Endlich WP
Nach sehr vielen Ups and Down auf HUNL50 kann ich mich endlich als Winning Player bezeichnen (zumindest in diesem Spiel auf diesem Limit). Wir befinden uns im Jahr 2009. Ich denke, dass ich im Schnitt ca 1k. im Monat gewonnen habe und zusätzlich mit meinem Fußballgehalt für einen Studenten gut leben konnte. Nur wurden die Grindingzeiten immer länger und die Uni-Lernzeiten immer kürzer. Insgeheim war es zu dieser Zeit schon lange mein Wunsch Profipokerspieler zu werden, aber auszusprechen wagte ich es nicht. „Einfach zu Sick! Bleib solid!“, dachte ich. Mehr und mehr litt mein Studium darunter und ich bewegte mich auf sehr dünnem Eis. Meine Eltern machten sich große Sorgen, mein Bruder ebenso und ich selbst hatte vermutlich die größte Angst, dass ich mit "Gamblerei, Kartenspielen, vor dem PC sitzend" mein Leben wegwerfe. Ich muss vorrausschicken, dass ich sehr wenig "Gambler-Gen" in mir trage, also war mir schon einigermaßen klar, dass ich nicht spielsüchtig bin (obwohl ich mir andererseits dachte, jeder Spielsüchtige würde das von sich selbst behaupten). Es schien als stünde ich vor der Entscheidung Poker zu spielen oder zu studieren. Beides konnte ich anscheinend nicht unter einen Hut bringen. Dieser unsichere, unangenehme Schwebezustand dauerte einige Monate. Ich spielte nicht gut Poker. Ich wusste nicht, ob ich diese Pokersache wirklich durchziehen soll oder ob mir das extrem schadet und meine Zukunft verhaut. Vorlesungen besuchte ich nur noch selten und wenn, dann las ich immer unter meinem Script alle „Mags“, die es so im Handel gab (Donkmag,ACE,Cardplayers.,Pokerblatt…) Folglich studierte ich eher bescheiden gut, obwohl ich früher keine Probleme mit dem Studium hatte. Was tun? Ich weiß so schlittere ich direkt in eine Depression und das sehr bald. Meine Eltern raten mir einen Psychologen aufzusuchen um mich wieder "auf Bahn" zu bringen, um eine mögliche Identitätskrise oder sonst irgendeinen „Psychoschaden“ früh zu erkennen und rechtzeitig zu handeln!? Die Idee erschien mir gar nicht so schlecht, aber es kostet verdammt viel Überwindung zu einen "Seelenklempner" zu gehen. Natürlich ahne ich böses. Poker ade! Das wars dann wohl mit Poker.
Phaethon beim „Psycho-doc“
Ich gehe also hin und sagte ihr: "Ich denke ich habe ein Identitätsproblem, oder so etwas in der Art, es geht mir nicht gut, meine Studium ist gefährdet und außerdem spiele ich 8 Stunden am Tag Poker." Die Psychologin sieht mich an und sagt zu mir:"Was wollen Sie?"- "Pokerspieler werden!" antworte ich schnell. "Also dann wissen Sie ja was Sie wollen und Identitätsproblem kann ich folglich keines erkennen." Anschließend erkläre ich ihr noch, dass es sich dabei eher um eine Art Denk-Sport bzw. um ein Strategiespiel handelt und schnell stimmt sie mir zu, dass die Spielsuchtgefahr bei mir sehr gering ist. Nach mehreren Sitzungen stellte sich heraus, dass mein Problem viel mehr mit Selbstwert und Selbstvertrauen zu tun hat und nicht mit Identität oder Spielsucht. WOW! Die Seelenklempnerin empfiehlt mir mutig einen individuellen Weg einzuschlagen und Pokerspieler zu werden. Sick! Meine Freundin hat damit Gott sei dank kein Problem, aber alle andern fragen mich ob ich völlig bescheuert bin?!" "Genau da gilt es zu arbeiten", meinte der "Psychodoc", " die Meinung anderer sei mir viel zu wichtig." Alles klar! Ziel ist es jetzt Selbstwert zu stärken und selbstsicher sein Ding durchziehen. Ich kann vorwegnehmen, diese Aufgabe ist bis zum heutigen Tag noch nicht abgeschlossen. So. Mama weint und macht sich Vorwürfe was sie nicht alles, in der Erziehung ihres Sohnes falsch gemacht habe. Papa denkt sich einfach das ist irgendeine Phase und das wird irgendwann wieder klappen. Meine Fußballkollegen sprechen nicht mehr locker zu mir, sondern setzten ihren fürsorglichen Blick auf und bieten mir ihre Hilfe an. Schließlich kennen sie selbst einige Leute mit Alkohol-, Drogen oder eben Spielsuchtproblemen. Außerdem kennt einer jemanden, der mir problemlos eine Arbeit verschaffen kann. Beides lehne dankend ab, beende meine Fußballkarriere und mein Freundeskreis beschränkt sich „nur mehr“ auf meine besten Freunde. Dennoch denke ich mir: „Ich ziehe das durch und das Problem ist nicht das Pokern, sondern mein unsicherer Auftritt in der Öffentlichkeit und, dass es mir nicht egal ist, was andere Leute von mir denken. Daran muss ich arbeiten! (Mittlerweile sind meine Eltern stolz auf den Jungen
