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Wart ihr schon mal bei einem Psychologen?

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Original von Peteyb

Original von SmartDevil

Original von cuPsn
Ich hatte bei der Barmer GEK 2x angerufen um zu erfragen wie es mit Hilfe bezüglich der Suche nach einem Therapeuten etc aussieht.

Beide Male abgewiegelt und letztenendes aufgelegt. :wtf:

dann hast du dir sehr wahrscheinlich leider für den rest deines lebens ein grosses problem eingehandelt!!!

NIEMALS (in worten N I E M A L S) die krankenkasse anrufen und um hilfe bitten. du hast umgehend einen lebenslangen eintrag in deiner akte, weil du psychologische betreuung haben wolltest/benötigt hast. mit diesem eintrag kannst du riesige probleme bekommen, wenn du jemals die krankenkasse wechseln solltest. du wirst entweder nicht angenommen oder bekommst entsprechende zuschläge!!!

Genau das sind Aussagen, die Menschen davon abschrecken, sich Hilfe zu holen, obwohl sie es evtl. wirklich nötig hätten.

Um das mal zu relativieren... So schlimm ist es auch nicht. Die pure Nachfrge nach den Informationen erzeugt erstmal keine Eintragung oder irgendetwas in der Art. Auch die ersten fünf Gespräche beim jeweiligen Berater/Therapeuten in den meisten Fällen noch nicht, da diese erstmal dem Zweck dienen zu erfassen, ob wirklich eine längere Therapie, oder nur ein kurzer "Ruck zurück auf den richtigen Weg" nötig ist. Was allerdings stimmt ist, dass sobald man sich über einen längeren Zeitraum in psychologische Betreuung jeglicher Art begibt, das Abschließen von z.B. Arbeitsunfähigkeitsversicherungen quasi unmöglich wird. Das bleibt für circa 5 Jahre ab Beeindigung der Therapie so. Dann kriegt man wieder eine AU zu vernünftigen Konditionen. Also entweder vorher abschließen, oder eine Weile warten.

Die AU-Versicherungen nehmen halt nur Leute, die zum Zeitpunkt der Aufnahme zu 100% gesund und arbeitsfähig sind. Da in Deutschland das Wissen und die Aufklärung im Bereich psychischer Störungen relativ gut ist, ist es auch für Krankenkassen nicht besonders einfach, dich mal eben so wegen einer Therapie in der Vergangenheit abzulehnen (außer die Privaten, die können machen, was sie wollen). Das können die gesetzlichen Krankenkassen sich überhaupt nicht leisten, da sonst bereits 1000 Moralapostel sie auf Biegen und Brechen verklagt hätten. Also sollte der Leidensdruck hoch genug sein, würde ich immer eher zu einer Therapie raten, als dagegen.

Solltest jemand noch weitere Fragen zu der Thematik haben, die er nicht unbedingt öffentlich posten will, kann er mich immer gerne im Comtool anschreiben.

A. Ich habe für eine Krankenkasse gearbeitet.
B. Ich habe den beschriebenen Fall am eigenen Leib erlebt.

Zu behaupten die ges. können/wollen dich nicht ablehnen, weil sie dich als Kunden brauchen ist ziemlicher Blödsinn. Wer einmal einen Psychologen benötigt hat, der wird mit ziemlicher Sicherheit wieder einen brauchen und dementsprechend hoch ist das Risiko für die Versicherung.


