Original von KalleTorsten
Original von Shore
Warum folgt aus Mangel an Arbeitsplätzen automatisch eine Notwendigkeit eines Grundeinkommens? Wieso sollte man den Leistungsträgern in der Gesellschaft das Geld wegnehmen und es an Leuten verteilen, die diesen harten Konkurrenzkampf nicht überstehen? Überragende Leistungen entstehen übrigens in Situationen von Ressourcen-Mangel und nicht bei Ressourcen-Überfluss bzw. die Illusion von Ressourcen-Überfluss. Not macht eben doch erfinderisch. Von dem her ist das Argument, dass alle auf der faulen Haut liegen würden, wenn die Illusion von Ressourcen-Überfluss geschaffen wird, nicht so einfach von der Hand zu weisen. Die Natur des Menschen ist nämlich in so einer Situationen keine unnötigen Energien zu verbrauchen. Erst die Notwendigkeit, die ein Selektionsdruck und Ressourcen-Mangel mit sich bringt, bewegt uns dazu, produktiv zu werden. Man sieht das auch schön an den Lebenszyklen von Zivilisationen. In den zeiten von Ressourcen-Mangeln werden neue Ideen und Innovationen entdeckt, die so viel Wohlstand erzeugen, dass über Generationen hinweg die harten Zeiten vergessen werden. Das führt zu Nachlässigkeit und Verschwendung von Ressourcen, bis die Zivilisation schließlich zusammenbricht oder von einer anderen aufstrebenden Nation erobert wird.
Das entspricht nicht dem was man beobachtet, wenn man die Geschichte studiert. Fortschritt entsteht immer dann, wenn eine Gruppe oder einzelne mehr Ressourcen zur Verfügung haben, als sie zum Leben benötigen und den Überfluss in die Entwicklung neuer Technologien stecken konnten. Vor allem Zeit. Die ersten Menschen haben mehr als 150 000 Jahre gebraucht um relativ simple Fähigkeiten wie Ackerbau und Tierhaltung zu erlernen. Das ist für uns kaum mehr vorstellbar, wo sich unser Leben und unsere Technologie schon in weniger als einem Jahrhundert massiv weiterentwickelt. Warum? Weil sie als Jäger und Sammler völlig ausgelastet damit waren, ihr Überleben zu sichern. Seitdem zieht sich das bis in die heutige Zeit durch.
Der Beginn der europäischen Kultur entstand nicht durch Menschen, welche für ihren Lebensunterhalt arbeiten mussten, sondern von Personen wie Sophokles, Archimedes und Aristoteles, denen die einfachen Tätigkeiten von Sklaven abgenommen wurden und die sich somit auf ihre Leidenschaften konzentrieren konnten.
Das dunkle Mittelalter konnte überwunden werden, nachdem die Pest in Europa wütete und in der Folge wesentlich weniger Menschen ernährt werden mussten. Dadurch wurden Ressourcen frei, welche die verbleibenden Menschen genutzt haben um all die Innovationen der Renaissance hervorzubringen.
Am einleuchtendsten ist es aber wohl, wenn man die heutige Zeit betrachtet: Von wem erwartest du eher entscheidende Fortschritte und neue Entwicklungen für die Menschheit? Von einem armen Afrikaner, der ab dem 10. Lebensjahr für sich und seine Familie aufkommen muss und der durch den "Ressourcen-Mangel zu neuen Ideen und Innovationen" getrieben wird oder von einem Europäer aus wohlhabender Familie, welcher die Gelegenheit hat mehrere Jahre zu studieren, da sein Überleben in dieser Zeit auch ohne eigenes Zutun gesichert ist?
Wie erklärst du dir dann, dass erfolgreiche Zivilisationen am Höhepunkt ihres Wohlstands meistens von innen zerbrechen? Babylonien, das römische Reich, das britische Weltreich hatten alle enormen Reichtum, sind aber dennoch untergegangen.
Du hast Recht, dass es zum Fortschritt ein Ressourcen-Überfluss erarbeiten werden muss. Die Motivation dafür bekommt der Mensch aber nur in Zeiten von Ressourcen-Mangel. Wenn bereits Ressourcen-Überfluss vorhanden ist, kommt es meistens zur Degenration.
Du hast ja selbst, dass Mittelalter aufgegriffen, aber nur erläutert, wie sich die Menschen da wieder heraus gearbeitet haben. Schonmal daran gedacht, wie es überhaupt zum Mittelalter kam? Das Mittelalter wurde durch den Fall Roms eingeleitet. Rom war eine fortschrittliche Kultur. Sowohl in Politik und Gesellschaft als auch in Technologie und Innovation. Sie hatten soviel Wohlstand, dass sie sich nur noch den schönen Seiten des Lebens hingaben. Das führte dazu, dass sie von einem rückständigen Volk, das einem höheren Selektionsdruck ausgesetzt war, erobert werden konnten.
Im alten Griechenland wurden nur die besten Köpfe vom Sklavenleben befreit, weil die Mächtigen kapiert haben, dass nur so langfristig mehr Fortschritt erreicht werden kann. Niemand ist die Idee gekommen, ein Grundeinkommen einzuführen. Hätte man das gemacht, wären die sowieso schon knappen Ressourcen verschwendet worden.
Der Ackerbau wurde in Zeiten von Ressourcen-Mangel erfunden. Der Mensch war getrieben von einem starken Selektionsdruck und entdeckte eine neue Form der Nahrungsproduktion, die ihm dann Wohlstand beibrachte. Die Motivation dafür entwickelte er zu Zeiten von Ressourcen-Mangel. Der Fortschritt an sich konnte dann durch den erarbeiteten Wohlstand vorangetrieben werden, bis die Spitze erreicht wurde. Dann kam es zur Stagnation, wodurch schließlich bestimmte fortschrittliche Kulturen unter gingen und das ganze Spiel von vorne los ging.
Dieser Aufstieg, angetrieben durch Ressourcen-Mangel, und Abstieg, verursacht durch Nachlässigkeit bei Ressourcen-Überfluss, ist ein sehr deutliches Muster, das man sehr oft in der Geschichte wiederfindet.