Original von grrgrrbla
wie unsere Edge unsere Range bestimmt:kurz gesagt:
wir müssen immer unseren Skill vs Villains Skill beurteilen und im Kopf haben und je besser wir im Vergleich zu Villain sind desto mehr Hände können wir spielen und je schlechter wir im Vergleich zu villain sind (je besser er im Vergleich zu uns ist)desto weniger Hände können wir spielen.
Anders gesagt:Je größer unsere Edge desto höher unser VPIP. Je niedriger unsere Edge desto niedriger unser VPIP
(ich nenne das mal "grrgrrbla's Fundamental Theorem of VPIP" ♦, vielleicht fällt wem was besseres ein?)
Im Extremfall heißt das unsere Gegner haben eine derart große Edge gegen uns, dass wir den Tisch verlassen müssen (VPIP wird quasi negativ) oder unsere Gegner sind derart schlecht und unsere reads derart sick das wir any2 spielen können (man denke an live casino-games und sicke tells... es gibt leute die das schaffen!!).
viele Leute spielen einfach stumpf ihre Standard-Ranges runter ohne die anderen Spieler am Tisch überhaupt zu beachten. Bevor man jede Hand spielt sollte man folgende Faktoren beachten
( die ich nach ihrer Wichtigkeit gereiht habe):Edge >>> Position >> Hand > effective Stacksizes
Ich verwende Edge statt Skill, Erklärung + Definition von Edge + Gedanken dazu:
Spoiler
Ich mag Skill als Begriff aus 2 Gründen in diesem Zusammenhang nicht:
- die meisten überschätzen ihren Skill
- Skill als Begriff suggeriert eine absolute Größe, im Poker spielen wir aber immer zumindest gegen eine Person: Skill ist eine relative Bezugsgröße die sich immer im Fluß befindet:Wenn wir gegen einen Fisch spielen ist unser "Skill" scheinbar sehr hoch. Wenn wir gegen Phil Ivey spielen ist er scheinbar sehr niedrig. Daher mag ich den Begriff Edge lieber: "unser Skill - Villains Skill = unsere Edge" . Wie man an der Gleichung sieht kann unsere Edge auch negativ sein (vs Phil Ivey z.b.). Noch genauer haben wir immer eine Edge in einer bestimmten Situation: z.b.spielen wir besser am turn nachdem der flop auf einem wet board bet/call ging und wir der preflopagressor sind, etc. Daher ergibt sich unser allgemeines Edge als Summe aller Situationen:
n
Σ Edge in Spot x gegen Gegner Y = unser Edge
i=1 iMeine Sichtweise orientiert sich an Tommy Angelo's Konzept der "Reciprocality":
"Reciprocality: The Cause of Profit at Poker
Before anything flows, there must be a difference. Between different elevations, water flows. Between different pressures, air flows. Between different poker players, money flows.
In the world of reciprocality, it's not what you do that matters most, and it's not what they do. It's both. "
Es geht also darum genau zu wissen, was wir besser machen als unser Gegner und nicht nur zu wissen: wir machen x gut oder unser gegner macht y schlecht. es muss beides zutreffen: wir spielen spot x gut und unser gegner spielt spot x schlecht bzw. unser gegner spielt spot y schlecht und wir spielen spot y gut. Je mehr Dinge dies sind umso mehr Hände können wir spielen. Sitzen wir beispielsweise am Button und in den Blinds sitzen 2 Mega-Fische mit 200bb können wir unsere Range stark erweitern da wir Edge, Position und Stacksize auf unserer Seite haben. Sitzen wir hingegen am Cutoff und am Button sitzt Phil Ivey und wir sind 1000bb deep müssen wir unsere Range stark verringern da wir weder einen Skill-Vorteil noch einen Positionsvorteil noch kleine Stacks haben (bei denen der Skill-Vorteil nicht so stark wiegt). In dieser Konstellation sollte man (außer man ist phil galfond oder ein ähnlicher sicko) fast alles folden. Deshalb sollte man statt Skill wohl besser von Edge sprechen
Am klarsten lässt sich dieses Konzept Headsup anwenden. Sagen wir Pokerstars hat uns in ein headsup-match eingesperrt und wir müssen 1h spielen sind. Wir spielen gegen 2 Gegner: Jungleman und Randomdonk123 . Gegen wen werden unsere Ranges wie aussehen?
Die wahre Kunst besteht darin unser Edge gut einschätzen zu können und uns und unsere Gegner bewusst in Spots zu bringen wo wir diese Edge ausspielen können und bewusst solche Spots zu vermeiden wo wir keine Edge haben. Im 6max Game lässt sich das nicht so stark beeinflussen wie Headsup, aber es lässt sich beeinflussen. 6max-Beispiel: Villain spielt schlecht gegen 3xbets out of position: er callt zuviel um dann am flop zu folden. Wir werden jetzt so oft wir können gegen Villain 3xbetten um ihn in genau diesen Spot zu bringen. Wir erweitern unsere Range in diesem Spot enorm da wir genau wissen wo unsere Edge liegt. Wir haben einen Plan im Kopf. Wenn wir diesen Plan nicht hätten und Villain vielleicht sogar besser als wir in 3xbpots spielt wäre unsere Range viel kleiner.
Also bevor ihr eine Hand openraised fragt euch:
- Edge: Wie groß ist mein Edge gegen die Spieler die nach mir folgen? Wo liegt diese Edge genau? Wie kann ich meinen Gegner in Spots bringen wo diese Edge am größten ist?
- Position: Wer hat Position auf mich und auf wen habe ich Position?
- Hand: wie ist die Equity + Playability meiner Hand gegen die Ranges meiner Gegner?
- effektive Stacksize: Wie sehen die effektiven Stacks aus?Frage an euch: Wie würden die Fragen aussehen wenn ihr überlegt zu callen/3xbetten/4xbetten??
Das ist der Grund warum gute Spieler an manchen Tischen 70/50 und an anderen 20/17 spielen: an dem einen Tisch haben sie Position auf 2 Vollfische (90/20) und am anderen sitzt kein einziger Fisch sondern nur taffe regs. An dem einen Tisch haben sie eine riesen Edge und Position also sind ihre Karten egal und auf dem anderen haben sie kein Edge und sind selten in Position gegen die starken Spieler weil diese wissen das man oop kein Geld macht deshalb sind ihre Karten wichtig.
PS: das ganze ist an Kapitel 6 " Isolation Theory" aus Easy Game Vol1. von Balugawhale orientiert, aber um einiges verfeinert und um einige eigene Gedanken erweitert.
darf nicht auf Seite 2 sein.


