Paradoxerweise beende ich hiermit den Grind für diese Woche wegen Tilt, obwohl ich vor einigen Tagen eine Anti-Tilt-Maßnahme getroffen habe: Ich checke meine Ergebnisse nicht mehr nach jeder Session, sondern nurmehr Sonntags am Ende der jeweiligen Woche. Wie ich es schon geahnt hatte bin ich deutlich im Minus diese Woche und habe 414$ verloren. Ich werde nun erstmal ein oder zwei Tage garnicht grinden, sondern nur Theorie studieren und ein wenig chillen. Anschließend hoffe ich, dass ich mental wieder frisch bin.
Und jetzt schaue ich mir erstmal Kid Poker auf Netflix an. Bin schon sehr gespannt auf den Film. Ich habe mich schon seit Ewigkeiten auf dessen Veröffentlichung gefreut.
Edit: Auch hier geht der Downswing weiter. Mit deutschem Account kann man den Film nicht angucken. Dreck.:f_mad:
Die letzte Woche hat einen wichtigen Schwachpunkt von mir aufgezeigt, der in jüngster Vergangenheit nicht die Aufmerksamkeit von mir erhalten hat, die er verdient: Das Mental Game, beziehungsweise die eigene Psyche. Da KidPoker nicht verfügbar war, schaue ich stattdessen gerade einen meiner Lieblingsfilme an: Peaceful Warrior. Der Film ist sehr tiefgründig und bringt mich immer wieder zum nachdenken. Unter Anderem denke ich gerade über meine Motivation nach Poker zu spielen. Und einer der Hauptgründe, warum ich mich entschieden habe Berufsspieler zu werden ist, dass ich glaube, dass ich mich durch den Prozess zu einem besseren Menschen entwickle. Für mich geht es unter anderem darum, schwache Aspekte meiner Persönlichkeit loszulassen und insgesamt stärker zu werden. Es bedeutet unter anderem, die Disziplin zu haben härter an mir und meinem Spiel zu arbeiten, als die Konkurrenz. Es bedeutet außerdem an mich zu glauben, auch wenn es sonst niemand tut und mir nicht von meiner Umwelt sagen zu lassen, was ich schaffen kann und was nicht (Das lässt sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen und ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Fähigkeiten, die man im Leben entwickeln kann) . Es bedeutet auch, mal nein zu sagen zu schönen Dingen, die mich nicht näher zu meinem Ziel bringen (wie zum Beispiel Fernsehen, Alkohol, sonstige Genussmittel, Ablenkungen). Aber die ganze Fokussierung auf dieses eine Ziel hat einen starken Nachteil: Wenn es mit dem Pokern nicht so läuft wie ich es mir vorstelle - sei es durch Varianz oder schlechtes Spiel oder beides - dann fühle ich mich gestresst. Hier kommt der vorher erwähnte Punkt "an mich selbst glauben" ins Spiel. Wenn die Ergebnisse nicht passen, dann schleichen sich schnell Selbstzweifel ein und ich fühle mich gerade sehr gestresst. Deswegen ist es notwendig eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Ergebnissen zu entwickeln und sich nur auf die Aspekte zu konzentrieren, die in meinem Einflussbereich liegen, wie zum Beispiel mein Zeitmanagement, die Arbeit an meinem Spiel und das Beherrschen meiner Psyche. Durch den leichten Upswing, den ich im letzten Monat hatte wurde ich übermütig und habe schon angefangen von NL50 zu träumen, statt mich weiter auf mein Spiel zu konzentrieren. Klar habe ich auch in der vergangenen Woche Theorie gemacht, aber das Verhältnis von Theorie zu Praxis war in der letzten Woche nur 13 zu 42 Stunden. Gewissermaßen kommt der Downswing mir deswegen gerade entgegen weil er mir zeigt, dass ich meinen Fokus richtig stellen und vor allem an meinem Mental Game arbeiten muss (Habe einige dumme Sachen gemacht in der letzten Woche und ich kann nicht ausschließen, dass Tilt daran beteiligt war, obwohl ich es nicht bemerkt habe).
