Zum Forum springen
Benachrichtigungen
Alles löschen

Alles hinschmeißen ? Keinen Plan was ich tun soll...

51 Beiträge
24 Benutzer
0 Reactions
11.8 K Ansichten
Battlecrab
Beigetreten: 22.01.2005
Oldschool Grinder

Hallo Leute,
folgende verzwickte Situation. Habe das Job/Studium-Forum hier öfter verfolgt und es waren m.E. öfter gute Gedankenanstöße für die OPs dabei. Meine Gedanken drehen sich langsam im Kreis und ich habe mir gedacht evtl. gibt es ja auch für mich neue Impulse, wenn ich hier mal poste.

Meine Eckdaten:
30 Jahre
Dipl. WiIng Maschbau ( Spez. Verfahrenstechnik / Energietechnik)
Abschluss ganz ok, aber nicht herausragend (1,9)
Bin in einem Konzern angestellt. Nach einem Praktikum habe ich dort eine Trainee-Stelle bekommen und ein paar Monate später ein Jobangebot. Die Stelle sagte mir schon damals nicht im Hinblick auf „das will ich mein Leben lang machen“ zu, aber das Gehalt war top und ich dachte mir: Junge nutz die Chance, falls es nichts ist, kannst Du dich ja weiter nach Stellen umschauen aber hast erstmal ein bischen Ruhe. Jo, nun bin ich unbefristet angestellt verdiene überdurchschnittlich, kann trotzdem jede Überstunde abbummeln (falls mal irgendwann Zeit dafür sein sollte) und brauche mir im Prinzip keine Sorgen machen.

Problem: Der Kram macht null Komma null Spass. Eigentlich nicht nur Null, sondern schlimmer, ich hasse es jeden Morgen zur Arbeit zu gehen. Freue mich nur noch auf WE, Urlaub und mein Gehalt am Ende des Monats. Der Druck ist über die hohe Verantwortung auch täglich spürbar und mich persönlich schlauchen regelmäßige 50h/Woche im Büro sehr, anders sähe es sicher bei mehr Abwechslung aus. Gehe jeden Abend mit Kopfschmerzen nach Hause und zähle die Tage bis zum WE. Andere evtl. interessante Stellen intern sind im Moment nicht in Sicht. Ich muss da weg…

Arbeit:
Mega-Langweilig: Muss einen Prozess optimieren mit einem Kollegen bei dem es um viel Kohle geht, viel der Arbeit besteht aber leider auch operativ aus Datenplausibilisierung in Massen -> Schrott, bringt mich null weiter und ist stumpf. Trotzdem muss es gemacht werden und nebenbei soll eben der Prozess auf die Beine gebracht werden, alles weniger mein Ding als ich dachte. Es ödet mich alles so an..;-(

Arbeitsatmosphäre: Leute bunkern ihr Wissen, um sich unentbehrlich zu machen. Die wenigsten sind teamfähig oder ziehen an einem Strang. Richtig schön ineffizient und anonym, ich frag mich wie Konzerne effizient arbeiten können, falls das überall so läuft. Ich persönlich bin sogar noch jemand der rel. gut klarkommt mit den meisten, auf Dauer ist das aber zu anstrengend. Die meisten Leute sind m.E. total gleichgeschaltet dort….

Besprechungskultur: Haufenweise sinnlose Besprechungen die wirklich nichts neues hervorbringen sondern nur dazu dienen Arbeit zwischen Abteilungen hin- und her zu schieben.

Insgesamt glaube ich, dass ein Konzern absolut nicht für mich ist, bin mehr Pragmatiker und das kann man da vergessen. Ein langer Atem und eine gewisse A.-Loch-Mentalität sind eher wichtig…. Leider habe ich generell festgestellt, dass so ein reiner Bürojob mich langfristig eher kaputt macht. Ich muss ab und zu mal „raus“ und mehr mit verschiedenen Leuten zu tun haben. Sowas habe ich im Studium oder bei Jobs/Praktikum leider nicht festgestellt, da die Zeiträume immer definiert und kürzer waren, irgendwie war immer Abwechslung drin im Studium. Habe einfach erstmal studiert was mir lag und mir keine großen Gedanken über später gemacht. Jetzt habe ich den Salat und denke ernsthaft wieder darüber nach alles hinzuschmeißen und was ganz anderes praktischeres oder soziales zu machen. Es darf auf lange Sichteinfach kein 10h Bürojob sein. Oder ein Team muss so harmonieren, dass die Arbeit trotzdem irgendwie Spass macht. Gibt’s sowas überhaupt ?

