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Doktorandentreff

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sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Nachdem ich gerade das Gefühl habe, dass hier so einige Promovierende (schön gendergerecht, wie sich das gehört!) tummeln, und vielleicht auch der ein oder andere mit dem Gedanken spielt, hier mal ein Thread für den allgemeinen Austausch.

Hier kann man über Betreuer (und zu betreuende Studenten ;)) schimpfen, den Verfall des Wissenschaftsstandards beweinen, über zu wenig Budget jammern, oder auch einfach nur plaudern.

Ich mach einfach mal den Anfang mit der fundamentalen Frage: Warum entscheidet man sich zu diesem Weg? Bei mir war ein wichtiger Grund die doch relativ große Freiheit, die man hat, einfach auch eigene Ideen verfolgen zu können. (Man könnte das auch umformulieren mit "Uni macht Spaß, kein Bock auf Wirtschaft" ;)) Gleichzeitig aber auch der Ehrgeiz, sich auch weiter in der Wissenschaft zu behaupten, es ist halt doch ein Unterschied, ob die Arbeit "nur" am eigenen Institut bewertet wird, oder man plötzlich auch von anderen Gruppen weltweit wahrgenommen werden will.

Was mich weiter interessieren würde: Wie sieht euer Alltag aus? Ich bin Physiker, da ist das klassische Modell, dass man an einem Lehrstuhl angestellt ist (für gewöhnlich ne halbe Stelle, während man voll arbeitet) und dort eben für seine Arbeit forscht. Ich kenne einzelne Ingenieure (da scheint es eher ne volle Stelle zu sein, allerdings die Arbeit auch deutlich praxisbezogener, so dass man dem Lehrstuhl auch gern mal direkt Geld einbringt) oder Geisteswissenschaftler (keine Kohle, Promotion läuft da neben ner "richtigen" Arbeit). Allerdings weiß ich nicht, ob das jetzt wirklich typisch ist. Darum: Wie siehts bei euch aus?


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37 Antworten
ScaAra
Beigetreten: 19.02.2009

Hey, bin selber zwar nicht an der Uni geblieben kenne aber einige Leute die dort geblieben sind. Wollte auch nur eben die Sache mit den Geisteswissenschaftlern kommentieren, denn die, die ich da kenne haben häufig eine volle Stelle während man (bestenfalls) halb arbeitet/anwesend ist.

Die Antwort auf deine fundamentale Frage ist - bezogen auf die Leute - damit vermutlich offensichtlich :coolface:


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Paddysrest
Beigetreten: 21.09.2009

Hab seit diesem Monat eine PhD Stelle im Bereich Geoinformatik. 65% Stelle. Wäre eigentlich 75% gewesen aber hab mich runterstufen lassen, da ich sonst mich nicht mehr immatrikulieren kann und die studentischen Vorteile mit mehr bringen als die zusätzlichen 10% mehr Lohn (fahre viel Bahn die ich dann frei hab hier in Thüringen).

Hab genau meine Sparte gefunden, einen aufstrebenden, neuen und jungen Prof (40 Jahre) und bin auch (weil ich das wollte) in der Lehre mit eingebunden. Freu mich so, endlich mal das anzuwenden was ich bisher gelernt hab und auch weitergeben zu können.

Klar, im Nawi-Bereich gibts mehr Drittmittel und mehr bezahlte Stellen. Meine Bezahlung ist auch schon super, meist gibts nur 50-60%. Aber auch das ändert sich hier eher in Richtung 60%.
Da ich der 2. PhD Student des Profs bin ist die Betreuung auch super und wir dutzen uns auch. :)

Freu mich richtig, endlich meine Ideen und Sachen in die Welt zu bringen (egal ob Blog-Posts von Github Repos oder richtige Paper).

