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[NL5] Mein Weg durch die Micro-Limits

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Professorix
Joined: 24.08.2011

Die letzte Woche lief insgesamt sehr solide. Über rund 18k Hände ging es knapp 11 Stacks nach oben, zwischenzeitlich sogar bis zu 13 Stacks im Plus. Der Graph zeigt weiterhin einen klaren Aufwärtstrend.

Wichtig für mich: kein wilder Lauf, sondern kontinuierliches Vorarbeiten. Die Downs waren überschaubar, die Erholungen kamen zügig, und ich bin weitgehend bei meinem aktuellen Gameplan (Basis: Neue Ranges für Big Stack Strategy (100bb) geblieben.

Wie eigentlich jede Woche geht auch heute der Start in die neue Woche erst einmal abwärts, bevor ich mich wieder erhole.

Es waren Hände dabei, die meinen alten Habitus bestätigt haben – Calls, die ich niemals hätte machen dürfen.

Ein Beispiel: Mit A9 habe ich auf dem River mit Top Pair, bestem Kicker einen 80bb Hero-Call gemacht. Wie eigentlich zu erwarten, lief ich damit gegen ein höheres Pair und verlor den Stack. Der zweite Stack ging mit Set T gegen Set Q verloren.

Positiv war allerdings: kein Ansatz von Tilt. Ich habe ruhig weitergespielt und relativ schnell wieder die Nulllinie erreicht.

Insgesamt sieht es gut aus, dass ich endlich das erste Limit schlage. Aktuell stehe ich bei 38 Stacks, es fehlen also noch 12 Stacks bis zum ersten Meilenstein. Das bedeutet allerdings nicht automatisch einen Aufstieg, denn ich habe mir ja ein sehr striktes Bankrollmanagement auferlegt: Limit schlagen und zusätzlich 100 Stacks für das nächste Limit zur Verfügung haben.

Heißt konkret: Ich werde noch eine ganze Weile NL2 spielen, inklusive weiterer Swings. Hoffentlich werden ein paar schöne Boni helfen, die Bankroll für das nächste Limit aufzubauen.


Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

Januar-Review – erster positiver Monat, aber noch viele Fragen

Der Januar ist zu Ende und er ist mein erster Monat, in dem ich insgesamt im positiven abgeschlossen habe.
Das fühlt sich gut an – aber gleichzeitig weiß ich, dass es deutlich besser werden kann und auch muss.

Was mich aktuell besonders beschäftigt:

- Ich verstehe nicht, warum meine All-In-Equity fast 40 Stacks hinter der tatsächlichen Gewinnkurve liegt.
- Gefühlmäßig hatte ich deutlich mehr Pech als Glück, die Kurve erzählt jedoch eine andere Geschichte. Hier schon mal mein Selbstmerker: Rückblickend wirkte vieles wie Pech, tatsächlich habe ich jedoch zu oft mit scheinbar guten Händen gecallt und dabei die BSS-Regel missachtet, auf dem River nur mit echten Monstern broke zu gehen.
- Und vor allem: Meine Redline sieht einfach grauenhaft aus.

Ich möchte das hier nicht schönreden, sondern ehrlich verstehen, wo ich stehe und woran ich arbeiten muss.
Der Blog ist dabei weniger für Leser gedacht, sondern als persönliches Tagebuch und Selbstmerker – für Dinge, die ich mit meinem Trainer und in meinen eigenen Analysen erarbeite.

---

Analyse – nüchtern, ohne Schönreden

Zuerst das Wichtigste:

Das ist kein „grauenhafter Graph“.
Das ist der Graph eines soliden Winning Players mit klar identifizierbaren Hebeln.

---

1. Der Januar ist positiv – und das ist kein Zufall

- ca. 125k Hände
- klar steigende blaue Linie (Showdown-Winnings)
- stabiler Gesamtgraph nach oben

Das ist kein Glücksmonat.
Viele Spieler schaffen es selbst über Jahre nicht, einen Monat mit dieser Sample Size positiv abzuschließen.