Habe mich schon viel umgehört nach Alternativen und mein Hauptproblem ist, dass ein kompletter Neuanfang ein finanzielles Desaster wäre. Ich bin auf jeden Fall jemand der demnächst Familie haben möchte und eine gewisse finanzielle Basis sollte da schon vorhanden sein. Bin halt auch schon ein paar Tage älter, mit Mitte Zwanzig hätte ich mir keinen Kopf gemacht, aber so mache ich mir schon Gedanken, ob es richtig ist alles hinzuwerfen. Ein Gedanke war Lehramt: Mathe/Sport oder Wirtschaft/Sport -> Dauert nochmal richtig lange, mit groß Scheine anerkennen ist da nix, dann Referendariat + unsichere Verbeamtung. Medizin-Studium: Finanziell ebenfalls schwer stemmbar. Alles mit langem erneutem Studium fällt irgendwie weg. Habe ernsthaft nachgedacht, ob Polizist nichts für mich wäre. Mit der richtigen Einstellung kann man etwas sinnvolles tun, hat mit Menschen zu tun und kommt auch viel raus. Die Kollegialität ist dort teilweise sehr gut (Bericht aus Freundeskreis). Gleiches Problem: Mini-Verdienst in den nächsten Jahren und ich werde, auch wenn ich befördert werde (Beförderungssituation ist sehr schlecht), erst kurz vor der Rente das verdienen was ich jetzt schon kriege. Die Rente wird ebenfalls super klein werden, weil die nach Dienstjahren beziffert wird und da fehlt mir schon ein Viertel….Zusätzlich ist man schon teilweise erhöhten Gefahren ausgesetzt, was auch nicht unbedingt sein muss...

Zusätzlich bleibt das Risiko, dass man alles hinwirft, aber im neuen Job trotzdem nicht wirklich glücklich wird. Dann hat man sich nur ein Problem mehr angeschafft….
Zur Zeit bin ich echt planlos was ich tun soll und die Zeit tickt einfach….. Mein Hauptproblem ist einfach, dass ich nicht weiß, was zu mir passt bzw. was ich will. Keine Entscheidung scheint richtig zu sein. Habe auf jeden Fall zur Zeit jegliche Motivation an einer klassischen Karriere in einem Unternehmen verloren, weiß aber nicht ob ich wirklich alles wegwerfen sollte...wer weiß ob es besser dadurch wird. Vor allem die Familienplanung steht dem ganzen entgegen. Mich würde mal interessieren, ob es hier Leute gibt, die ähnliches durchlebt haben und bei welchem Job ihr letztendlich glücklich geworden seid. Die meisten machen sicher irgendwas IT-lastiges (mal die PokerPros unter euch ausgeklammert)?
Denke das ist erstmal genug für den Anfang (viel zu lang), sorry für eventuelle Tippfehler, hab einfach drauf los geschrieben.... ich hoffe ihr könnt euch ca. ein Bild machen von meiner Verplantheit….Bin für jede Anregung dankbar.

Greetz


Antwort
Zitat
50 Antworten
DerExec
Beigetreten: 06.10.2007
PokerStrategist

Neudeutsch stehst du wohl einfach kurz vorm burnout.

Mach mal einen längeren Urlaub oder lass dich vom Arzt wegen Erschöpfung krank schreiben (= bezahlter "Urlaub", Urlaub nicht wirklich, da es schon deiner Genesung dient).

Während der Zeit kannst du klarer abwägen was/wie/wo passieren soll.

Von einem kompletten Richtungswechsel würde ich dir abraten, weil dein Zug irgendwie abgefahren scheint. Vor allem in Hinblick auf Familiengründung ist das Zeit/Aufwand/Verdienst-Verhältnis irgendwie gestört.

In welche Bereiche könntest du mit deinen Qualifikationen noch wechseln? Du hast dir aktuell anscheinend nur Gedanken gemacht wie du komplett wechseln kannst. Aber nichts darüber geschrieben, was denn mit deiner Quali noch nahe liegt.
Manchmal ist es ein simpler Firmenwechsel, der ganz neue Anreize schafft. z. B. durch neue Kollegen und Aufgaben.


