Original von Veit96
[...] dies gilt für jede farbliche Hand (auch grau beim ersten chart?)
Die grau hinterlegten Hände (22-55) sind aus dem Programm heraus einfach so markiert. Gerade am Anfang würde ich die folden.
Original von Veit96
und gilt dies auch für die UTG und UTG+1 Position, wenn man beispielsweise ein mittelmässiges Pair (77) hält, 4bb zu raisen?
Ja, das gilt durchgehend. Liegt u.a. daran, dass wir sonst ausrechenbarer sind, wenn wir mit den marginalen Händen kleiner raisen als mit den starken Händen.
Original von Veit96
Hatte heute eine Situation in der ich TT auf dr BTN-Position hatte und in einer Middleposition wurde geraist. Laut deinen Charts musste ich diese Hand folden und das erschien mir sehr sehr unlogisch.
Das ist gerade am Anfang durchaus möglich. Allerdings kommt es auf den Gegner und vor allem die Stacks an. Es gilt ja als Sonderregel die "Call20-Regel". Das bedeutet, dass du callen kannst, wenn DU UND DEIN GEGNER noch mindestens das 20-fache des zu callenden Betrages im Stack habt. Habt ihr beide 100bb und dein Gegner reist auf 3bb, dann musst du 3bb callen. Du hast aktuell noch 100bb im Stack und dein Gegner noch 97bb. 97bb/3bb = 32,... Damit ist die Call20-Regel erfüllt und du kannst profitabel callen.
Hat dein Gegner aber nur 40bb im Stack, dann sieht das anders aus. Raist er auf 3bb, dann hat er noch 37bb. 37bb/3bb = 12,... Das bedeutet, dass du nicht profitabel callen kannst.
Der Grund dafür ist etwas schwierig zu erklären. Nehmen wir an, dein Gegner hat eine Idee von dem Spiel und spielt ähnlich, wie du es auch tust. Dann hat er sehr viele Overcards zu deiner Hand in seiner Range. Was machst du, wenn am Flop eine Overcard kommt und er am Flop auch bettet? Dann wird das Spiel schwierig und die Entscheidungen schwerer. Mit den mittleren PocketPairs (und dazu zählt auch TT noch) hast du das Problem, dass du sehr häufig auf Overcards am Flop triffst. Du musst also ein wenig auf dein Set hoffen. Das triffst du in 11% der Fälle. Und jetzt geht das rechnen los:
Du triffst dein Set 11-mal in 100 Versuche und gewinnst seinen gesamten Stack. Dann hast du in den 100 Versuchen 11 * 40bb = 440bb gewonnen.
Du callst und triffst dein Set nicht, musst aber am Flop dann aufgeben. Das passiert in den anderen 89 Versuchen. Also verlierst du in den 100 Versuchen 89 * 3bb = 267bb
Grundsätzlich ist das eine Gewinnrechnung. Du darfst aber nicht vergessen, dass du nicht immer seinen gesamten Stack gewinnst. Oftmals foldet dein Gegner dann am Flop oder Turn und du gewinnst nur verhältnismäßig wenig. Manchmal trifft dein Gegner auch eine bessere Hand als dein Set und du verlierst deinen Stack. Das alles musst du bei dieser Überlegung berücksichtigen. Über die Jahre hat sich das ein wenig gewandelt. Als ich 2006 das erste mal von einer Strategie beim Pokern gelesen habe, war die Regel noch Call15. Also es wurde deutlich häufiger gecallt. Über die Jahre hat sich das aber geändert, und das wird einen guten Grund haben. Ich kann dir die genauen Berechnungen jetzt nicht erklären, weil ich die selber nicht alle auf dem Kasten habe, aber das ist so grundsätzlich die Idee dahinter.
Und falls du auf die Idee kommst mit TT gegen einen Openraise aus MP zu 3betten, dann musst du überlegen, ob du deine Hand in einen Bluff verwandeln möchtest, denn genau das tust du dann oftmals.
Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen.
Wäre aber schön, wenn Paxis seine Meinung auch kundtun würde, auch wenn der Thread schon seit längerem nicht mehr regelmäßig besucht.
BTW: Ich habe auch vor kurzen erst wieder angefangen und spiele diese Strategie. Und ich muss sagen: Sie ist auf NL2/NL5 nach wie vor profitabel. Ist noch keine riesige Anzahl an Händen, aber aktuell liegt die Winrate nach 20.000 Händen bei über 6bb/100 Hände. Und da ist definitiv noch etwas Luft nach oben.