---

2. Die 40 Stacks All-In-EV – warum sich das falsch anfühlt

Das Gefühl sagt:
„Ich hatte doch mehr Pech als Glück.“

Die All-In-Adj-Linie sagt aber nur:
- Wie oft ich vor River All-In war
- Welche Equity ich in diesen Spots hatte

Sie sagt NICHT:
- ob ich gut oder schlecht gespielt habe
- ob meine Calls korrekt waren
- ob ich Postflop-Leaks habe

40 Stacks auf 125k Hände sind spürbar, aber nicht absurd.
Das ist Varianz, kein Drama und kein Zeichen von schlechtem Spiel.

---

3. Warum die blaue Linie trotzdem stark steigt

Das Entscheidende ist:
Ich gewinne massiv im Showdown.

Und das, obwohl:
- ich am River zu oft calle
- ich Draw-Completes unterschätze
- ich Overpairs und Top Pairs overplaye

Das bedeutet:
Mein Preflop- und Flop/Turn-Game ist bereits stark genug, um diese Leaks zu überkompensieren.

Das ist kein Problem – das ist ein Luxus.

---

4. Die Redline – hässlich, aber erklärbar

Ja, die rote Linie fällt stark. Das hat drei Gründe:

1) Playerpool-Dynamik
Viele Callingstations, wenig Fold-Equity.
Bluffs funktionieren schlechter, Redline leidet systematisch.

2) Mein Spielstil
Ich valuebette viel, bluffe selektiv und gehe oft zum Showdown.
Das drückt die Redline, hebt aber die blaue Linie.

3) Der echte Leak
Ich calle zu oft Riverbets, wenn:
- offensichtliche Draws ankommen
- Villains Range klar zu Value kippt

Diese Calls drücken sowohl die Redline als auch die EV.

---

5. Warum sich der Monat schlechter anfühlt, als er war

Mein Kopf merkt sich:
- große verlorene Pots
- schmerzhafte River-Calls
- Setups wie AA vs Set

Er merkt sich nicht:
- viele kleine Valuewins
- unauffällige +20bb Pots
- Hände, die einfach funktionieren

Der Graph ist objektiver als mein Gefühl – und er spricht klar für mich.

---

6. Die wichtigste Erkenntnis

Ich verliere kein Geld, weil ich schlecht spiele.
Ich lasse Geld liegen, weil ich am River zu optimistisch calle und Value-Ranges zu selten respektiere.

Aggressiver werden ist riskant.
Disziplinierter folden ist sofort +EV.

---

7. Was „viel besser werden“ realistisch bedeutet

Wenn ich:
- River-Calls gegen completed Draws konsequent reduziere
- Overpairs am River nicht mehr stacke
- meine Default-Entscheidung von Hero-Call auf Fold drehe

Dann:
- steigt die All-In-EV
- stabilisiert sich die Redline
- steigt die Gesamt-Winrate deutlich

Nicht, weil ich mehr bluffe.
Sondern, weil ich weniger bezahle.

---

Fazit

Das ist kein Warnsignal.
Das ist kein Glücksmonat.
Das ist der Punkt, an dem Handreading wirklich anfängt zu wirken.

Und genau deshalb fühlt es sich gerade unbequem an.


Antwort
Zitat

ca. 125k Hände

NL2

wie viele Stunden sind das?

Was denkst du wo du langfristig stehen würdest, wenn du nur einen Bruchteil der Stunden in Theory investieren würdest?


Antwort
Zitat
ursusmm
Joined: 20.08.2008

Kein Mensch sollte 100k Hände auf NL2 verbringen


Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

Original von Superior1712
... wie viele Stunden sind das?

Die genaue Stundenzahl ist ehrlich gesagt nicht der Punkt. Aber sei’s drum – hier ist die Zahl:

Original von Superior1712
Was denkst du, wo du langfristig stehen würdest, wenn du nur einen Bruchteil der Stunden in Theory investieren würdest?

Ich veröffentliche hier freiwillig Inhalte – nicht, weil ich es muss, sondern weil ich mich bewusst dafür entschieden habe. Genauso bewusst könnte ich mich auch dagegen entscheiden.