Antwort
Zitat
annobln
Beigetreten: 29.07.2007
Oldschool Grinder

Puh, das klingt nach einer schweren Situation. Ich kann deine Gedankengänge genau nachvollziehen: Ich bin erst seit 2 Jahren berufstätig und meine "Karriere" verläuft bis jetzt ziemlich ähnlich wie deine. Ich habe es vom Durchschnittseinstiegsgehalt zu einem ganz ordentlichen Einkommen geschafft. Glücklicherweise macht der Job mir noch Spaß, leider beginne ich aber bereits jetzt damit, mich unterfordert zu fühlen. Ich dachte im Studium immer man muss hochkomplexe Aufgaben lösen als Akademiker. In einem großen Konzern ist das aber meist nicht so. Entweder man ist ein Arbeitstier und bewältigt das Pensum (Abwechslung gleich 0) oder man hat eine leitende Tätigkeit (50 h/Woche+++). Zudem hat man meist ein tristen Büroalltag gespickt mit einigen Meetings. Das Themenfeld wird ziemlich eng. Man macht sich zwar unentbehrlich für die Firma, trotzdem ist die Selbstzufriedenheit nicht da.

Wie gesagt sind das erst 2 (!) Jahre. Wenn man mal überlegt, man soll das noch 35-40 Jahre machen?! Unvorstellbar!

Was sind deine genauen Ziele? Macht dir nur der Job keinen Spaß, wie du schilderst, oder ist es das Arbeitsgebiet allgemein als W-Ing.? Ich frage daher, weil es sicher zig Firmen und Themengebiete gibt, die dich mehr interessiern könnten. Viele Leute die gefrustet sind vom 08/15-Büroalltag wechseln bspw. in den Außendienst um dort Kundenkontakt zu haben. Nachteil sind hier zumeist massig Überstunden und Termindruck. Vorteil ist, dass man immer wieder auf neue Situationen und Herausforderungen stößt. Bezahlung dürfte ähnlich sein.

Ein kompletter Wechsel von bspw. Technik zu Medizin ist mit 30 halt schon ein Wagnis. Wer sagt dir, dass dir dieses Studium / Job überhaupt zusagt? Evtl. ist es dann auch nicht das was du dir vorgestellt hast und du stehst wieder vor demselben Problem. Ich glaube auch kaum, dass die Polizei noch 30-jährige ausbildet. Von daher würde ich den Komplettwechsel erst einmal ausschließen. Damit schadest du dir mehr, als wenn dir das was nützt.

Evtl. sind das auch schon Anzeichen für eine chronische Erschöpfung, neudeutsch Burnout. Du brauchst einfach eine längere Auszeit um mit dir ins Reine zu kommen und vielleicht zu verstehen, dass du es schon ziemlich gut hast und ledigliche eine neue Herausforderung + Umfeld brauchst um wieder klarzukommen. Wenn diese Phase länger andauert, dann kann man ruhig mal eine Psychologen aufsuchen. Der kann dir dann eher sagen, ob es bereits ein Burnout ist und wird dich unter Umständen für 3-6 Monate krank schreiben.

Also die 1. Option ist wirklich nach einer neuen Stelle / Firma etc. zu gucken. Das wäre erst einmal das einfachste.


Antwort
Zitat
Battlecrab Themenstarter
Battlecrab
Beigetreten: 22.01.2005
Oldschool Grinder

Hi ,
danke für die schnellen Antworten an euch zwei. Habe halt bei einem reinen Firmenwechsel das Gefühl, dass die Chance hoch ist, dass es in der neuen Firma nichts grundlegend anders ist. Freunde und Bekannte erzählen mir die gleichen Geschichten aus ihren Firmen (sind nicht unbedingt immer Konzerne, aber auch größere Firmen). Glücklich sind komischerweise (zumindest in meinem Freundeskreis) mehr diejenigen Leute, die in sozialere Richtungen arbeiten, aber in den meisten Fällen für wirklich ganz ganz wenig Geld, was mich schon sehr abschreckt. Meist sind es glückliche Frauen deren Freund gut verdient, so dass es finanziell wieder passt.

Meine Sorge bei einem Firmenwechsel: Ich merke in 1-2 Jahren, dass ich in jedem "Büro" auf ähnliche Probleme treffe und mein Komplettwechsel dann wirklich langsam ausgeschlossen ist. Jetzt würde evtl. noch alles gehen in Richtung Komplettwechsel, der aber trotzdem ein Wagnis bleibt...... Verspüre dadurch richtig Druck jetzt sofort etwas zu ändern...das macht einen schon ein bischen fertig, wenn man aber nicht weiß wohin es gehen soll. Ich kann nur nicht den ganzen Tag im Büro hocken und Zahlen drehen, soviel ist sicher....Ein bischen Erfüllung muss sein, trotz des oft angesprochenen Ponyhofs....
Polizei bildet auch noch alte Säcke wie mich aus, vorausgesetzt sie lehnen mich nicht wegen irgendwelcher drohenden körperlichen Gebrechen ab. Weiß aber auch nicht, kann es dass sein, nachdem man schon studiert hat....schwierig :-(
Das mit dem Krankschreiben: Mein alter Chef hat das gerade hinter sich und wurde auf einer Sachbearbeiterstelle in einem anderen Team reintegriert. War 6 Monate weg, komplett in einer Klinik wg. Burnout. Generell habe ich daraus gelernt: Wenn man einmal länger krankgeschrieben ist wegen seelischer/psychischer Sachen (mus kein Burnout für 6 Monate sein, da reichen auch 3 Wochen wenn gerade Stress ist), dann hat man seinen Stempel für immer weg und das ist bisher nur nachteilig für ihn....Also sollte man sich den Schritt Arzt auch gut überlegen. Sowas scheue ich sehr zur Zeit....
Werde morgen trotzdem mal in diese Richtung denken, Firmenwechsel ist evtl bisher zu kurz gekommen in den Überlegungen.
Für heute erstmal gn8 von mir, morgen früh raus (also heute)...Grüße


Antwort
Zitat
FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

Original von Battlecrab
Habe mich schon viel umgehört nach Alternativen und mein Hauptproblem ist, dass ein kompletter Neuanfang ein finanzielles Desaster wäre. Ich bin auf jeden Fall jemand der demnächst Familie haben möchte und eine gewisse finanzielle Basis sollte da schon vorhanden sein. Bin halt auch schon ein paar Tage älter, mit Mitte Zwanzig hätte ich mir keinen Kopf gemacht, aber so mache ich mir schon Gedanken, ob es richtig ist alles hinzuwerfen. Ein Gedanke war Lehramt: Mathe/Sport oder Wirtschaft/Sport -> Dauert nochmal richtig lange, mit groß Scheine anerkennen ist da nix, dann Referendariat + unsichere Verbeamtung. Medizin-Studium: Finanziell ebenfalls schwer stemmbar. Alles mit langem erneutem Studium fällt irgendwie weg. Habe ernsthaft nachgedacht, ob Polizist nichts für mich wäre. Mit der richtigen Einstellung kann man etwas sinnvolles tun, hat mit Menschen zu tun und kommt auch viel raus. Die Kollegialität ist dort teilweise sehr gut (Bericht aus Freundeskreis). Gleiches Problem: Mini-Verdienst in den nächsten Jahren und ich werde, auch wenn ich befördert werde (Beförderungssituation ist sehr schlecht), erst kurz vor der Rente das verdienen was ich jetzt schon kriege. Die Rente wird ebenfalls super klein werden, weil die nach Dienstjahren beziffert wird und da fehlt mir schon ein Viertel….Zusätzlich ist man schon teilweise erhöhten Gefahren ausgesetzt, was auch nicht unbedingt sein muss...

Zusätzlich bleibt das Risiko, dass man alles hinwirft, aber im neuen Job trotzdem nicht wirklich glücklich wird. Dann hat man sich nur ein Problem mehr angeschafft….
Zur Zeit bin ich echt planlos was ich tun soll und die Zeit tickt einfach….. Mein Hauptproblem ist einfach, dass ich nicht weiß, was zu mir passt bzw. was ich will. Keine Entscheidung scheint richtig zu sein. Habe auf jeden Fall zur Zeit jegliche Motivation an einer klassischen Karriere in einem Unternehmen verloren, weiß aber nicht ob ich wirklich alles wegwerfen sollte...wer weiß ob es besser dadurch wird Vor allem die Familienplanung steht dem ganzen entgegen. Mich würde mal interessieren, ob es hier Leute gibt, die ähnliches durchlebt haben und bei welchem Job ihr letztendlich glücklich geworden seid. Die meisten machen sicher irgendwas IT-lastiges (mal die PokerPros unter euch ausgeklammert)

Kurze Frage, wie viel verdienst du denn zur Zeit und weißt du, wie viel Geld ein Polizist/Lehrer verdient und wie sich die Pension berechnet?

