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[Geschlossen] Auf ein Neues - "from the scratch" xD

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Neuer Blog – Neue Challenge
Irgendwie fehlt mir das "Bloggen" schon. Poker ist sehr einsam, und man kann sich niemandem mitteilen, wenn man nicht gerade andere Spieler im Discord "belästigt". Poker-Cash-Game-Streams mit aktivem Chat werden auch immer weniger. Gefühlt ist im Cash-Game-Bereich im Internet derzeit tote Hose.
Noch dazu habe ich so die Chance, den ein oder anderen Dollar von PokerStrategy zu kassieren. Also, let's go! ?

BR-Challenge
Start: 359 $
Ziel: 2000 $
Anzahl Hände Ziel für 2025: 300.000
Gespielt wird ein Mix aus Fast-Fold- und regulären Tischen, je nachdem, wie es zeitlich passt. Bevorzugt werden allerdings reguläre Tische.

Zu mir
Wer den alten Blog verfolgt hat, weiß, dass ich im Upswing war und ordentlich hochgelaufen bin. Der letzte Stand war, dass ich im Dezember NL200 shotten wollte, sofern es im November nicht bergab geht. Natürlich ging es im November bergab.
Daraufhin habe ich unprofessionell reagiert und ausgecasht – Gewinne gesichert, könnte man sagen. Jetzt bin ich wieder am Regrind.
Rückblickend war das Pokerjahr 2024 trotzdem ein voller Erfolg. Im April 2022 habe ich meinen ersten Blog gestartet. Damals habe ich nicht einmal NL10 geschlagen. All die Jahre zuvor habe ich immer nur phasenweise gepokert, praktisch nur Buttons geklickt, und bin nie über NL5 hinausgekommen.
2024 konnte ich sogar Gewinne auscashen. Ich habe etwas mehr als 200.000 Hände gespielt mit einer Winrate von rund 1 bb/100 im Schnitt (vor Rakeback und Boni).

Was kann ich 2025 besser machen?
Ein Zitat eines Freundes hat mich geprägt:

"Mal 2000 runtergehen, ist nichts Besonderes."
Genau das habe ich noch nicht verinnerlicht. Wenn ich 10 Buy-Ins droppe, werde ich sehr frustriert. Gerade weil ich immer aggressive Shots gemacht habe: Wenn man mit nur 5 Buy-Ins shotet, dann ständig wiederholt absteigt, aufsteigt, absteigt, und wenn es dann endlich mal hochläuft, denkt man, man könnte auf einem Limit bleiben – und dann geht es wieder krass nach unten. Das nervt einfach.
Ein großes Augenmerk liegt bei mir weiterhin auf dem Mental Game. Ich möchte nicht mehr aggressiv shotten, sondern nur noch Limits mit Winrate und einer ausreichenden Anzahl an Buy-Ins aufsteigen. So kann ich selbstbewusst spielen, in dem Wissen, dass ich das Game schlage. Auch wenn es mal bergab geht, möchte ich weiter spielen und selbstbewusst nach vorne schauen, weil ich langfristig im Plus rausgehen werde.
2024 war tatsächlich von aggressiven Shots, viel Glück und Sunrun geprägt. In Summe habe ich etwa 100k Hände auf NL50 und NL100 gespielt. Bei dieser Sample Size kann der Gewinn durchaus einfach nur ein Good-Run gewesen sein. Vielleicht bin ich in Wahrheit ein leichter Losing Player. Wenn es dann mal bergab geht, komme ich nicht damit klar und verliere die Lust.

Meine Ziele für 2025
Ich möchte mich stärker vom Ergebnis lösen und weniger verbissen an die Sache herangehen. Ich denke, ich habe bewiesen, dass ich NL100 spielen kann – und auch ein paar Hände auf NL200. Selbst wenn es nur Sunrun war, war es ein Ziel, das ich unbedingt erreichen wollte, um mir und anderen etwas zu beweisen.
Jetzt kann ich entspannter an die Sache herangehen.
Ich will mein Ziel Volumen grinden und gutes hochwertiges Poker spielen und mich weiter verbessern und mich mit anderen über das Spiel austauschen und dieses Jahr will ich auch einmal Live Poker antesten.


422 replies
horschd77
Joined: 11.03.2011

Viel Erfolg wünsch ich dir ! Auf welchem Limit fängst du nun wieder an ? NL5? Bin gespannt, wie es dir ergeht auf den niedrigeren Limits, wenn du zuvor ja höher gespielt hast :) sicher eine spannende Erfahrung !


bigdog63
Joined: 24.10.2011

Erst einmal viel Erfolg. Ich drücke die Daumen und werde Dir aufmerksam folgen.
300k ist für Freizeitspieler schon eine Hausnummer.

Was Live betrifft, viel Spass. Das ist ein ganz anderes Spiel.
Die wenige Erfahrung die ich in D gesammelt habe ist, dass in der Regel die Gegner recht kompetent sind. Dass 6 oder 7 von 9 Spieler am Tisch Regs sind die sich auch noch alle kennen, kommt oft vor. Dementsprechend ist das Niveau auf meiner Sicht hoch.
In den USA, ist auf den niedrigsten LImits (1-2, 1-3, etc) super soft. Im Vergleich würde ich sagen ist NL5 auf Stars im Schnitt schon stärker.


Neue BR: 472,34 $$$

Tatsächlich habe ich die ersten Tage noch NL2 gespielt, um "wieder reinzukommen". Ganz simples Poker. Hat Spaß gemacht. NL2 ist dann doch vogelwilder, als ich es in Erinnerung hatte. :f_drink: Es war auch mal schön, wirklich softe Games zu spielen, in denen mehrere Spieler am Tisch rumsprühen, und nicht 4 Regs und 1 Shortstack-tight-passiver Fish am Tisch sitzt.

Dann hoch auf NL5. NL5 ist direkt etwas tighter als NL2. Und so zieht sich das ja durch bis NL100. Es wird immer seltener, dass man einen wirklich aktiven Fisch am Tisch hat, der bereit ist, sein Geld zu verballern.

Was Bigdog schreibt, habe ich über die letzten Monate schon öfter gehört, besonders von Amerikanern, die wegen größerer Live-Turniere in Europa waren: Wie tight die Live-Cash-Games in Europa sind, im Vergleich zu den Games in den US-Casinos.
Das bedeutet ja nicht mal, dass die Gegner besonders gut sind. Aber dank des Rakes gibt es halt keinen Gewinner im Longrun, wenn nur tighte Spieler am Tisch sitzen. Einer muss einfach da sein, der bereit ist, seine 50 Big Blinds oder mehr pro 100 Hände zu verlieren.

Vielleicht poste ich heute Abend auch noch die ein oder andere missplayed Hand, wenn ich die Hände im Tracker anschaue.


Größter Verlust

Spoiler

GG Poker - $0.05 NL (6 max) - Holdem - 6 players
Hand converted by Holdem Manager 3

MP: $5.00 (100 bb)
CO: $0.49 (9.8 bb)
Hero (BTN): $5.50 (110 bb)
SB: $5.21 (104.2 bb)
BB: $2.50 (50 bb)
UTG: $7.61 (152.2 bb)

SB posts $0.02, BB posts $0.05

Pre Flop: (pot: $0.07) Hero has J♥: J♠:
fold, MP raises to $0.13, fold, Hero raises to $0.38, 2 folds, MP calls $0.25

Flop: ($0.83, 2 players) 3♦: T♣: 5♠:
MP checks, Hero bets $0.42, MP calls $0.42

Turn: ($1.67, 2 players) 2♥:
MP checks, Hero bets $0.84, MP raises to $4.20 and is all-in, Hero calls $3.36

River: ($10.07, 2 players) A♣:

Results: $10.07 pot ($0.50 rake)
Final Board: 3♦: T♣: 5♠: 2♥: A♣:

MP shows Q♥: Q♣:: (One Pair, Queens)
(Pre 82%, Flop 92%, Turn 95%)

Hero shows J♥: J♠:: (One Pair, Jacks)
(Pre 18%, Flop 8%, Turn 5%)

MP wins $9.52

Größter Gewinn

Spoiler

GG Poker - $0.05 NL (6 max) - Holdem - 6 players
Hand converted by Holdem Manager 3

Hero (MP): $5.00 (100 bb)
CO: $6.69 (133.8 bb)
BTN: $2.46 (49.2 bb)
SB: $3.69 (73.8 bb)
BB: $2.78 (55.6 bb)
UTG: $5.70 (114 bb)

SB posts $0.02, BB posts $0.05

Pre Flop: (pot: $0.07) Hero has Q♠: Q♣:
fold, Hero raises to $0.13, 2 folds, SB calls $0.11, BB calls $0.08

Flop: ($0.39, 3 players) Q♥: T♣: 8♦:
SB checks, BB checks, Hero bets $0.28, SB raises to $0.76, fold, Hero calls $0.48

Turn: ($1.91, 2 players) 6♥:
SB bets $1.25, Hero raises to $4.11 and is all-in, SB calls $1.55 and is all-in

River: ($7.51, 2 players) 7♦:

Results: $7.51 pot ($0.37 rake)
Final Board: Q♥: T♣: 8♦: 6♥: 7♦:

Hero shows Q♠: Q♣:: (Three of a Kind, Queens)
(Pre 68%, Flop 74%, Turn 82%)

SB shows K♠: J♠:: (High Card, King)
(Pre 32%, Flop 26%, Turn 18%)

Hero wins $7.09


PokerSpass
Joined: 05.02.2006

Ist schon ein krasser Wechsel runter von 200 auf 2 bzw 5. Deutet auf alle Fälle in Richtung Mindset - Problemen hin. Aber du hast ja schon richtig erkannt, dass das Trotzen der Varianzlaunen mit richtigem BRM ein KeyElement ist.

