Original von Talarion[/i
"Es sei denn" ist das Entscheidende Wort hier. Glaubt ihr denn nicht eine reine Notfallversicherung für diese Personen wäre nicht günstiger für sie und die Allgemeinheit, als das bisherige Verfahren?
Nein, ist es nicht. Es ist fast doppelt so teuer (siehe USA), weil Notfälle überprotional viel mehr kosten als "normale" Vorsorge-Medizin.
Es geht doch darum das jeder seine Risiken selber wählt, sie versichert(oder nicht) und auch bezahlt. Wenn man sie nicht bezahlen kann sollte man sie nicht wählen.
Die Leute müssen auch Miete, Essen, Schulzeug, Kinderkleidung usw. zahlen. Was meinst Du wohl, wo sie anfangen zu sparen, wenn man ihnen die Wahl läßt. Leider ist das meistens sowohl für die Leute, wie auch für die Gesellschaft die schlechtere Wahl.
Und wenn ich es mir nicht leisten kann eine Notfallbehandlung zu zahlen würde ich mir überlegen ob ich rauche, trinke, fixe....
Ach, das sind jetzt logische Handlungen wo vorher eine Kosten-/Nutzen-Rechnung erstellt wird
Nehmen wir ein anderes Beispiel.
Angenommen, der Besuch beim Frauenarzt wäre nicht kostenfrei, was meinst Du wohl, wie viele ungewollte Teenie-Schwangerschaften es dann mehr gebe, gerade im sozial schwachen Bereich? Und die Pille kostet 15,-/Monat oder so, die "Pille danach" ~40,-; eine Abtreibung irgendwas 3stelliges, eine ausgetragene Teenie-Schwangerschaft sehr viel mehr.
Ähnlich sind Rechnungen mit grippalen Sachen, mit Zahnbehandlung, mit Krebs, mit Diabetis, mit Geschlechtskrankheiten (die man sich auch ohne jeden Tag woanders zu schlafen holen kann), usw.
Ohne eine allgemeine Grundversorgung wird das schnell sehr kostenintensiv, von den gesellschaftlichen Folgekosten (wie Arbeitsausfall, Pflegeaufwand, ...) ganz zu schweigen und von der Moral ganz zu schweigen (lol @ USA, 1. bei den Kosten, im Gesundheitsranking irgendwo zwischen 60-80 in der Welt).
Wenn Du selber nur Dein direktes Risiko versichern willst, kannst Du das auch in Deutschland tun. Dafür gibt es u.a. die privaten Krankenkassen. Freilich mußt Du dafür entweder selbstständig sein oder Besserverdiener, aber wie man an obigen Punkten sieht, ist das besser sowohl für Dich wie für die Allgemeinheit.
BTW, die unterversicherste Gruppe in den USA sind btw nicht die Armen, sondern die gerade erwachsen Gewordenen. (Fallen aus der KV ihrer Eltern heraus, können sich aber meist selber [und auch ihre Fam.] die horrenden Kosten für eine eigene KV nicht leisten; das sind größtenteils keine Kiffer/Fixer/Säufer/Rumficker/...., sondern junge Menschen, die im Prinzip keine Wahl haben, als unversichert zu sein. Das ist dort ein durchaus größeres gesellschaftliches Problem und hat nichts mit eigener Risiko-Abschätzung zu tun, sondern eher was mit Geldproblemen).