Ein weiterer Punkt, der Arbeit verdient ist das Präsent sein. Oftmals gehen mir während dem Grind unzählige Gedanken durch den Kopf, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, wie zum Beispiel Sorgen oder Gedanken an die Vergangenheit. Auch das ist ein Aspekt, den ich in jüngster Vergangenheit vernachlässigt habe... Im Film wird in diesem Zusammenhang von "dem Müll im Kopf", geredet, der Menschen davon abhält zu sehen, was um sie herum im hier und jetzt vor sich geht. Der Müll "ist es, der dich vom einzig Wesentlichen da draußen abhält - DIESEM MOMENT. HIER UND JETZT. Und bist du wirklich im Hier und Jetzt, wirst du verblüfft sein zu was du in der Lage bist und wie gut du es tun kannst."
Deswegen steht eigentlich auch Meditation auf meinem Tagesplan. Eigentlich, denn in den letzten Tagen habe ich darauf verzichtet.
Tjaja. Das ist genau das, was ich angesprochen habe. Poker zermürbt viele, auch gute Spieler, manche früher, manche später, ein paar nie. Du scheinst auch gefährdet zu sein. Gib Gas beim Stärken deiner
psychischen Belastbarkeit, sonst geht dir die Puste vll früher aus, als dir jetzt bewusst ist. Hol dir zb. das Buch "The Poker Mindset". Darin findest du sicher einige gute Tipps, die dir weiterhelfen können, aber nicht müssen.
Sicherheitshalber solltest du dir auch einen Plan B überlegen. Einige Pros beginnen zB. ein Studium oder lernen parallel ein anderes Game wie Börsenzocken. Als Pro hast du idR. sehr viel Freizeit, die du für den Aufbau eines zweites Standbeins nutzen solltest, außer du bist dir sicher, dass du bis zur Rente pokern kannst. Aber lass dich nicht verunsichern. Schön locker bleiben, egal was du machst. ☺
Original von Reiseleiter
Paradoxerweise beende ich hiermit den Grind für diese Woche wegen Tilt, obwohl ich vor einigen Tagen eine Anti-Tilt-Maßnahme getroffen habe: Ich checke meine Ergebnisse nicht mehr nach jeder Session, sondern nurmehr Sonntags am Ende der jeweiligen Woche. Wie ich es schon geahnt hatte bin ich deutlich im Minus diese Woche und habe 414$ verloren. Ich werde nun erstmal ein oder zwei Tage garnicht grinden, sondern nur Theorie studieren und ein wenig chillen. Anschließend hoffe ich, dass ich mental wieder frisch bin.
Und jetzt schaue ich mir erstmal Kid Poker auf Netflix an. Bin schon sehr gespannt auf den Film. Ich habe mich schon seit Ewigkeiten auf dessen Veröffentlichung gefreut.
Edit: Auch hier geht der Downswing weiter. Mit deutschem Account kann man den Film nicht angucken. Dreck.:f_mad:
Mach dir nix daraus. Weil du hier davon geschrieben hast, habe ich ihn gerade geschaut. Ziemlich cool! ♠_thumbsup:
Spoiler
Sorry ♠_p:
Cliffs zur Doku:
Spoiler
Frei nacherzählt:
Daniel "Ich bin mit einer Bankroll von 3.000$ nach Vegas. 24 Stunden später hatte ich keine Bankroll mehr und bin mit dem Flieger wieder zurück nach Toronto.
Einige Freunde haben mir etwas Geld geliehen, damit habe ich mir dort wieder eine Bankroll erspielt. Mit 3.000$ bin ich wieder nach Vegas und 24 Stunden später bin dann ich wieder zurück nach Toronto!"
Zu geil ♦
Apropos Plan B: Habe in der Vergangenen Woche von meinem betreuenden Professor bescheid bekommen, dass ich meine Bachelorthesis mit 1,3 bestanden habe.