Was ich richtig schätze ist die Freiheit beim Arbeiten - keine wirklichen Präsenzzeiten und Abgabetermine mehr wie im Master oder generell anderen Jobs. Und alle x Monate mal den Leuten stolz zu präsentieren was man so gemacht hat. Wissenschaft ist schon cool! Und klar, aufs Geld darfst halt nicht schauen. In der Wirtschaft würd ich ca. das 2,5 -Fache bekommen :rolleyes:.


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sarc Themenstarter
sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Man steigt mit nem Geoinformatik Master mit > 65k ein? Krass.

Junge Profs sind für Betreuung schon praktisch (wobeis auch "zu viel Betreuung" werden kann ;)). Hat aber auch Nachteile... Wie siehts mit Budget aus? Konferenzen sind ja auch nicht ganz billig...

Wie ist das eigentlich bei euch, hab von Informatikern gehört, dass da Artikel in Journals eher die Ausnahmen sind, weil alles so schnelllebig ist, dass es eher über Konferenzen (und entsprechend Beiträge in den Proceedings) läuft. Ist das bei den Geoinformatikern ähnlich?


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Twirex
Beigetreten: 29.08.2006

Bei uns in Jura ist es auch eher üblich dass man min. 1/2 Stelle hat und je nach Prof. sehr viel bis überhaupt nichts tun muss, wobei Ersteres die große Ausnahme ist. 1-2x die Woche eine Arbeitsgemeinschaft halten, ab und an mal Klausuren korrigieren/erstellen und das wars oft schon.


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Paddysrest
Beigetreten: 21.09.2009

Original von sarc
Man steigt mit nem Geoinformatik Master mit > 65k ein? Krass.

Junge Profs sind für Betreuung schon praktisch (wobeis auch "zu viel Betreuung" werden kann ;)). Hat aber auch Nachteile... Wie siehts mit Budget aus? Konferenzen sind ja auch nicht ganz billig...

Wie ist das eigentlich bei euch, hab von Informatikern gehört, dass da Artikel in Journals eher die Ausnahmen sind, weil alles so schnelllebig ist, dass es eher über Konferenzen (und entsprechend Beiträge in den Proceedings) läuft. Ist das bei den Geoinformatikern ähnlich?

Gehalt:
Kommt klar auf deine Skills + References + Firma an. Aber alles was sich um räumliche Analysen dreht boomt halt gerade. Solltest aber natürlich schon gut coding skills dann haben. So im Schnitt vielleicht auch eher 1.5 - 2x. Kann aber von eigenen Anfragen und Kollegen diese Zahlen fundieren.

Budget:
Läuft ja alles übers Drittmittel Projekt. Das ist ja je nach Projekt anders. Oder wie meinst du da den Bezug zum jungen Prof?

Artikel:
Wir machen ja angewandte Informatik, sprich orientiert auf Lösung von Umweltproblemen. Dementsprechend auch publizieren in Fachjournals wo es eher um die Methodik bzw. das große Ganze geht als darum, wie Effizient die Methodik jetzt ist. Effizient Entwicklung und Tools macht man eher im Hintergrund/Freizeit zur eigenen Vergnügung. Viele auch gar nicht, die sind halt eher "Anwender" als "Informatiker". Hast halt immer von beiden Parteien Leute im Lehrstuhl.


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sarc Themenstarter
sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Läuft ja alles übers Drittmittel Projekt. Das ist ja je nach Projekt anders. Oder wie meinst du da den Bezug zum jungen Prof?

Allgemein das Problem, dass sich ein junger Prof meistens noch etwas schwerer tut, Geld an Land zu ziehen. Weiß nicht wies bei euch ist, aber ich kannte das aus "ärmeren" Gruppen dann so, dass im Zweifel eher an unnötigen Sachen gespart wird (und als unnötig wird dann halt auch mal gern gesehen, dass der Student zu Konferenzen fährt).


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Paddysrest
Beigetreten: 21.09.2009

Original von sarc

Läuft ja alles übers Drittmittel Projekt. Das ist ja je nach Projekt anders. Oder wie meinst du da den Bezug zum jungen Prof?