40 Dienstjahre = volle Pension

du kannst, wenn du lange genug arbeitest(67) ja noch auf 36 Dienstjahre kommen und damit auf 90% der Pension(was übrigens 63% des letzten Gehalts sein dürften).

Einkommen ist nicht soooo schlecht(~1,9k netto nach der Ausbildung) und es gibt noch Kinder/Familienzuschläge :-)

Allerdings glaube ich kaum, dass du als Polizist soviel glücklicher wirst...

Was ist denn mit nem Quereinstieg als Lehrer(falls dir das wirklich liegt) - an nem Berufskolleg könntest du vermutlich "sofort" einsteigen :-)


Antwort
Zitat
Dominik7
Beigetreten: 15.06.2006
PokerStrategist

Das bei dir klingt für mich nicht nach burn out, dich kotzt einfach die Struktur in deiner Firma an und der Job füllt dich auch nicht annähernd aus.

Ich an deiner Stelle würde erstmal nen Firmenwechsel in Betracht ziehen. Dass du soviel weniger verdienst kann ich mich nicht vorstellen. Wäre zumindest einen Versuch wert.

Wenns dann auch scheiße ist kannste immer noch was ganz anderes machen.

Selbständigkeit mal in Betracht gezogen?


Antwort
Zitat

macht dich denn das geld so glücklich?

Vielleicht bist du in einem Job der dir gut liegt, aber in dem du nicht viel geld verdienst ja viel glücklicher. auch ohne dein überdurchschnittliches einkommen.


Antwort
Zitat
PHCruiser
Beigetreten: 02.06.2006
Oldschool Grinder

Ein kompletter Umstieg ist ein großes Risiko. Nicht nur finanziell - inwieweit ist garantiert, dass du mit der neuen Arbeit zufrieden bist? Und wenn man länger so weit weg von der Wirtschaft/Industrie ist, kommt man kaum wieder in eine vernünftige Position zurück.
Erste Empfehlung: Nimm dir mal Stift/Papier und ausreichend Zeit und schreib auf, was genau dir derzeit nicht gefällt. Dann geh Alternativen durch und vergleiche, ob dort wirklich alles rausfällt, was du aufgeschrieben hast. Mach dir außerdem Gedanken, was in anderen Tätigkeiten an negativen Punkten dazukommen könnte. Den Tagesablauf von Lehrern und Polizisten kann man soweit kennen.
Naheliegend ist eher, dass du in deinem Bereich bleibst, aber eine anderen Tätigkeit ausführst. Spontan wären vorstellbar:
1) Wechsel in ein kleines Unternehmen - z. B. ein Ingenieurbüro. Dort ist Teamarbeit entscheidend, du kannst oft raus zu Auftraggebern. Gehalt wird aber geringer sein bzw. nicht sukzessive steigen.
2) Wechsel in ein Unternehmen mit anderer Ausrichtung - z. B. Anlagenbau. Das bietet sich für Verfahrenstechnik/Energietechnik gerade an. Dann kannst du vor Ort planen, mit Kunden sprechen oder die Abnahme machen - auch teilweise im Ausland.
3) Wissenschaftlicher Mitarbeiter/Laboringenieur - Evtl. ist die Forschung was für dich. Weniger Stress, kaum Überstunden, geringere Konkurrenz. Einkommen wird geringer sein und meistens gibt es nur befristete Verträge.
4) FH-Professur anstreben - angenehmes Leben mit ordentlichem Einkommen und der Möglichkeit, nebenbei noch einiges zu machen. Man wird das aber nicht so einfach, und an den formalen Voraussetzungen muss man auch arbeiten: Praxiserfahrung von min. 5 Jahren und Promotion. Letztere kann man mit 3) kombinieren und über Lehraufträge herausfinden, ob der Beruf interessant ist.
5) Ingenieur im öffentlichen Dienst - auch die staatliche Verwaltung benötigt Ingenieure. Auch dort muss man fleißig arbeiten, aber es ist sicher etwas stressfreier als in der Industrie.
6) Wechsel in einen anderen Bereich - z. B. Technischer Redakteur oder Patentingenieur/-anwalt. Zum Großteil aber auch Bürotätigkeit, dafür mit der Möglichkeit der späteren Selbstständigkeit. Natürlich können Weiterbildungskosten entstehen, aber die sind überschaubar.
7) Der bereits genannte Lehrer an beruflichen Schulen - damit kenne ich mich aber nicht aus.