Aber eine Karriere in der Wirtschaft scheint mir gerade nicht sehr erstrebenswert. Der Markt ist einfach mit BWLern übersättigt und ich habe gewisse Zweifel an dem ganzen System, welches auf immer mehr Konsum aufbaut. Das Gebiet, das mich am meisten interessiert und in dem ich auch meine Thesis geschrieben habe ist Marketing oder auch "Wie bekomme ich den Kunden dazu, seine Kaufkraft für unser Produkt zu verwenden". Marketing ist kraftvoll. Ich bin fasziniert davon wie sehr man Menschen dazu verleiten kann das eine oder das andere Produkt zu kaufen oder sich in einer bestimmten Art und Weise zu verhalten. Aber ich bin momentan nicht ganz davon überzeugt, dass ich Teil von diesem Spiel sein will, das letztendlich unseren Planeten durch Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung kaputt macht. Bin mir noch nicht ganz sicher, was ich von der Wegwerfgesellschaft halten soll, auch wenn ich selbstverständlich die Vorzüge der heutigen Zeit genau so sehr feiere, wie die meisten anderen auch. Ich mag auch Ausgehen und Feiern und Fettiges, Süßes und Salziges essen und Alkohol und einfache Plastikverpackungen und schönen Elektronik-Schnick-Schnack und das ganze Gedöns... aber ich denke die Gesellschaft ist drauf und dran die Kontrolle zu verlieren.
Original von Renne01
Hol dir zb. das Buch "The Poker Mindset". Darin findest du sicher einige gute Tipps, die dir weiterhelfen können, aber nicht müssen.
Hab ich. Und es ist jetzt gerade in meiner Prioritätenliste auf Platz 1 gerutscht. Gleich morgen fange ich wieder mit der Lektüre an. Ist schon eine Weile her, dass ich es gelesen habe (wahrscheinlich mehr als 2 Jahre). Danke für den Tipp!!!
Original von Reiseleiter
Klar habe ich auch in der vergangenen Woche Theorie gemacht, aber das Verhältnis von Theorie zu Praxis war in der letzten Woche nur 13 zu 42 Stunden.
Kein Wunder, dass das dein Psyche zermürbt. Du investierst 55 Stunden und stehst am Ende noch nicht mal mit leeren Händen da...vorallem vor dem Hintergrund, dass du noch nicht mal so genau weißt, ob du Winningplayer bist oder nicht...Mein Tipp: Geh nicht mit dem Kop durch die Wand und steigere deine Grindzeiten lieber langsam bzw. reagier flexibel auf dein jeweiliges mindset beim grinden...heiß: wenn du dich gut fühlst: Grinde etwas länger, wenns nicht so läuft, etwas kürzer...
Und noch ein Zitat aus dem Film, weil ich es gerade passend finde: "Fast die ganze Menschheit ist in der gleichen misslichen Lage [...] Wenn du nicht kriegst was du willst, leidest du. Und selbst wenn du genau das kriegst was du willst, leidest du immernoch. Weil du es nicht für immer festhalten kannst."
gute Anmerkung, genau dazu gibt es im Buddhismus ein nettes Kapitel, welches erklärt warum das ständige Verlangen nach haben und sein aufgrund von Vergänglichkeit aller DInge zu Leiden führt http://www.buddhanet.net/budasa6.htm
Original von Reiseleiter
Und noch ein Zitat aus dem Film, weil ich es gerade passend finde: "Fast die ganze Menschheit ist in der gleichen misslichen Lage [...] Wenn du nicht kriegst was du willst, leidest du. Und selbst wenn du genau das kriegst was du willst, leidest du immernoch. Weil du es nicht für immer festhalten kannst."
Der Typ der den Spruch gebracht hat, hat entweder einen an der Waffel oder auch ein kaputtes Mindset!
@Reiseleiter
Schön, dass du dir trotz Studiums ein bisschen Skepsis bewahrt hat. Ich kann verstehen, dass es nicht so einfach ist kritisch zu bleiben, bei all den Lobeshymnen der Professoren auf das System. Kritische LVs gibts ja eigentlich nicht an den Unis, vll. mal ab und zu einen kritischen Satz eines Professors, was aber Seltenheitswert hat. Dass du es spannend findest, wie Marketingfritzen Menschen beeinflussen, kann ich nachvollziehen. Wenns dir nur um die psychologischen Wirkungen geht, solltest du auf BWL kacken und dich mit NLP, Microexpressions und sowas befassen. Das hätte den Vorteil, dass du damit auch an den Live-Tischen was anfangen kannst.
