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[Geschlossen] robert enke's tod zu sehr glorifiziert?

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xyxelxs2
Beigetreten: 11.06.2007
Oldschool Grinder

vs.


(vom Dominik Brunner in München)

ein Volk heuchelt...


Ich bin auch ein wenig überrascht, was für hohe Wellen dieser Selbstmord doch schlägt. Auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung Online bezogen sich zeitweise die ersten drei Artikel auf Robert Enke. Das ist schon ungewöhlich und selbst in ausländischen Medien stand es direkt auf der Titelseite. Fernsehen habe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr, aber ich kann mir vorstellen, was dort los sein wird.

Allerdings denke ich, dass die öffentlich Diskussion, die nun über dieses Thema entstanden ist, grundsätzlich ein positiver Effekt ist. Suizid und Suizid-Gedanken zum Tabu-Thema zu machen trägt seinen Teil dazu bei, dass jemand, der mit dem Gedanken spielt, sich aufgrund seiner Probleme umzubringen, dieses eventuell wirklich eines Tages Realität werden lässt. Selbst hier im Forum habe ich schon ein paar Beiträge gelesen, dass sich bei einigen die Einstellung zu Depressionen und Selbstmordgedanken geändert hat. Das ist erst einmal positiv wie ich finde.

Jetzt einen Platz nach Robert Enke zu benennen ist allerdings tatsächlich etwas übertrieben und da gäbe es sicherlich andere Personen, die sich für so etwas besser eignen würden.
Trotzdem glaube ich nicht, dass diese "übertriebene" Berichterstattung und Anteilnahme eine negative Signalwirkung haben wird. Zum einen würde dies ja eh nur auf Prominente zutreffen, die durch ihre Bekanntheit in der Öffentlichkeit dann auch durch ihren Suizid logischer Weise mehr Aufmerksamkeit bekommenn. Aber das wird ihnen sowieso schon bewusst sein.

Was den Normalsterblichen betrifft: Öffentliche Aufmerksamkeit wird es hier in der Regel nicht geben und dass das soziale Umfeld dann am Schicksal des Selbsmörders Anteil nimmt und die Familie unterstützt, sollte doch sowieso selbstverständlich sein. Daher sehe ich auch hier keine negative Signalwirkung.

Diese Gedanken hatte ich allerdings schon mal bezüglich Amokläufern. Hier wäre es vielleicht wirklich besser, dies nicht so in den Medien zu verbreiten, da das einfach eine Hauptursache ist, warum der Amoklauf überhaupt erst stattfindet. Ohne Medieninteresse gäbs auch keinen "großen Abgang", was für die meisten Amokläufer die Motivation ist, auf diese Weise aus dem Leben zu scheiden.

Einen potentiellen Selbstmörder wird es sicherlich trösten, wenn er weiß, dass man sich nach seinem Tod um seine Familie kümmern wird, aber ich denke, dass dies auf die endgültige Entscheidung, tatsächlich Selbstmord zu begehen, nur sehr wenig Einfluss haben wird. Sich entgegen jedes Selbsterhaltungstrieb umzubringen, muss schon sehr tiefgreifende Probleme vorraussetzen, da ist die eventuell zu erwartende Aufmerksamkeit wahrscheinlich nur ein kleiner meist unwichtiger Faktor.


Gulliver1985
Beigetreten: 18.03.2007
Elite Grinder

Original von kobeyard
natürlich ist es eine tragödie, aber wird im grunde nicht inzwischen fast eine falsche botschaft gesendet? gerade für leute, die selbst mit objektiv betrachtet größeren problemen leben müssen und die eventuell auch suizidgedanken haben, wird evtl unterbewusst folgende quintessenz ankommen: bring dich um und alle werden dir aufmerksamkeit schenken, dich bemitleiden, deine familie unterstützen usw usf.

ich glaube das die Leute die sich wegen Depressionen umbringen wollen, dies nicht machen um Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern oft weil sie glauben ihren Mitmenschen durch ihren Tod das Leben zu erleichtern. Es könnte also auch genau umgekehrt sein, also das Leute auf Grund dieses Beispieles sich nicht umbringen um ihren Mitmenschen die Trauer zu ersparen.


annobln
Beigetreten: 29.07.2007
Oldschool Grinder

Ich glaube auch, dass der der Trubel um Enke viel zu groß geworden ist.