Antwort
Zitat
FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

zu 5) und 7) von PH könnte ich fragen beantworten, wenn welche da sind(auch allgemein zum öffentlichen Dienst)...


Antwort
Zitat
annobln
Beigetreten: 29.07.2007
Oldschool Grinder

Was mir noch eingefallen ist:

Gibt es die Möglichkeit in deinem Tätigkeitsbereich sich evtl. selbständig zu machen ? Muss ja nicht zwangsweise alleine sein. Ist nur so eine Idee.


Antwort
Zitat
PHCruiser
Beigetreten: 02.06.2006
Oldschool Grinder

Selbstständig und die "finanzielle Basis", die OP demnächst haben möchte, passen nicht zusammen. Zeit für die Familie hätte er dann auch kaum am Anfang.
Würde ich eher als eine mögliche Option später sehen, wenn er etwas gefunden hat, das ihn interessiert, er Erfahrung und ein Netzwerk hat.


Antwort
Zitat
masterblub
Beigetreten: 17.05.2007
PokerStrategist

Hey, da du ja mit dem Gedanken spielst auf Leharmt zu wechseln, wie währe es den wenn du evtl Berufsschullehrer, die werden ständig gesucht und da du noch relativ jung bist un ein abgeschloßenes Studium hast + Berufserfahrung sollte es kein großes Problem sein dich auf Berufsschullehramt umschulen zu lassen, müsstest dich halt nochmal informieren...


Antwort
Zitat
h1as
Beigetreten: 01.09.2007
Oldschool Grinder

In einem Großkonzern gibt es doch sicher einen internen Stellenpool, vielleicht findest du da etwas das dich mehr anspricht ? Es gibt überall Stellen wo man mehr oder weniger mit Leuten zu tun hat.

Einen kompletten Umstieg würde ich nicht wagen. Vor allem sollten dir mit deinen Spezialisierungen viele Türen offen stehen.


Antwort
Zitat
PabloForKoka
Beigetreten: 09.07.2007
PokerStrategist

In so einer Situation musst du einfach krass etwas aendern, ansonsten wirst du nie gluecklich. Das ist wie in einer Beziehung, wenn sie wirklich mal am Boden war und zu viel falsches mit dabei ist, dann wird das auch nicht wieder durch Bemuehungen, oder oder Mindset.

So wie es sich anhoert, wird sich deine Einstellung zu der Taetigkeit, zu den Kollegen, zum Unternehmen im Allgemeinen auch die naechsten Jahre nicht aendern, solltest du es weiter durchziehen.

Nun ist halt die Frage, inwieweit dich die finanzielle Sicherheit bindet und wie wichtig dir diese ist. So wie ich das rauslese, solltest du wohl mal Einsicht in andere Taetigkeiten in deinem Bereich kennenlernen. Andere Unternehmen, es gibt da immer große Unterschiede, aber natuerlich auch viele Parallelen.
Gerade diese haeufigen Besprechungen, mit dem Hin- und Herschieben von Aufgaben und Verantwortungen von einer Abteilung zur Anderen. Das ist denke ich haeufig so in groeßeren Unternehmen.
Vielleicht waere also ein kleinerer Betrieb eine Option. Das Klima ist dort meist ein komplett anderes und Teamfaehigkeit fuer viele kleinere Unternehmer wesentlich wichtiger, als alle Stellen einfach mit Top-Ausgebildeten Leuten zu besetzen, dies schon irgendwie machen werden.

Ich verstehe vor allem voll und ganz, dass du etwas komplett anderes machen moechtest nun, aber ohne ein konkretes Bauchgefuehl ist das auch bloed. Um zB ein langes Studium nochmal durchzuziehen, musst du es echt zu 100% wollen, und da hast du bisher ja noch nichts gefunden, wohinter du wirklich stehen wuerdest.


Antwort
Zitat
BloodCanHappen
Beigetreten: 29.11.2006
PokerStrategist

Wechsel erstmal das Unternehmen, mach nen Tapetenwechsel.

Wenn du dich anderswo bewirbst musst du halt klarstellen was du willst.


Antwort
Zitat
Battlecrab Themenstarter
Battlecrab
Beigetreten: 22.01.2005
Oldschool Grinder

Hi,
danke für die zahlreichen Antworten.