Antwort
Zitat
Stohs
Beigetreten: 23.08.2010
PokerStrategist

Ich finde diesen Thread hier einfach nur widerwärtig.
wenn man sich den Arm bricht dann geht man zum Arzt und lässt den behandeln.
Wenn man sich die Seele bricht dann leidet man still und leise vor sich hin und nimmt sich irgendwann das Leben.
Wir hatten das jetzt in meinem Freundeskreis das jemand erzählte der er unter Depressionen leidet und zurzeit einfach nicht mehr klarkomme.
Das war wie eine Befreiung.
Von 10 Leuten die seit 20 Jahren mit einander befreundet sind und zusammen halten wie Pech und Schwefel hatten 7 depressive Phasen 3 von uns sind seit jahren in Psychatrischer Behandlung und 2 von uns sind berufsunfähig durch unsere Erkrankungen.
Nur es hat sich halt niemand getraut den Anderen was davon zu erzählen.
Manchmal reicht es erstmal sich zu offenbaren das kann man oft gut bei seinem Hausarzt machen wenn man einen hat.
Man kann auch Domian anrufen oder die Teelefonseelsorge wenn man Sich nicht sicher ist oder eine Beratungsstelle mit einem Psychologen aufsuchen.
Es gibt auch einen sozialpsychatrischen Dienst der entweder im Sozialamt sitzt oder im Gesundheitsamt.
in Grösseren städten gibt es auch psychologische Notfallambulanzen dort kann man hingehen und sich zum Beispiel Tabletten geben lassen.
Das wichtigste ist das man erstmal herausfindet was eigentlich los ist.
Ich hatte das vor 4 Jahren das es in meiner Wohnung einen Wasserschaden gab und hier ein heilloses Chaos herrschte und ich Panikattacken bekam die auch dann nicht mehr aufhörten als die Handwerker und Hausmeister schon 3 Tage wegwaren.
Ich bin dann zu meinem Hausarzt gegangen und dann zu einem Neurologen der mir sagte "Komm in 6 Monaten wieder" zufällig gab es noch einen Facharzt für Psychatrie und Neurologie im selben Haus der einen eher schlechten Ruf hat aber dafür am nächsten Tag einen Termin frei hatte.
Der hat erstmal ein EEG gemacht und gesehen das ich wirklich seine hilfe brauchte und fing dann an mich zu behandeln.
Ich bekam erstmal Beruhigungsmittel um aus dem Stress rauszukommen und dann 2 Jahre Antidepressiva mit denen es mir langsam besser ging.
Für die eigentliche Diagnose also die Indentifikation der Erkrankung hat er 6 Monate gebraucht.
In der Zeit bin ich von HartzIV durch die Erkrankung in die Sozialhilfe abgerutscht weil nicht mehr Arbeitsfähig und jetzt geh ich in Erwerbsunfähigkeitsrente und konnte jetzt 1 Jahr ohne Medikamente ein normales Leben führen.
Jetzt sind die Symptome wieder da und ich muss mich wieder aufraffen und mir wieder Hilfe suchen sonst geh ich ein.

Wenn man nicht mehr in der Lage ist zu arbeiten oder der Job eh schon auf dem Spiel steht und man keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat dann braucht man sich auch keine Sorgen mehr machen ob man diese nach einem Arztbesuch nicht mehr abschliessen kann.
Entscheidend ist das man sich aufrafft und versucht seine Lebensqualität zurück zu erobern.


Antwort
Zitat
Peteyb
Beigetreten: 12.07.2010
Oldschool Grinder

Bis auf das mit Domian kann ich dir nur zustimmen :)


Antwort
Zitat
Pokernobbi
Beigetreten: 12.09.2007
PokerStrategist

Bezüglich der rechtlichen Geschichte ein paar Worte:

Gesetzliche Krankenversicherung:
- Kontrahierungszwang (bedeutet, dass sie dich aufnehmen müssen)
- keine Gesundheitsprüfung

Private Krankenversicherung:
- sie dürfen frei entscheiden, wen sie aufnehmen wollen
- Gesundheitsprüfung
- Leistungsausschluss, höherer Beitrag oder komplette Ablehnung bei negativer Gesundheitsprüfung

Wer jetzt denkt, er kann bei der Gesundheitsprüfung schummeln, dem sei dringend abgeraten!
Rechtsfolgen bei der Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht:
Rücktritt, Anfechtung, Kündigung

Man hat also immer die Arschkarte, wenn man sowas macht...


Antwort
Zitat
draghkar
Beigetreten: 16.08.2006
Oldschool Grinder

Original von Peteyb

Original von SmartDevil

Original von cuPsn
Ich hatte bei der Barmer GEK 2x angerufen um zu erfragen wie es mit Hilfe bezüglich der Suche nach einem Therapeuten etc aussieht.

Beide Male abgewiegelt und letztenendes aufgelegt. :wtf:

dann hast du dir sehr wahrscheinlich leider für den rest deines lebens ein grosses problem eingehandelt!!!

NIEMALS (in worten N I E M A L S) die krankenkasse anrufen und um hilfe bitten. du hast umgehend einen lebenslangen eintrag in deiner akte, weil du psychologische betreuung haben wolltest/benötigt hast. mit diesem eintrag kannst du riesige probleme bekommen, wenn du jemals die krankenkasse wechseln solltest. du wirst entweder nicht angenommen oder bekommst entsprechende zuschläge!!!

Genau das sind Aussagen, die Menschen davon abschrecken, sich Hilfe zu holen, obwohl sie es evtl. wirklich nötig hätten.