Ich meine er war ein Sportler, den eigentlich jeder mögen musste. Er war sympathisch, bodenständig, praktisch ein "Durchschnitts"deutscher, mit dem Unterschied, dass er halt einen sehr hohen Bekanntheitsgrad hat. Ich denke wir sind uns darüber einig, dass die Medienberichte zu viel und übertrieben sind. Leute zeigen Mitgefühl, die vorher nur "mal von ihm gehört haben". Es ist halt ein gefundenes Fressen für die Medien...
Kobeyard hat das auch sehr ausgedrückt: Eine gewisse Aufmerksamkeit ist ok, aber das geht eindeutig zu weit. Robert Enke ist halt keine Dianna o.ä. , wo man das schon eher nachvollziehen kann. Aber anscheinend scheint das auch der Wunsch seiner Frau zu sein so einen Staatsakt daraus zu machen.


JSFan
Beigetreten: 30.01.2005
BlackMember

ich fand Enke auch sympathisch, kannte ihn ja nur aus dem Fernsehen

trotzdem finde ich die Heldenverehrung stark uebertrieben

seit ich mich erinnern kann, hat der Stellenwert des Fussballs in der Gesellschaft immer mehr zugenommen

imo wird der Fussball heute viel zu ernst genommen, frueher sagte man ja "schoenste Nebensache der Welt"

heute ist das fuer (zu) viele Hauptsache und einziger Lebensinhalt

Robert Enke ist nicht zuletzt an dem voellig uebertriebenen Leistungsdruck zugrunde gegangen, war seit fruehester Jugend immer nur auf den Sport fixiert, ich halte das fuer eine ungesunde Entwicklung

imo gibt es viele Menschen, die mehr wertvolles fuer die Gesellschaft leisten als Fussballer (und Pokerspieler oder Tennisspieler)


Pansenmann
Beigetreten: 09.11.2007
Oldschool Grinder

Sebastian Deisler hat ein Buch über seine Depression geschrieben. Er wurde nur als Weichei verschiren. Anscheinend muss man sich wirklich erst umbringen damit jemand zuhört. Komische Trauerfeiern suggerieren ein gesellschaftliches Interesse,w as ein Nährboden für eine produktive Diskussion sein kann.
Depressive sollten wirklich gehört werden anstatt als Weicheier verschrien zu werden. Aber wahrscheinlich versickert das mit dem nächsten Anschlag in Timbuktu wieder irgendwo in der Medienlandschaft und das einzige was bleibt ist ein Enke-Platz.


Original von annobln
Aber anscheinend scheint das auch der Wunsch seiner Frau zu sein so einen Staatsakt daraus zu machen.

Oha... also ich würde mal sagen, dass ich bei seiner Frau diesbezüglich im Moment wirklich alles durchgehen lassen würde. Ob sie nun öffentlich damit umgehen möchte oder nicht, das ist ganz allein ihre Sache. Vielleicht möchte sie so auch erreichen, dass der Tod ihres Mannes nicht ganz umsonst war. Immerhin ist die Thematik Suizid bzw. Depressionen nun zumindest für eine kurze Zeit im Fokus der gesellschaftlichen Diskussion. Abgesehen davon würden ihr bestimmt auch mehr Paparazzis auflauern, wenn sie sich eben nicht öffentlich zeigen würde. Das würde die Trauer ja nun auch nicht wirklich erleichtern.

Ich habe hohen Respekt davor, wie sie mit der Situation umgeht.


Mondkeks
Beigetreten: 27.12.2007
Elite Grinder

Ich glaub die Medien spinnen langsam.Gibt ja auch sonst keine interessanten Themen auf der Welt.


Marvl
Beigetreten: 13.03.2005
Elite Grinder

Omg, da fällt mir ein, die Scorpions sind ja auch aus Hannover...


