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Und wie viele Jahre willst du das mit dem "Infektionen verhindern" machen?
Ich will den Leuten hier ja eigentlich nicht zusätzlich die Laune verderben, aber wenn man sich anschaut, dass irgendwas im Bereich ~20k Infektionen/Tag für das Gesundheitssystem noch tragbar ist, dann heißt das, dass sich in den nächsten ~5 kalten Monaten bzw ~150 Tagen ~3Mio Leute infizieren dürfen und der "normale" Klinikalltag auch noch ok funktioniert. Das sind nicht einmal 4% unserer Bevölkerung. Da brauchen wir uns auch nicht darum streiten, ob möglicherweise 30k/Tag auch noch ok wäre, so kommen wir nur im Schneckentempo voran. Gleichzeitig haben wir bundesweit in den letzten 7 Tagen 282.875 Erstimpfungen durchgeführt. Wenn sich am Erstimpftempo nichts ändert, dann impfen wir in diesen 150 Tagen ~6Mio Leute. Das macht Mitte April mit den natürlich Immunisierten dann also zusammen ~9Mio Immunisierte bzw 11% mehr.
In den Sommermonaten interessiert Corona dann wieder keine Sau mehr, es stecken sich deutlich weniger Leute an und impfen ist vermutlich auch wieder noch weiter weg, als ohnehin schon. Dazu kommt noch, dass sich sicherlich auch einige Menschen nicht werden boostern lassen. Das führt zwar meistens nur zu leichten Verläufen, aber halt auch nicht immer und keine Ahnung, ob in 1, 2, 5 oder 10 Jahren evtl der Impfschutz doch komplett weg ist. Dass auch der Schutz vor schweren Verläufen zumindest nicht besser wird, je länger die Impfung zurückliegt, erscheint mir als Laie zumindest mal logisch, lasse mich aber gerne korrigieren.
Unter der Voraussetzung, dass sich bei der Impfkampagne nicht deutlich was zum Positiven dreht und es der Wissenschaft auch nicht gelingt ein wirklich gut funktionierendes Medikament zu entwickeln, dann werden wir die exakt gleichen Diskussionen und Probleme nächsten Herbst/Winter wieder haben. Ich weiß, dass es Medikamente gibt, die richtig beschissene Verläufe reduzieren, wenn man das Medikament zeitnah nach der Infektion einnimmt, ich habe allerdings so meine Zweifel, dass das bereits ausreichend gut ist. Viele Verläufe beginnen halt harmlos und nicht jeder rennt sofort zum Arzt, wenn der Hals mal ein wenig kratzt. Riesige Infektionszahlen können wir uns wie gesagt nicht leisten und von dem mehr an immunisierten Leuten, die für kommenden Winter zu erwarten sind, muss man wohl ein paar "Ungeboosterte" wieder abziehen.
Ansonsten bleibt noch die Option, dass die unter 12 jährigen geimpft werden. Ich möchte das nicht werten, persönlich scheinen Kinder i.d.R. keine schweren Verläufe zu haben, das Gesundheitssystem belasten sie jedenfalls nicht. Völlig wertfrei kann man aber sagen, dass Kinder keine disjunkte Menge vom Rest der Gesellschaft sind, natürlich auch zu einer höheren Zirkulation des Virus in der Bevölkerung beitragen und somit zu mehr ungeimpften Erwachsenen auf der Intensivstation. Nicht wertfrei ist es natürlich völlig lächerlich, dass Kinder jetzt dazu beitragen sollen, unvernünftige Erwachsene zu schützen, die sich dann trotzdem sehr wahrscheinlich irgendwann infizieren werden, nur halt vermutlich etwas später, da das Virus weniger zirkuliert.
Wie gesagt, alles unter der Voraussetzung, dass obengenannte Dinge sich nicht maßgeblich ändern, können wir uns schonmal darauf einstellen, dass der Winter 2022/2023 nochmal ähnlich ablaufen wird wie dieser Winter. Auf genau das Szenario steuern wir aktuell jedenfalls zu. Das ist anhand des derzeitigen Impffortschritts, den anderen aufgeführten Dingen und den Erfahrungen in anderen Ländern bereits jetzt absehbar und kein schöner Ausblick.
Der Ausweg aus dieser Schleife ist nach wie vor obv vor allem impfen impfen impfen. Alles andere sind Übergangsmaßnahmen.