Übung 3. Lesen, verstehen, prüfen.
Ein Pokerbuch zu lesen ist schon mal ein wichtiger Schritt. Allerdings hilft es nur wenig ein Pokerbuch nur zu lesen. Da geht viel mehr. Praktisch alle Pokerbücher sind gut strukturiert, und viele arbeiten mit hervorgeghobenen Kernaussagen. Als Merksätze oder in einem Kasten hervorgehobene Texte. Selbst in Büchern wo das nicht der Fall ist wird der Text oft durch Absätze unterbrochen.
(Hier war einer). Diese Unterteilung des Buches in Abschnitte hilft beim Durcharbeiten. Ich versuche nicht x Seiten zu lesen, sondern nehme mir immer z.B. 3 Abschnitte (Merksätze oder Kästen) vor.
Als Beispiel verwende ich den Merksatz 1.3 aus dem Meidinger/Wildt Buch leicht abgeändert damit ich besser erklären kann was ich meine.
Überspielen Sie Ihre AA in der frühen Phase nicht!
Jetzt zur eigentlichen Übung:
1. Lies den Merksatz. (Schon geschaft).
Schon mal gut. Das hilft bestimmt das Spiel zu verbessern. Für das lesen dieses Merksatzes verteilen wir mal 1 Punkt. 5 solche Merksätze zu lesen verbessert unser Spiel um 5 Punkte. Die Punkte benutze ich dabei um zu verdeutlichen wie viel es bringt. Dauert wohl etwa 1 Minute.
2. Habe ich verstanden was der Merksatz bedeutet und wie der Autor auf diesen Merksatz kommt? Welche Konzepte stehen hinter diesem Merksatz?
In diesem Beispiel gibt es jede Menge Konzepte die hier zusammekommen:
-Eine gute Hand vor dem Flop ist noch keine Gute Hand nach dem Flop.
-Ein Paar, auch ein Overpair ist noch keine starke Hand.
-Je größer der Pot umso stärker muss meine Hand sein.
-Ein Preflopcall kann je nach implied odds richtig oder falsch sein.
Usw.
Wo liegen die Grenzen von dieser Aussage?
-Gilt das nur für AA oder auch für KK. Für AK.
-Wann überspiele ich die Hand?
-Warum schreibt er in der frühen Phase? Kann ich die AA nicht auch in der mittleren Phase überspielen?
Das ist schon ein ganzes Eck aufwendiger. Sagen wir mal ich überlege mir mal diese Zusammenhänge 15 Minuten lang. Ich denke das bringt mir bestimmt mehr als den Satz nur zulesen. Ich würde mal 10 Punkte ansetzen.
3. Wende ich (rein gefühlsmässig) diesen Merksatz in meinem Spiel auch an?
Als ich das Buch zum ersten mal gelesen habe hab ich mir zu jedem Merksatz zwei Notizen gemacht.
Hab ich den Merksatz verstanden?
Berücksichtige ich das ganze beim spielen?
Bei diesem hier war ich mir beispielsweise sicher es kapiert zu haben, und auch schon so umzusetzen. Bei einigen anderen Sachen war ich mir nicht so sicher. Einige Konzepte hab ich nicht auf Anhieb verstanden. Kein Problem. Lies die in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr nochmal. Oft ist es dann auf einmal ganz einleuchtend. Ein paar Sachen hab ich bis heute noch nicht kapiert. Vielleicht ja nächstes Jahr. Und AA überspielen. Kein Problem, das passiert mir nicht.
Das dauert auch etwa 1 Minute, aber bringt uns bestimmt noch mal 2 Punkte.
4. Prüfe das ganze nach.
Schau doch mal im Datenbankprogramm nach. So ein Programm weiß eine ganze Menge. Filtere mal nach AA in der frühen Phase. Mit dieser Hand mache ich Plus. Schon mal gut. Wie groß war der Pot? Wann und wie ging das Geld in die Mitte? Wie oft gewinne ich im SD USW. Ich war gelinde gesagt überrascht wie sehr ich oft daneben lag.
Das kann beliebig lange dauern, aber bringt uns bestimmt schon nach 15-30 Minuten noch mal 10 Punkte.
Wo liegt also der Unterschied zwischen lesen und lesen, verstehen, prüfen.
Spieler A hat den Merksatz gelesen und sein Spiel um 1 Punkt verbessert.
Spieler B hat aus der selben Information ganze „23“ Punkte gemacht.
Und das war noch ein relativ einfaches Beispiel, bei dem man noch ein recht gutes Gespür dafür hat ob man richtig oder falsch agiert. Bei diesem Beispiel bin ich mir nicht sicher ob da nicht ein Leak in meinem Spiel zu finden ist:
Haben Sie einen Stack von unter 5 BB, erhält der Spieler im BB für einen Call enorme Pot Odds, durch die er sehr loose callen kann. Gehen Sie davon aus, das der BB Ihren Push mit weit mehr als 50% callt, sollten Sie vermehrt Hände mt hohen Karten anstelle von Suited Connectors pushen.
Lesen = 1 Punkt .......