Diese Hand fängt schon viel früher an, interessant zu werden. Zunächst preflop: es ist die Frage, ob du das überhaup callen solltest. Der Gegner ist nicht überaggressiv mit seinen 3-bets. Er ist so mittelaggressiv postflop, aber ich vermute, in 3-bet Pötten wird er aggressiver sein, weil die Ranges viel enger sind und er dann viele gute Hände hat. Die 3-bet Size ist nicht klein. Es gibt daher wenig Grund, vom Üblichen abzuweichen.
Nach der Einsteigerstrategie würdest du auf die 3-bet folden, weil du diese Hand nur in Position callen würdest (also gegen SB oder BB). GTO-Wizard mag den Call auch nicht besonders. Er callt zu 16,5% und foldet zu 83,5%. Pflichtcall ist es keiner.
Am Flop gibt es wieder eine interessante Situation: Lauter kleine Karten. Jetzt muss man sich die Ranges anschauen: die gegnerische Range besteht aus hohen Pockets und hohen high Cards, deine besteht aus vielen Pockets und nicht vielen high Cards, allerdings sind deine Pockets kleiern als die des Gegners. Der Gegner hat also einen Vorteil an hohen Pockets, du hast einen Vorteil an Sets und der Gegner hat einen Vorteil an high Card Händen, was in diesem Fall ein Nachteil ist.
Die Rangeverteilung am Flop sieht also wie folgt aus:
Monster - dein Vorteil
starke made Hände - Gegner Vorteil
mittlere made Hände - dein Vorteil
schwache Hände - gegnerischer Vorteil ( = Nachteil)
starke Draws - dein Vorteil (du hast einen viel höheren Anteil an suited high Cards als er)
oesds - ausgeglichen (keiner hat einen)
Gutshots - dein Vorteil
backdoor Draws - sein Vorteil (durch seine offsuit high Card Hände)
insgesamt: leichter Rangevorteil für dich, Nutvorteil für dich, Drawvorteil mit Monsterpotenzial für dich
Das heisst, am Flop gibt es eine ganze Menge Möglichkeiten für dich. Es kommt in Frage: Donkbet, check/call, checkraise (check/fold nicht mit deiner Hand)
Wenn man ein Indiz dafür hat, dass der Gegner eine Rangebet spielt (machen sehr viele Leute in Position nach einer 3-bet), dann ist eine Donkbet wenig attraktiv. Eine Rangebet des Gegners würde dafür sorgen, dass er einen sehr hohen Anteil an high Card Händen hat, die keine guten Draws sind. Dazu noch blockst du genau solche Draws.
Checkraise Flop wäre also schon mal ein starker Kandidat für dich. Noch stärker wird das dadurch, dass weder A high noch K high besonders stark geblockt wird. Du unblockst seine Bluffs (die dich allerdings schlagen), das ist eine sehr gute Ausgangsposition für einen Gegenbluff.
Es ist zwar möglich, dass ein Overpair dann reraist/all-in stellt, aber für deinen Draw mit backdoor Straight Draw ist das kein Problem. Du hast dann immer noch genug Equity, um das callen zu könmnen und brauchst um deine Equityrealisierung nicht zu fürchten.
Check/call würde ich eher mit Draws spielen, die seine high Card Bluffs blocken, also A high und K high.
Es ist nicht klar, ob die Size des Gegners bedeutet, dass er keine Rangebet spielt. Normalerweise sind Rangebets kleiner (vergleiche Einsteigerstrategie). Es kann aber immer eine Abweichung im Gegnerverhalten geben. Ohne Reads ist das nicht zu beurteilen. Es würde aber für deine Checkraises keinen grossen Unterschied machen, da die mehr oder weniger polarisiert sind. Gegen eine Rangebet hättest du mehr Bluffs. Deine konkrete Hand ist immer ein Bluffkandidat für einen Checkraise auf dem Flop, weil die Equityrealisierung nicht gefährdet ist.
Auf dem Turn kommt jetzt eine high Card. Die trifft der Gegner gelegentlich, mit AJ/KJ/QJs usw. Du triffst sie auch, aber seltener. Du hast nicht viele Jx in der Range. Nach check/call Flop hat sich deine Range geschwächt, weil du den stärksten Teil vielleicht auch mal checkraisen würdest. (Nicht zwingend, weil du das auch immer noch am Turn machen kannst, denn der Gegner wird auf so einem Board häufig eine zweite Contibet auf dem Turn setzen.)
Das heisst, auf dem Turn hat sich der Rangevorteil zu Gunsten des Gegners verschoben. Der Nutvorteil ist geringer geworden, weil du sehr wahrscheinlich keine JJ in der Range hast (wäre preflop 4-bet). Du kannst die Range des Gegners immer noch angreifen, weil du vielleicht nicht alle Sets am Flop checkraist. Deine konkrete Hand ist dein bester Monsterdraw.
Überwiegend wirst du daher am Turn weiter check/call spielen. Jedoch kannst du die Range des Gegners immer noch angreifen, aber nur polarisiert. Da es dabei um ein all-in geht, hat der Gegner keine Möglichkeit, dir die Equityrealiserung deiner Bluffs zu zerstören. An sich möchtest du da die Anzahl deiner Kombos maximieren, die du gegen die gegnerische Bet fortsetzen kannst. Draws, die gut check/call gespielt werden können, sollten überwiegend check/call gespielt werden. Draws, die nicht genügend Equity haben, um noch check/call gespielt werden zu können, rücken in die Bluffrange, damit sie überhaupt noch gespielt werden können.
Dein Draw ist mit Sicherheit einer, der check/call gespielt werden kann. Welche Draws sind in Schwierigkeiten? Die backdoor Flush Draws vom Flop haben jetzt auch einen Flush Draw. Die sind wohl nicht in Schwierigkeiten. Was in Schwierigkeiten ist, sind deine Pairs. 98s, 77, 55, 99. TT hat wahrscheinlich noch zu viel Showdownvalue.
Überraschend also sollten die Bluffs vor allem 55 oder 77 sein, weil sie mehr Outs haben als die anderen Pairs. TT hat vielleicht noch zu viel Showdownvalue. 98s und 99 wären die nächstbesten Kandidaten.
Dein Draw ist einfach check/call.
Die Linie checkraise Turn ist grundsätzlich eine Linie, die von dir gespielt werden kann, solange du sehr starke Hände (Sets) in der Range hast. Wenn man also auf checkraise mit 77 oder 55 nicht kommt, dann wäre dein Draw eine gute Möglichkeit, weil sie noch sehr viel Equity hat für den Fall, dass der Bluff nicht funktioniert.
Die von dir ausgerechnete Equity für den Call ist nicht knapp, weil es nicht um eine Hand mit Showdownvalue geht. Du hast einen Draw auf eine Nuthand und der hat immer auch implied Odds. Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen.