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[Geschlossen] Sterbehilfe

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AmelieS33
Beigetreten: 12.02.2010

Rheinische Post, Donnerstag 26. August 2010
Politik

Schweizer Vorschlag für erleichterte Sterbehilfe

Hamburg (epd)

Die Vorsitzende der Schweizer Sterbehilfe-Organisation Exit, Saskia Frei, hat angeregt zu überlegen, ob künftig generell Menschen im fortgeschrittenen Alter bestimmen können, ob sie ihr Leben beenden wollen. Der "Zeit" sagte sie, in diesem Fall sollten auch gesunde Menschen leichteren Zugang zu tödlichen Medikamenten bekommen.

_______________________________________________________________

Vor zwei Jahren schrieb ich folgende Geschichte: Die Erwählten

Wollen wir wirklich, dass diese Fantasien Wirklichkeit werden?
Über eine sachlich geführte Diskussion würde ich mich freuen.

Amelie

Die Erwählten

Der Tag war gekommen. Als wir aus dem Haus traten, schien die Sonne. Ich hielt einen Strauß Veilchen in der Hand und folgte meinem Mann zur Garage, in der unser Wagen stand. Beim Losfahren fühlte ich einen stechenden Schmerz in der Herzgegend.
„Otto, meinst du es ist alles in Ordnung?“
„Wie meinst du das? Natürlich, für mich schon. Für dich nicht?“
„Ist halt meine Mutter. Ein bisschen schlecht fühle ich mich doch.“
„Musst du nicht. Sie war ja einverstanden.“
„Hat aber lange gedauert. Wir mussten sie ganz schön überreden.“
„So ein Blödsinn! Per Gesetz müsste sie in zwei Jahren sowieso gehen.“
„In zwei Jahren. Ja. Mit neunzig wird man gezwungen. Schon komisch.“
„Denk doch mal an die Kosten. Ruth will in Amerika studieren, wie sollen wir das alles bezahlen?“
„Ob Mutti Angst hat?“
„Die bekommen sicher eine Spritze. Die merken nichts. Fang bloß nicht zu heulen an!“
„Ich heul ja nicht!“

Das Altersheim Gertrudes lag am Rande der Stadt, mitten in einem Park. In den Beeten blühten erste Frühlingsblumen, auf den Bänken saßen alte Menschen in der Sonne. Wir liefen mit langen Schritten dem Eingang zu, durchschritten die Pforte und eilten durch endlose Flure dem Zimmer meiner Mutter entgegen. Die Türe stand weit offen, von meiner Mutter fehlte jede Spur.
„Sind wir zu spät? Um Himmels Willen!“
„Es ist genau zehn Uhr. Wir sind pünktlich. Absolut zur richtigen Zeit!“
„Aber Mutti, wo haben sie Mutti hingebracht?“
Eine Schwester, in weißer Tracht, kam auf uns zu. „Herr und Frau Ruppert?“
„Wo ist meine Mutter?“
„Kommen Sie bitte mit. Die Erwählten sind im großen Saal!“
„Die wer?“
Wir ließen uns von der Schwester führen und als sie eine Türe öffnete sah ich Blumen, Kerzen und viele Betten, die dicht aneinander gereiht standen und in denen alte Menschen lagen, die man in weiße Gewänder gehüllt und ihnen Kränze aus Blumen auf die Häupter gedrückt hatte. Eine Gänsehaut rieselte mir den Rücken hinunter.
„Großer Gott, Otto!“

Ich entdeckte meine Mutter, ganz am Rande der Reihe, und eilte auf sie zu. „Hallo Mutti!“
Tränen rannen mir übers Gesicht und benetzten die eingefallenen Wangen meiner Mutter, als ich sie küsste. „Wie fühlst du dich, Mutti?“
„Es geht mir gut, Kind. Da ist ja auch dein Mann!“
Otto reichte Mutter förmlich die Hand. Ich beobachtete ihn genau, er vermied es, sie anzusehen.
Inzwischen hatte sich der Saal mit Angehörigen gefüllt. Sie drängelten sich an die Betten, betatschten ihre Großmütter, ihre Mütter. Es gab nur einen einzigen Mann. Den Kranz hatte man ihm auf den Bauch gelegt, seine knochigen Finger zupften an den weißen Blüten, die Augen, in tiefen Höhlen, starrten an die Decke, die ebenso weiß war, wie sein Totenhemd.

