Original von DrZord
Je weniger Aufmerksamkeit Poker in der Politik bekommt, desto besser! Das müsste eigentlich jedem klar sein. Besser wird es auf keinen Fall.
Die Politik wird sowieso darauf aufmerksam werden, bzw. ist es schon, erst recht jetzt nach dem Überfall auf die EPT. Von einer sinnvollen Regulierung hätte der Staat auch etwas, z.B. Lizenzgebühren der Pokerräume. Dies käme der Allgemeinheit zugute.
Das gesellschaftliche Ansehen von Winningplayers ist zurecht schlecht. Sie leisten keinen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft und ziehen anderen Leuten das Geld aus der Tasche. Vergleichbar mit Firmen, die Glücksspielautomaten in Kneipen aufhängen.
Der Vergleich mit den Glücksspielautomaten hinkt. Glücksspielautomaten sind -EV und oft dermassen langweilig, dass wirklich fast nur Spielsüchtige daran zocken. Poker hingegen weist sowohl einen deutlich grösseren Unterhaltungswert auf, als auch eine grössere mentale Herausforderung. Daher wird auch ein völlig anderes Publikum angesprochen. Wie gross der Anteil an Spielsüchtigen beim Poker ist, darüber kann mangels entsprechender Untersuchungen gestritten werden. Vielleicht gibt die von Hadi erwähnte Studie darüber etwas Aufschluss. Tatsache ist aber, dass laut zahlreichen Studien >80% der Spielsüchtigen an Automaten zocken, und die restlichen 20% teilt sich Poker mit den Tischspielen im Casino wie Blackjack, Roulette, etc.
Dass es ein Suchtpotenzial gibt, ist noch lange kein Grund, das Spiel zu verbieten, da man dann nicht nur Alkohol, sondern noch viele andere süchtig machende Genussmittel, Spiele, etc. verbieten müsste. Immerhin hat die Spielsucht nicht die körperlichen Auswirkungen der Alkoholsucht und kann zudem - eben mit einer geeigneten Regulierung - einigermassen effizient bekämpft werden.
Und zum Thema "wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten" - das kann man unterschiedlich sehen. Poker ist ein Teil der Unterhaltungsindustrie, von Einigen wird es auch dem Sport zugerechnet. Beide Wirtschaftsbereiche produzieren keine unverzichtbaren Güter oder Dienstleistungen für die Menschheit, haben aber dennoch ihre Daseinsbereichtigung. Als Boris Becker noch Tennis spielte, verdiente er damit auch Millionen. Filmstars verdienen Millionen, welche dem Kinopublikum mit schlechten Filmen aus der Tasche gezogen werden. Beim Boxkampf schlagen sich zwei Typen und kriegen dafür noch Geld - finanziert von Eintrittsgebühren ihrer Fans und von Fernsehsendern etc.
Der Weinbauer oder die Schnapsbrennerei produzieren zwar etwas, haben mit ihren Erzeugnissen neben den zahlreichen Alkoholikern die Gehirnzellen zahlreicher Bürger auf dem Gewissen, u.a. wohl auch von Bild-Kolumnisten. Wo liegt hier der Nutzen für die Gesellschaft? Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, all dies zu verbieten. Die ganze Unterhaltungs- und Genussmittelindustrie hat eben auch ihre Daseinsberechtigung, da das Volk nun mal schon immer 'Brot und Spiele' wollte. Und da ist es besser, diese ist Teil der legalen und regulierten Wirtschaft, als der Schattenwirtschaft.
Warum sollte sich etwas verbessern, wenn es die Politik zum Thema macht. Wir leben in einer Demokratie. Politiker müssten also mehr oder weniger nach der öffentlichen Meinung entscheiden, was für Pokerspieler mit Sicherheit schlecht ausgeht.
Wenn die öffentliche Meinung über Poker schlecht ist, dann liegt das vor allem an völlig veralteten und verstaubten Klischees vom Hinterzimmer-Spiel, wo die Revolver auf dem Tisch liegen. Oder es wird mit -EV Glücksspielen in einen Topf geschmissen. Diese Stereotypen oder Fehlmeinungen werden durch hiesige Medien oft noch zementiert.
Kurz, die Leute haben oft keine oder falsche Vorstellungen und Informationen, und genau deswegen tut die Lobbyarbeit so not.
Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit für eine Legalisierung von Online-Poker ist, sofern sie ausreichend informiert ist. Vor allem, wenn griffige flankierende Massnahmen die Spielsucht eindämmen und den Pokerräumen auch entsprechende Massnahmen vorgeschrieben werden. Und diese natürlich auch Lizenzgebühren an den Staat zahlen.
Es gibt genügend Beispiele von Staaten, wo Online-Poker legal ist, und wo dies auch ohne grösser Probleme funktioniert.
Online-Poker in der Grauzone hat in Deutschland lange funktioniert, aber früher oder später wird auch hier die Regulierung aufs Tapet kommen, und daher ist meiner Meinung nach nur eine Vorwärtsstrategie sinnvoll!