Ein öffentlicher Poker-Blog bedeutet, dass man sprichwörtlich die Hose runterlässt: Spielstil, Leaks, Volumen, Schwächen. Das ist im Poker alles andere als selbstverständlich – und ganz sicher nicht bequem. Man macht das nicht, um sich rechtfertigen zu müssen, sondern weil Transparenz, Selbstkontrolle und Lernprozess für mich zusammengehören.

Ich habe mich Ende Dezember einem Trainerteam angeschlossen und arbeite nun strukturiert an meinem Spiel. Dafür brauche ich Daten als Grundlage für die Analyse. Theorie ohne Praxis ist genauso wertlos wie Volumen ohne Auswertung – beides gehört zusammen.

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, BSS mit 4 Tischen auf GGPoker R&C zu spielen – also ohne HUD – und das Ergebnis zu maximieren. Wie man sieht, ist es machbar, also beatable. Ich habe viele Leaks. Garantiert. Und wenn der Weg dafür über eine längere Zeit auf NL2 führt, ist das für mich völlig in Ordnung.

Was ich hier teile, ist ein offener Arbeitsbericht – kein Einladungsschreiben zur Zeitkontrolle. Wie viel ich spiele, lerne oder veröffentliche, ist Teil meines persönlichen Prozesses.

Und genau deshalb entscheide ich selbst, was davon öffentlich ist – und was nicht.


Antwort
Zitat
P0k3rk1d
Joined: 03.04.2025

Eben. Ich finde es super, wie du postest und bleib bitte dran. Lese sehr gerne mit. Für mich tausendmal interessanter als 0815-Blogs, wo nix kommt außer Ergebnisse. :spade::heart::diamond::club:


Antwort
Zitat
bigdog63
Joined: 24.10.2011

Ich glaube, Du solltest nicht so dünnhäutig sein. Deine Mitstreiter, Mitleser und Mitredner hier sind oder waren schon mal im gleichen Boot. Jeder kommentiert das, was er aus seiner Sicht für wichtig hält und auch auf der Basis der Infos die Du preisgibst. Wenn Du also nichts oder wenig von Theorie schreibst, nimmt der durchschnittliche Leser an, dass da auch nicht ist. Außer, Du wünschst Dir kein Feed-back, dann sag es so und wir wissen Bescheid.

Ansonsten weiter so. Die Redline ist mit ca. -8BB/100, wenn ich das richtig geschätzt habe, gar nicht mal so schlecht. Ich würde sie mir so wünschen.


Antwort
Zitat
SteveWarris
Joined: 28.03.2007

Ich hab deinen Post gelesen und fand die Gedanken gut, aber an ein, zwei Stellen greift mir das Fazit zu kurz.
Ich hab das mal umformuliert, ohne den Inhalt zu verändern – sag gern, ob du dich darin wiederfindest.

Analyse – nüchtern, präziser eingeordnet

Der Januar ist beendet und erstmals schließe ich einen Monat insgesamt positiv ab.
Das fühlt sich gut an – gleichzeitig ist mir bewußt, daß dieses Ergebnis differenziert betrachtet werden muß.

Der positive Abschluss ist ein Fakt.
Die Frage ist, wie belastbar er ist und was er über mein Spiel aussagt.

1. Ein positiver Monat ist ein Erfolg – aber kein Beweis

- ca. 125k Hände
- steigende blaue Linie
- Gesamtgraph im Plus

Das ist zunächst einmal positiv.
Ein Monat dieser Größe mit grünem Ergebnis ist kein Selbstläufer.

Gleichzeitig gilt aber auch:
Ein positiver Monat allein sagt noch nichts darüber aus, ob ich das Limit bereits klar schlage oder ob Varianz einen relevanten Anteil hatte.

Beides kann gleichzeitig wahr sein.

2. All-In-EV: Was sie sagt – und was nicht

Die All-In-Adj-Linie liegt rund 40 Stacks unter der tatsächlichen Gewinnkurve.

Das bedeutet:
- In All-In-Situationen lief es überdurchschnittlich gut
- Ein Teil des Ergebnisses ist varianzgetrieben

Die All-In-EV bewertet nicht meine gesamte Spielqualität,
sie ist aber ein wichtiger Indikator dafür, wie reproduzierbar mein Ergebnis ist.

Ein signifikanter Abstand zwischen Real-Winnings und EV mahnt daher zu Vorsicht bei der Interpretation des Monats.

3. Die steigende blaue Linie – Stärke mit Einschränkung

Ich gewinne viel im Showdown.
Das spricht dafür, daß mein Preflop- sowie mein Flop/Turn-Game grundsätzlich solide ist.

Gleichzeitig zeigt die Kombination aus:
- sehr starker blauer Linie
- deutlich negativer roter Linie

daß ich häufig Geld in Pots investiere, die ich später aufgebe,
oder mit marginalen Händen bis zum Showdown gehe.

Das ist kein grundsätzlich falscher Ansatz –
aber er funktioniert nur gegen bestimmte Gegnertypen.

4. Die Redline: kein Makel, sondern ein Hinweis

Die stark fallende Redline erklärt sich aus mehreren Faktoren:
- ein passiver Playerpool mit wenig Blufffrequenzen
- ein valueorientierter Spielstil
- häufige Call-Down-Lines ohne klare River-Entscheidung

Der kritische Punkt ist dabei weniger die Redline selbst,
sondern die fehlende Klarheit, in welchen Spots diese Lines tatsächlich +EV sind.

5. Der eigentliche Hebel: Klarere Lines statt pauschaler Anpassungen

Meine bisherigen Analysen haben gezeigt:
- Ich calle Riverbets zu oft gegen klar value-lastige Ranges
- Ich stacke Overpairs in Situationen, in denen der Pool selten blufft

Das ist kein Zeichen von „schlechtem Spiel“,
sondern von unzureichender Gegner- und Line-Selektion.

Es geht weniger darum, pauschal tighter oder aggressiver zu werden,
sondern darum, bewußter zu entscheiden, wo mein EV entsteht – und wo nicht.

6. Die zentrale Erkenntnis

Ich verliere Geld nicht aus einem einzelnen Leak heraus,
sondern dort, wo ich Lines spiele,
die gegen diesen Playerpool strukturell keinen ausreichenden Erwartungswert haben.

Disziplinierter zu folden ist ein Teil der Lösung.
In anderen Spots kann jedoch auch mehr Druck und mehr Aggression der richtige Hebel sein.

7. Was „besser werden“ konkret bedeutet

Der nächste Entwicklungsschritt ist nicht mehr Volumen oder mehr Theorie, sondern:
- klarere Default-Lines gegen typische Gegnertypen
- weniger Investitionen ohne klaren River-Plan
- präzisere Trennung zwischen Value-Spots und Hoffnungsspots

Wenn mir das gelingt, sollte sich:
- die EV stabilisieren
- die Winrate nachhaltiger entwickeln
- und die Varianz eine geringere Rolle spielen

Fazit

Der Januar ist kein Misserfolg – aber auch kein Beweis für einen nachhaltigen Edge.
Er zeigt, daß mein Fundament solide ist,
daß ich aber noch genauer verstehen muß, wo mein Geld tatsächlich verdient wird.

Das ist kein Rückschritt.
Das ist der Punkt, an dem Analyse von Ergebnissen zu Analyse von Ursachen wird.


Antwort
Zitat
Fasteddie70
Joined: 07.09.2005

Ich finde auch das 32 Tage keine Zeitverschwendung sind wenn man das grosse ganze sieht.wenn du in 12 Monaten sagen wir NL,50 spielst wie viel rolle spielt dann ein Monat nl2 ?
Außerdem lernt man bei 135k Händen einen Pool auch ganz gut kennen wenn man fokussiert spielt.

Trainerteam klingt nach cfp . Liege ich richtig ? Wenn deutschsprachig dann Rainer ?

Auf jeden Fall eine gute Möglichkeit sich zu verbessern.


Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

Original von SteveWarris
Ich hab deinen Post gelesen und fand die Gedanken gut, aber an ein, zwei Stellen greift mir das Fazit zu kurz.
Ich hab das mal umformuliert, ohne den Inhalt zu verändern – sag gern, ob du dich darin wiederfindest.

Danke für die Mühe und die Aufarbeitung.

