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Equity

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Niceduke
Beigetreten: 25.02.2012

Hallo Freunde,

ich bin relativ neu im Poker.

und meine Frage ist jetzt bzgl. der Equity von einzelnen Handhänden..

wie kann man am besten entscheiden ob es sich noch lohnt seine eigene gute Hand zu spielen wenn man am Flop nichts getroffen hat und der Villian raised .

danke schonmal

und bitte verbessern falls die Frage verwirrend gestellt ist :f_biggrin:


Antwort
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4 Antworten
Moderator
cjheigl
Beigetreten: 10.04.2006

Die Situation ist an sich schon ausreichend beschrieben. Die Antwort heisst wie immer: kommt drauf an.

Wenn der Gegner raist, dann muss man zuerst einschätzen, mit welchen Händen er das tut. Das ist der absolut wichtigste Schritt. Daraus ergibt sich dann, ob man mit der eigenen Hand noch Aussichten hat, sie weiter zu spielen. In der Regel heisst das für Hände, die am Flop nichts getroffen haben, dass sie hinten sind gegen den Durchschnitt der gegnerischen Hände. Es gibt aber Ausnahmen. Overpairs sind in der Regel auch dann stark, wenn sie nichts getroffen haben. Draws (Hände, für die es viele kommende Karten gibt, die sie verbessern können) sind in der Regel auch stark.

Es gelten folgende Grundregeln:

Hände, die mutmasslich stärker sind als das, was der Gegner so durchschnittlich hat, können weiter attackieren. Speziell in NL muss darauf geachtet werden, dass Hände, mit denen man weiter Öl ins Feuer giessen will (Reraise), auch gegen die Hände im Durchschnitt vorne liegen, die der Gegner auf den Reraise weiter spielen will.

Beispiele: Monster, Overpair, Pair + Flush Draw = Monster, Kombodraw (Flush Draw + Straight Draw) = Monster

Solche Hände haben eine sehr gute Equity, weil sie gegen made Hände oft trotzdem die besseren Chancen haben und gegen Semibluffs (der Gegner raist mit einem Draw) dann eh. Mit solchen Händen kann auch am Flop oft schon um den ganzen Stack gespielt werden (für Overpairs gilt das nur eingeschränkt).

Hände, die stark genug sind, um gecallt zu werden, aber nicht stark genug, um mit Gewinn geraist werden zu können, werden gecallt. Welche das sind, hängt von der durchschnittlichen Stärke des Gegners ab. Dazu gehören in der Regel mittelstarke made Hände (top Pair und ähnliches) oder mittelstarke Draws (Flush Draws oder Straight Draws ohne sonstige nennenswerte Outs). Unter Umständen auch schwächere Pairs als top Pair, wenn man nur einen Gegner hat und der Aktion des Gegners keine besondere Stärke zuzumessen ist (Contibet am Flop von einem aggressiven Gegner).

Hände, die zu schwach sind, um gecallt zu werden, werden entweder gefoldet (meistens) oder manchmal zur Gegenattacke als Bluff verwendet. Die Idee des Bluffs ist, dass man damit die Reraises der eigenen Monster ausgleicht, damit der Gegner kein leichtes Spiel hat. Würde man nur Monster reraisen, könnte der Gegner einfach alles wegwerfen, was seinerseits kein Monster ist. Damit würde der Gegner Verluste sehr leicht vermeiden können. Wenn man Bluffes dazu mixt, dann steht er vor dem Dilemma, mit einer mittelstarken Hand manchmal die beste Hand zu folden oder deine Monster auszuzahlen. Vorzugsweise blufft man Hände, die möglichst viele Outs haben, aber es kann Situationen geben, wo auch ein paar schwache Draws oder reine Bluffs geraist werden, damit man noch etwas zum bluffen hat, wenn die starken Draws treffen.

Das Prinzip eines Reraises ist, dass man einen zusätzlichen Gewinn mit den starken Händen erzielen will und mit den schwachen Händen bessere zum folden bekommen will. Auf Grund des gegnerischen Dilemmas klappt das auch.

Das Prinzip eines Calls ist, dass man genügend oft die bessere Hand hat, so dass das Chance/Risiko Verhältnis einen positiven Wert hat, oder dass man sich genügend oft verbessert und nach einer Verbesserung weiteres Geld vom Gegner gewinnen kann.

