tY philosophiert
„Main-Stream“ oder „Eigenes Ding“
Trotz allen Widrigkeiten, denen ein Pokerspieler zur Zeit ausgesetzt ist, habe ich mich entschlossen – zumindest auf Sparflamme – weiter zu pokern.
Die Frage ist nun, welche Variante es sein soll. Ich habe hier zu einer Zeit angefangen, als ausschließlich Fixed Limit Hold'em unterrichtet wurde. Es war aus diesem Grund für mich selbstverständlich diese Variante zu spielen. Doch sehr bald erschienen andere Pokervarianten auf der Bildfläche. Irgendwann gab es hier auch eine NL-Abteilung. Ein paar Monate später kam ein SnG-Forum hinzu.
Ich stand schon damals vor der Entscheidung, wie es weiter gehen soll. Ich habe mich entschieden bei FL zu bleiben. Ich dachte mir im Grunde von Anfang an, dass NL profitabler sein müsste: Der Gegner hat mehr Möglichkeiten und von daher auch mehr Gelegenheiten Fehler zu machen. Eine nähere Betrachtung zeigte jedoch rasch, das es so einfach nicht ist. Man hat bei einer bestimmten Earning Rate auch immer eine entsprechende Varianz. Die Varianz ist im NL sehr viel höher, daher brauche ich auch eine entsprechend höhere Bankroll. Mir ist jedoch ein gutes Earning Rate/Bankroll-Verhältnis sehr wichtig. Außerdem gilt NL als langweilig und das nicht ohne Grund, die meisten Hände werden schon am Flop beendet. Die Folge ist nicht nur, dass man sehr automatisiert spielt, man benötigt auch mehr Hände, um vernünftiges Hand-Reading zu erlernen. Diese beiden Gründe führen wohl auch dazu, dass proffessionelle NL-Grinder oft sehr viele Tische spielen. Dabei bleibt nicht viel Gelegenheit auf die Tendenzen des Gegners einzugehen. Das Beobachten des Gegner, um ihn danach auszuspielen, ist jedoch genau das, was mich beim Pokern am meisten reizt. Ein weiterer Grund beim FL zu bleiben, war schlichtweg Faulheit. Ich hätte im NL nicht von Null angefangen, jedoch vieles neu lernen müssen. Um NL so profitabel zu spielen wie FL, wäre viel Arbeit nötig gewesen.
Ich entschied mich damals also, beim FL zu bleiben. Damals war NL eindeutig der Main-Stream. Gegen den Strom zu schwimmen kann zwar auch Vorteile haben, die Anzahl der Mitstreiter (und im Fall Poker auch der Gegner) ist immer geringer. Wenn man ein paar Freunden zeigen will, wie man so spielt, kommt irgendwann die Frage: „Wann gehst du endlich All-In?“. Bei Homegames werden meistens NL-Cashgame und NL-SnGs gespielt, deshalb kommt man ohnehin nicht drum herum, sich im NL zumindest Grundkenntnisse anzueignen.
Ich bin schon seit Anfang 2012 dran 8Game zu lernen. Angeregt haben mich die Schwärmereien von Jennifer Harman, die gemeint hat: „Wer einmal Mixed Games gespielt hat, will nichts anderes mehr spielen.“ Wenn es eine Variante gibt, bei der man sich von der Masse absetzen kann, dann ist es Mixed-Game. In O8, Stud8, Stud Hi und PLO habe ich schon gute Ergebnisse erziehlt, aber es ist schon etwas anderes, wenn man keinen aufbereiteteten Content bekommt, wo man die Strategien vor allem in einer sinnvollen Reihenfolge erlernt. Doyle Brunson hat sich als Anfänger auch kein SHC von PokerStrategy runtergeladen, deshalb will ich nicht klagen.
Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es Sp&Go-Turniere. Die überwiegende Mehrheit der starken Spieler findet das nicht gut. Es gräbt den SnG-Spielern das Wasser ab und verleiht Poker mehr Casino-Charackter. Trotzdem kann keiner leugnen, dass Sp&Gos inzwischen der Mainstream sind. Diese Variante zieht viele Neulinge an und inzwischen kann man sie sogar Live spielen. Im Gegensatz zu vielen Grindern halte ich Sp&Gos für schlagbar. Bei so vielen Neulingen muss man einfach – auch Postrake – eine Edge haben. Klar gibt es Varianz, aber die lässt sich mit solidem Bankroll-Management und Sample-Size unter Kontrolle bringen.
Lange Rede kurzer Sinn. Heute sind eindeutig Sp&Gos der Main-Stream und 8Game sind das „Eigene Ding“. Ich entscheide mich diesmal für den Main-Stream. Der erste Grund ist, dass ich einfach nicht genug Zeit habe, mich mit dem wahnsinnig umfangreichen Content von 8Game auseinanderzusetzen. Klar, ich muss nicht wirklich gut sein, ich muss nur besser sein als meine Gegner, aber hier kommt ein weiteres Problem: Mein Perfektionismus. Ich habe einfach den Anspruch an mich, eine möglichst große Zahl meiner Hände korrekt zu spielen. Klar, ähnlich wie im Golf gilt: „Poker is not a game of perfect.“ Man darf es mit der Perfektion nicht übertreiben. Wenn ich 99% meiner Hände perfekt spiele, sollte ich nicht das letzte Prozent auch noch perfektionieren, sondern weitere Tische öffnen. Die Qualität des Spiels nimmt dadurch sogar ab, aber die Hourly sollte steigen. Das gewonnene Geld ist im Poker letztendlich das, woran man den Erfolg misst. Es ist offensichtlich, dass ich in dieser Hinsicht mit meinem Sp&Go-Spiel zufriedener sein werde, als mit meinen 8Game-Skills.
Ich hoffe man hört hier in nächster Zeit noch mal was von Nic. Morgen endet auf jeden Fall mein Streik bei Poker-Stars (viel scheint es nicht gebracht zu haben) und ich werde dementsprechend einen Blog im Sng-Bereich aufmachen, bis dann.
tY