Das eigene Spiel objektiv zu bewerten ist vermutlich eine der schwierigsten Aufgaben im Poker – gerade weil man vieles eben noch nicht klar genug erkennt. Würde ich meine Leaks, optimalen Lines und Entscheidungsfehler bereits sauber verstehen, bräuchte ich weder Trainer noch Austausch noch externe Analyse.

Gerade weil man mitten im eigenen Spiel steckt, fehlt oft die nötige Distanz für eine wirklich objektive Bewertung. Deshalb freue ich mich ausdrücklich über externe Perspektiven.

Original von Fasteddie70
...
Trainerteam klingt nach cfp . Liege ich richtig ? Wenn deutschsprachig dann Rainer ?
...

Definitiv falsch :f_biggrin: Wenn du hier im Forum die Blogs anderer Mitstreiter liest, findest du den Hinweis, wem ich mich angeschlossen habe :f_drink:


Antwort
Zitat
Fasteddie70
Joined: 07.09.2005

OK. Habs gefunden . Darf ich fragen was dich dazu bewogen hat dorthin zu gehen und für denselben Preis z.b. nicht upswing zu nehmen mit Uri peleg oder die closed Community von saulo Costa ?


Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

Vom Pech verfolgt – und doch dreimal richtig gewonnen: Mein Bad-Beat-Abend


Antwort
Zitat
bowandarrow
Joined: 17.07.2024

An einem einzigen Tag zweimal den Bad Beat Jackpot gezogen? :f_eek:

Krank! Herzlichen Glückwunsch!!

Wenn ich ehrlich bin kommt da bei mir aber auch etwas "Neid" auf - hab jetzt auf GG ca. 500.000 Hände lifetime gespielt und war noch nicht eimal beim BBJ beteiligt geschweige gewonnen... :|


Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

30 Tage Handreading Challenge mit je 2 Händen pro Tag
Day 1: NL25 – BB vs BTN 3bet Spot Analyse

Da ich momentan Handreading lerne, werde ich einfach mal die Hand https://gg.gl/suhoo von Tycobb mit leider sehr dürftigen Informationen versuchen zu analysieren, da er eine River Frage stellt:

Original von TyCobb
Reichen da 2 pair für nen call?

Ausgangssituation:
Stacks:
Hero: $39 (~156bb)
Villain: $25 (~100bb)

1. Preflop-Openrange BTN (Ausgangspunkt)

Aus den einzigen Informationen VPIP 35 und

Original von TyCobb
Hatte gegen villain ein oder zwei Hände vorher den river overgebettet und er hatte nen lighten call gemacht

nehme ich mal aus der ESS eine relativ weite Button-Opening-Range (~46%):
AA-22, AKs-A2s,KQs-K2s,QJs-Q2s,JTs-J4s,T9s-T5s, 98s-95s,87s-84s,76s-74s,65s-63s,54s-53s,43s, AKo-A2o,KQo-K7o,QJo-Q9o,JTo-J9o,T9o,98o


Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

2. Preflop
2.1 Bewertung der 3bet mit KQs

Pro 3bet:

  • KQs reduziert die Anzahl an AK-, AQ- und KQ-Kombinationen.
  • Gute Playability gegen weite Open-Range.
  • Zusätzliche Flush-Equity.
  • Verhindert, dass BTN günstig IP realisiert.

Contra 3bet:

  • OOP schlechtere Realisation als IP.
  • Dominiert von AQ und AK.
  • Schwierig gegen 4bet.
  • Keine klare Value-Hand gegen komprimierte Calling-Range.

KQs ist hier eine spielbare lineare 3bet-Hand.

Das Sizing liegt am oberen Ende des üblichen OOP-Standards.

Effekte des großen Sizings:

  • Villain bekommt schlechtere Pot Odds.
  • Schwache Offsuit-Hände verlieren stark an Attraktivität.
  • Calling-Range wird komprimiert.
  • Pot wird OOP größer → Postflop wird anspruchsvoller.

4bet passt strategisch eher zu einer linearen Value-Range als zu einer polarisierten Strategie.

2.2 Call-Range BTN vs 4x 3bet (IP)

2.2.1 Wird AK, QQ hier ge4bettet oder nur gecallt?

Meine Einschätzung:

  • AA und KK werden fast immer ge4bettet.
  • AK (besonders AKs) wird sehr häufig ge4bettet.
  • QQ ist eine Mischhand zwischen 4bet und Call.

