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[Geschlossen] robert enke's tod zu sehr glorifiziert?

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Coach
kobeyard
Beigetreten: 02.02.2006
BlackMember

hey leute,

normal mach' ich ja fast nie threads im small talk - könnte fast mein 1. sein - aber dieses mal liegt mir wirklich eine kontroverse frage auf der seele.

bei allem, was robert enke für fußballdeutschland getan hat (war objektiv betrachtet auch nicht so viel, aber zu mindestens für hannover 96 war er doch sehr lange aktiv - 6 jahre afaik), stellt sich mir doch die frage, ob er nicht jetzt doch zu sehr glorifiziert wird?

natürlich ist es eine tragödie, aber wird im grunde nicht inzwischen fast eine falsche botschaft gesendet? gerade für leute, die selbst mit objektiv betrachtet größeren problemen leben müssen und die eventuell auch suizidgedanken haben, wird evtl unterbewusst folgende quintessenz ankommen: bring dich um und alle werden dir aufmerksamkeit schenken, dich bemitleiden, deine familie unterstützen usw usf.

es soll jetzt in hannover sogar ein platz nach robert enke benannt werden. ich meine, hallo? was hat er denn großartiges für hannover als stadt geleistet? ich wette, dass es produktivere söhne und töchter der stadt gibt, die eines natürlichen todes starben und bei weitem nicht diese aufmerksamkeit bekommen.

fast 50000 menschen gehen zu seiner trauerfeier, es ist fast eine art robert-enke-kult entstanden.

wie gesagt: robert enke in allen ehren, aber ich finde, dass es inzwischen zu weit geht.


266 Antworten
DropkickMurphys
Beigetreten: 13.05.2008
Oldschool Grinder

Ich denke auch, dass es inziwschen zu viel ist.

Positiv an der ganzen Sache ist, dass mit dem Thema Depression im Profifußball vllt jetzt offener umgegangen wird (wobei ich denke, dass sich das in 2 Monaten auch schon wieder gelegt hat...)

Ich denke nicht, dass es wegen seinen sportlichen Taten so aufgebauscht wurde, sondern weil er menschlich halt wirklich immer ein Top Mann war.


JonKing89
Beigetreten: 03.04.2007
Oldschool Grinder

seh ich ähnlich und das als hannoveraner


Ich wusste nichtmal wer das ist, bevor das losging, lol


Ich denke 50% aller Leute die auf diesen Massentrauerfeiern waren kannten Enke vor seinem Tod garnich...
Dtld ist halt ne kack beeinflussbare Mediengesellschaft-homofürst-kacke...

1234th post btw


wess0r1982
Beigetreten: 22.01.2007
BlackMember

in unserer zeitung stand nen artikel wegen befürchtungen einer nachahmer welle.
nennt man wohl Werther-Effekt. http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt


Brockie
Beigetreten: 16.01.2005
Elite Grinder

Kann deinen Post ganz gut verstehen. Habe mir Gedanken über andere Depressive Menschen gemacht und kam auch zu dem Schluss, dass durch den Fall Enke´s solche Menschen dazu ermutigt werden, Suizid zu begehen. Auch finde ich das ganze dahingehend übertrieben, weil er halt in der Nationalmannschaft ganze 7 Spiele gemacht hat und überall als "Deutscher Nationaltorwart" verehrt wird.

Aber an der ganzen Sache sind einfach die Medien schuld, auf so einen Fall stürzen sich halt alle drauf und in zwei Wochen ist das schon wieder vergessen. Genauso wie bei den Kampfhunden gibt es dann auch keine Probleme mehr mit Depressiven, die keinen anderen Ausweg als Suizid sehen.


Nafti
Beigetreten: 08.01.2007
Oldschool Grinder

Original von kobeyard
natürlich ist es eine tragödie, aber wird im grunde nicht inzwischen fast eine falsche botschaft gesendet? gerade für leute, die selbst mit objektiv betrachtet größeren problemen leben müssen und die eventuell auch suizidgedanken haben, wird evtl unterbewusst folgende quintessenz ankommen: bring dich um und alle werden dir aufmerksamkeit schenken, dich bemitleiden, deine familie unterstützen usw usf.