Ein Pfarrer betrat den Saal. Wir mussten uns von unseren Angehörigen verabschieden, bevor sie mit geweihtem Wasser besprengt wurden. Mutti hielt sich die Augen zu. Sie war sehr blass, ich spürte wieder den Stich in der Herzgegend. Der Geistliche stimmte einen Gesang an. „Näher mein Gott zu dir“. Der Boden schwankte plötzlich unter meinen Füßen. Als ich wieder zu mir kam, lag ich draußen im Garten auf einer Bank.

„Otto?“
„Geht es dir wieder besser? Es ist alles überstanden. Gut, dass du ohnmächtig wurdest. Mutter wollte plötzlich nicht mehr. Ich hab‘s ihr aber ausreden können.“
„Was ist mit Mutti? Sag‘s mir Otto!“
„Die schliefen alle ganz sanft ein. Nebel und Musik von Mozart.“
„Otto?“
„Ja?“
„Ich habe Angst.“


23 Antworten

dafür!


NiceToMeetYou
Beigetreten: 01.07.2007

Etwas unrealistisch dein Szenario


Finally
Beigetreten: 15.08.2006

dafür

hab während meiner zivi zeit soviele alte menschen getroffen die wirklich nichts mehr machen können außer da liegen und leben teilweise sogar mit schmerzen, fast alle haben gesagt das gott sie endlich holen soll sie wollen nicht mehr.


Kommutierung
Beigetreten: 09.08.2007

pro sterbehilfe, wenn man schon nicht wählen kann wann man diese welt betritt sollte man wenigstens bestimmen dürfen wann man sie wieder verlässt. hoffe es ist erlaubt bis es bei mir soweit ist.

@geschichte
völlig bei den haaren herbeiezogen. da gehts ja um mord und nicht um sterbehilfe, außer man betrachtet mord als eine spezielle form der sterbehilfe :)


torytrae
Beigetreten: 07.01.2008

Pro Sterbehilfe.

Die Geschichte ist schon ziemlich schlecht, sorry


Es sollte so Selbstmordzellen geben wie in Futurama, ernsthaft.


Ich finde die Geschichte sehr gut.

Und wer weiß, was sich noch so alles überlegt wird...

Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwann einmal soweit sein wird, dass man mit 90 (oder ein sonstiges Alter) sterben muss.


Finally
Beigetreten: 15.08.2006

wer hat davon gesprochen das man sterben MUSS? geht ja darum das die leute selbst entscheiden dürfen wann sie sterben wollen


Original von Finally
wer hat davon gesprochen das man sterben MUSS? geht ja darum das die leute selbst entscheiden dürfen wann sie sterben wollen

Ich sprach von der Geschichte:

Original von AmelieS33...

„Hat aber lange gedauert. Wir mussten sie ganz schön überreden.“
„So ein Blödsinn! Per Gesetz müsste sie in zwei Jahren sowieso gehen.“
„In zwei Jahren. Ja. Mit neunzig wird man gezwungen. Schon komisch.“

...


torytrae
Beigetreten: 07.01.2008

Tja, hier wird ganz galant Sterbehilfe mit Sterbezwang gleichgesetzt.