also das schlimmste konnte ich abwenden) Nach 10 "Psychodoc-Sitzungen" lernt man sich ganz gut kennen und es stellt sich heraus, dass mein „Doc“ 5 Spitzensportler als Mentalcoach betreut (darunter 1 Tennisspieler,2 Golfspieler und 1 Schachspieler). Sie macht mir das Angebot mich als Mentalbetreuerin im ersten Jahr (mit Erfolgsprovision) zu begleiten. Seit diesem Zeitpunkt arbeite ich mit meinem Mentalcoach an meiner "Karriere" bzw. Weiterentwicklung als Spieler. So jetzt lassen wir mal wieder diesen psychologischen Kram beiseite und gucken mal was beim Pokern so abging.
Ewig NL50!
Das heißt ab diesem Zeitpunkt konzentriere ich mich völlig auf Poker und versuche so professionell als möglich (mit Unterstützung der Betreuerin) an die Sache heranzugehen. Pokerpro auf NL50 mit einer BR von 5k. Empfehlen kann ich es keinen und ganz klar im Kopf kann weder ich noch meine Psychotante gewesen sein:) Naja es gibt uns immer noch... Also 5k! Aber als Profi , dachte ich, ist es wohlmöglich solider/klüger mit einer BR von 10k Nl100 zu shotten? Später stellte sich heraus, dass der Beweggrund für mein BRM nicht super-vernünftiges Denken war, sondern pure Angst. Aber wie auch immer, irgendwie fühle ich mich auch heute noch mit einem 100BI BRM sehr wohl. Meine Kurven verliefen, zwar relativ konstant nach oben, dennoch gab es immer wieder große Schwankungen. Ich wünschte die Swings entstanden einfach weil ich der "super-lag-crazy-aggro-sicko" war und das eben mein Spielstil diese Swings erfordert. Aber es war leider nur Tilt und sehr oft fehlende Konzentration
Mit viel Mentaltraining entwickelte ich mich hier ein wenig weiter und irgendwann waren dann auch die 10k da. Was folgt? 100k hands, break even auf NL100 –drop down zu NL50. Fuck ich bin zu schlecht! Geld machte ich dennoch ausreichend, weil ich mittlerweile nl50 sehr gut schlagen konnte und mit Hilfe der ganzen Bonus und RB-Aktionen auf den verschiedenen Seiten meine BR dennoch ein wenig wächst. Natürlich hab ich viel Strategy gelesen, Hände analysiert und Vids geguckt, aber ich konzentrierte mich wieder hauptsächlich auf den mentalen Aspekt und versuchte mit meiner Trainerin Schwächen, Ängste im Spiel herauszufinden und zu beheben. Tatsächlich muss sich bewusst oder unbewusst mein Spiel dadurch weiterentwickelt haben und plötzlich schlage ich (nach einigen Limit Drop-downs) Nl100. BR liegt bei 25k. Mittlerweile sind wir bei Jannuar 2012 angekommen. Ich cashe 15k aus (for living und live CG NL600) und beginne dieses Jahr wieder mit NL100, weil ich mich auch noch nicht stark und gut genug fühle für NL200. Ich habe immer noch Schwierigkeiten gute Regs zu schlagen und verdiene leider hauptsächlich von schwachen Spielern meine Kohle. Bei 15k nahm ich NL200 bumhunten dazu, was natürlich sehr profitabel ist und meine Roll wächsen lässt. Dennoch bin ich unzufrieden und möchte bevor ich Nl400 spiele die guten NL200 regs schlagen. Und da bin ich jetzt. NL400 könnte ich bankrolltechnisch ganz komfortabel spielen, fühle mich aber noch nicht bereit dazu. Möchte noch einige technische Fehler und Mindset verbessern, um den nächsten Entwicklungsschritt erfolgreich zu absolvieren.
Ok, das wars mit den ewig langen Texten und mit meinen Werdegang. Ab jetzt werde ich versuchen Aktuelles zu berichten
GL
Phaethon