Diamats Leiden: Chronologie eines Lebens in Abhängigkeit
Viel themenrelevantes gibt es zu meiner frühen Kindheit nicht zu sagen. Ganz normal empfand ich sie; eine Mischung aus Spießertum, Provinzialität und Dekadenz waren aber prägend. So war der nachmittägliche Einkauf bei Aldi eine feste Konstante - und hin kamen wir mit dem Sportwagen - zurück auch: dann aber mit dem Kofferraum voller H-Milch und Rivercola. Dazu später mehr. Ein persönliches körperliches Leiden hatte ich auch; es waren abendliche Kopfschmerzanfälle.
Und so alterte ich.
Ich weiß nicht genau, wann ich das erste mal ne Kopfschmerztablette bekommen habe, aber es war definitiv eine Prägung, die mich lebenslang beeinflussen wird. Pille rein - Kopfschmerzen weg. Meine erste Sucht hat sich manifestiert. Kam das Kopfweh - kam die Tablette. Es war mir damals noch nicht so bewusst, aber rückblickend muss ich zugeben, dass das meine erste Abhängigkeit war. Ich hab die Schmerzen nicht ertragen, sondern mit Errungenschaften der Pharmaindustrie einfach übertüncht; ich konnte ohne die Medis zwar leben, hab aber alles getan, immer einen guten Vorrat ASS im Haus zu haben. Ich war körperlich abhängig.
Psychisch abhängig wurde ich vermutlich, als ich das erste mal ordentliche Milch gesoffen hab; also nicht dieses komische H-Milch Gebräu, das wie Kaffeesahne schmeckt. Klar, rückblickend ist H-Milch widerlich, aber das wusste ich ja damals nicht, ich hatte ja keinen Vergleich. Und plötzlich dieses Geschmackserlebnis! Nie wieder H-Milch saufen! Gut, zum kochen noch, oder für den Kaffee. Aber nieeee wieder pur! Die Milch ohne H war aber lediglich eine Einstiegsdroge; schlimm wurde es, als ich vor ein par Monaten mal tagesfrische Vollmilch probiert habe; mit natürlichem Fettgehalt von ca. 3,7%. Boaaah! Ich kann ohne sie leben, will es aber nicht. Sie ist doppelt so teuer, aber das bin ich bereit zu bezahlen. Ich bin psychisch abhängig geworden.
Und so zog sich die Sucht durch mein Leben.
Mit 16 wurde ich abhängig vom Internet, was so weit ging, dass ich zu Studiumszeiten immer richtig fertig war, wenn das Wohnheimsnetzwerk tagelang ausgefallen ist. Da ich nicht mehr ohne konnte, habe ich des öfteren horrende Preise in Internetcafes bezahlt! Nicht wegen Studium, sondern wegen persönlichen Vergnügen. Klar gibts Zeitungen. Und trotzdem war ich dauernd auf Spiegel.Online.
Mit 18 habe ich des öfteren Sodbrennen bekommen. Bis ich erfahren hab, dass da Natron das passende Gegenmittel ist. Super! War aber nur eine Einstiegsdroge, denn erst letztes Jahr hab ich zum ersten Mal ne Bullrichsalz-Pille eingeworfen. Natron ist ehh seit Jahrzehnten veraltet und Bullrichsalz ist wesentlich angenehmer, bekömmlicher und von der Wirkung her langanhaltender. Seit dem pflege ich nun auch bei dieser Arznei einen gewissen Vorrat zu horten. Klar, Sodbrennen geht auch so irgendwann weg, aber es iss unangenehm. Medikamentenabhängig mit 25 Lenzen!
Mit 20 bin ich in Beschaffungskriminalität abgerutscht. Analgin (Metamizol) ist das beste Schmerzmittel was ich bisher eingeworfen habe. Nicht nur gegen Kopfschmerzen wirksam, sondern gegen alles mögliche. Allerdings ist es in Deutschland verschreibungspflichtig und in einigen Ländern sogar verboten. Grund dafür ist, dass es bei angeborenen Blutbildungsstörungen oder Medikamentenunverträglichkeit richtig gefährlich wird; sogar Todesfälle sind dokumentiert. In der Schwangerschaft ist es auch extrem ungünstig. Allerdings hab ich all solche Wehleiden nicht und deshalb kann ich das Zeug ja auch nehmen. Meine Dealer sind Bulgaren, denn dort iss das Zeug frei verkäuflich und spottbillig. Schachtelweise lass ich mir das Zeug liefern.
Und so zieht sich das Elend immer weiter.
Ich sauf regelmäßig Alkohol.
Ich bin auch noch Raucher.
Ich liebe gutes Essen.
Ich höre liebend gerne Musik (ich fühl mich richtig mies, wenn ich ein par Tage mal keine höre).
Ich spiele gerne Computerspiele, was auch des öfteren in exzessiven Zockorgien ausartet.
Ich halte mich mit Coffein und Guarana wach.
.......ich hab schon Paranoia, was Neues zu probieren, weil ich Sorge habe, dass sich weitere Rituale in mein Leben einschleichen, von denen ich abhängig werde.