinem weiteren mehr ausgesetzt sein wollen.
Es ist schwierig und müssig, über die Gedankengänge von Freizeitspielern zu spekulieren, weil diese oft von Irrationalität geprägt sind und sie in dieser viel mehr Fantasie haben als man selbst. Betsizing ist schwierig, für Regulars schon und noch viel mehr für Freizeitspieler.
Deswegen würde ich keinen Herofold machen wollen.
Über den River habe ich schon alles erklärt.