Da du gerade auf Zitate stehst, hab ich eines, das super zum Thema passt:
„Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ - Henry Ford
Original von Foxhound2
gute Anmerkung, genau dazu gibt es im Buddhismus ein nettes Kapitel, welches erklärt warum das ständige Verlangen nach haben und sein aufgrund von Vergänglichkeit aller DInge zu Leiden führt http://www.buddhanet.net/budasa6.htm/blockquote >Coole Sache, das werde ich mir demnächst mal fertig durchlesen. Habe heute morgen angefangen und liest sich interessant an. :).
Original von Renne01
Da du gerade auf Zitate stehst, hab ich eines, das super zum Thema passt:
„Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ - Henry FordJup, das Geldsystem an sich ist schon ne witzige Sache.
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hab deinen Blog gerade nur mal überflogen...
ist das Ziel Pokerpro immer noch aktuell?
Finde ich sehr bedenklich, ich würde an deiner Stelle deine Energie auf langfristig Sinnvolleres gewichten. Poker ist nett, aber fulltime langfristig klar -EV, wenn du es nicht auf die Highstakes oder mindestens Midstakes schaffst. Und da du nun innerhalb von 1,5 Jahren es nicht mal auf NL50 geschafft hast, finde ich dein Vorhaben noch absurder. Allein der Gedanke, Pokerprofi zu werden, wenn man nicht mal NL50 nach 1,5 Jahren easy schlägt, finde ich irre. Du wirst es sicher nicht auf die Midstakes schaffen. Wenn dir Poker Spass macht - und das sollte es, weil du sonst eh nicht gut spielst - dann würde ich es als Hobby nebenbei spielen. Vielleicht wirst du dann auch automatisch besser ohne den Druck. Mit deinem Hauptziel im Leben kannst du aber sinnvolleres und erfüllenderes anstellen als Low-Stakes Grinder zu sein.
Original von Zivilist
hab deinen Blog gerade nur mal überflogen...ist das Ziel Pokerpro immer noch aktuell?
Finde ich sehr bedenklich, ich würde an deiner Stelle deine Energie auf langfristig Sinnvolleres gewichten. Poker ist nett, aber fulltime langfristig klar -EV, wenn du es nicht auf die Highstakes oder mindestens Midstakes schaffst. Und da du nun innerhalb von 1,5 Jahren es nicht mal auf NL50 geschafft hast, finde ich dein Vorhaben noch absurder. Allein der Gedanke, Pokerprofi zu werden, wenn man nicht mal NL50 nach 1,5 Jahren easy schlägt, finde ich irre. Du wirst es sicher nicht auf die Midstakes schaffen. Wenn dir Poker Spass macht - und das sollte es, weil du sonst eh nicht gut spielst - dann würde ich es als Hobby nebenbei spielen. Vielleicht wirst du dann auch automatisch besser ohne den Druck. Mit deinem Hauptziel im Leben kannst du aber sinnvolleres und erfüllenderes anstellen als Low-Stakes Grinder zu sein.
ich verstehe deine pragmatische haltung aber es ist einfach schlichtweg falsch so verallgemeinert zu sagen dass OP es sicher nicht auf die Midstakes schaffen wird.
der korrekte fachterminus ist unwahrscheinlich. sicher nicht ist in jeglicher hinsicht falsch und stammtischniveau.
Wie geplant habe ich mich in der vergangenen Woche auf die verbesserung meines Mental Game konzentriert und das Spielen in den Hintergrund gestellt. Habe das Buch "Das Poker Mindset" durchgearbeitet und daraus Schlüsse für meine Herangehensweise an Poker gezogen.
Die ersten ca. 120 Seiten des Buches drehen sich um Grundlagen, die mir bereits gut bekannt waren. Aber auf diesen Grundlagen baut der Rest des Buches auf, der mir teilweise wichtige Einsichten gegeben hat.