Um das mal zu relativieren... So schlimm ist es auch nicht. Die pure Nachfrge nach den Informationen erzeugt erstmal keine Eintragung oder irgendetwas in der Art. Auch die ersten fünf Gespräche beim jeweiligen Berater/Therapeuten in den meisten Fällen noch nicht, da diese erstmal dem Zweck dienen zu erfassen, ob wirklich eine längere Therapie, oder nur ein kurzer "Ruck zurück auf den richtigen Weg" nötig ist. Was allerdings stimmt ist, dass sobald man sich über einen längeren Zeitraum in psychologische Betreuung jeglicher Art begibt, das Abschließen von z.B. Arbeitsunfähigkeitsversicherungen quasi unmöglich wird. Das bleibt für circa 5 Jahre ab Beeindigung der Therapie so. Dann kriegt man wieder eine AU zu vernünftigen Konditionen. Also entweder vorher abschließen, oder eine Weile warten.

Die AU-Versicherungen nehmen halt nur Leute, die zum Zeitpunkt der Aufnahme zu 100% gesund und arbeitsfähig sind. Da in Deutschland das Wissen und die Aufklärung im Bereich psychischer Störungen relativ gut ist, ist es auch für Krankenkassen nicht besonders einfach, dich mal eben so wegen einer Therapie in der Vergangenheit abzulehnen (außer die Privaten, die können machen, was sie wollen). Das können die gesetzlichen Krankenkassen sich überhaupt nicht leisten, da sonst bereits 1000 Moralapostel sie auf Biegen und Brechen verklagt hätten. Also sollte der Leidensdruck hoch genug sein, würde ich immer eher zu einer Therapie raten, als dagegen.

Solltest jemand noch weitere Fragen zu der Thematik haben, die er nicht unbedingt öffentlich posten will, kann er mich immer gerne im Comtool anschreiben.

Kurze Ergänzung: auch bei kürzerer oder längerer ist es möglich au-versicherungen grundsätzlich abzuschließen, dann meist aber mit entsprechenden klauseln, auf den krankheitsfall bezogen.
Bsp: man ist wegen Burnout länger in behandlung, dann gibt es klauseln, dass ab dem abschluss fur versicherung bspw die nächsten 2 jahre im fall eines burnouts die versicherung nicht greift.


Antwort
Zitat
FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

Original von Pokernobbi
Bezüglich der rechtlichen Geschichte ein paar Worte:

Gesetzliche Krankenversicherung:
- Kontrahierungszwang (bedeutet, dass sie dich aufnehmen müssen)
- keine Gesundheitsprüfung

Private Krankenversicherung:
- sie dürfen frei entscheiden, wen sie aufnehmen wollen
- Gesundheitsprüfung
- Leistungsausschluss, höherer Beitrag oder komplette Ablehnung bei negativer Gesundheitsprüfung

Wer jetzt denkt, er kann bei der Gesundheitsprüfung schummeln, dem sei dringend abgeraten!
Rechtsfolgen bei der Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht:
Rücktritt, Anfechtung, Kündigung

Man hat also immer die Arschkarte, wenn man sowas macht...

Falls mit "sowas" eine Therapie gemeint war:

Eine psychotherapeutische Behandlung macht sich nicht besser/schlechter als jede andere schwerwiegendere Behandlung - das sollte einen also nicht davon abhalten zum Psychologen zu gehen (evt. macht es aber Sinn die Kosten selbst zu tragen...quasi wie bei der Beitragsrückerstattung).

Wer es tatsächlich braucht, sollte sich davon auch nicht abschrecken lassen - die zusätzliche Lebensqualtität ist jeden Cent Wert.


Antwort
Zitat
bibersuperstar
Beigetreten: 14.01.2007
Oldschool Grinder

Ehrlich gesagt versteh ich das ganze trara hier nicht. Man geht doch nicht zum spaß psychologen oder weil man danach keine krankenkasse mehr findet (was ja auch käse ist), sondern weil man hilfe benötigt. Allein der schritt dorthin ist schon nicht einfach. Das zeigt auch nur, dass die gesellschaft immer noch nicht besonders weit ist. zum arzt zu gehen, gehört für viele mittlerweile sogar zum guten ton, aber psychologe?
Außerdem ist es auch falsch, dass man nur wegen schweren depressionen zum psychologen geht. Da gibt es soviel mehr und vor allem sehr viele abstufungen. Aber hier im thread kriegt man den eindruck, dass man kurz vor dem suizid steht, wenn man nen psychologen aufsucht..