Ich versuche mal auf alles zu antworten:

@ FiftyBlume: Ja, Faktor 1,79375 X Anzahl Dienstjahre in Vollzeit. Die 3 Jahre der Ausbildung werden m.E. nicht mitgerechnet und bis 67 den Job zu machen ist zu optimistisch, die meisten gehen frühzeitig in Vorruhestand. Der Job kann ziemlich anstrengend sein. So kommt man dann nur noch auf ca. 50 % des letzten Gehaltes, was bei Späteinsteigern in der Regel wegen weniger Beförderungen und Steigerungen durch Dienstjahre deutlich niedriger als normal ausfallen wird, insofern ist die Rente sozusagen doppelt gekürzt. Zusätzlich weiteres Kürzungsrisiko durch Gesetzesänderungen bis zum Renteneintritt. Musst Du nicht noch von den 1,9k Kosten für eine 50% private KV abziehen ? Freie Heilfürsorge ist ja weitestgehend abgeschafft, gibt es glaube ich nur noch in wenigen Bundesländern. Wegen der Infos insbesondere zum Thema Berufsschullehrer komme ich auf jeden Fall auf dich zurück. Bist Du selber Berufsschullehrer ?

@ Dominik7: Denke auch eher in die Richtung, fühle mich nicht generell überanstrengt, aber durch die tägliche Unzufriedenheit geht’s mir auf jeden Fall auch nicht gerade blendend, das belastet halt..
Firmenwechsel habe ich in Betracht gezogen, aber wenn ich dann so nach 1-2 Jahren merke, dass ich nochmal neu anfangen will, wird es langsam zu spät…..
Selbstständigkeit habe ich in Betracht gezogen, wäre natürlich ein Traum (wenn es denn mal nach einer Zeit läuft). Verfüge aber z.Zt. nicht über die passende Idee und habe auch nicht das Wissen, womit man sich leichter selbstständig machen kann. Als IT-ler geht das z.B. schon eher. Mit meinem Spezialkrams kann ich in wenigen Bereichen was anfangen denke ich. Bin da auf jeden Fall sehr offen, aber will nichts über’s Knie brechen, sowas geht schief.

@ muehlenzwick: ich könnte auf jeden Fall auf ein paar Euro verzichten wenn ich dafür zufrieden bin, sonst würde ich das alles ja nicht in Betracht ziehen. Allerdings wüsste ich nicht genau, wie ich nochmal 4-5 Jahre ohne regelmäßiges Einkommen ein Studium durchziehen soll neben Freundin und evtl. Kind. Insofern ist mir die Bezahlung schon einigermaßen wichtig.

@PHCruiser: Sehr gute Idee (Stift und Papier). Das werde ich mal in Ruhe in Angriff nehmen, evtl. sehe ich die ganze Sache so mal etwas strukturierter.

@annobln: Siehe meine Antwort an Dominik. Ich mache wirklich total spezielles Zeugs, taugt nicht zur Selbstständigkeit. Höchstens als Berater, das geht ja immer irgendwie , aber da würde ich quasi den gleichen Kram weiter machen  echt öde, fällt also eher aus wenn nicht demnächst noch was spannendes passiert. Ich sehe auch das Problem wie PH Cruiser, es müsste schon von Anfang an gut anlaufen mit der Selbstständigkeit (davon auszugehen wäre eher zu optimistisch), ansonsten gibt’s Probs mit der Family. Selbstständigkeit (in einem anderen Bereich) ist auf jeden Fall extrem reizvoll, kommt aber dem kompletten Neuanfang mit noch höherem Risiko gleich.

@Maserblub: Ja, werde ich machen, die Idee ist auf jeden Fall auch in meinem Kopf. Denke dass der Bereich Lehre für mich erfüllend sein könnte, da ich immer sehr zufrieden war, wenn ich jemandem irgendwas erklären konnte oder weiterhelfen bei Problemen (z.B. im Studium, oder privat) und die Person danach total dankbar war. Daher kommen evtl. auch die Polizei + Arzt-Gedanken (was sinnvolles tun). Arzt fällt aber weg, ist von meinem Standpunkt aus ein zu langer Weg mit zu viel Entbehrung. Ich meine aber auch etwas von vielen angestellten Lehrern (gerade Quereinsteiger) gelesen zu haben mit richtig schlechtem Verdienst und hoher Unsicherheit (würde das so eher nicht wagen), aber die Situation für mich muss ich noch genauer in Erfahrung bringen.

