Ich glaube, von vielen hier wird Poker nur unter dem finanziellen Aspekt gesehen!
Wenn man Online-Poker als Teil der Unterhaltungsindustrie begreift, sieht die Sache doch schon ganz anders aus.
Las Vega (oder von mir aus auch Disneyland) existieren schon einige Jährchen und da fragt sich auch keiner, woher das Geld kommt, das dorthin fließt. Hier wie dort zirkuliert es halt zwischen den Wirtschaftsbereichen. Leute verdienen (mehr oder weniger berechtigt) "viel" (Manager, Sportler, weiß der Geier wer noch) oder "wenig" Geld (Nichtselbständige, Angestellte, etc.) und konsumieren es. Wobei 'viel' und 'wenig' in diesem Zusammenhang sicherlich auch höchst relativ ist. So wie die Menschen jeden Monat ihr Brot und ihre Butter kaufen, geben sie auch Geld für Entertainment aus. Ob sie das an der Rummelbude tun, Lotto spielen oder halt beim Poker verdonken ist letztendlich egal. Der Spaß ist entscheidend. Die (meisten) Leute gehen ja auch nicht gleich in den Wald und erschießen sich, weil sie 'nen Rubbellos gekauft und dann 'ne Niete gezogen haben. Der Tag auf der Kirmes war trotzdem schön.
Und wenn man mit Kumpels beim Home Game sitzt, macht man das in der Regel ja auch nicht, um sich sein Leben damit zu finanzieren (sonst hat sich das mit den Kumpels wahrscheinlich bald erledigt) ♦
Man darf halt Online-Poker nicht als geschlossenes System betrachten. Wenn ich sehe, was Wochenende für Wochenende so in Clubs und Discos versoffen wird, stelle ich mal die gewagt Behauptung auf, dass das für die meisten ganz stark -EV ist. Trotzdem pumpen wir WE für WE Unmengen an Geld in dieses 'System'. Und ehrlich - ich sehe nicht, dass dieser Boom auf absehbare Zeit sein Ende findet!
Andererseits 'versickert' das Geld beim Online-Poker ja nicht irgendwo im Nirwana. Ich für meinen Teil kann zumindest für mich behaupten, dass ich das, was ich auscashe, auch wieder irgendwo in den Geldkreislauf einbringe. Sei es am Wochenende (siehe oben ♦) oder für andere Sachen, die ich mir in dem Moment "unbedingt" gönnen muss. Im passivsten Fall steck' ich's in Wertpapiere; aber auch da ist es wieder im Wirtschaftskreislauf (selbst wenn es auf dem Sparbuch schlummern würde).
Das kleine System Online-Poker ist eben nur ein Subsystem der Unterhaltungsindustrie, die wiederum Teil des gesamtwirtschaftlichen Systems ist.
Also ein ewiger Kreislauf:
Menschen verdienen Geld - Menschen konsumieren Unterhaltung - Menschen geben gewonnnenes Geld in anderen Bereichen aus - andere Bereiche bezahlen ihre Mitarbeiter damit - Menschen verdienen Geld ...
Für einige mag Poker zum Geldverdienen taugen, für die Masse ist es wohl mehr Spass an der Freude. Es gibt schließlich auch 100.000de, die Fussball spielen und dabei nicht wenig Zeit (und auch Geld) investieren. Trotzdem kann nur ein Bruchteil davon seinen Lebensunterhalt bestreiten.
Die Chance Geld zu gewinnen, mag ein zusätzlicher Anreiz sein (bei manchen sicherlich der entscheidende), doch wenn sie zur alleinigen Triebkraft wird, bleibt der Spaß ganz schnell auf der Strecke. - Und dann ist Poker auch nur ein Job wie jeder andere ... in den man Zeit investiert, sich weiterbilden und diszipliniert und regelmäßig spielen MUSS, um seine Existenz zu sichern. - Nicht so meine Vorstellung von Spaß und Freizeitvergnügen!!!
Kurz zum Punkt Suchtverhalten (der ja vom PO eigentlich nicht angesprochen wurde):
Jeder weiß (oder sollte zumindest wissen), welches Suchtpotential in Computer- (oder hier speziell in Online-) Spielen steckt. Das weiß aber auch jeder über Alkohol und Zigaretten. Trotzdem kommt heutzutage kaum noch jemand auf die Idee, es generell allen zu verbieten. Solange andere nicht geschädigt werden, muss schon jeder etwas Eigenverantwortung tragen. Und Süchtigen jedweder Abhängigkeit kann nur geholfen werden, wenn diese sich ihrer Sucht bewusst und willens sind, diese zu bekämpfen. Weder verhindere ich, noch befördere ich eines Menschen Sucht, nur weil es mir Spaß macht, Poker zu spielen. Es wird ja auch keiner zum Alkoholiker, wenn ich mich 'aus Spaß' bis zur Besinnungslosigkeit besaufe. Auch hat noch kein Vergnügungspark dicht gemacht, weil einige Adrenalin-Junkies nicht genug vom Roller Coaster bekommen können. Ist halt alles eine Frage der verträglichen Dosis.
So, wurde nun doch ein etwas längerer Beitrag.
Aber vielleicht trägt es ein wenig zu einer streitbaren Diskussion bei