Antwort
Zitat
dingoberg
Beigetreten: 13.04.2011
PokerStrategist

Es gehen Menschen ja nicht nur wegen Depressionen zum Psychologen, sondern auch wegen Ängsten und Süchten und vieles mehr. Teilweise haben die Psychologen auch verschiedene Therapien, worauf sie sich spezialisiert haben wie z. B. Verhaltenstherapie oder ähnliches.


Antwort
Zitat
Gunius
Beigetreten: 28.04.2009
PokerStrategist

Wenn ich dadurch von einer Sucht loskomm, ist es doch trotz Versicherungsbeitrag +EV :truestory:


Antwort
Zitat
_Anonymous_ Themenstarter
_Anonymous_

Hallo Leute,

erstmals vielen Dank für das ganze Feedback hier im Thread :)

Persönlich habe ich sicherlich auch meine Laster aber deswegen habe ich nicht gefragt.
Ich finde die Arbeit von Psychologen sehr Interessant und habe überlegt beruflich in diese Richtung zu gehen.
Ich wollte eher mal wissen was die Allgemeinheit von Psychologen denkt , denn ich habe das Gefühl das viele Personen denken das dieser Beruf nicht ernst genommen werden kann.

Ich freue mich das hier so großes Feedback stattgefunden hat und auch weitere Diskussionen aufgekommen sind.
Viel Spaß bei weiteren Unterhaltungen ich werde weiter diesen Thread verfolgen.

lg Johnny


Antwort
Zitat
Peteyb
Beigetreten: 12.07.2010
Oldschool Grinder

Beruflich in die Richtung zu gehen sollte man sich mMn zweimal überlegen. Je nach der Fachrichtung, in die du gehen willst, dauert die Aus- bzw. Weiterbildung eine halbe Ewigkeit. Zuerst Psychologie- oder Medizinstudium (wichtig! an einer staatlichen Universität, Psychologieabschlüsse von öffentlichen und privaten Hochschulen werden für die Zulassung einer psychologischen Psychotherapie-Weiterbildung quasi nie anerkannt), dann eine mindestens zwei- bis fünfjährige Weiterbildung und dann häufig noch Praxisarbeit in psychiatrischen und/oder ambulanten Zentren in Krankenhäusern, die dazu noch sehr sehr schlecht bezahlt wird. Wenn man Psychiater werden will (sprich also Mediziner im Fachgebiet der Psychiatrie) dauert das ganze sogar noch länger, da man zuerst einmal ein Medizinstudium abschließen muss, um sich daraufhin zum Psychiater weiterzubilden.

Und dann darfst du auch nicht glauben, dass du damit einfach so reich wirst. Solange du nicht extrem gut zahlende Privatkunden hast, werden alle Stunden über einen "geregelten Stundensatz" berechnet, der derzeit bei ich glaube 78-80€/ Stunde liegt. Nach Steuern und den Räumlichkeiten, die du dafür brauchst bist du bei nicht mehr als 25 Euro/Stunde netto, was du auch mit einem Industriekaufmann und 8-10 Jahre hocharbeiten locker hinkriegst (ohne die 7-8 Jahre Ausbildung ohne Bezahlung).

Ich habe gerade mein Psychologie-Studium abgeschlossen und mich aus den oben genannten Gründen bewusst gegen diese Laufbahn entschieden.

Ist sicherlich ein interessanter Job, aber wenn man sich nicht dazu "berufen" fühlt, wird man auf lange Sicht gesehen denke ich sowohl sich selbst als auch seine Patienten nur unglücklich machen.


Antwort
Zitat
FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

Ja, jeder random Industriekaufmann verdient 4.000 Euro netto im Monat :rolleyes:

Der Stundensatz von 80 Euro ist schon ganz ordentlich, netto verbleibt natürlich deutlich weniger (Räume, Steuern, Versicherungen, zusätzliche (unbezahlte) Arbeitsstunden für die Verwaltung, kein Geld bei Urlaub/Krankheit)....