Allgemein das Problem, dass sich ein junger Prof meistens noch etwas schwerer tut, Geld an Land zu ziehen. Weiß nicht wies bei euch ist, aber ich kannte das aus "ärmeren" Gruppen dann so, dass im Zweifel eher an unnötigen Sachen gespart wird (und als unnötig wird dann halt auch mal gern gesehen, dass der Student zu Konferenzen fährt).

Ja klar, er tut sich gerade bissl schwer. Der vorherige Prof konnte sich vor Projekten kaum retten. Den W3 Status der Professur hat er aber behalten dürfen. Mit der Expertise etc. denke ich, dass er da bald ins Rollen kommt was Projekte angeht. Mal schauen.
Auf dem Projekt ist keine weitere Anstellung geplant und ich kann das ganze Budget nutzen. Gelder für Hiwis sind zwar auch vorgesehen, aber da muss man eben erst immer sehen, wie und ob man die sinnvoll einsetzen kann.
Der Prof wird auch noch über eine externe Stiftung 3 Jahre lang finanziert um den Lehrstuhl aufzubauen, davon profitiere ich auch finanziell.


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Krach-Bumm-Ente
Beigetreten: 01.05.2006

Die DSHS in Koeln wuerde mich gerne als Doktorand haben, ich habe schon eine Doktormutter und einen Plan fuer die Promotion. Allerdings fehlt es an den finanziellen Mitteln seitens der Uni - kennt ihr Stipendien und andere Foerdermoeglichkeiten, die ich in dem Fall nutzen koennte?


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str1fenhoernchen
Beigetreten: 23.10.2010

Hier Ingenieur. Typisch ist bei uns die volle Stelle. Die Finanzierung ist dabei über die volle Zeit garantiert, unabhängig von der Projektlage. Mein Institut steht finanziell recht gut da, da wir viele Drittmittel über Beratungsprojekte generieren.


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sarc Themenstarter
sarc
Beigetreten: 06.06.2008

@KBE: Hast du mit der Doktormutter schon mal gesprochen, ob die nen Vorschlag hätte?


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Guuruu
Beigetreten: 02.08.2006

Bin auch mal in als PostDoc an der Uni. Vielleicht ergibt sich hier ja was.


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sarc Themenstarter
sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Welcher Bereich? Planst du dann auch zu habilitieren oder "einfach nur so"?


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Guuruu
Beigetreten: 02.08.2006

Original von sarc
Welcher Bereich? Planst du dann auch zu habilitieren oder "einfach nur so"?

Bereich: Naturwissenschaften, Grundlagenforschung, medizinische Krankheitsbilder

Ich habe eigentlich geplant zu habilitieren und jetzt nach 2 Jahren in dem System überlege ich stark, auzutreten, obwohl ich mich gerade weltweit (möchte aber eher in Europa bleiben) auf Stellen in der Akademie bewerbe. We will see :), unentschlossen entschlossen halt.

Die Idee mit dem Doktorandentreff finde ich richtig gut, weil es einfach ein komplett anderer Lebensweg ist und man im Austausch doch viele Frustphasen einfacher übersteht. Es gibt übrigens noch ein Forum dafür, was mir sehr geholfen hat --> http://doktorandenforum.de/


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Guuruu
Beigetreten: 02.08.2006

Ach, bevor ich es vergesse!

An alle Doktoranden! Wenn ihr eure Arbeit fertig macht, dann versucht diese mit ISBN zu veröffentlichen. Ich habe das mittels selbstverlag (epubli) gemacht und dort direkt drucken lassen (Qualität und Preis waren besser als bei unserer Druckerei). Vorteil ist nämlich, dass ihr die ISBN bei der VG Wort melden könnt und euch damit als Buchautor evtl. für ein Autorenhonorar qualifiziert. Bei mir waren es ca. 1k Euro, was ich da bekommen habe. Und das für quasi keine Mehrarbeit in Relation.