Kommutierung
Beigetreten: 09.08.2007

klingt nicht so sehr nach freiwillig:

„Hat aber lange gedauert. Wir mussten sie ganz schön überreden.“
„So ein Blödsinn! Per Gesetz müsste sie in zwei Jahren sowieso gehen.“

edit: ahhh, too late


Wie gesagt, ich habe von der Geschichte gesprochen.


torytrae
Beigetreten: 07.01.2008

Wir auch


Original von torytrae
Wir auch

Dann könnt ihr nicht lesen. :tongue:


Weiß jemand fachlich mehr darüber?
Ich beschäftige mich schon seit längerem mit dem Thema.
Meine Mutter ist vor einem Jahr an Lungenkrebs nach elenden Leiden gestorben und mein Vater liegt seit 2 Jahren mit Windeln , halbseitig gelähmt und ohne Sprachfähigkeit nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim.

Habe gehört das die Sterbehilfeinstitutionen in der Schweiz nur noch Schweizer aufnehmen.

Für mich steht die Entscheidung fest so nicht gehen zu wollen.
Auf Zug habe ich auch keine große Lust und bei Tabletten weiß man nie
ob die Dosis paßt . Nachher wacht man noch mit irgendwelchen zusätzlichen teuflischen Schäden wieder auf.

Jemand Erfahrungen?

VG
Andreas


AmelieS33
Beigetreten: 12.02.2010

Hallo in die Runde!

Danke für die ersten Kommentare zu meinem Szenario. Ich möchte zu bedenken geben, dass meine Geschichte nur eine Seite der "erlaubten" Sterbehilfe beleuchtet, nämlich die Gefahren. In "meinem" Fall ist die Politik bereits zu dem Schluss gekommen, dass man der Veralterung entgegenwirken muss, indem man die Alten mit 90 entsorgt. Ein würdevoller Abschied ist gegeben, einschlafen im Nebel mit Mozart. Nun denn, man kann es sehen wie man will, "meine" Protagonistin verursacht nur noch Kosten, die man für das Studium der Enkeltochter besser einsetzen kann. Oma wird überredet, sie willigt ein.

Ich versetze mich in die Lage der Großmutter und bekomme ein schlechtes Gewissen, wenn ich weiter leben will.

In obiger Zeitungsnotiz ist von Gesunden die Rede. Das hat mich erschreckt.

Jetzt kann man sich fragen, was bewegt einen gesunden Menschen, sich vom Leben zu verabschieden. Betrifft dieser Freibrief nur alte Menschen oder hat dann nicht auch ein junger Mensch das Recht zu sterben.

Dass man kranke Menschen erlösen darf, sollte möglich sein. Es gibt Menschen, die nur noch vor sich hin dösen, für mein Verständnis eine Frage der Nächstenliebe, hier einzugreifen.

Bei gesunden Menschen, egal welchen Alters, sehe ich dagegen ein großes Problem.

Wie denkt ihr darüber?


torytrae
Beigetreten: 07.01.2008

Ich denke, dass es ein solches Szenario - also gesetzlicher Mord ab 90 - in einer Demokratie niemals geben wird.


Das Problem daran ist wie du gesund definierst. Jemand mit schweren Depressionen ist nicht gesund obwohl es für die Aussenstehenden vllt den Eindruck erweckt. Wenn sich jemand umbringen möchte sollten ihm die benötigten Mittel vom Staat zur Verfügung gestellt werden. Selbverstädnlich nur nach einer Beratung durch einen Psychologen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube bei Abtreibungen muss man teilweise vorher auch erst Beratungsstellen in Anspruch nehmen.


Kommutierung
Beigetreten: 09.08.2007

"...indem man die Alten mit 90 entsorgt. Ein würdevoller Abschied ist gegeben, einschlafen im Nebel mit Mozart."
sehr würdevoll wenn man mit 90 dazu überredet wird sich entsorgen zu lassen...

wenn sterbehilfe dann sollte diese auch genauestens/strengstens überwacht werden um vor missbrauch zu schützen. also nicht das jeder ins krankenhaus gehen kann, ein formular unterschreibt und 5min später im beutel das kh verlässt.

ich finde es problematischer einen 90 jährigen der noch leben will zu töten als einen 20 jährigen der sterben will die sterbehilfe zu verweigern. weil wenn er wirklich sterben will verschafft er sich selbst sterbehilfe.