Antwort
Zitat
Peteyb
Beigetreten: 12.07.2010
Oldschool Grinder

Du vergisst, dass Industriekaufleute bezahlten Urlaub haben und Therapeuten nicht. Da kommt dann sehr schnell eher 2700-3000€ raus bei der Rechnung und das ist denke ich schon realistisch (bin jetzt mal von durchschnittlich 27-30 Stunden Arbeit die Woche ausgegangen, wenn man vier Tage Krankheit und 28 Urlaubstage abzieht, keine Ahnung ob das so passt) Dazu kommen dann noch gesetzliche Feiertage. Wenn man das dann noch mit den 8-10 Jahren Bezahlung relativiert, die man hat, bevor der Therapeut überhaupt anfängt zu arbeiten, ist man denke ich ganz gut dabei.

Damit klar ist, was ich meine: Damit verdient der Therapeut natürlich immer noch total mehr, aber pro Stunde kommt man, wenn man ambitioniert ist, denke ich aufs gleiche raus. Ich habe auch nie vom Random-Industriekaufmann gesprochen sondern von einem, der sich über ein Jahrzehnt hocharbeitet.


Antwort
Zitat
dingoberg
Beigetreten: 13.04.2011
PokerStrategist

Original von DerPascha17
Hallo Leute,

erstmals vielen Dank für das ganze Feedback hier im Thread :)

Persönlich habe ich sicherlich auch meine Laster aber deswegen habe ich nicht gefragt.
Ich finde die Arbeit von Psychologen sehr Interessant und habe überlegt beruflich in diese Richtung zu gehen.
Ich wollte eher mal wissen was die Allgemeinheit von Psychologen denkt , denn ich habe das Gefühl das viele Personen denken das dieser Beruf nicht ernst genommen werden kann.

Ich freue mich das hier so großes Feedback stattgefunden hat und auch weitere Diskussionen aufgekommen sind.
Viel Spaß bei weiteren Unterhaltungen ich werde weiter diesen Thread verfolgen.

lg Johnny

Die, die den Beruf des Psychologen nicht ernst nehmen, sind fast alle Leute die noch nie beim Psychologen waren und das nicht richtig beurteilen können. Ich war früher auch der Meinung das sind alles Quacksalber und es sind alles eingebildete Kranke die dahin gehen, bis ich eines besseren belehrt wurde und mir von einer Psychologin geholfen wurde.


Antwort
Zitat
FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

Original von Peteyb
Du vergisst, dass Industriekaufleute bezahlten Urlaub haben und Therapeuten nicht. Da kommt dann sehr schnell eher 2700-3000€ raus bei der Rechnung und das ist denke ich schon realistisch (bin jetzt mal von durchschnittlich 27-30 Stunden Arbeit die Woche ausgegangen, wenn man vier Tage Krankheit und 28 Urlaubstage abzieht, keine Ahnung ob das so passt) Dazu kommen dann noch gesetzliche Feiertage. Wenn man das dann noch mit den 8-10 Jahren Bezahlung relativiert, die man hat, bevor der Therapeut überhaupt anfängt zu arbeiten, ist man denke ich ganz gut dabei.

Damit klar ist, was ich meine: Damit verdient der Therapeut natürlich immer noch total mehr, aber pro Stunde kommt man, wenn man ambitioniert ist, denke ich aufs gleiche raus. Ich habe auch nie vom Random-Industriekaufmann gesprochen sondern von einem, der sich über ein Jahrzehnt hocharbeitet.

Also:
Das Jahr hat ca. 250 Arbeitstage, effektiv sind es dann vllt 200 (Krankheit/Urlaub...).

Macht bei einem 7 - 8 Stunden Tag 1400 bis 1600 Arbeitsstunden im Jahr.

1500 h × 25 Euro/h = 37.500 Euro

Dafür müsste man schon bei 65 - 70k brutto liegen - das ist wohl eher die Ausnahme mit ner Ausbildung und wenn man unter hocharbeiten nicht sowas wie ein berufsbegleitendes Studium versteht.

Im Kern hast du natürlich recht - "reich" wird man als Therapeut nicht...mehr als mit einer normalen Ausbildung aber schon.


Antwort
Zitat
pokerwOOt
Beigetreten: 17.06.2006
PokerStrategist

Es gibt schon zurecht Kritik an moderner Psychologie und Psychatrie.

Die Hauptursache psychischer Probleme liegt in unseren heutigen Gesellschaftsstrukturen in denen wir uns immer mehr voneinander distanzieren, der damit einhergehenden Oberflächlichkeit unserer zwischenmenschlichen Beziehungen, den Strukturen unserer Arbeitswelt etc. Ganz abgesehn von den Folgen des Kapitalismus, die uns immer mehr zu Konsumenten machen und mithilfe von Medien eine falsche Idee von Glück vermitteln. All dies hat zur Folge, dass wir vermehrt vereinsamen und zwischenmenschliche Beziehungen, durch ungesunde Beziehungen zu etwas anderem ersetzen (Drogen, Essen, Pornographie, Glücksspiel etc)

Am besten mal folgendes Video anschauen, ab ca 03:30 oben beschriebenes, aber das gesamte Video ist ja kurz und sehr sehenswert.