Sehe ich definitiv so. Auch wird meiner Meinung nach zu wenig darauf eingegangen, dass Enke einen riesigen Fehler gemacht hat, indem er sich nie auf eine stationäre Behandlung eingelassen hat. Gerade jetzt wo das Thema Depressionen so in der Öffentlichkeit steht, sollte man den richtigen Weg in so einer Situation aufzeigen.

Für mich ist diese Huldigung ein absolut falsches Signal. Robert Enke hätte, bei allem Respekt der Person und seinen Problemen gegenüber, vieles besser machen können oder gar müssen.


Original von maz1337
Ich wusste nichtmal wer das ist, bevor das losging, lol

#2 ^^°


moondanstar
Beigetreten: 18.11.2006
Oldschool Grinder

Da sagt jemand endlich was ich mir die ganze Zeit gedacht habe nice post!


EvilSucker
Beigetreten: 02.01.2008
PokerStrategist

Original von Romeryo

Original von maz1337
Ich wusste nichtmal wer das ist, bevor das losging, lol

#2 ^^°

#3


whozz99
Beigetreten: 18.03.2009
PokerStrategist

habe mir auch ähnliche gedanken gemacht
was aber noch dazukommt ist die kritische tatsache wie zB die öffentlich rechtlichen damit umgegangen sind...
in sogut wie jeder nachrichtensendung bzw jedem klatschmagazin wurde ein bericht über ihn veröffentlich
die ard widmete ihm sogar direkt 1 tag nach seinem tod eine 30minütige "sondersendung"
ich denke nicht, dass es das ist , was die menschen, die ihm wirklich nahe standen brauchen um wieder ins leben zurück zufinden


Moderator
krong
Beigetreten: 26.12.2005
PokerStrategist

Du sprichst mir aus der Seele kobeyard...


kannte den typ bis zu seinem tod nicht mal.
habe mich dann auch ernsthaft gefragt, wieso dass so groß in den nachrichten kam


TheOneAndOnlyMarkus
Beigetreten: 20.02.2006
Oldschool Grinder

Einfach die Medien verteufeln finde ich zu einfach. Letzten endes entscheidet der Kunde was die Zeitung berichtet. Und wenn bild.de halt eine Zilliion Klicks auf die Enke Reportage bekommt wird noch so jedes kleine Detail rausgekramt und ne Story draus gemacht. Es ist halt eine der größeren Geschichten die man ohne Ende ausbeiten kann und auf die die Menschen abfahrn. Es ist was passiert, alle reden drüber und man muss auch alles darüber gelesen haben. Die Medien wärn schön blöd wenn sie dann nicht darüber berichten würden. Würden die Leute auf Politik stehn und nicht so senationsgeil sein würde morgen anstatt auf 5? Sendern die Trauerfeier zu übertragen das best-of der politischen Reden der vergangen Woche kommen. Ganz einfach Angebot und Nachfrage - wie überall =)


BigStack83
Beigetreten: 15.12.2006
Elite Grinder

Kurz gesagt: Ja!

Es heißt sowieso "über Tote nur gutes" (Ausnahme: Hitler) und für die Medien ist so etwas natürlich ein gefundenes Fressen.
In Zeiten sinkender Auflagen bringt die Bunte dann natürlich gerne eine Neuauflage mit 16 Seiten Enke-Special, natürlich nur aus Betroffenheit und Mitgefühl *hust*, jeder Fernsehsender schlägt sich um Übertragungsrechte (fünf(!) Sender übertragen die Trauerfeier live) und die BILD spult auch wieder routiniert ihr Programm ab, mit menschlichem Elend Kasse zu machen.

Das soll morgen übrigens die größte Trauerfeier seit der für Adenauer werden.