Warum QQ häufig nur callt:

  • IP sehr gut spielbar.
  • Gegen eine starke BB-3bet-Range möchte man nicht immer isolieren.
  • Eine 4bet foldet schlechtere Hände raus und wird oft nur von KK+/AK weitergespielt.
  • 100bb deep besteht kein Zwang, sofort zu stacken.

Wann wird QQ eher ge4bettet?

  • Wenn BB sehr aggressiv 3bettet.
  • Wenn viel History vorhanden ist.
  • Wenn Villain polarisiert 3bettet.

Default schätze ich:
QQ ist häufiger ein Call als eine 4bet.
Fazit:

QQ gehört zumindest teilweise in die Calling-Range.
AA/KK sind primär in der 4bet-Range.
AK lass ich auch in der Calling-Range.

2.2.2 Wie behandle ich AK in der Calling-Range?
AK ist keine reine 4bet-Hand.

Meine Einschätzung:

  • Ein Teil von AK (besonders AKs) wird häufig ge4bettet.
  • Ein Teil – vor allem gegen unknown oder größere Sizings – wird IP gecallt.
  • Hier wird wohl oft keine klare Split-Strategie gespielt, sondern mixed.

Warum AK teilweise nur callt:

  • IP sehr gut realisierbar.
  • Vermeidung eines 5bet-Spots gegen starke 3bet-Range.
  • 100bb deep besteht kein Zwang zum sofortigen Stack-Off.

Fazit:
AK gehört nicht vollständig in die 4bet-Range.
Ein Teil bleibt realistisch in der Calling-Range.

2.2.3 Werden kleine Pairs (22-66) IP vs 4x 3bet gebettet?

Kurzantwort:
Ich denke: Warum nicht?

Warum kleine Pairs oft gecallt werden:

  • 100bb deep → ausreichende Implied Odds
  • IP → bessere Realisation
  • Viele Spieler überschätzen Setmining-Value
  • BB wird oft auf Overpairs gesetzt → hohe Auszahlung im Trefferfall

Theoretisch korrekt:

  • 22–66 könnten gegen große 4x-Sizes gefoldet werden

Einschätzung Population:

  • 77–99 fast immer Call
  • 22–66 sehr oft Call
  • Fold-Quote deutlich niedriger als theoretisch optimal

Fazit:
Wenn wir population-based analysieren, gehören 22–66 in die Calling-Range.
Wenn wir sehr LAG-lastig denken, könnten 22–66 reduziert werden.

Da wir die Minimalinfo haben, dass Villain light callt nehme ich nun die Range:
QQ-22,AKs-A2s,KQs-KTs,QJs-QTs,JTs,T9s,98s,87s,76s,65s,54s,AKo-AJo,KQo

Wichtig:

  • QQ+, AK werden werden wohl häufig ge4bettet
  • Schwache Offsuit-Kx/Qx folden
  • Untere suited Gapper verschwinden meist

Villain spielt also nicht mehr 46%, sondern eine strukturierte IP-Range.

2.2.3 Preflop-Fazit:

  • Die 3bet ist spielbar, aber eher dünn.
  • Das große Sizing komprimiert Villains Range deutlich.
  • Hero spielt nun OOP gegen eine relativ solide IP-Calling-Range.
  • Die entscheidende Edge entsteht ab Flop durch Range-Advantage und Barrel-Struktur.
  • Die Equity von Hero liegt gegen diese Range bei 48.0%

Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

3. Flop: K♠ 3♠ J♦

Pot: $5.10
Hero bettet $1.69 (~1/3 Pot)
Villain callt

3.1 Board-Analyse

  • K-high Board.
  • Two-Tone (Flushdraw möglich).
  • Broadway-Board mit Straight-Potential.
  • Hohe Interaktion mit Villains Calling-Range.

Der Flop ist dynamisch und nicht statisch.
Viele Turnkarten können die Equity deutlich verschieben.

3.2 Welche Hände callen die Flop-Bet? (Range Shrinking)

Das bedeutet:
Villains Range ist nach dem Call deutlich stärker und drawlastiger als Preflop.