Zum einen wurde mir die Wichtigkeit des Theoriestudiums nochmals explizit vors Auge geführt. Daraus resultierte dann eine Veränderung meiner Jahresplanung. Unter anderem habe ich mir Gedanken über mein BRM gemacht und gemerkt, dass ich nun am besten auf NL10 absteige und dort an meinem Spiel arbeite, bis ich durch meinen Sommerjob meine Bankroll wieder boosten und somit wieder NL25 spielen kann. Unter anderem behandelt das Kapitel 5 Downswings und es wird beschrieben, warum Spieler oftmals im Downswing den Limitabstieg verpassen, obwohl dieser gemäß BRM notwendig wäre: "1. Es ist ein Rückschritt", "2.Es ist schwieriger, die Verluste wieder gut zu machen" und "3. Der Spieler könnte sich selbst belügen". Ohne an dieser Stelle näher auf die Punkte einzugehen wurde mir also bewusst, dass ich absteigen muss.
Auch Kapitel 6 - Tilt war für mich in meiner jetzigen Situation hilfreich und ist möglicherweise auf lange Sicht Gold wert. Unter anderem wurde mir bewusst, dass ich für zwei der beschriebenen Tilt-Arten anfällig bin: "Passiver Tilt" und "Formelhafter Tilt".
Während der Passive Tilt (bei mir) in erster Linie durch Downswings verursacht wird und relativ leicht erkennbar ist, hat der Formelhafte Tilt andere Gründe. Alle genannten Auslöser des formelhaften Tilts kamen mir zumindest ein wenig bekannt vor: Langeweile, Müdigkeit, Ablenkungen, Abschweifende Gedanken, Geringschätzung der Gegner. Mir wurde durch die Lektüre dieses Kapitels direkt bewusst, dass ich mich zuletzt tatsächlich die meiste Zeit über in einer Form des formelhaften Tilts befunden haben könnte, was auf elementare Schwächen in meinem Mental Game zurückzuführen ist.
Der formelhafte Tilt wird im Buch wie folgt beschrieben: "Formelhafter Tilt bedeutet schlicht, dass Sie nur 'nach Buch' spielen und sich nicht an die konkrete Partie anpassen. Im Grunde spielen Sie mit Autopilot und machen sich keine ausreichenden Gedanken über die spezifische Situationen, in der Sie sich befinden." Vor allem in Phasen, in denen formelhafter Tilt und passiver Tilt zusammen kommen gehe ich davon aus, dass meine Winrate stark geschädigt wird. Meine ohnehin nicht überragende Winrate im A-Game leidet dadurch möglicherweise so sehr, dass ich in Tiltphasen kein Winningplayer mehr bin. Ich bin weiterhin und mehr denn je davon überzeugt, dass mein Spielverständnis und meine Spielstärke im A-Game definitiv zumindest für eine kleine Winrate auf den Micros ausreicht. Sobald aber Tilt einsetzt, exploite ich meine Gegner allerdings zu wenig und/oder spiele zu passiv.
Darüber hinaus benötigt auch mein Standardspiel, in das ich wie beschrieben leicht abrutsche noch viel Arbeit. Die Variable "Stärke des Default-Gameplans" beeinflusst schließlich in erheblichem Maße meine Winrate, unabhängig von meiner mentalen Verfassung. Sicherlich würde ein solider Autopilot auch locker für die Micros reichen. Auch wenn dieser Punkt der offensichtlichste ist, wollte ich ihn an dieser Stelle erwähnt haben.
Um mein Standardspiel besser zu machen habe ich in mein Poker-Tagebuch den Punkt "Handanalyse" eingefügt. Mein Ziel ist es nun, jeden Tag mindestens eine Handanalyse zu machen und somit konstant Schritt für Schritt besser zu werden. Zwar habe ich in jüngster Vergangenheit immer mal wieder die ein oder andere Hand analysiert, aber dieses "hin und wieder" ist natürlich weit weg von meinen Ansprüchen. Bisher fehlten mir in meinem Trainingsplan klare (Zwischen)Ziele und die notwendige Routine, was Trainingseinheiten angeht. Das soll nun anders werden. Eins meiner Ziele für die kommende Woche ist es mein Training weiter zu strukturieren, um somit dafür zu sorgen dass ich mich konstant verbessere.
