Rom und Co. gingen nicht unter, weil sie zu viel Ressourcen oder Technologien hatten. Das lag imo am Herrschaftssystem. Ist die Führung schlecht, wird das Volk schlecht und umgekehrt. In dem Zusammenhang kann ich Machiavelli empfehlen. Er beschreibt Politik und Gesellschaft sehr sehr gut. Die letzten großen Innovationen wurden durch die Entdeckung und Verwendung des Erdöls ermöglicht. Durch die billige und unerschöpfliche Energie wurde Wohlstand möglich. Wenns den Menschen gut geht, haben sie Zeit ihren Geist zu entwickeln. Dass das nicht alle machen, ist klar. Aber je größer die Gesamtzahl derer ist, denen es gut geht, desto größer sollte die absolute Zahl derer sein, die ihren Grips anstrengen wollen, um die Menschheit voranzubringen.
Kapitalismus und BGE können auf Dauer nicht gemeinsam funktionieren. Der Kapitalismus funktioniert ja schon alleine nicht. Da innerhalb dieses Systems die öffentlichen Schulden immer weiter steigen (weil Gewinnprivatisierung und Schuldensozialisierung), bleiben immer weniger Gelder für Sozialleistungen übrig. Somit geht sich das rechnerisch nicht aus. In einem anderen Wirtschaftsmodell, das ohne Korruption, Zins und Zinseszins auskommt, wärs finanzierbar. Dafür müssten viele Steuern und damit Bürokratie/Korruption abgeschaft werden. Am Ende blieben vll. eine Hand voll Steuern übrig. Es ginge wohl auch mit einer einzigen Steuer, der USt, die man entsprechend stark anheben müsste. Auf jeden Fall müssten Güter und Dienstleistungen, die über eine grundlegende Sicherung (Wohnen, Essen, Gesundheit, Kommunikation, Mobilität) hinausgehen deutlich stärker besteuert werden als bisher. Auch müsste man Hortung von Reichtümern unterbinden, weil das dem Markt Liquidität entzieht und damit langfristig zur exzessiven Ausweitung der Geldmenge beiträgt. Das gilt auch für Immobilien, die heutzutage Großteils nur für Spekulationszwecke verwendet werden, was jenseits jeder Vernunft ist.
Die heutigen Grundsicherungen, die es in einigen Ländern gibt, ist keine wirkliche Grundsicherung, weil viel zu niedrig, und an viele Bedingungen geknüpft, die teils entwürdigend und menschenverachtend sind. Da gibts viele Infos dazu im Netz. Man kann sich aber auch mit einigen Menschen unterhalten, die von einer Mindestsicherung leben müssen. In Deutschland gibts noch eine weitere Gruppe, die man dazuzählen kann, die Aufstocker. Dann gibts noch Rentner, die 40 Jahre gebuckelt haben, und heute ebenfalls an der Armutsgrenze leben müssen. Und das alles in einem Land, das scheinbar so reich ist.
Ein Rückgang an Arbeitsplätzen wird nicht vermeidbar sein. Die Automatisierung schreitet voran und hat mit Utopie überhaupt nichts zu tun. Die Frage ist nur, wann es soweit sein wird, dass die Mehrzahl der Menschen keine Arbeit mehr hat. Es ist ja heute schon so, dass sehr sehr viele Menschen nicht arbeiten. Ich hab gerade keine Zahlen parat, aber man denke nur an die vielen Rentner, die vom arbeitenden Teil der Bevölkerung mitfinanziert werden müssen. Dann gibts Kinder, Schüler, usw. Und dann gibts noch das größer werdende Prekariat (Arbeitslose, Aufstocker, Leute, die sich in irgendwelchen Kursen Wollkneule zuwerfen oder sonst was Dummes machen müssen, um ihre Sozialleistungen nicht zu verlieren). Und obwohl so viele Menschen nicht erwerbsmäßig arbeiten, gibts trotzdem keine Vollbeschäftigung. Die Arbeitsplätze gehen sogar zurück, wenn man geschaffene Sinnlosjobs, sinnlose doppelte Arbeiten etc. miteinbezieht. Wenn sich am Wirtschaftmodell nichts ändert, ist das eine sehr schlechte Entwicklung. Aber wenn wir an einem Punkt soweit sind zu entscheiden, ob ein BGE eingeführt wird oder nicht, können wir uns natürlich auch dagegen entscheiden. Spielen wir den Gedanken durch. Also, die Arbeitslosigkeit steigt, die Einkommen werden gedrückt (wegen steigender Konkurrenz durch Mitbewerber, Migration etc.). Die Steuereinnahmen sinken, die Sozialleistungen sinken, die Subventionen sinken (oder steigen weiter bei gleichzeitig steigender Staatsverschuldung, die irgendwann wieder fällig wird und nicht bezahlt werden kann). Die Arbeitszeiten sinken, weil keine 40 Stunden Woche gebraucht wird, weil die Maschinen viele Arbeiten abnehmen, weil die Nachfrage sinkt etc. Sinkt die Nachfrage, sinken die Preise. Die Leute sparen ihr restliches Geld weiter, weil es noch billiger wird. Die Nachfrage sinkt weiter, die Preise fallen weiter. Die Firmen rutschen ins Minus, müssen weitere Mitarbeiter entlassen, uswus. Rezession (evt. Depression) ist die Folge. Was ist die Folge in der Gesellschaft? Geld, Nahrung, Energie, etc. wird knapp. Jeder will überleben... Hass und Gewalt, Not und Elend sind die Folge. Am Ende der Fahnenstange kommts im Extremfall zum Bürgerkrieg, zu Regierungsputschen usw. Damit ist die Gesellschaft am Boden und überhaupt nicht innovativ, weil nach der Normalisierung der Lage erstmal die kaputten Strukturen wiederaufgebaut werden müssen. Das Ganze wirft eine Gesellschaft zurück. Nach dem Neustart der Gesellschaft ist es dann so, dass man zum Kapitalismus zurückkehren kann. Dann geht das ganze Spiel von vorne los. Oder man entschließt sich dazu ein anderes Wirtschaftmodell zu wählen. Das neue Modell kann natürlich ebenfalls scheitern. Jedoch ist es so, dass man recht dumm ist, wenn man hunder mal genau dasselbe macht und jedes mal einen anderen Ausgang erwartet (Einstein lässt grüßen).
Soviel zu meinem Senf. Vll. finden einige ein paar Kritikpunkte. Lasst hören. Ist ja ein spannendes Thema.