Hi,
ich habe deinen Startpost schon gestern gelesen und lange überlegt ob ich was dazu schreiben soll. Ich habe mehrjährige Führungserfahrung und dazu im Studium Organisation und Personalmanagement intensiv durchgenommen (nur zur Info, dass ich aus einem gewissen Wissens- und Erfahrungsvorrat schreibe). Gestern Abend hatte ich wenig Zeit um mal was auszuformulieren und heute habe ich ein paar Antworten gelesen und dachte mir das es doch nicht verkehrt sein kann ein paar Worte zu schreiben. Du wirst hier irgendwie extrem hochgelobt für dein Verhalten und betrauert für die Situation in die du reingekommen bist, aber ich sehe das ziemlich anders.
Also ich denke Du bist an der Misere selber ordentlich schuld und hast nun nur die Möglichkeit zu qiotten und dir einzugestehen, dass Du es selber verbockt hast abver nicht das Rückgrad hast um dazu zu stehen oder deine Fehler auszubügeln und dich durchzubeißen.
"Für einen eigentlich harmlosen Spruch..." schreibst Du, ich finde den ehrlichgesagt Frauenverachtend und kein Stück machohaft (wie hier einige dir zujubeln). Ehr extrem pubertär. Gerade wenn Du relativ neu dabei bist hast du a) keinen Anstand (im Berufsumfeld) oder versuchst dich kein Stück zu integrieren sondern ziehst eine arrogante möchtegern-macho Nummer ab.
"[...]Abwehrreaktionen der Mitarbeiter sehr stark. Das ging sogar soweit, dass ich für einen eigentlich harmlosen Spruch [...] abgemahnt wurde." --> Das eine hat eigentlich nichts mit dem anderen zu tun. Ich finde es zum einen richtig jemanden für solche Sprüche abzumahnen, dazu sagtest Du selber das es den Regeln entspricht, und des weiteren hat das einfach nichts mit Abwehrreaktion zu tun. Zeugt wieder von einer sehr komischen Selbstmeinung und fehlender Selbstreflektion.
Gerade wo Du dafür zuständig bist, dass alle Regeln etc. eingehalten werden, machst Du dich damit zur Lachnummer. Wie soll ein Mitarbeiter Regeln einhalten, wenn der dafür zuständige schon früh anfängt selber diese zu überschreiten? Damit bringst Du die fehlende Autorität, die schon mehrfach angesprochen wurde, einfach zum Überlaufen.
Wo wir gerade bei Autorität sind. Ich kann deine Ausführung nicht nachvollziehen. Du schreibst Du bist weisungsbefugt. Du schreibst auch, du hast eine Stabsstelle und deine MA haben den selben Vorgesetzten wie Du. Das "Problem" ist nur, dass eine Stabsstelle schon per Definition keine disziplinarische Befugnis besitzt. Sonst wären "deine" Mitarbeiter auch nicht die direkten deines Vorgesetzten. Ausnahme bildet eine Stabs-Projektorganisation, eine Form der Matrixorganisation. Aber hier wäre deren (zusätzlicher) Vorgesetzter nicht deiner. Also, ziemlicher quatsch was Du da schreibst. Hört sich für mich ehr an, als ob Du auf Grund einer "großzügig" beschriebenen Tätigkeitsbeschreibung mehr "Rechte" hereininterpretierst als Du eigentlich hast und gerne Führungskraft wärst. Ist das evtl. zu schwammig definiert? Dann ist es kein Wunder, dass Du keine Autorität hast. Wie soll ein Mitarbeiter jemanden "folgen", wenn er nicht weiß das er diesem zu folgen hat. Aber deshalb ist es ja eine Stabsstelle.
(Normal wäre es dann so, dass Du Maßnahmen vorschlägst und evtl. durchführst, die Weisungen aber vom Vorgesetzten an die Mitarbeiter gehen).
