Original von SmartDevil
variante 1: PUSH preflop, anstelle der 4bet
dann gewinnst du einerseits einige pötte direkt aufgrund der foldequity.
andererseits hast du sonst meist einen coinflip.
ganz selten liegst du gegen kk oder aa deutlich hinten. ebenso selten wirst du von aq oder sonstigem gecallt.
vorteil: kein stress am flop
nachteil: kann zu extremer varianz führen
variante 2: keine 4-bet preflop
dann kannst du beruhigt am flop folden, wenn du nicht getroffen hast oder auch deine winnings erhöhen, wenn du triffst.
a. weil der andere dir nicht glaubt, dass du genau die eine overcard (dem k) getroffen hast und deshalb seine jj weiter spielt.
b. weil der andere mit aq auch das a getroffen hat und lustig weiter barrelt.
andererseits gehen dir winnings verloren, die du aufgrund deiner 4-bet und dem fold des anderen spielers gemacht hättest.
für die frage deiner spielweise sind aber einige weitere faktoren entscheidend.
- welches limit?
- welcher gegner?
- wie gut spielst du oop postflop?
bist du ein guter spieler, dann sehe ich bei variante 2 den höheren ev für dich.
Beide Lines sind grundsätzlich nicht gut!
Es gibt im NL ein paar Grundregeln an die man sich versuchen sollte zu halten. Zum einen möglichst unlesbar zu sein, zum anderen es zu vermeiden 3-bettet Pots OOP zu spielen.
Ab und an lässt sich zweiteres nicht verhindern, aber man muss es nicht wirklich herausfordern.
Wenn du also Preflop direkt pusht, wie balanced du das? Du müsstest dann auch deine Aces, Kings, Queens, deine Bluffs etc. alle direkt shippen. Das ist doch gar kein Verhältnis nach 3,5BB Opener und 11BB 3-bet da für 100BB zu shippen!
Damit ermöglichst du es Villain doch nahezu fehlerfrei gegen dich zu spielen und nimmst dir selbst weitere Optionen. Egal mit welcher Hand, wenn man hier 4-bettet sollte man eine normale Raisesize auswählen, und da ist 28$ schon das Maximum. 25$ täten es im obigen Spot ebenso!
Variante zwei ergibt den miesesten Spot im NLH. 3-bettet Pot, OOP, ohne Initiative. Letztlich ist es ja auch kein Trap-Call oder ein Call auf implieds, meistens wirst du ja ein A/K High Board benötigen. Was zahlt dich dann aus? Es ist die alte Leier mit AK, Anna lebt halt von der Foldequity und passabler Equity wenns All-in geht, die Playability ist immer arg eingeschränkt da jeder Hit auf dem Board sehr offensichtlich ist.
Meiner Meinung nach sind beides keine Optionen.
Natürlich wären weitere Angaben hilfreich, wer ist Villain, welche Stats hat er, irgendwelche Reads etc.pp. Scheint nicht der Fall zu sein.
Somit ist die Frage: Womit callen irgendwelche Typen 4-bets?
Grundsätzlich gibt es dort 3 Möglichkeiten:
1.) Traps
=> KK+, werden auf die 4-bet hin gecallt, da man Hero häufig bluff-4-betten sieht (er hat schon einige 4-b/folds hingelegt). Daher wird nur gecallt, der Spot soll im Vakuum +EV gespielt werden, Balancing steht hinten an (ansonsten werden kaum 4-bets gecallt). Da die 3-bet vernünftig war von Villain würde das evtl. auf LAGs und tricky TAGs zutreffen, da kann man das selten ausschließen.
2.) Wacklige Hände
=> Dazu zählen AK, ab un an AQ sowie QQ und JJ. Irgendwie wollen die Leute nicht broke gehen, aber zum folden ist die Hand auch zu gut. Kennt man ja noch von seinen Anfangstagen, man kann sich halt schwer davon trennen und schaut sich mal den Flop an. Dass ein Push besser wäre wissen die Leute nicht, gerade mit AQ und JJ begibt man sich da in ganz miese Spots.
3.) Crap
=> Dies trifft auf zwei Typen zu: Calling Stations und Maniacs. Die Calling Station 3-bettet grundsätzlich wenig, aber wenn dann eine sehr undurchschaubare Range. Wenn da mal ein Bluff gestartet wird, wird auf eine 4-bet auch nicht gefoldet. KJ ist gut genug und 75s könnte ja den Flush treffen.