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sarc Themenstarter
sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Naja, Mehraufwand ist halt, dass man dann x Exemplare drucken lassen muss... ;) Aber stimmt schon, die VG Wort ist bei online publizierten Sachen eher rückständig, ums mal vorsichtig auszudrücken. Von daher sehr guter Tipp, das hab ich leider auch erst hinterher gemerkt... :(

A propos VG Wort: Afaik kann man da auch Zeitschriftenartikel einreichen, wobeis egal sein sollte, in welchem Land die Zeitschrift verlegt wird, solang die in deutschen Bibliotheken rumsteht, richtig? Wie ist das bei Zeitschriften, die zusätzlich online zugänglich sind, macht das Probleme? (Für reine online-Journale wirds wieder das typische "in Arsch gekniffen, gibt vielleicht n paar Euro" sein...)

Ich habe eigentlich geplant zu habilitieren und jetzt nach 2 Jahren in dem System überlege ich stark, auzutreten,

Den Part kann ich durchaus nachvollziehen, das System macht halt irgendwie gar nicht mal so viel Spaß...


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Guuruu
Beigetreten: 02.08.2006

Original von sarc
A propos VG Wort: Afaik kann man da auch Zeitschriftenartikel einreichen, wobeis egal sein sollte, in welchem Land die Zeitschrift verlegt wird, solang die in deutschen Bibliotheken rumsteht, richtig? Wie ist das bei Zeitschriften, die zusätzlich online zugänglich sind, macht das Probleme? (Für reine online-Journale wirds wieder das typische "in Arsch gekniffen, gibt vielleicht n paar Euro" sein...)

Ja, das geht. Hauptsache ist, dass es auch eine Printversion gibt (egal wo der Sitz weltweit ist). Die muss nicht einmal in deutschen Bibliotheken rumstehen afaik, sondern durch die Printausgabe die Möglichkeit geschaffen werden, diese zu beziehen. Viel kommt da nicht rum, aber so nen Erdnussbuttertopf + Löffel für Badugi cracks gibt es schon :coolface:


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trunxX
Beigetreten: 11.04.2009

Gibt es hier Promovierende im Bereich der BWL?
Habe kurz vor Master-Abschluss ein Angebot bekommen, bin aber unschlüssig.
Bin beim Abschluss 26 und weiß nicht, wie es nach der Promotion weiter gehen würde. Die Promotion an sich würde mir relativ sicher ziemlich viel Spaß machen, aber zum einen weiß ich nicht, wie groß die Chancen sind, danach zu habilitieren. Zum anderen könnte es sein, dass ich mir durch die fehlende Berufserfahrung selbst einen Stein in den Weg lege, wenn ich mit ~31 als Dr. in die Wirtschaft gehen wollen würde.

Also falls jmd Infos/Ratschläge in die Richtung hat, wäre ich sehr dankbar.


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extrapartner
Beigetreten: 26.09.2007

Würde die Chance nutzen. Hast den Fachbereich nicht dazu geschrieben, aber vielleicht kannst du nebenbei bei einigen Start-ups/Ausgründungen mit machen, dass schafft auch Erfahrung. Wegen dem Alter allein würde ich mich nicht sorgen.


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sarc Themenstarter
sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Was für ne Stelle ist dir denn angeboten worden? Ich persönlich bin eigentlich immer der Meinung, dass man das machen soll, wo man Bock hat, egal ob das jetzt das Optimum für den Lebenslauf ist oder nicht.

Ohne mich in deinem Fachbereich auszukennen würde ich aber nicht empfehlen, dann direkt auf die Habilitation zu bauen. Wenn das dein einziger Grund wäre, um den Dr. zu machen, würd ichs sein lassen. Zumindest bei uns sind Habilitanden doch sehr sehr sehr viel seltener als Doktoranden.


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