Faustfan
Beigetreten: 19.04.2005
Oldschool Grinder

Robert Enke hatte durch sein Verhalten über die letzten Jahre im Profifußball einen besonderen status inne. wenn jetzt beispielsweise dasselbe mit Christian Schulz passiert wäre, dann wär deutlich weniger los.

Der Vergleich mit Dominik Brunner ist auch nicht ganz fair. Brunner hat immerhin posthum das bundesverdienstkreuz erhalten, was ja nun eine besondere ehrung darstellt.

Der grund warum das ganze zu so einer Massenveranstaltung geworden ist, liegt doch auf der Hand:
Dadaurch, daß er eine so bekannte person war (die sich immer vorbildlich verhalten hat), hat Enkes Tod viele erreicht und erschüttert, die ihn nicht persönlich kannten.
Ich war auch überrascht, wie nah mir die ganze sache gegangen ist. Das war das erste mal, daß mich der tod eines Prominenten wirklich berührt hat.

Die Medien sind praktisch verpflichtet das ganze auszuschlachten, denn mit dem Thema sind gute quoten und verkaufszahlen garantiert. ob es einem gefällt oder nicht, das ist nun mal entscheidend.

Der Trauerzug in Hannover ging meiner Meinung nach völlig in ordnung, den sarg im stadion aufzubahren halte ich für übertrieben und ehrlich gesagt leicht geschmacklos.

Und wenn Robert Enke nichts geleistet hätte, dann wäre die öffentliche Betroffenheit sicher nicht so groß. Er war auch engagiert im Tierschutz und in der Kinderhilfe. Dazu kommt dann noch das Mitleid seit dem Tod seiner Tochter. Da kommt dann halt einiges zusammen, was dann bisweilen seltsame Blüten treibt.


sting98
Beigetreten: 12.04.2005
Elite Grinder

wäre enke torwart von wacker burghausen gewesen, oder eintracht trier, dann wäre das ganze relativ spurlos an den meisten vorbei gegangen. obwohl die unmitelbaren reaktionen der angehörigen, vereinsmitglieder und fans der vereine sicherlich die gleichen gewesen wären. aber da enke nationaltorwart war, wurde das ganze von den medien einfach in diese dimensionen gezerrt, die es jetzt erreicht hat. fussball ist die sportart nummer eins in D, die nationalelf ihr liebstes kind und bei geschätzten 60 millionen bundestrainern MUSS das ganze einfach von den medien ausgeschlachtet werden, nicht, weil es ihre journalistishe pflicht war, sondern weil es die auflage so wollte. die 60 millionen bundstrainer wollen halt einfach wissen, wie ein perfekter mensch in seiner perfekten umgebung zu so einer tat fähig sein kann. der grossteil dieser leute denkt doch, dass ein mann, dem es beruflich in einem traumberuf gut geht,erfolg hat, nur glücklich sein kann, abgesehen vom familiären drama um seine tochter, wovon die meisen wahrscheinlich eh nix wussten. und wenn so ein glücklicher mensch so eine schreckliche tat begeht, dann passt das einfach nicht ins weltbild vieler udn soe wollen alles wissen warum weshalb. dass enke letzendlich ein mensch war, der die probleme viueler anderer teilte udn leider nciht mit diesen problemen fertig geworden ist, wird wahrscheinlich die wenigsten interessieren.


exe203
Beigetreten: 04.03.2008
Oldschool Grinder

Kritische Betrachtung der Berichterstattung der Medien zum Tod von Robert Enke:

Ü-Wagen fahren durch die Provinz. Wo ist Eilvese? Aus Duisburg die Stimme von Peter Neururer, er spricht und sagt doch nichts. Trotzdem: Senden! Wann beginnt die Pressekonferenz im Landgasthof? Sagt der DFB das Länderspiel gegen Chile ab? War es Depression? »Er war in Behandlung«, meldet BILD. Beileidsbekundungen nun auch aus München. Kerzen in Hannover. Senden! Mikrofone. Notizblöcke. Straßenkarten. Hier ist Eilvese, hallo Köln! Steht die MAZ? War er nicht immer schon... ein bisschen anders? »Er war labil«, sagt Klubboss Martin Kind. Senden! Bilder flackern. Wie das Blaulicht am Bahndamm. Flickering lights. Die Leute, glaubt man in den Ü-Wagen-Kolonien von Eilvese, wollen dabei sein.