@h1as: Ja den Stellenpool gibt es. Bisher war nichts dabei für mich. Insgesamt nervt mich diese ganze Konzernstruktur und die ganze scheinheilige Philosophie (die Unternehmenswerte werden schön auf buntem Papier gedruckt: Offenheit, Vertrauen, Teamgeist etc., aber in Wahrheit werden damit nur Bewerber gelockt und das meiste finde ich nicht wieder) aber sehr, so dass ich eher froh wäre weg zu sein glaube ich. Falls aberwas passendes für mich im Stellenmarkt ist, würde ich mich jetzt sofort bewerben, um überhaupt erstmal irgendeine Veränderung zu erreichen. Da bleibe ich weiter nebenher dran.

@PabloforKoka: Ja, ich muss def. etwas ändern, das merke ich ganz deutlich. Ich glaube irgendwann, wenn man nur lange genug weitermacht, kommt man auch mit dieser unzufriedenen Situation klar, prinzipiell kann ich ja auch froh sein, dass es mir ganz gut geht. Aber dann ist man gewissermaßen gebrochen und wirft seine Ansprüche (Zufriedenheit / Erfüllung) komplett über Bord und das kann es nicht sein für den Rest des Lebens. Die finanzielle Sicherheit bindet mich zugegebenermaßen mehr als mir lieb ist (eigentlich sollte man ja auf das Geld pfeifen, es gibt wichtigeres). Da ich eine lange Zeit ohne Knete hinter mir habe (Abi über den zweiten Bildungsweg, das Studium), so war ich jetzt aber recht froh aus dieser Situation raus zu sein. Dass ich jetzt zufriedener bin, wage ich aber zu bezweifeln. Leider hängt am Familienthema eben auch das liebe Geld… Speziell über kleinere Firmen habe ich auch nachgedacht, aber ich habe die Befürchtung, dass ich diesen spannenden Büroalltag generell in diesen Wi-Ing-Tätigkeiten wiederfinde, ich muss irgendwie Abwechslung reinbringen und mehr mit Menschen zu tun haben. Berater oder Vertriebler sein ist aber def. nicht mein Fall, zu regelmäßigen 12h+ Tagen wäre ich höchstens als Selbstständiger motiviert.


Antwort
Zitat
FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

Ich verzichte mal aufs quoten...

Allgemein für den öffentlichen Dienst(bzw. Staatsdienst, weil Beamter):

du wirst denke ich noch gut 30 Jahre ansammeln könnten(Ausbildung wird zumindest anteilig hinzugezählt).

Somit würdest du im worst-case immernoch bei 55-60% liegen.

Du landest am Ende vermutlich bei A12 und wohl auch in der letzten "Erfahrungsstufe".

A12 Endbesoldung: ~4000 Euro/2,8k netto

Worst Case Pension bei dir:
~2200 Euro
nach Steuern und Krankenversicherung sind das immernoch ~1,8k netto :-)

Das ist ja noch relativ viel(zum Vergleich maximale Pension ist "nur" 400 Euro höher...netto).

Von Kürzungen ist eher weniger auszugehen(bzw. damit muss man überall rechnen).

Ich bin übrigens kein Berufsschullehrer, aber ich mach ein duales Studium(technischer Bereich) beim Staat....und der Wechsel auf Lehramt wäre hinterher ne Option, die mich reizen würde. :-)


Antwort
Zitat
BloodCanHappen
Beigetreten: 29.11.2006
PokerStrategist

Also das höchste der Gefühle wären 4000€/Monat brutto?
Ich weiß da kommen noch gute Sozialleistungen hinzu, aber das ist ja extrem wenig.


Antwort
Zitat
FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

Original von BloodCanHappen
Also das höchste der Gefühle wären 4000€/Monat brutto?
Ich weiß da kommen noch gute Sozialleistungen hinzu, aber das ist ja extrem wenig.

Dir ist bewusst, dass das man als Beamter ein anderes Nettogehalt bekommt?

Plus die wesentlich höhere Absicherung:
-gute Absicherung bei Dienstunfähigkeit
-gute Absicherung im Alter

Dazu kommen noch:
Familienzuschläge(Frau+Kinder)

Weiterhin hat man viele Möglichkeiten, die es in der Wirtschaft nicht gibt(z.B. Beurlaubung, Sonderurlaub, etc.).

Allerdings kommt es natürlich stark auf die Gegend an, in der man eingesetzt ist - im ländlichen Bereich ist das Gehalt wesentlich höher einzuschätzen als in München oder Hamburg^^


Antwort
Zitat
flashfy
Beigetreten: 25.03.2006
PokerStrategist

.


Antwort
Zitat
Teilen: