1) Poker kann als Sport betrieben werden, ähnlich Schach und e-Sport. Poker hat deutliche Wettkampfaspekte, die insbesondere in Turnieren und Ranglistenwettbewerben zu Tage treten. Das cash game findet seine Entsprechung in freien Partien um Geld im Schach. Poker spielen erfordert ständige Aufmerksamkeit und Konzentration. Entscheidungen müssen meistens unter Zeitdruck getroffen werden. Abseits vom Spiel arbeitet ein ernsthafter Pokerspieler durch Training und häusliche Analyse an seinem Spiel.
2) Ich denke, dass Poker weder einfach, noch ein Glücksspiel ist. Dass Poker nicht einfach ist, sieht man schon an der zahlreich vorhandenen und schnell anwachsenden Literatur über verschiedene Aspekte des Pokerspiels und daran, dass die meisten Spieler langfristig nicht erfolgreich sind. Konsens der Literatur ist, dass der Erfolg im Poker nicht in erster Linie auf Glück beruht. Es gibt einen messbaren Spielstärkeunterschied zwischen den Spielern, der nur auf unterschiedliches Geschick zurückzuführen sein kann. Es gibt einen signifikanten Anteil von Spielern, die Poker langfristig gewinnbringend spielen. Auch das kann nicht auf Glück zurückzuführen sein.
3) Schach ist ein Sport, auch wenn dieser Sport keine besonderen körperlichen Anstrengungen erfordert. Der Wettkampfaspekt steht im Schach im Vordergrund. Das Schachspiel erfordert höchste Konzentration über mehrere Stunden hinweg, die messbare Anstrengung im Körper des Spielers hervorrufen (Herzfrequenz). Körperliche Fitness kann Partien ähnlich starker Spieler entscheiden. Mehr als in den meisten anderen Sportarten entscheidet im Schach die Vorbereitung auf das nächste Spiel oder Match den Erfolg. Schach ist in erster Linie ein Trainings- und Vorbereitungsspiel.
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,581101,00.html
(Interview von WM Anand vor dem kommenden WM-Match)
Im Vergleich zu Turnierschach ist Poker ein schnelleres und einfacheres Spiel. Entscheidungen können im allgemeinen wesentlich schneller getroffen werden als im Schach. Online spielen Pokerspieler deswegen in der Regel mehrere Tische simultan. Die Lernkurve ist im Schach deutlich steiler.
4) Meine Erfahrungen in Backgammon und Bridge sind rudimentär, in Gin Rummy nicht vorhanden. Fest steht, dass es in Backgammon Computerprogramme gibt, die spielstärker sind als jeder menschliche Spieler. Von daher kann Backgammon kein Glücksspiel sein. Bridge unterscheidet sich von Poker, Schach und Gin Rummy grundsätzlich dadurch, dass es ein Teamspiel ist. Vergleichbar ist es vielleicht mit Tandemschach (englisch bughouse), auch wenn sich der Teamaspekt im Bridge nur auf einen Teil des Spiels bezieht (Bietsequenz).
Poker ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl zum Teil sehr unterschiedlicher Spiele. Gemeinsam ist dabei lediglich, dass die Spiele mit Karten gespielt werden und dass der wesentliche Aspekt des Spiels ein Bietvorgang ist. Es wird in Wettkämpfen in vielen Varainten gespielt, zum Teil in einer mehrkampfähnlichen Variante (HORSE). Wettkampfschach wird fast ausschliesslich in der Standardvariante gespielt, wenn man von unterschiedlichen Bedenkzeiten absieht. Mit Bridge und Gin Rummy kenne ich mich nicht aus.
Poker ist ein Spiel, das in Wettkämpfen grundsätzlich um Geld gespielt wird, vergleichbar e-Sport. Zumindest im Schach ist das nicht der Fall. Aufgrund der Verbreitung, Poker um Geld zu spielen, ist es für einen erfolgreichen Spieler im Poker leichter, mit dem Spiel seinen Lebensunterhalt zu verdienen als im Schach, Bridge oder Gin Rummy. Es gibt zahlreiche professionelle und semiprofessionelle Pokerspieler.
Alter: 46
Beruf: Informatiker
Herkunft: Deutschland
Name: Claus-Jürgen Heigl