Nur eine Stunde zuvor hat ein Mensch irgendwo dort im Dunkeln seinem Leben ein Ende gesetzt. Wer will da wirklich dabei sein?

Die entsetzliche Nachricht vom Tode Robert Enkes hat viele aus ihrer naiven Beschäftigung mit dem Fußball gerissen. Vorgestern noch hielt er das 2:2 gegen Hamburg fest. Wo der Spielbericht stand, steht heute: »Robert Enke ist tot«.

Das ist die Überschrift. Was steht im Text? Das Blatt ist weiß, das Blatt wird schwarz. Was steht im Text? Was? Ein Nachruf? Alte, die mit 80 von uns gehen, erzählen ihn gewissermaßen selbst. So viele Spiele, ein so langes Leben. Robert Enke ist mit einem Mal nicht mehr unter uns.

Die Entfesselung der Bilderflut

Doch statt innezuhalten für wenigstens einen Moment, nachzudenken, mit welchen Mitteln man dieser Tragödie hätte begegnen können, wenn man ihr schon begegnen muss, und mit welchen nicht, zu schweigen, zu warten, um Worte zu ringen, sie vielleicht zu finden, irgendwann...

Stattdessen also entfesselten weite Teile der Medien schon Minuten später eine Informationsflut, die eines offenbart: Der Voyeurismus kennt keine Grenzen mehr.

»Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord«, sagte Albert Camus. Das glaubt man nun offenbar allein durch die schiere Zahl der aufgefahrenen Kameras beantworten zu können.

Diese Art von enthemmtem Journalismus legitimiert sich gern selbst durch die vermeintliche Pflicht, informieren zu müssen. Doch wie kann diese Information an einem solchen Abend aussehen? Archive werden durchwühlt, Formkrisen und Schicksalsschläge des Robert Enke bilden Resonanzräume, in die man gierig hinein lauscht. Gerüchte werden zu Fakten, Hypothesen zu Erklärungen. Aus der scherenschnittartigen Charakteristik der öffentlichen Person, die Robert Enke war, werden Diagnosen für eine private Person konstruiert, von der niemand, der sich daran beteiligt, behaupten kann, dass er sie kannte.

Mutmaßungen sind hier nichts als Anmaßungen. Niemand weiß, was in Robert Enke vorging.

Und noch einmal: Wer will es wissen? Und wen geht es an?

Die Pietätlosigkeit der Medien zu geißeln mag müßig sein. Sie selbst haben sich davon nie bremsen lassen. Trauer kennen sie nicht, sie sind über etwas schon hinweg, bevor es geschehen ist. Es ist sehr zu wünschen, dass sie wenigstens vor den Hinterbliebenen halt machen. Und dass all diejenigen, die echte Trauer empfinden, sich diese nicht banalisieren lassen.

Trauern heißt aushalten, dass es keine Antwort mehr gibt. Auch nicht auf den Bilderstrecken, die einen Wald in der Nähe von Hannover zeigen. Blaulichter am Bahndamm. Bilder flackern. Flickering Lights. Zu sehen ist, was man nicht sehen kann.

quelle: http://www.11freunde.de/bundesligen/125581

und ich glaube auch fast, da liegt das ganze problem, es wird einfach megamä0ig aufgebauscht. Sicher ist es etwas anderes, wenn eine person des öffentlichen interesses so von uns geht, aber wie die medien das ganze aufziehen und schon fast marketing damit betreiben ist einfach lächerlich.

Ein guter Fußballer und ein sympathischer Mensch ist von uns gegangen.
Möge er in Frieden ruhen


castaway
Beigetreten: 15.10.2006
Oldschool Grinder

Original von Faustfan
Robert Enke hatte durch sein Verhalten über die letzten Jahre im Profifußball einen besonderen status inne. wenn jetzt beispielsweise dasselbe mit Christian Schulz passiert wäre, dann wär deutlich weniger los.

Der Vergleich mit Dominik Brunner ist auch nicht ganz fair. Brunner hat immerhin posthum das bundesverdienstkreuz erhalten, was ja nun eine besondere ehrung darstellt.

