Also es geht darum, dass ich mir ein Auto zulegen möchte. Wie denke ich mal die meisten, habe ich im I-Net Angebote verglichen und habe im Prinzip ein auf den Bildern gut aussehendes Fahrzeug gefunden. Da ich als Student ein recht kleines Budget (trotz Pokern ♦ ) habe sollen es nicht mehr als 6k Euro sein. Er hat den 03er Focus mit 5.700 Euro und 43.000 km reingesetzt. Es steht auch nichts von unfallfrei in der Anzeige, aber auch nicht das Gegenteil. Klima, Serviceheft, alles vorhanden.
Klingt also gut und ich angerufen und zu der besagten Adresse gefahren. Hmm, so ein typischer Händler. "Barankauf PKW" steht vorne dran...naja..gucken wir mal was da kommt.
Da kommt mir auch schon genau der Focus aus dem I-Net entgegen, ohne Kennzeichen. Eine grimmig aussehende Person steigt aus. Ich sag:"Ich bin wegen dem Focus hier" und er drückt mir kommentarlos die Schlüssel in die Hand und meint mit gebrochenem Deutsch:"Hier machst du kurz Fahrt auf unserem Hof". Kurze Zeit später kommt sein Landsmann, der aber sehr gut deutsch spricht und bittet mich in die Garage, weil es dunkel wird und ich ja nichts sehe. Also rein da und das Fahrzeug genau inspiziert.
So der Abschnitt soll erst einmal die "Seriosität" widerspiegeln. Damit man sich das ungefähr vorstellen kann. Laut ADAC ist der Wagen auch 5.750 Euro mit der EZ und dem KM-Stand wert. Halt schwächster Motor und nur 3-Türer.
Ich muss dazu noch sagen, dass ich (fast) diplomierter Maschinenbauer bin und KFZ interessiert, also nicht der absolute Laie, aber natürlich auch kein Profi. Also die üblichen Sachen angeguckt wie Fahrzeugbrief (wegen Vorbesitzer), Scheckheft (sah gut aus), Dann gings darum, dass ich die Abstände der Motohaubenschlitze gemessen habe, da hat er schon komisch geguckt: Identisch! Also scheint erstmal nichts groß verzogen. Das selbe an den Türen. Dann rückt er mit der Wahrheit raus und meint:"Hatte mal einen Frontalschaden, aber super repariert" Ich so:
Der Wagen macht aber innen und außen einen absoluten Top Eindruck. Wie neu praktisch. AUf die Nachfrage ob ich den mal zur DEKRA fahren könnte, meinte er:"Ist nix Problem, kannst du machen".
Also heute hin und die alles vermessen und gechecked (Lackschichtdicke z.B.). Nur zwei kleine Mängel und zwar Handschuhfach klemmt ab und zu und Reifen sind schon 3 Jahre oder älter aber Profil ist noch ok. Ich bekam ein "Gutachten" ausgestellt, dass das Fahrzeug in einem absolut einwandfreien und fahrtüchtigen/sicheren Zustand sei, er riet mir dann zu 5-7% Preisminderung.
Klingt erstmal alles nicht so dramatisch, aber der Verkäufer hat weder Unfallgutachten, noch Reparaturnachweise, scheint wahrscheinlich als Unfallwagen in Polen / Rumänien oder so repariert worden zu sein, Kotflügel, Frontstoßstange und Haube scheinen laut Dekra aber Originalteile zu sein. Ich habe heute auch noch den Vorbesitzer kontaktiert und der hat die ganze Sache bestätigt. Kilometer stimmen, hat er mir ganz genau angegeben, obwohl ich noch nichts erwähnt habe wieviel es sein sollen. War so ein 70 jähriger Opi, der das als Garagenauto hatte. Der obv. Russe will mir den jetzt für 5400 anbieten, aber nur privat (wegen Mwst obv. und Garantie).
So what's my Line? Ich mein, ich weiß dass die den als wirtschaftlichen Totalschaden für wohl 1200 Euro laut Opiaussage dem Ford-Autohaus abgekauft haben (der hat am gleichen Tag wie der Unfall war, nen neuen mitgenommen ♦ ) und den dann irgendwo in Osteuropa für quasi lau repariert haben und ich denke mal zu 90% der Verkäufer und Co. mafiaorganisiert sind. Trotzdem ist es ein quasi neues Auto ohne Mängel.
Lange Rede, kurzer Sinn: Würdet ihr den Wagen kaufen, trotz all dieser Umstände? So richtig wohl fühle ich mich, aber die Katze im Sack scheint es ja wohl nicht zu sein. Kein Plan ♦