Netzsperren gab es schon mal. Es nannte sich Zugangserschwerungsgesetz und richtete sich gegen kinderpornographische Inhalte. Dagegen gab es eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, die wurde wegen unzureichender Begründung abgewiesen. Am Ende wurde es dann nicht umgesetzt, weil der Wahlkampf vorbei war und das Gesetz nur dazu diente, Wählerstimmen zu gewinnen. Die grosse Koalition hatte es dann wieder abgeschafft. Aber grundsätzlich verfassungswidrig ist so was nicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zugangserschwerungsgesetz
Die Sorgen der Wettindustrie beziehen sich auf Umsatzrückgänge. Das sind aber nicht die Sorgen der Politiker. Denen geht es vor allem um Wählerstimmen. Solange die Beschränkung des Glücksspiels bei den Wählern ankommt, wird daran festgehalten. Umsatzrückgänge oder Steuerrückgange lassen sich immer noch sehr gut politisch als Erfolg bei der Bekämpfung von Internetglücksspiel verkaufen, was bei sehr vielen Wählern gut ankommt, da sie selbst kein solches Spiel spielen oder nur sporadisch. Wer sich an die Ausschüttungsquote von Lotto gewöhnt hat (50% oder weniger), der hält eine Ausschüttungsquote von 90% in Internet-Glücksspielen für fürstlich hoch.
Glücksspiel hat kein hohes Sozialprestige, ob im Internet oder nicht. Poker wird von vielen als Glücksspiel gehalten, weil sie es selbst nicht spielen, sich darin nicht auskennen und der allgemein verbreiteten Propaganda folgen. Es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass sich eine Bevölkerungsmehrheit um die Nöte von Spielern schert, die gerne ein faires Spiel spielen wollen, das aber wegen niedriger Ausschüttungsquoten nicht bekommen. Viel eher verfängt, dass Spieler, die schon aus Prinzip zu viel Geld übrig haben müssen, sonst würden sie ja nicht spielen, über Steuern und Abgaben anderen Leuten schöne Dinge finanzieren, die wesentlich positiver bewertet werden als Glücksspiel. Kultur- und Sportförderung z. B., die von den Verfechtern niedriger Ausschüttungsquoten durch hohe Abgaben immer wieder gern als schöner Effekt dieser Steuern angeführt werden.
Dass es darum keineswegs um Breitensportförderung geht oder um Kulturförderung in der Provinz oder die Massengeschmackskultur wird gerne verschwiegen und gerne nicht wahrgenommen. Gefördert wird der Spitzensport, von dessen Förderung die wenigsten Bürger etwas haben und die Hauptstadt-Elitenkultur (Hochkultur aus der Zeit des Absolutismus), von der vor allem gut gebildete und wohlhabende Bürger in der Landeshauptstadt etwas haben. Das sind die, die da reingehen. Der arme Schlucker von vor der Lottannahmestelle, der das finanziert, geht nicht da rein. Politiker aber, die sich oft in der Landeshauptstadt aufhalten und diese Art von Kultur gerne mit ihren wohlhabenden Freunden geniessen. Da lassen sich fruchtbare Kontakte knüpfen. Macht auch Spass, sich mit olympischen Medalliengewinnern oder Bundesligameistern ablichten zu lassen, die man so mitfinanziert hat, damit was von deren Prestige zum Ruhme des Ministerpräsidenten abfällt, womit sich dessen Beliebtheit und Wiederwahlchancen steigern. Mit Kreisliagsportlern lässt sich kein Spitzenpolitiker ablichten. Das macht nichts her. Deren Förderung bringt ihnen nichts.
So wie ich die derzeitige Entwicklung auffasse, geht es jetzt vor allem darum, Ausweich- und Absetzbewegungen zu kriminalisieren und zu verhindern. Dazu gehört vor allem die Kontrolle der Finanzflüsse. Deswegen bekommen in letzter Zeit auch so viele Spieler unangenehme Post. Früher hatte man die Spieler nicht verfolgt, aber jetzt tut man es schon. Die Daten verschafft man sich von den Anbietern und vielleicht auch von den Banken. Die Hoffnung wird sein, dadurch erstens etwas Geld einzunehmen und zweitens dafür zu sorgen, dass sich diese Spieler notgedrungen den legalen Angeboten zuwenden. Dann wird das Geld schon reinkommen, ist die Rechnung. Dass die Spieler einfach aufhören könnten, daran wird weniger gedacht. Der Bedarf ist ja da, was sie sehen. Dass Spieler rechnen können glauben sie eher nicht, sie selbst können es ja auch nicht.
Der Rückgang müsste schon sehr erheblich sein, damit die Politiker erkennen, dass ihr Plan wieder einmal gescheitert ist. Davon ist es noch weit entfernt. Ausserdem heisst das noch lange nicht, dass man es endlich mal den Verbrauchern recht machen will. In der mehrhundertjährigen Geschichte der Glücksspielregulierung war das noch nie der Fall. Die Ausnahme sind reiche terrestrische Casinospieler. Deren Ausschüttungsqoten bei Roulette und Co. sind durchaus hoch. Abkassiert werden die weniger Reichen mit ihren kleinen Einsätzen. Da gibt's durchaus ein ziemlich grosses Sozialprivileg. Passt auch gut zum Zweck, zu dem die Einnahmen verwendet werden (siehe oben).