Der grund warum das ganze zu so einer Massenveranstaltung geworden ist, liegt doch auf der Hand:
Dadaurch, daß er eine so bekannte person war (die sich immer vorbildlich verhalten hat), hat Enkes Tod viele erreicht und erschüttert, die ihn nicht persönlich kannten.
Ich war auch überrascht, wie nah mir die ganze sache gegangen ist. Das war das erste mal, daß mich der tod eines Prominenten wirklich berührt hat.

Die Medien sind praktisch verpflichtet das ganze auszuschlachten, denn mit dem Thema sind gute quoten und verkaufszahlen garantiert. ob es einem gefällt oder nicht, das ist nun mal entscheidend.

Der Trauerzug in Hannover ging meiner Meinung nach völlig in ordnung, den sarg im stadion aufzubahren halte ich für übertrieben und ehrlich gesagt leicht geschmacklos.

Und wenn Robert Enke nichts geleistet hätte, dann wäre die öffentliche Betroffenheit sicher nicht so groß. Er war auch engagiert im Tierschutz und in der Kinderhilfe. Dazu kommt dann noch das Mitleid seit dem Tod seiner Tochter. Da kommt dann halt einiges zusammen, was dann bisweilen seltsame Blüten treibt.

Sehe ich absolut genauso!!!

Ich kann es mir selbst nicht erklären und vllt liegt es einfach daran, dass ich noch ziemlich jung bin und es bisher nicht wirklich bewusst miterlebt hab, dass Prominente gestorben sind wo ich es wirklich schlimm fand. Aber die ganze Sache mit Enke ging mir verdammt nahe, dafür dass ich ihn nicht persönlich kannte und auch sonst kein Bezugspunkt zu ihm hatte.


pokertalent
Beigetreten: 17.08.2006
Elite Grinder

ich denke, dass gerade bei jungen menschen, suizid eine Sache der aufmerksamkeit ist.

ab einem gewissem alter hat es eher andere gründe.


Egozocker
Beigetreten: 26.08.2006
Elite Grinder

Original von exe203
(...)
Ü-Wagen fahren durch die Provinz. Wo ist Eilvese? Aus Duisburg die Stimme von Peter Neururer, er spricht und sagt doch nichts. Trotzdem: Senden! (...)

Die Pietätlosigkeit der Medien zu geißeln mag müßig sein. Sie selbst haben sich davon nie bremsen lassen. Trauer kennen sie nicht, sie sind über etwas schon hinweg, bevor es geschehen ist. Es ist sehr zu wünschen, dass sie wenigstens vor den Hinterbliebenen halt machen. Und dass all diejenigen, die echte Trauer empfinden, sich diese nicht banalisieren lassen.
(...)

quelle: http://www.11freunde.de/bundesligen/125581

(...)

so weit so gut. Wobei ich mich frage, ob solche (Pseudo-)Kritik an den bösen Medien nicht nur die andere Seite desw selben business ist. Die Einen machen halt Auflage/Quote/Clicks mit dem Tod und den Inszenierungen darum, und die anderen mit der Kritik daran.


Dass der Freitod Robert Enkes so sehr gepusht wird, liegt womöglich an den verschiedenen Faktoren, die hier aufeinander treffen.

1. Er war Profi-Fußballer, also kein Unbekannter in den Weiten des Sports. Zudem lese ich hier auch viel Positives über sein Engagement auch außerhalb des Spielfeldes, was ihm natürlich einen erhöhten Grad an Beliebtheit einbrachte.

2. Das Thema "Depressionen von Profi-Fußballern" ist seit Sebastian Deislers "Outing" derzeit besonders publik.

3. Ich vertrete die Meinung, dass die Reaktionen auf Enkes Selbstmord (Trauerfeier als Massenveranstaltung, Spekulationen über einen nach ihm benannten Platz in Hannover) ein Zeichen von Hilf- und Ratlosigkeit der Öffentlichkeit sind. Warum hat niemand erkannt, wie schlimm es um ihn steht? Vielleicht fühlen sich viele schuldig, weil sie ihm nicht helfen konnten, nicht genauer hingesehen haben.

