vielleicht kann es helfen einen Blick auf Schach zu werfen, denn dort hat sich eine ähnliche Veränderung eingestellt, bei der auch sehr viele Leute zu Beginn vom (kommenden) Tod des Spitzenschachs gesprochen haben.
Bis ungefähr Anfang der 80er Jahre gab es keine wirklichen Schachcomputer und auch keine Datenbanksysteme. Alles was man lernen konnte musste man sich aus ner handvoll Bücher aneignen oder im Selbststudium und um wirklich gut zu werden brauchte man die Hilfe eines Spitzentrainers.
Das wirklich hochklassige Wissen lag bei wenigen Spitzenspielern der UdSSR und die haben es unter sich behalten.
Dann hat der damalige Schachweltmeister(!) Kasparov zusammen mit der Hamburger Firma Chessbase ein Datenbanksystem entwickelt um Schachpartien zu speichern und digital zu verbreiten. Auch Eröffnungsanalysen wurden so zugänglich. Zudem wurden Schachengines entwickelt, die im Laufe der Jahre immer besser wurden und heutzutage stärker sind als jeder Mensch.
Heute kann man überall auf der Welt mit wenigen klicks das gesamte verfügbare Wissen was Schach angeht abrufen.
Wie gesagt, es wurde durch diese Öffnung des Schachsektors und die Informationsflut vom Tode des Schach gesprochen - das genaue Gegnteil ist passiert. Durch das Wissen was jetzt allen zugänglich war, wurden die Großmeister immer jünger und das allgemeine Spielniveau stieg dramatisch an (und steigt weiter). Ein Spieler der 1970 in den Top10 der Weltrangliste war würde heute selbst gegen die Nummer 300 der Rangliste keine Chance mehr haben.
Selbst im Breitensportbereich gibt es Spieler die nur als Hobby spielen aber eben mehr Eröffnungswissen haben als viele sehr starke Leute der früheren Zeit. Es ist wie gesagt leichter geworden an Information zu kommen und der Wettbewerb ist viel härter geworden. Aber das Schach selbst hat davon nur profitiert und es gibt eher viel mehr Spieler als weniger.
Was das große Problem des Schach ist, ist die extrem mangelhafte Vermarktung, da die Weltschachorganisation (FIDE) inkompentent und korrupt ist und hier unendlich viele Chancen liegen gelassen wurden.
Auf Poker übertragen sehe ich absolut keine Gefahr in der Informationsvielfalt und der damit verbundenen "Toughheit" des modernen Pokers, das Spiel ist nahezu unendlich komplex und es wird immer Möglichkeiten geben ne edge rauszuholen. Klar hätte heute ein NL25 Reg die games von vor 5 Jahren alle geschlagen, in 3 Jahren würde möglicherweise jemand der heute NL200 noch gut schlägt schon Probleme mit NL10 bekommen - who knows? - entscheidend ist die relative Spielstärke zu deinen Gegnern, du musst halt immer weiter dazulernen und dazu waren die Möglichkeiten nie so gut wie heute.
Die wirkliche Gefahr für die Zukunft des Poker liegt hingegen in der strukturellen und politischen Ebene.
Einerseits durch kurzsichtige nationale politische Entscheidungen, die den Pokermarkt gefährden und überzogene Profitgier einzelner Unternehmen, die anstatt die Pokerökologie zu stärken und sich trotzdem ne goldene Nase zu verdienen lieber schnell noch ne Million mehr abgreifen auch wenn dadurch Poker longterm zugrunde geht.
my 2 cents.