Weil sich oberes vllt. erstmal nach blabla anhört, sollten sich Interessierte mal mit der Oevermannschen Krisentheorie auseinandersetzen. Privat und durch tausende Stunden Kinder- und Jugendarbeit bin ich sehr von dem Modell überzeugt und es ist auch wirklich einleuchtend.

In a nutshell:
Individuum A erlebt eine kleine Krise. Z.B bist du Schüler, verkackst eine Schularbeit.
Meistens wird dich so eine kleine Sache nicht aus der Bahn werfen, du wirst dich selber beruhigen können und findest ausreichend Rückhalt in der Klassengemeinschaft und bist weiterhin alltagstauglich und lebensfähig.

Individuum A wird vom Partner verlassen, verliert den Job o.ä. Schmerzhaft und für manche sicherlich auch schon der Beginn einer Krise. Je nach Rückhalt im Freundes- und Familienkreis aber zu bewältigen die Autonomie des Individuums zu erhalten.

Individuum A verliert ein Familienmitglied. Tiefer Einschnitt für einen jeden von uns, ohne Familie und Freunde nicht, oder kaum alleine zu bewältigen. Beobachtung inwieweit das Individuum seine Autonomität beibehält.
Kann es das nicht, sollte es diese an einen Therapeuten abgeben, der dafür zu sorgen hat, dass es diese stückchenweise wieder komplett zurückerhält. Das ist die Aufgabe eines Therapeuten.

Wir haben oft die Vorstellung, dass Psychologie, Psychatrie und verschiedene Formen von Therapie etwas super fortschrittliches sind. Größtenteils sind das aber nur Antworten auf unseren ungesunden Lebensstil in einem ungesunden - und je mehr man sich dafür sensibilisiert- unmenschlichen Raum.

In Gesellschaftsformen in denen Familie und Gemeinschaft wichtig sind, wird man immer weniger Menschen mit den typisch westlichen Krankheitsbildern finden. Die Familie, der Clan, die Gruppe fängt dich auf und lässt es nicht zur Isolation kommen in der sich die Krankheit erst völlig entfalten kann, bzw. erst zur Krankheit wird.

Aus Familie und Clan wurde Gemeinschaft und aus Gemeinschaft wurde Gesellschaft und diese Dynamiken starben nach und nach aus. Deswegen gibts überhaupt Berufe wie die eines Sozialarbeiters, Erziehers in Einrichtungen für auffällige Jugendliche und Kinder etc. Genau so mit Psychologen und Psychiatern.

Das ist jetzt natürlich nur eine Beschreibung für Krisenbewältigung, was ist mit Traumata z.B durch Misshandlungen im Kindesalter und die Bewältigung dieser? Auf jeden Fall, gut dass es dafür Möglichkeiten gibt, aber auch das sind moderne Probleme, die ihren Ursprung erst darin fanden, dass Familie als Institut immer schwächer wurde. In einer eng vernetzten Gruppe von Menschen ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu sowas kommt viel kleiner. Heute haben wir das Jugendamt, dass versucht mit Hilfe von Nachbarn, Schule etc so etwas zu verhindern.

Das ist der Hintergrund, von der Ausbildung dieser Menschen mal ganz abgesehen. Da laufen so viele Sachen falsch, das ist unglaublich. Ist n verrückt interessantes Thema, aber man kanns definitiv darauf runterbrechen, was wir eh alle wissen:
Je vernetzter wir mit unseren Mitmenschen sind und je echter ("deeper", w/e) unsere Beziehungen zu diesen sind, desto mehr lernen wir auch uns selber kennen, können besser mit uns selber in den Dialog treten, können besser unsere Ängste und Wünsche formulieren. Desto wahrscheinlicher machen wir keine Geheimnisse aus Sachen, die keine sein sollten, lernen den anderen besser und tiefer kennen und bauen so echte, authentische Verbindungen auf, die auf Vertrauen basieren. Ist dieses Fundament da, dann sind diese Krisen nur kleine "Hubbel" in unserern Lebenslinien die mithilfe dieses Netzwerkes leichter und effizienter geglättet werden können.