Klar, was die Medien daraus machen, überschreitet sicher schon die Grenze zur Übertreibung - aber ist das denn was Neues? Dass jedes kleinste Detail ausgeschlachtet wird, um vielleicht doch einen Hinweis auf seine Krankheit zu erkennen, bevor es zu spät war? Die breite Öffentlichkeit ist schockiert, berührt, interessiert, fasziniert - und die Medien reagieren eben entsprechend darauf, indem sie noch mehr Informationen liefern.

Übrigens ... nicht jeder, der Selbstmord begeht, möchte damit Aufmerksamkeit erregen. Und ich behaupte, Robert Enke hätte diesen Trubel nicht gut geheißen.

[ironie]Ich bin gespannt, wann das erste Mal vorgeschlagen wird, Profi-Fußball auf Grund der hohen Anzahl an Depressionen und Selbstmördern zu verbieten.[/ironie]


Outbreaker5832
Beigetreten: 03.10.2008
Oldschool Grinder

.

Ja... das habe ich schon 1 Tag nach seinem Selbstmord gesagt und fast nur Kritik geerntet. Warum auch immer.

UNd zu deiner These:

Wir haben in Deutschland auch nur so viele Amokläufe, weil die Amokläufer dadurch "berühmt" sind. Die Medien in Deutschland sind einfach nur zum Kotzen. Zuerst MIchael Jackson und jetzt Robert Enke, aber wenn im Bekanntenkreis jemand stirbt, interessiert es ja auch niemanden.


Scuril
Beigetreten: 13.10.2007
PokerStrategist

Ich wollte richtig fies flamen, aber mir wurde klar, dass hier wohl warscheinlich eh keiner aufhört, seine Zeit zu verschwenden!

olo


Blaumav
Beigetreten: 01.09.2006
Oldschool Grinder

Die Medien geben dem Volk nur das, was es verlangt. Darüber brauch man sich eigentlich auch nicht wundern wenn man sich mal Fersehprogramm betrachtet. Unterschichten TV von morgens bis Abends und Nachts laufen dann meist die eher intellektuell Anspruchsvollen Sendungen.

Ich persönlich kanns nicht mehr sehen, weil auf den eigenen Grund überhaupt nicht eingegangen wird. Nirgends habe ich eine sachliche Diskussion über das Thema Depression gesehen. Wurde doch immer nur gesagt, dass die Depression durch den Leistungsdruck ausgelöst wurde. Mehr wollen die Medien aber auch nciht senden und das Volk nicht hören. Man müsste sich nämlich dann mit dem Thema genauer auseinandersetzen. Und das macht in unserer Gesellschaft natürlich keiner, solange es nicht unbedingt sein muss.

@Outbreaker
Glaubst du wiklich was du schreibst? Amokläufer laufen nur Amok um berühmt zu werden? Die laufen Amok weil sie keinen anderen Weg mehr sehen. Es ist ein Hilfeschrei...

Außer dem ist die Presse in Deutschland noch eine der "normalsten". Schau dir mal die fanatisch populistischen Gazetten in den anderen Ländern an. Da kommste dir vor als ob die alle von der BLÖD abschreiben und noch einen draufsetzen.


Outbreaker5832
Beigetreten: 03.10.2008
Oldschool Grinder

@Blaumav

Ohne diese übertrieben Berichterstattung nach dem Amoklauf ion Colombine hätte es weder in Deutschland noch in den USA so viele Nachahmer gegeben. Sind wir doch mal ehrlich:

Wer hätte sich denn sonst für die Typen interessiert, die Amok gelaufen sind? Wen interessiert der Typ aus Erfurt oder Winnenden denn wirklich? Niemand.. durch diesen Amoklauf haben sie aber die Aufmerksamkeit bekommen, die sich lebend gewünscht haben.

Wenn ich mich richtig erinnere hat der Typ von Erfurt die Columbine Amokläufer als Vorbilder genommen und der von Winnenden den Typ aus Erfurt und Columbine. Oder eine so große Berichterstattung, wäre es zumindest nicht zu so vielen Amokläufen gekommen.


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