Ein weiterer Schluss, den ich in der vergangenen Woche gezogen habe ist, dass zur Tiltprävention meine Spielzeiten sorgfältig auswähle. Das bedeutet, dass ich nicht spiele, wenn...
...ich verstimmt bin...
..."mir etwas auf der Seele brennt"...
...ich müde bin...
...wenn ich mich nicht hunderprozentig konzentrieren kann...
Auch das scheint möglicherweise für den Ein oder Anderen selbstverständlich zu sein. Für mich war es das nicht. Somit war das eine weitere wichtige Lektion, die ich aus dem Buch ziehen konnte. Mein Fokus liegt nun darauf, so viel wie möglich mein A-Game zu spielen und wenn ich dazu nicht in der Lage bin an den verschiedenen Aspekten meines Spiels zu arbeiten, indem ich Hände analysiere und/oder mir meinen Default-Gameplan aufbaue. Ich habe beschlossen (und bisher mich bisher konsequent dran gehalten), dass ich jede Session beende sobald ich merke, dass ich nichtmehr mein bestes Spiel spielen kann. Meistens zeigt sich das dadurch, dass meine Gedanken abschweifen oder mir wichtige Details in Händen entgehen. Auch wenn ich bemerke, dass ich eine Hand richtig schlecht gespielt habe, beende ich die Session.
Durch den Limitabstieg habe ich einen weiteren Vorteil: Ich kann mich voll und ganz auf mein Spiel konzentrieren, weil der finanzielle Aspekt im Grunde bis zum Ende meines Sommerjobs keine Rolle mehr spielt. Auch gibt es nicht mehr die Ausrede, dass ich an den Tischen bleibe weil sie gerade so soft sind, obwohl ich zu müde bin, um mein A-Game zu spielen. Dazu noch ein Zitat aus dem Buch "Es klingt simpel, aber wenn sie auf Tilt sind, scheinen viele Spieler zu glauben, sie könnten ungeachtet der Tatsache, dass sie im Nachteil sind, gewinnen." Außerdem wird beschrieben, wieso das ein Trugschluss sein kann.
Seit zwei Tagen lese ich nun das Buch "The Poker Hero - How to survive, fight, and succeed in the modern Poker World". Das Buch dreht sich darum eine effektive Gestaltung der Trainingseinheiten zu schaffen und die eigene Herangehensweise an die Skillentwicklung professionell zu gestalten. Hauptziel für die Kommende Woche ist es deswegen meinen Trainingsplan zu optimieren und zielführende Trainingsroutinen in meinen Alltag zu integrieren. Dazu arbeite ich das Buch bis zu Ende durch und setze die Ratschläge daraus konsequent um.
Aufgrund meiner neuen Herangehensweise an das Spiel habe ich in der vergangenen Woche nur etwa 13 Stunden gespielt, da ich Sessions oft beenden musste weil mein A-Game nichtmehr gegeben war. Insgesamt bin ich aber mit meinem Poker-Volumen relativ zufrieden. Insgesamt 44 Stunden Pokerzeit habe ich genutzt, um die besagten 13 Stunden zu spielen, 17 Stunden Theorie zu studieren, 10 Stunden an meinem Mental Game zu arbeiten und 4 Stunden "The Poker Hero" zu lesen. Meine Work-Life-Balance war dabei recht cool: Ich war 2 mal im Fitnessstudio, 4 mal Joggen, habe fast täglich meditiert, war auf einem Polterabend und habe mit Freunden Fußball geschaut. Außerdem habe ich mir etwas Zeit genommen, um Sachen abseits von Poker zu lesen (Das Café am Rande der Welt - Sehr empfehlenswert).
Arbeite an deinem Default-Gameplan. Es gibt nichts besseres gegen Tilt als das Wissen dass man in einer Situation korrekt gespielt hat.