Hallo Leute,
folgende verzwickte Situation. Habe das Job/Studium-Forum hier öfter verfolgt und es waren m.E. öfter gute Gedankenanstöße für die OPs dabei. Meine Gedanken drehen sich langsam im Kreis und ich habe mir gedacht evtl. gibt es ja auch für mich neue Impulse, wenn ich hier mal poste.
Meine Eckdaten:
30 Jahre
Dipl. WiIng Maschbau ( Spez. Verfahrenstechnik / Energietechnik)
Abschluss ganz ok, aber nicht herausragend (1,9)
Bin in einem Konzern angestellt. Nach einem Praktikum habe ich dort eine Trainee-Stelle bekommen und ein paar Monate später ein Jobangebot. Die Stelle sagte mir schon damals nicht im Hinblick auf „das will ich mein Leben lang machen“ zu, aber das Gehalt war top und ich dachte mir: Junge nutz die Chance, falls es nichts ist, kannst Du dich ja weiter nach Stellen umschauen aber hast erstmal ein bischen Ruhe. Jo, nun bin ich unbefristet angestellt verdiene überdurchschnittlich, kann trotzdem jede Überstunde abbummeln (falls mal irgendwann Zeit dafür sein sollte) und brauche mir im Prinzip keine Sorgen machen.
Problem: Der Kram macht null Komma null Spass. Eigentlich nicht nur Null, sondern schlimmer, ich hasse es jeden Morgen zur Arbeit zu gehen. Freue mich nur noch auf WE, Urlaub und mein Gehalt am Ende des Monats. Der Druck ist über die hohe Verantwortung auch täglich spürbar und mich persönlich schlauchen regelmäßige 50h/Woche im Büro sehr, anders sähe es sicher bei mehr Abwechslung aus. Gehe jeden Abend mit Kopfschmerzen nach Hause und zähle die Tage bis zum WE. Andere evtl. interessante Stellen intern sind im Moment nicht in Sicht. Ich muss da weg…
Arbeit:
Mega-Langweilig: Muss einen Prozess optimieren mit einem Kollegen bei dem es um viel Kohle geht, viel der Arbeit besteht aber leider auch operativ aus Datenplausibilisierung in Massen -> Schrott, bringt mich null weiter und ist stumpf. Trotzdem muss es gemacht werden und nebenbei soll eben der Prozess auf die Beine gebracht werden, alles weniger mein Ding als ich dachte. Es ödet mich alles so an..;-(
Arbeitsatmosphäre: Leute bunkern ihr Wissen, um sich unentbehrlich zu machen. Die wenigsten sind teamfähig oder ziehen an einem Strang. Richtig schön ineffizient und anonym, ich frag mich wie Konzerne effizient arbeiten können, falls das überall so läuft. Ich persönlich bin sogar noch jemand der rel. gut klarkommt mit den meisten, auf Dauer ist das aber zu anstrengend. Die meisten Leute sind m.E. total gleichgeschaltet dort….
Besprechungskultur: Haufenweise sinnlose Besprechungen die wirklich nichts neues hervorbringen sondern nur dazu dienen Arbeit zwischen Abteilungen hin- und her zu schieben.
Insgesamt glaube ich, dass ein Konzern absolut nicht für mich ist, bin mehr Pragmatiker und das kann man da vergessen. Ein langer Atem und eine gewisse A.-Loch-Mentalität sind eher wichtig…. Leider habe ich generell festgestellt, dass so ein reiner Bürojob mich langfristig eher kaputt macht. Ich muss ab und zu mal „raus“ und mehr mit verschiedenen Leuten zu tun haben. Sowas habe ich im Studium oder bei Jobs/Praktikum leider nicht festgestellt, da die Zeiträume immer definiert und kürzer waren, irgendwie war immer Abwechslung drin im Studium. Habe einfach erstmal studiert was mir lag und mir keine großen Gedanken über später gemacht. Jetzt habe ich den Salat und denke ernsthaft wieder darüber nach alles hinzuschmeißen und was ganz anderes praktischeres oder soziales zu machen. Es darf auf lange Sichteinfach kein 10h Bürojob sein. Oder ein Team muss so harmonieren, dass die Arbeit trotzdem irgendwie Spass macht. Gibt’s sowas überhaupt ?
Habe mich schon viel umgehört nach Alternativen und mein Hauptproblem ist, dass ein kompletter Neuanfang ein finanzielles Desaster wäre. Ich bin auf jeden Fall jemand der demnächst Familie haben möchte und eine gewisse finanzielle Basis sollte da schon vorhanden sein. Bin halt auch schon ein paar Tage älter, mit Mitte Zwanzig hätte ich mir keinen Kopf gemacht, aber so mache ich mir schon Gedanken, ob es richtig ist alles hinzuwerfen. Ein Gedanke war Lehramt: Mathe/Sport oder Wirtschaft/Sport -> Dauert nochmal richtig lange, mit groß Scheine anerkennen ist da nix, dann Referendariat + unsichere Verbeamtung. Medizin-Studium: Finanziell ebenfalls schwer stemmbar. Alles mit langem erneutem Studium fällt irgendwie weg. Habe ernsthaft nachgedacht, ob Polizist nichts für mich wäre. Mit der richtigen Einstellung kann man etwas sinnvolles tun, hat mit Menschen zu tun und kommt auch viel raus. Die Kollegialität ist dort teilweise sehr gut (Bericht aus Freundeskreis). Gleiches Problem: Mini-Verdienst in den nächsten Jahren und ich werde, auch wenn ich befördert werde (Beförderungssituation ist sehr schlecht), erst kurz vor der Rente das verdienen was ich jetzt schon kriege. Die Rente wird ebenfalls super klein werden, weil die nach Dienstjahren beziffert wird und da fehlt mir schon ein Viertel….Zusätzlich ist man schon teilweise erhöhten Gefahren ausgesetzt, was auch nicht unbedingt sein muss...
Zusätzlich bleibt das Risiko, dass man alles hinwirft, aber im neuen Job trotzdem nicht wirklich glücklich wird. Dann hat man sich nur ein Problem mehr angeschafft….
Zur Zeit bin ich echt planlos was ich tun soll und die Zeit tickt einfach….. Mein Hauptproblem ist einfach, dass ich nicht weiß, was zu mir passt bzw. was ich will. Keine Entscheidung scheint richtig zu sein. Habe auf jeden Fall zur Zeit jegliche Motivation an einer klassischen Karriere in einem Unternehmen verloren, weiß aber nicht ob ich wirklich alles wegwerfen sollte...wer weiß ob es besser dadurch wird. Vor allem die Familienplanung steht dem ganzen entgegen. Mich würde mal interessieren, ob es hier Leute gibt, die ähnliches durchlebt haben und bei welchem Job ihr letztendlich glücklich geworden seid. Die meisten machen sicher irgendwas IT-lastiges (mal die PokerPros unter euch ausgeklammert)?
Denke das ist erstmal genug für den Anfang (viel zu lang), sorry für eventuelle Tippfehler, hab einfach drauf los geschrieben.... ich hoffe ihr könnt euch ca. ein Bild machen von meiner Verplantheit….Bin für jede Anregung dankbar.
Greetz