Ich hab heute eine 20 Stunden Schicht hinter mir und mein Gehirn will noch nicht ganz so, wie ich will.
Hoffe es ist einigermaßen klar, was ich meine.


Antwort
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Original von draghkar

Original von Peteyb

Original von SmartDevil

Original von cuPsn
...

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Genau das sind Aussagen, die Menschen davon abschrecken, sich Hilfe zu holen, obwohl sie es evtl. wirklich nötig hätten.

Um das mal zu relativieren... So schlimm ist es auch nicht. Die pure Nachfrge nach den Informationen erzeugt erstmal keine Eintragung oder irgendetwas in der Art. Auch die ersten fünf Gespräche beim jeweiligen Berater/Therapeuten in den meisten Fällen noch nicht, da diese erstmal dem Zweck dienen zu erfassen, ob wirklich eine längere Therapie, oder nur ein kurzer "Ruck zurück auf den richtigen Weg" nötig ist. Was allerdings stimmt ist, dass sobald man sich über einen längeren Zeitraum in psychologische Betreuung jeglicher Art begibt, das Abschließen von z.B. Arbeitsunfähigkeitsversicherungen quasi unmöglich wird. Das bleibt für circa 5 Jahre ab Beeindigung der Therapie so. Dann kriegt man wieder eine AU zu vernünftigen Konditionen. Also entweder vorher abschließen, oder eine Weile warten.

Die AU-Versicherungen nehmen halt nur Leute, die zum Zeitpunkt der Aufnahme zu 100% gesund und arbeitsfähig sind. Da in Deutschland das Wissen und die Aufklärung im Bereich psychischer Störungen relativ gut ist, ist es auch für Krankenkassen nicht besonders einfach, dich mal eben so wegen einer Therapie in der Vergangenheit abzulehnen (außer die Privaten, die können machen, was sie wollen). Das können die gesetzlichen Krankenkassen sich überhaupt nicht leisten, da sonst bereits 1000 Moralapostel sie auf Biegen und Brechen verklagt hätten. Also sollte der Leidensdruck hoch genug sein, würde ich immer eher zu einer Therapie raten, als dagegen.

Solltest jemand noch weitere Fragen zu der Thematik haben, die er nicht unbedingt öffentlich posten will, kann er mich immer gerne im Comtool anschreiben.

Kurze Ergänzung: auch bei kürzerer oder längerer ist es möglich au-versicherungen grundsätzlich abzuschließen, dann meist aber mit entsprechenden klauseln, auf den krankheitsfall bezogen.
Bsp: man ist wegen Burnout länger in behandlung, dann gibt es klauseln, dass ab dem abschluss fur versicherung bspw die nächsten 2 jahre im fall eines burnouts die versicherung nicht greift.

ich muss nur noch mal eben was zu diesem blödsinn loswerden, weil ich glaube, dass hier mal wieder birnen mit äpfeln verwechselt werden.

AU - Arbeitsunfähig, d. h. die Person kann nicht mehr arbeiten, in keinem Beruf

Dieser Fall tritt glücklicherweise nie bis kaum auf, weshalb ich persönlich nie im Leben gegen AU versichern würde. Es macht einfach keinen Sinn.

Es macht allerdings sehr viel Sinn, sich gegen Berufsunfähigkeit (BU) abzusichern.

BU - Berufsunfähig, d. h. die Person kann einzig und alleine den aktuellen Beruf nicht mehr ausüben.

Hier liegt das Risiko je nach Beruf deutlich höher und hier macht eine Absicherung Sinn. Für mich persönlich eine der wichtigeren Versicherungen!

Auf der Seite arbeitsunfaehig.org schreiben sie zumindest, dass sie absichtlich den falschen Begriff benutzen, um sich so dem Volksmund anzuschliessen. Versicherungstechnisch leider völliger Blödsinn.
http://www.arbeitsunfaehigkeit.org/arbeitsunfaehigkeitsversicherung/


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pokerwOOt
Beigetreten: 17.06.2006
PokerStrategist

Auf die berechtigte Kritik bin ich garnicht wirklich eingegangen.
Da gehts mir hauptsächlich um die medikamentöse Einstellung von Patienten bereits im Kindesalter.