3.3 Equity gegen die Calling-Range

Gegen diese gefilterte Range hat Hero mit K♣ Q♣ eine Equity von 36.8%.

Auf den ersten Blick wirkt das niedrig.

Man könnte meinen: „Unter 50% → keine Valuebet.“
Das ist jedoch ein Denkfehler.

3.4 Wie viel Equity brauchen wir wirklich?

Hero bettet $1.69 in einen Pot von $5.10.

Die benötigte Equity berechnet sich so:

Required Equity = Bet / (Pot + Bet)
1.69 / (5.10 + 1.69) ≈ 25%

Hero braucht also nur etwa 25% Equity,
damit die Bet profitabel ist, wenn Villain callt.

3.5 Bewertung der Flop-Bet

  • Tatsächliche Equity: 36.8%
  • Benötigte Equity: ~25%

Hero liegt deutlich über der notwendigen Schwelle.

Zusätzlich:

  • Schlechtere Hände callen (QQ, TT, Flushdraws).
  • Hero schützt gegen Draws.
  • Hero erhält Fold Equity gegen schwache Hände.

Es handelt sich nicht um eine dominante Valuebet, sondern um eine dünne Value- und Protection-Bet.


Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

4. Turn: Q♠

Board: K♠ 3♠ J♦ Q♠
Hero hält: K♣ Q♣ (Two Pair)

Pot: $8.48
Hero checkt
Villain bettet $4.24 (~50% Pot)

4.1 Wirkung der Q♠

  • Hero verbessert sich zu Two Pair.
  • Der Flush kommt an.
  • QQ wird zum Set.
  • AQ verbessert sich.

Der Turn verändert die Handstärken massiv.
Viele Flop-Draws sind nun Made Hands.

4.2 Kombinatorische Veränderungen

Durch die Q♠ verändern sich die Kombos in Villains Range:

  • QQ reduziert sich von 6 auf 3 Kombos (Board-Removal).
  • AQ-Kombos mit Q♠ fallen weg.
  • KQ-Kombos mit Q♠ oder Q♣ fallen weg (Hero blockt zusätzlich).
  • Alle Spade-Draws werden zu fertigen Flushes.

Die Range bleibt strukturell ähnlich, aber einzelne Handklassen werden reduziert und Draws werden zu starken Value-Händen.

4.3 Strategische Veränderung

Am Flop enthielt Villains Range:

  • Value
  • Draws
  • Mittlere Hände

Am Turn:

  • Viele Draws werden Value.
  • Mittlere Hände werden dünner.
  • Bluff-Anteil sinkt deutlich.

Die Range wird value-lastiger und stärker polarisiert.

4.4 Pot Odds

Pot nach Bet: $12.72
Hero muss $4.24 callen.

Required Equity:

requiredequity=call/(pot_after_bet)
4.24 / 12.72 ≈ 33%

Hero benötigt also rund 33% Equity.

4.5 Bewertung des Calls

Hero mit K♣ Q♣ schlägt:

  • AK
  • AQ
  • KJ

Hero verliert gegen:

  • Flushes
  • Sets

Gegen die konstruierte Betting-Range hat Hero etwa 33% Equity.

Das bedeutet:

  • Der Call ist kein klarer Value-Call.
  • Es ist ein Break-Even-Spot.

Die Entscheidung hängt stark davon ab, wie häufig Villain AK/AQ bettet und wie polarisiert seine Turn-Range tatsächlich ist.

Gegen eine sehr value-lastige Range wäre der Call -EV. Gegen eine breitere Betting-Range ist der Call korrekt.

Turn-Fazit:

Der Spot ist extrem dünn.

Hero steht genau an der mathematischen Schwelle. Kleine Frequenzverschiebungen entscheiden, ob der Call langfristig profitabel ist.


Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

5. River: 3♥

Board: K♠ 3♠ J♦ Q♠ 3♥
Hero hält: K♣ Q♣ (Two Pair)

Pot vor Bet: $16.96
Villain bettet $16.82 (≈ Pot)

Hero muss $16.82 callen.

5.1 Pot Odds

Pot nach Bet: $33.78

Required Equity:

16.82 / 33.78 ≈ 49.8%

Hero benötigt also rund 50% Equity.