Wobei es eigentlich nur konsequent ist, Fußballer sind die letzten Helden unserer Zeit, der Soldat hat sich dafür bei uns durch den WK2 diskriditiert, der Politiker von heute ist nur noch ein bräsiger Verwaltungsbeamte und heutige Wirtschaftskapitäne nur noch raffgierige Manager.
Zu Fußballern hingegen kann man bedenkenlos aufsehen, sie sind die Götter in einer kleinen Welt, deren Regeln jeder verstehen kann und die sich jeder von uns per Fernbedienung ins Wohnzimmer holen kann.
Sie sind für uns wichtig, weil das Spiel es ist und das Spiel muss wichtig sein, damit es uns fesselt. Da es aber halt nur ein Spiel ist, was vollkommen ohne Auswirkung auf unseren Alltag ist, muss es mit Emotion aufgeblasen werden, damit wir es für wichtig halten können und diese Emtionen betreffen dann auch jeden einzelnen Spieler.

Find zum Tod von Robert Enke auch diesen Artikel vom Spiegelfechter sehr gut (dessen Blog ich generell jedem ans Herz legen kann, der sich für die Themen Politik und Gesellschaft interessiert): http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1147/der-freitod-eines-torwarts-und-die-ethik


Libertines
Beigetreten: 24.12.2007
Oldschool Grinder

sicker threadtitel.


Bliss86
Beigetreten: 04.08.2006
PokerStrategist

Dachte echt ich bin der einzige der so denkt.. Vorallem finde ich es nicht ok, jemanden der Selbstmord beginnt so zu ehren und lobhuldigen.

Immerhin könnte er durch seinen Selbstmord seine Frau und Tochter in eine ähnliche Depression wie er sie erlebt hat stürzen. Wie der Berate von Enke so gut sagte zum Abschluss der Pressekonferenz: "Teresa, wir wünschen dir alles Gute. Bleib bei uns"


BaniGosing
Beigetreten: 02.07.2008
Oldschool Grinder

Original von DropkickMurphys

Positiv an der ganzen Sache ist, dass mit dem Thema Depression im Profifußball vllt jetzt offener umgegangen wird (wobei ich denke, dass sich das in 2 Monaten auch schon wieder gelegt hat...)

In zwei Monaten wirds sich niemand mehr für Enke interessieren.
Ein ähnliches Beispiel für Depressionen ist Sebastian Deisler. Nachdem er wegen des Drucks und Depressionen aufgehört hatte ist auch nichts passiert. Jetzt wird das Thema nochmal aufgewärmtk, weil er ein Buch geschrieben hat aber in den erwähnten 2 Monaten wird auch das niemanden mehr interessieren und die Maschinerie kann weiterlaufen.


bluescreen82
Beigetreten: 04.09.2008
PokerStrategist

Finde das ganze insgesamt auch "zu viel".
Zusätzlich fallen mir noch folgende Punkte ein.

Alle die anführen das er doch eben Selbstmord begangen hat und nicht z.B. bei einem Unfall ums Leben gekommen ist =>
Ein Psychologe sagte explizit das der Begriff Freitod in diesem Zusammenhang überhaupt nicht passt. Da es eben nicht seine freie Entscheidung war, sondern die Depression als Krankheit die ihn dazu getrieben hat. Ich gebe zu das ist schwer zu verstehen und ich kann das selber nur sehr schwer begreifen aber ich will das mal so glauben nachdem ich das nun schon von mehreren Seiten gehört habe.

Alle die anführen ihn bis dato noch nichtmal gekannt zu haben.
Fussball ist nunmal der deutschen liebstes Kind. 20 Millionen fiebern bei einem EM-Spiel mit. Letztes Jahr waren über 12 Millionen Menschen im Stadion allein bei Spielen der ersten Bundesliga. Dazu in Relation is es fast normal das da 50k+ Menschen Abschied von ihm nehmen wollen.


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