Ich bin recht abgehärtet und weiß abzuschalten, aber wenn du siehst wie ein Kind so harte Dosen von Psychopharmaka bekommt, dass es sich sabbernd einpisst und den ganzen Tag high ist, wird dir eng um die Brust. Und das nur weil es geschafft wurde so etwas wie ADHS als echtes Krankheitsbild in der Gesellschaft zu integrieren, anstatt sich mit den echten Bedürfnissen unseres Nachwuchses zu beschäftigen.

Sehr eklig und ich wünschte ich würde Formulierungen finden, die jemandem, der nicht viel im Kontakt damit
ist, eine neue Perspektive darauf geben, aber das geht leider nur über Erfahrung.


Antwort
Zitat
Thiemo1981
Beigetreten: 16.09.2006
Elite Grinder

Ich finde Deine Aussagen durchaus berechtigt, pokerwoot. Allerdings ist mir die Sicht in dem langen Post auf der letzten Seite doch etwas zu einseitig.
Es gibt nunmal auch oder gerade Konflikte/Verletzungen/Vernachlässigungen/..., die innerhalb von engen oder auch patriarchalischen Familienstrukturen entstehen und sich dann entweder schon in dem Zeitraum der Kindheit oder später im Leben als behandlungsbedürftige psychische Probleme darstellen.
Zusätzlich sind einerseits auch die Sensibilität und andererseits das Wissen für/über psychische Probleme gewachsen, wodurch deutlich mehr diagnostiziert und eben auch behandelt wird als noch vor 30 oder 50 Jahren. Misshandlungen sind dafür finde ich ein sehr gutes Beispiel. Die Sensibilität dafür, was diese Verletzungen der Autonomie Menschen nachhaltig antut ist gewachsen; einhergehend mit einem veränderten Erziehungsideal.
Das Entstehen des Berufs des Sozialarbeiters geht beispielsweise auch mit der Entwicklung und Implementierung von Werten wie Solidarität als gesellschaftliches Grundelement und Ziel einher.
Ich habe den Eindruck, du romantisierst da auch ein wenig die 'guten, alten Zeiten', als die Mehrgenerationenfamilie auf einem Hof lebte und die Kinder ab 8 Jahren hart arbeiten mussten, geschlagen wurden, wenn sie es nicht wollten und ihr Weg annähernd total vorbestimmt war. Oder denke doch mal alternativ an die Zeiten der Industriellen Revolution. Oder im Mittelalter; da wurden die allermeisten Menschen schlicht als Besitz der Adligen gesehen.

Nochmal: Ich finde deine Aussagen nachvollziehbar und auch richtig; sie haben aber in meinen Augen und meines Wissens nach sozusagen kein Alleinstellungsmerkmal als Erklärungsansatz für behandlungsbedürftige psychische Probleme in der heutigen Zeit in den westlichen post-industriellen Informationsgesellschaften.


Antwort
Zitat
pokerwOOt
Beigetreten: 17.06.2006
PokerStrategist

Original von Thiemo1981
...Das Entstehen des Berufs des Sozialarbeiters geht beispielsweise auch mit der Entwicklung und Implementierung von Werten wie Solidarität als gesellschaftliches Grundelement und Ziel einher...

Woher hast du das?
Den Beruf des Sozialarbeiters gibt es wegen der Notwendigkeit, nicht als Geschenk des Staates.
Dieser dient dazu den allgemeinen Alltag zu stabilisieren, ohne Sozialarbeiter gäbe es halt viel mehr Chaos.

Ansonsten stimme ich dir zu, natürlich romantisiere ich, du auf der anderen Seite zeichnest ein dunkles Bild vom Achtjährigen, der auf dem Feld ackern muss und geschlagen wird. Radieren wir die beiden Extreme mal aus und einigen uns auf einen Mittelweg. Aber ich glaube wir widersprechen uns da ja garnichtmal wirklich.

-OT, aber ich will das mal erwähnen, weil ich das immer als Argument höre, bzgl. "Guck mal früher, da wars noch schlimmer':

Spoiler

Wir werden von den "Adligen" immer noch schlicht als Besitz gesehen. Da hat sich nicht viel verändert meiner Meinung nach. Die Ketten sind bunter und plüschiger geworden und dem Großteil der Bevölkerung wurden unsere "gottgegebenen" Freiheiten als zivilisatorisch fortschrittliche Privilegien der ersten Welt verkauft. Der "Adlige" von heute operiert global und hat gelernt sich besser zu verstecken. Ein Blick in die Geschichte zeigt ja auch deutlich, dass es nie aufgehört hat elitäre Strukturen zu geben


Antwort
Zitat
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