Ich schreibe mal etwas grundsätzliches zum Drawplay, da du offensichtlich noch starke Leaks hast. (die Aussage :" Ich drawe passiv (warum auch immer) ", macht das deutlich denke ich)
1. Hände aggressiv zu spielen macht unter folgenden Umständen Sinn:
i) du bekommst bessere Hände zum folden
ii) du bekommst schlechtere Hände zum call
Wenn man mit Draws raist, dann will man bessere Hände zum folden bekommen
ABER welche Hände die z.b. auf einen Flop Raise callen doublebarreln den Turn? -> nicht so viele
UND wie reagiert man mit bestimmten Draws (z.b. Flushdraws), wenn am Flop plötzlich so starke Action gibt, dass man eigentlich weiss man ist beat, aber muss jetzt weil man einen riesigen Pot aufgebaut hat callen.
=> das aggressive Drawspiel mit MITTELSTARKEN Draws (also 8/9/10 Outer) ist vor allem dann sinnvoll, wenn man dadurch etwas erreicht, was man auf späteren Streets nicht erreichen kann.
Primär hier zu nennen ist:
a) der Gegner bettet den Flop
b) wir raisen am Flop, weil der Gegner oft genug unseren raise am Flop reraist
c) wir können shoven, weil wir noch Foldequity haben
In den meisten anderen Fällen (ich rede hier von 100 - 150 BB Stacks, deepstacked sieht das ganze anders aus) ist ein CALL mit mittelstarken Draws vorzuziehen, weil man mehrere Dinge erreicht:
1. Du balanced deine Flopcallingrange (wenn du Drawinghände IP callst Preflop, dann wirst du wahrscheinlich auch PP und diverse Broadways in deiner Range halten)
2. Du kannst am Turn/River oft mehrere mögliche Hände repräsentieren (z.b. hast du den Flushdraw am Flop gecalled und am Turn kommt ein möglicher Straightdraw an etc.)
3. Auf den Microlimits werden dich die wenigsten Spieler auf drawheavy Flops bluffreraisen. Sie sehen dich auf Drawheavy Flops immer Draws raisen, d.h. deine Foldequity beim Shoven geht gegen 0 auf diesen Limits.
4. Die wenigsten Spieler auf den Microlimits (und auch auf höheren Limits bis NL100 mind) werden dich am Turn massiv unter Druck setzen.
Was man hier also mit Draws machen kann ist es quasi Floats zu machen bzw. delayed Floats. Ein Float ist im Prinzip ein Spielzug bei dem ich versuche dem Gegner eine bestimmte Handrange zu verkaufen, die sich von meiner aktuellen Hand stark unterscheidet.
Wenn ich z.b. T9hh auf einem Qh2h3d Board calle, dann besteht meine Flopcallingrange hier aus vielen Pairs >3x, QTs, Qjs, KQ, vielleicht AQ, vielleicht sogar Sets, aber auch Flushdraws.
Der Großteil meiner Handrange besteht aber aus Made Hands (ich hab hier vielleicht 9 Kombos Flushdraws in meiner Range) und ich repräsentiere diese Range mit meinem Flopcall. Primär wichtig ist es jetzt bei passivem Drawplay zu wissen welche Handrange man repräsentiert und wie man die MADE HANDs die man repräsentiert (die die Range des Gegners schlagen) am glaubhaftesten rüberbringt.
Spielt du mit TT nach dem Flopcall und dem Turncheck des Gegners am Turn B/F oder checkst du in Richtung Showdown? Wieviel Kombinationen an Händen spielst du also aus deiner Range am Turn B/F und wieviele B/C. Daraus einhergehend musst du dir überlegen, wie dein Gegner am Turn reagiert auf deine Spielweise etc.
Hierbei ist auch eigentlich zweitrangig ob dein Gegner über die ganze Sache bescheid weiss, denn was du mit diesem Ansatz versuchst ist es "theoretisch" nahe ans Optimum zu kommen. (du setzt vorraus, dass dein Gegner über deine Handrange bescheid weiss und du weisst darüber bescheid das dein Gegner über deine Handrange bescheid weiss etc.)
Um es kurz zu machen:
100BB deep kannst du am Flop mit Draws Potsizebets in single raised Pots auf jeden Fall callen. Wenn dein Gegner am Turn (und du hast nicht getroffen) größer als 1/2 Pot setzt (und du nicht einen wirklich starken Draw wie z.b. den Nutflushdraw aufgegabelt hast), dann kannst du dort folden.
Rechnerisch:
10BB am Flop und dein Gegner setzt 10BB am Flop -> 2:1 Potodds, wir brauchen z.b. 4:1
-> der Pot müsste am Flop 40BB groß sein, damit wir 4:1 Potodds bekommen.
Die Differenz 40 - 20 = 20BB ist der Betrag der noch gewonnen werden muss auf späteren Streets, wenn wir am Flop callen, um unseren Call 0EV zu machen.
Jetzt setzt der Gegner am Turn in den 30BB Pot wieder 30BB. Wir bräuchten aber einen 120BB Pot, um unseren Call für 4:1 0EV zu machen. D.h. 60BB müssten wir noch gewinnen, um unseren Turncall 0EV zu machen. Mit den ausstehenden 20BB vom Flop und den ausstehenden 60BB vom Turn würden das 80BB machen die wir gewinnen müssen, um am River überhaupt breakeven zu kommen.
Setzt der Gegner am Turn allerdings nur 15BB in den 30BB Pot -> 3:1 Potodds bräuchten wir am River nur 15 weitere BB + 20 BB vom Flop breakeven zu kommen. Und 45BB in einem 60BB Pot bekommt man oft noch von Made Hands.
Jetzt kann aber noch folgendes passieren:
i) der Gegner checkt am Turn -> wir können uns überlegen, ob wir direkt den Turn betten wollen oder in Richtung Showdown gehen wollen (hier solltest du dir überlegen was du repräsentieren kannst, ob du Showdownvalue hast, ob dein Gegner oft C/R spielt und du folden musst etc.)
ii) der Gegner setzt am Turn und am River kommen zig mögliche Hände (die alle in deiner Range sein könnten) an oder auch nicht. Auch hier musst du überlegen, ob es sich lohnt zu bluffen etc.