Ich kann zum Inhalt nicht allzu viel sagen, da ich es nur überflogen habe, aber im Grunde gehe ich sehr ähnlich vor. Ich wähle ein Thema aus und versuche dann im Solver, Heuristiken zu identifizieren. Dabei überlege ich, was in verschiedenen Szenarien passiert: Wie beeinflusst X die Situation? Was passiert, wenn die Turnkarte für uns gut ist? Oder wenn sie schlecht ist? Was passiert bei einem Raise? Welche Bluff-Kombinationen sind optimal, und sind diese leicht zu finden? Nutzt mein Pool solche Bluffs? Genauso wichtig ist es zu analysieren, welche Value-Bets wir setzen sollten. Auch die gängigen Betsizes in bestimmten Situationen spielen eine Rolle.
Für mich persönlich verwende ich eine einzige Betsize auf Flop und Turn, abhängig von der Position und dem Board bzw. der Turnkarte. Am River arbeite ich mit drei Betsizes: 150% Overbet, 70% oder All-in. In Position und out of position verwende ich am River entweder 30%, 150% oder ebenfalls All-in.
Was ich bei PokerDetox gelernt habe, kann ich auch mit dir teilen. Damals wollte ich dort ins CFP und habe einige wertvolle Einblicke bekommen. Ihre Strategie bestand darin, das Spiel am Flop als Aggressor stark zu vereinfachen.
Der Gedanke dahinter ist, dass das Spiel insgesamt schon komplex genug ist, und man sich daher stärker auf Turn- und River-Plays konzentrieren sollte. Die EV-Unterschiede am Flop als Aggressor sind in der Regel nicht allzu groß, weshalb der Fokus auf den späteren Streets lag.
Für das Spiel als Defender gab es einige Heuristiken, die man im Wizard drillen sollte, um die Spots besser zu verstehen und die Heuristiken zu verfeinern. Das Spiel als Defender ist schwer zu vereinfachen, da jeder Spot sich anders spielt und man schwer pauschalieren kann. Ziel war es, keine großen Fehler mehr gegen Bets zu machen und marginale Hände nicht vorschnell zu folden.
Man sollte gezielt die Spots studieren, in denen man am Tisch unsicher ist, oder die besonders häufig oder teuer sind. Bei PokerDetox haben sie die relevanten Spots analysiert, indem sie die Spots nach Potgröße gewichtet und dann nach Wichtigkeit gerankt haben. Hier ist ein Beispiel aus meinem damaligen Database Review – man erkennt gut, welche Spots wirklich relevant sind. Es ist oft unsinnig, seine Studienzeit mit seltenen Setups aus 4-Bet-Pots zu verbringen, da es eher die kleinen, häufigen Spots sind, die zunächst unterschätzt werden und wirklich winrate ausmachen, solange man nicht wo anderes wirklich heftige ev Fehler macht.
Spoiler

Jede Woche einen Spot angehen. Verschiedene Flop subsets vorher Solven und dort versuchen zu verstehen wie der Solver tickt. Anschließend 2000 Drills für den Spot im Wizard spielen verteilt über mehrere Tage. 85% Score Ziel für Flop Plays, 78% Score Ziel für Turn Drills.
Ein weiterer Tipp, den ich jedem empfehlen kann, ist, alle 25k Hände die eigene Datenbank mit Zielwerten von Top-Regs oder GTO-Statistiken zu vergleichen. Ganz einfache Kennzahlen wie VPIP, PFR, 3-Bet, 4-Bet, Fold to 3-Bet, Fold to Steal, Bet Flop/Turn/River, Fold to Bet Flop/Turn/River, Check-Raise Flop, WWSF, W$SD und Went to Showdown sollten regelmäßig überprüft werden. Dadurch kann man seine Leaks erkennen und sich in den folgenden Wochen bewusst darauf konzentrieren, diese zu verbessern und die Frequenzen in die richtige Richtung zu lenken.
Besonders Preflop und besonders der Blinddefend sollte einfach sitzen. Patrick Howard als Beispiel, Highstake Coach, erzählte dass er immer noch Studenten hat mit denen er erstmal wieder die Preflop Leaks durcharbeiten muss.