Bei den Maniacs ist es umgekehrt, sie sind der Meinung Hero auf den meisten Flops noch rausmoven zu können.
Welche Spielweise sollte man also festlegen?
Ohne Reads ist es im obigen Beispiel schwer zu sagen. Was kaum geht ist b/fold, weil die Bet an und für sich wenig Sinn macht. Was besseres muss nicht unbedingt folden, was schlechteres nicht unbedingt callen.
Man MUSS halt eine Eingrenzung der obigen drei Typen treffen. Glaube ich am ehesten an Typ 1, also die Traps, kann man es einfach c/f. Wenn der Typ regulär spielt und zum ersten mal eine 4-bet callt kriegt er Credit, sein Anteil an Traps wird am größten sein, dazu helfen mir QQ/JJ auch nicht weiter (foldet er nicht). Man ist da einfach zu weit hinten, zu balancen gibt es nichts (Ausnahmespot). c/f ist kein Fehler!
Glaubt man aber eher an eine Mischung aus 2 und 3, also teilweise JJ/QQ/AQ+ und einige schlechtere Hände, kommt man langsam in den Bereich wo man nicht aufgeben muss.
Gruppe 2:
Board: 7h 6d 3c
Dead:
Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 53,287% 38,714% 29,146% 32,140% AsKh
Spieler 2: 46,713% 32,140% 29,146% 38,714% JJ-QQ, AQs+, AQo+
Dazu kommen die Hälfte an Traps, da sie nicht völlig ausgeschlossen werden können. Wir nehmen alle AA-Kombis.
Board: 7h 6d 3c
Dead:
Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 48,939% 35,513% 26,852% 37,635% AsKh
Spieler 2: 51,061% 37,635% 26,852% 35,513% AA, JJ-QQ, AQs+, AQo
Und nun Gruppe drei dazu, 3 Bluff-Hände. Aber welche mit Equity auf diesem Flop, bspw. 88, 87s und A:d3:d.
Board: 7h 6d 3c
Dead:
Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 43,094% 32,560% 21,067% 46,372% AsKh
Spieler 2: 56,906% 46,372% 21,067% 32,560% AA, JJ-QQ, 88, AQs+, 87s, AQo+,Ad3d
Wie man sieht sind es gerade die "crap"-Hände ide unsere Equity im Grunde stören (gegen ein Pair haben wir halt nur 6 Outs), dafür können wir dagegen aber Foldequity erzeugen (dass JJ+ hier nicht foldet ist wohl klar).
WENN wir also annehmen gegen solch einen Typen anzulaufen der solch eine Range haben könnte (wie gesagt, wenn nicht => c/f, tut nicht weh...), was wäre dann die beste Line?
Zwei Optionen:
=> Ist Villain derjenige der gerne aggressiv moved, wäre Gaybet/broke eine Option!
Hero MP (100BB)
Villain BU (100BB)
rest wayne
Dealt to Hero A Spade K Heart
Hero raises to 3,5BB, BU raises to 11 BB, Hero raises to 28 BB, BU calls.
(57,5 BB Pot) Flop ist 3:Club 6:diamond 7:Heart
Hero bets 15BB, Villain raises All-in, Hero calls...
=> Ist Villain eher jemand der zwar gerne mal blufft, aber von de du einen AI-Move eher nicht erwartest =>
Hero MP (100BB)
Villain BU (100BB)
rest wayne
Dealt to Hero A Spade K Heart
Hero raises to 3,5BB, BU raises to 11 BB, Hero raises to 28 BB, BU calls.
(57,5 BB Pot) Flop ist 3:Club 6:diamond 7:Heart
Hero checks, Villain bets 20BB, Hero raises All-in...
In beiden Fällen benötigt man keine dicke Equity mehr, in Beispiel 1 auf den Call des AI (wobei wir darauf aus sind Bluffs zu inducen) bräuchten wir keine 30% Equity mehr, in Beispiel zwei erzeugen wir immer noch selbst Foldequity, aber auch im worst case müssten wir aufgrund der Potgröße am Flop ca. 35% Equity unser Eigen nennen.
Und das sieht bei obigen Ranges gar nicht schlecht aus!
Wichtig ist nur, sowas nicht als Standard zu betiteln. Eine Equity-Rechnung gegen KK+ spare ich mir an dieser Stelle, ohne jeglichen Reads kann man nicht einfach auf solch eine Range hoffen. Aber bei einigen Spieler ist sie nicht unwahrscheinlich.