Original von OnkelHotte
Mein Eindruck ist, dass die News das oft nicht hinbekommen. Wollen einordnen und failen dabei regelmäßig wobei die Journalisten und Autoren häufig ihre eklatanten Schwächen in Statistik und im Umgang mit Zahlen allgemein offenbaren.
Die Einordnung von Zahlen ist mMn ein sehr zentrales Problem nicht nur der Journalisten, sondern auch vieler Privatpersonen. Bzgl Corona führt das dazu, dass viele die Gefahr, die das Virus für sie darstellt, unterschätzen, weil sie i.d.R. niemanden kennen, der schwer erkrankt ist.
Dabei ist das überhaupt kein Wunder, dass dem so ist. Wir hatten bislang etwas über 4 Mio bestätige Fälle, das sind gerade mal 5% der Bevölkerung. Die meisten Fälle gab es bei Frauen zwischen 15 und 34 mit 6,7%, die wenigsten bei den Mädchen unter 4 mit 2,75%. Die Anzahl der Fälle, die sogar auf die Intensivstation müssen, liegt aktuell etwas unter 1%. Ich nehme jetzt die Altersgruppe 40-49, weil sie da ziemlich genau bei 1% liegt und auch die bestätigten Infektionen ungefähr bei 5% liegen (Männer 5,1%, Frauen 5,5%).
Das heißt selbst jemand der supervernetzt ist und z.B. einhundert 40-49-Jährige inkl. möglichem Erkrankungsstatus kennt, dann waren statistisch gesehen davon gerade einmal 5 Personen infiziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass von den 5 Personen eine auf die Intensivstation musste liegt bei 1-0,99^5 = ~5%. Blöderweise ist es nun aber so, dass so gut wie niemand so viele Leute kennt. Bei den allermeisten Menschen ist der Bekanntenkreis deutlich kleiner und dementsprechend wird es nochmal unwahrscheinlicher, dass man jemand im privaten Umfeld hatte, der schwer erkrankte und daraus wird dann oftmals unterbewusst fälschlicherweise gefolgert, dass man selbst ja nicht wirklich gefährdet ist.
Ich hatte letzten Freitag ein Gespräch mit dem impfverweigernden Arbeitskollegen eines Kumpels bzw habe es mitgehört. Der war etwas älter, ich denke so Mitte 40 und unterschätzt mMn ganz klar das Risiko des Virus für ihn eklatant und hält sich selbst auch für fitter als er ist. Mit Ausnahme der Ü80-Fraktion sterben Männer ungefähr doppelt so häufig an Corona wie Frauen. Wenn also jeder ~100. Infizierte in der Altersgruppe 40-49 auf der Intensivstation landet, heißt das für Männer aller Wahrscheinlichkeit nach bereits, dass es jeden 67. trifft, während von den Frauen "nur" jede 133. intensivmedizinische Betreuung benötigt. Das ist unter Vorbehalt, da ich es nicht überprüft habe, finde ich aber naheliegend, dass sich die Anzahl schwerer Verläufe Männer <-> Frauen auch auf der Intensivstation in ähnlichem Verhältnis bemerkbar macht. Dazu ist er Raucher und hat Adipositias, ich schätze Grad 2. Seine sonstige Krankengeschichte kenne ich obv nicht, wie viele Menschen in dem Alter wird er seine Blutwerte etc. selbst nicht kennen, aber die aufgeführten Punkte reichen schon, als dass ich zu keinem anderen Schluss kommen kann als festzustellen, dass der Mann überhaupt keinen Grund hat, sich für weniger verwundbar als der Durchschnittsmichel in seinem Alter zu halten. Eher im Gegenteil.
Ich meine, ich habe ihm obv nicht an den Kopf geklatscht "Alter du bist fett, rauchst und Männer tragen von Geburt an schon ein erhöhtes Risiko in sich" und habe mir sein blabla halt nur eine zeitlang angehört, weil ich schnell bemerkt habe, dass das eine völlig sinnlose Diskussion werden würde, aber ich finde es wirklich tragisch, wenn so jemand, laut Kollege Vater von drei minderjährigen Töchtern, seine Gesundheit derart unnötig riskiert. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die statistische Wahrscheinlichkeit für ihn auf der Intensivstation zu landen 1, 2, 3 oder 5% ist. Sie ist jedenfalls größer als 0,0000001%. Genau das scheinen aber nicht gerade wenige zu denken und Auslöser ist eben, dass sie die gemeldeten Zahlen völlig falsch einschätzen, weil sie persönlich wegen oben gemachter Ausführung meistens niemanden kennen, der ernsthaft an Corona erkrankt war. Dass dem so ist, ist statistisch erklärbar, ändert aber nichts an ihrem persönlichen Risiko einen richtigen Scheißverlauf zu erwischen. Von ~50 Leuten mit seinen Voraussetzungen, erwischt es halt einen richtig dreckig und auch unter den anderen 49 sind einige unschöne Verläufe dabei.
Zumindest glaube ich nicht, dass sich viele mit dem Typ vergleichbaren Impfskeptikern z.B. in eines von 50 Autos setzen würden, wenn sie wüssten, dass eines davon einen schweren Unfall inkl. Intensivstationsaufenthalt mit möglicherweise bleibenden Schäden haben wird und 1-2 weitere auch so schwer verunfallen, dass zumindest ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird. Von den verbleibenden 48 werden auch ein paar in Unfälle verwickelt sein und mitunter eine ganze Weile u.U. für immer mit den Folgen des Unfalls zu kämpfen haben. Ich denke nahezu JEDER würde sich in dieses eine Auto setzen, von dem einem Experten sagen, dass es einen unbeschadet heim zu seiner Familie bringen wird.
In Bezug auf das Virus bekommen aber viele die Gefahr nicht richtig eingeordnet, halten sich für unverwundbar, ohne sich darüber im klaren zu sein, was für ein unnötiges Gamble sie da eingehen.