Die Schlussfolgerung ist, dass man seine Linien balancieren sollte. Attackiert man, sollte das mit einem Mix aus starken und schwachen Händen passieren (Fachbegriff: polarisierte Range). Callt man, dann hat man überwiegend mittelstarke Hände, man kann aber auch ein paar sehr starke Hände reinmixen, mit denen man die Attacke auf später verschiebt (unpolarisierte / merged Range). So kann sich der Gegner nie sicher sein, wo er steht.

Zu vermeiden ist es, dass man zu einfach lesbar wird. Callt man nur mit mässig starken Händen, dann weiss der Gegner, dass man nie ein Monster hat, wenn man callt und er kann sein Spiel daran anpassen. Das gleiche gilt für Raises mit ausschliesslich starken Händen oder mit zu vielen Bluffes. Nach Möglichkeit spielt man so, dass es der Gegner schwer hat, sich anzupassen.

Alles andere, was übrig bleibt, kann offensichtlich nicht weitergespielt werden. Also wirft man das ganz einfach weg und vermeidet so weitere Verluste.

Beispiel:

Du hast AK und raist preflop. Der Flop kommt Q98. Der Gegner bettet in dich rein und du hast keinen Flush Draw. Ende der Vorstellung. Du spielt dann mit dieser Hand normalerweise nicht weiter. Musst du auch nicht, weil du in der Situation in anderen Fällen genügend oft eine Hand hast, die du mit Gewinn weiterspielen kannst. Eine Q würdest du in der Regel callen, vielleicht auch eine 9 oder JJ/TT. Hände mit Draws (KJ/KT/AJ/AT) spielst du in der Regel weiter. Sets könntest du raisen, du könntest aber auch zunächst nur callen und später raisen. Was du machst, hängt von der übrigen Situation ab. Wenn du nur den einen Gegner hast, dann bietet sich ein Call an, um ihn nicht zu früh zu verschrecken, hast du mehrere Gegner, würdest du meistens raisen, weil du den Gegnern nicht einen zu guten Preis bieten willst, um gegen dich Karten zu ziehen. Mit einer Straight (JT) kommt ein Raise natürlich sehr in Frage, weil das die bestmögliche Hand ist. Wenn du in der Situation irgend etwas raisen würdest (Straight / Set / evtl. 2-Pair oder Overpair), dann mixt du auch Bluffs hinzu, vorzugsweise aus der Liste der Draws, die du haben könntest (siehe oben).

Training:

Es gibt Tools, die dir bei der Einschätzung helfen können. Damit kannst du lernen, wie gut deine Chancen mit welchen Händen sind. Unter den Pokertools (siehe oben die Tabs) findest du das Equilab. Das kannst du sehr gut zum Trainieren verwenden. Du gibst eine Hand ein, einen Flop und für den Gegner eine Reihe von Händen (die gegnerische Range = der Bereich der Karten, mit denen er raisen würde) und dann lässt du dir die Equity ausrechnen. Du kannst auch zuerst abschätzen und dann ausrechnen lassen und das vergleichen. Das Equilab hat sogar einen eingebauten Equitytrainer, wo du dir vom Equilab Flops vorgeben lassen kannst.

Das hilft enorm, um auf dem Flop vor jeder Aktion einschätzen zu können, wer überhaupt einen Vorteil hat. Üblicherweise sollte dann derjenige attackieren (betten), der den Vorteil hat und derjenige, der ihn nicht hat, sollte von einer Attacke die Finger lassen. Natürlich spielt die Position im Spiel auch eine wichtige Rolle. Wer Position hat, kann sich weitaus mehr erlauben als derjenige, der sie nicht hat. Der Vorteil der Position (bzw. ein eventueller Nachteil) erlaubt einem, diese Grundregel zu modifizieren (in Grenzen).

Lernen:

Unter dem Tab Strategie (oben) findest du eine Menge Artikel, die dir die Grundprinzipien des Spiels näher erklären. Lies die mal durch, dann verstehst du viele Dinge schon viel besser.


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Moderator
cjheigl
Beigetreten: 10.04.2006

Danke! Ich vermisse offenbar das Coachen. In FL kommt ja keiner.


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Niceduke Themenstarter
Niceduke
Beigetreten: 25.02.2012

Danke für diesen Informativen Beitrag cjheigl !!

ich hab mir den erstmal kopiert in Word und werde mir dazu Informationen nochmal aufschreiben.

Versuche mich auch mehr im Forum zu bewegen, da ich bisher nur Strategien lese und NL spiele..

Danke nochmal und noch einen schönen Abend =)


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Alabama
Beigetreten: 14.04.2006

@ Niceduke: Willkommen im Forum und viel Spass und Erfolg beim Pokern.


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