5.2 Warum wir am River erneut shrinken müssen

Die bisher verwendete Range war im Wesentlichen die Turn-Range.

Aber:

Eine Potbet am River ist eine massive Information.

Sie ist in der Regel:

  • Polarisiert
  • Sehr value-lastig
  • Oder ein Bluff

Das bedeutet:

Wir können nicht mehr mit der breiten Turn-Range rechnen.

5.3 Welche Hände betten realistisch Pot?

Aus der bisherigen Range fallen häufig heraus:

  • TT
  • Viele KQ
  • Viele AK
  • Viele AQ
  • KJ

Diese Hände checken häufig behind oder betten kleiner.

Übrig bleiben typischerweise:

Starke Value-Hände:

  • Flushes
  • JJ
  • QQ
  • 33 (jetzt Full House)

Bluffs sind selten, da viele Draws bereits am Turn angekommen sind.

5.4 Konsequenz

Die River-Betting-Range ist deutlich stärker als die Turn-Range.

Erst gegen diese geschrumpfte Range muss nun die tatsächliche Equity von Hero berechnet werden.

5.5 Equity nach River-Shrinking

Wenn wir in der River-Betting-Range noch AKo und KQo belassen, hat Hero 34.4% Equity.

Entfernen wir diese Hände, weil sie selten pot for value gebettet werden, fällt Heros Equity auf nur noch 16.7%.

Was passiert, wenn wir AKo und KQo entfernen?

Wenn wir diese beiden Handklassen aus der River-Betting-Range streichen, weil sie häufig behind checken oder kleiner betten, fällt Heros Equity auf nur noch 16.7%.

Bedeutung:

  • Mit AKo + KQo in der Range: 34.4% Equity
  • Ohne AKo + KQo: 16.7% Equity
  • Benötigte Equity: ~50%

Selbst im optimistischen Szenario (mit AKo/KQo) liegt Hero deutlich unter der benötigten 50%-Schwelle.

Ohne diese mittleren Value-Hände ist der Call klar -EV.

Schlussfolgerung:

Der River-Call funktioniert nur, wenn Villain mit sehr vielen schlechteren Händen groß valuebettet oder blufft. Das ist bei einer Potbet auf diesem Board äußerst unwahrscheinlich.

Der River ist daher ein klarer Fold.


Antwort
Zitat
PokerSpass
Joined: 05.02.2006

Interessante Analyse.

Aber am River hast du imo einen Denkfehler für den PS call bekommen wir 2:1 und benötigen nur 33 %.
Oder ?

Spoiler



Antwort
Zitat
Professorix
Joined: 24.08.2011

Original von PokerSpass
...
Aber am River hast du imo einen Denkfehler für den PS call bekommen wir 2:1 und benötigen nur 33 %.
Oder ?

Korrektur & Sorry 😅

Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber da habe ich tatsächlich geschlampt. Die Zahlen stimmten ja, aber die 50% benötigte Equity sind natürlich nicht korrekt.

Richtig ist:

Pot vor Riverbet: $16.96
Villain bettet: $16.82
Hero callt: $16.82

Finaler Pot nach Call:

16.96 + 16.82 + 16.82 = $50.60

also:

Required Equity = 16.82 / 50.60 ≈ 33.2%

Hero benötigt also rund 33% Equity – nicht 50%.

Auswirkung auf die Entscheidung:

  • Wenn AKo und KQo in der River-Betting-Range bleiben → 34.4% Equity → Call knapp +EV.
  • Wenn AKo und KQo entfernt werden → 16.7% Equity → klarer Fold.

Wie oft potten Leute AK hier wirklich?

Populationstendenz:

  • Flush → fast immer Pot
  • Sets → sehr häufig Pot
  • AK → oft kleiner oder Check
  • KQ → selten Pot

Das heißt:
Realistisch ist Hero eher im Bereich von 16–25% Equity als bei 34%.

Der Fold bleibt daher plausibel – aber nicht mehr mathematisch erdrückend, sondern abhängig von der Einschätzung von Villains Frequenzen.

Danke für den Hinweis – genau deshalb mache ich diese Challenge öffentlich.


Antwort
Zitat