Durch deine fehlende Führungskompetenz machst Du es dir natürlich nicht gerade leichter:
- Pubertäres Verhalten
- Aus deinen Zeilen lässt sich wie beschrieben herauslesen, dass Du dich wenig anpasst an das Betriebsklima
- Fehlende Autorität ist ein Thema für deinen Chef
- Anscheinend unklare Definition deiner Stelle gegenüber dem Mitarbeitern und unklare Weisungsbefugnis sollte dir mit einigermaßen zufriedenstellender Führungskompetenz selber auffallen und direkt ein Gang zum Chef sein
- Du schreibst lieber Mitarbeiter an als es mit ihnen zu besprechen. Eine gute Führungskraft kennt den Wert eines persönlichen Gespräches in solchen Situationen und weiß, dass man sich per Mail nur weiter vom Mitarbeiter distanziert
- Lese keinerlei Selbstreflektion bei dir, nur ein sprunghaftes Verhalten (quitten oder weiter (ich interpretiere es als: planlos) versuchen was zu ändern). Aber keinerlei Worte was Du falsch gemacht haben könntest und ändern solltest
- Keinerlei Worte über eine Entschuldigung an die Mitarbeiterin (bewirkt Wunder, aber dafür ist Selbstreflektion von Nöten)
Dazu noch ein paar andere Dinge: Die offizielle Arbeitszeit beträgt 8,4 h, 6,5 h produktive Zeit. Was erwartest Du? Ich möchte mal sehen wie Du 5 Tage die Woche 8,4 h Hochleistung bringst. Ein gewisser Austausch untereinander, unproduktive Phasen gehören einfach dazu. Ich hätte es jetzt auf 7 h veranschlagt, aber 6,5 ist auch ok. Möcht mal eine Firma sehen wo über 8 h jeden Tag auf Dauer produktiv gearbeitet wird vom MA. Ist einfach unmöglich auf Dauer, nur bei vielen gibt es keine offizielle "erwartete produktive Arbeitszeit." Wenn dich das erschreckt, dass 1,5 - 2 h am Tag unproduktiv von statten geht rate ich dir: quitten und dir was ganz anderes suchen.
Achja und noch was: Du benutzt so auffallend das Wort "Mitarbeiter kontrollieren". Zwischen den Zeilen gelesen interpretiere ich es, als ob das für dich ein "auf die Finger schauen, reines Leistungsbenchmarking, Mitarbeiter unter Druck setzen" ist. Ist dem so, bist Du als (anscheinend werden wollende) Führungskraft ungeeignet. Es gibt da verschiedene Möglichkeiten der Kontrolle und Produktivitätssteigerung über die verschiedenen und individuell eingesetzten Führungsstile. Vielleicht solltest Du dich mit diesem Thema mal befassen. Und dabei wirst Du wieder feststellen, dass laufend und extrem viele Gespräche mit gegenseitigen(!!!) Vereinbarungen viel mehr Wirkung erzeugt wie Druck ausüben über ein klassisches Benchmarking. Dein Chef scheint das ja zu verstehen (er hat euch ja zum klärenden Gespräch geladen). Und wenn ich sowas lese wie "Bevor ich dies tun konnte, hat uns mein Vorgesetzter in ein Gespräch gerufen und es wurde wieder mal nur geredet... Keinerlei Verwarnungen oder ähnliches obwohl das Verhalten der Mitarbeiter katastrophal ist", dann wird mir wirklich übel. Jemand der (sich zumindest) Weisungsbefugnis (erhofft) sollte nicht so denken. Unter jemanden der so denkt möchte ich nicht arbeiten.
Was ich dazu noch sehr interessant finde: Du schreibst Die ganze Zeit was Du für Fehltritte gemacht hast, nennst aber das Verhalten der Mitarbeiter katastrophal ohne auch nur einmal ein konkretes Fehlverhalten genannt zu haben.
Also alles sehr komisch was Du schreibst.
Zusammengefasst: Aus den paar Zeilen lese ich jede Menge "Fehler" deinerseits. Du solltest dir ganz klar werden was Du willst und was deine Stelle dir für Befugnisse gibt und an dich Anforderung stellt. Passt das überein, dann mach weiter. Passt das nicht oder Du stellst fest, dass Du etwas willst wofür Du nicht so weit bist: Sprich mit deinem Chef wie er dich unterstützen kann und will oder quitte.
--> Ich gehe hierbei nur auf deinen Anfangspost ein und das was ich aus den paar Zeilen lese. Es sind also Interpretationen und Vermutungen, die auf wenige Informationen beruhen. Es kann natürlich sein, dass es sich anders verhält, dass musst Du aber selber wissen (und ist kein Grund sich dahinter zu verstecken und sich das schön zu reden), denn es geht nicht aus deinem Post hervor!