Spielt du Fast oder Reg.Tabels ?


Ich spiele beides, je nachdem, wie viel Zeit ich nach hinten raus frei habe. Wenn ich weiß, dass ich definitiv länger als 30 Minuten spielen kann, dann bevorzuge ich reguläre Tische.

Ich sehe das aktuell nicht so schlimm. Natürlich ist das für jeden individuell, je nachdem, was man will. Wäre ich jetzt 20 Jahre alt, Single, am Anfang meines Studiums und würde merken, dass man mit Poker tatsächlich nennenswert Geld verdienen könnte, und hätte ich das Ziel, Pokerprofi zu werden, dann wäre es natürlich ein harter Abstieg, und das oberste Ziel sollte dann sein, Vollgas zu geben und so schnell wie möglich Limits zu erreichen, von denen man leben und auch etwas auf die Seite legen kann.

Das brauche ich jedoch gar nicht. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich ein Feierabendspieler mit etwas Ehrgeiz bin. Ich bin bald 40 Jahre alt, lebe schulden- und mietfrei und habe keinen Druck, mit Poker großartig Geld zu verdienen. Für mich ist es aktuell viel angenehmer, 2024 ausgecasht zu haben und nun "stressfrei" kleinere Limits zu spielen und zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt, als mich auf NL100 ohne sichere Winrate zu stressen und womöglich meine gesamten Gewinne wieder zu verlieren (oder eben nicht – man weiß es nicht). Ein wenig Spaß soll das Ganze ja auch machen. Ich denke von mir selbst nicht, dass ich NL100 schlagen würde, und wenn, dann nur mit 0 Winrate, Rakeback und etwas Glück beim Jackpot. 0bb Winrate bedeutet jedoch auch, dass man 100-Buy-in-Downswings oder mehr haben kann.

Ich weiß nicht, wie gut du oder ihr euch mit der GGpoker-Spielerschaft auskennt, aber die meisten grinden einfach breakeven oder als leichte Losing Player. Das ganze Geld kommt dann von Boni, Rakeback, Leaderboards und Jackpots. Das muss man auch verkraften können. Und vor allem braucht man eine Bankroll, die das abfedern kann.

Ich weiß auch nicht, wie viele der stillen Mitleser tatsächlich relevante Summen mit Poker verdienen. Tatsächlich kenne ich nur einen, der im Jahr noch seine 10k auscasht und Cash Games grindet – als Deutscher, der weder aufsteigen will noch wird. Alle anderen Pokerspieler, die ich kenne, sind entweder Freizeitspieler mit kleiner oder keiner Winrate auf den Microstakes oder Vollzeitprofis. Die Profis wiederum sind alle schon seit Jahren in dem Business, und der jüngste von ihnen hat während des Corona-Hypes sein Studium geschmissen und ist nach Wien gezogen, um zu grinden. Selbst der jüngste spielt also schon seit über sechs Jahren Vollzeit.

Für mich ist es schwer vorstellbar, dass ich nun der eine Freizeitspieler bin, der plötzlich erfolgreich höhere Limits wie beispielsweise NL50 schlagen wird. Vor allem wenn man auf diesen Limits überwiegend auch mit Vollzeit Spielern konkurriert. Ich werde sehen, wie es dieses Jahr läuft. Aktuell macht es gut Laune.

Kennt ihr den hier? Maumauftw? Ich will auf keinen Fall so einen Verlauf haben: im Upswing die Limits hochgehen, denken, man ist der Held, und am Ende nicht damit klarkommen, dass man die Limits eigentlich nicht schlägt – und dann broke gehen. Lieber Ball Flach halten.

Spoiler


bigdog63
Joined: 24.10.2011

Schöne Selbstreflektion. Sehe viele Parallelen zu mir selbst, auch wenn mein eigenes Spielniveau und Verständnis weit hinterherhängen.

Für mich ist es schwer vorstellbar, dass ich nun der eine Freizeitspieler bin, der plötzlich erfolgreich höhere Limits wie beispielsweise NL50 schlagen wird.

ist eine Erkenntnis die man sich vermutlich öfter vor Augen halten muss um auf dem Boden der Realität zu bleiben.

Neben dem offensichtlichen Spassfaktor, wie holst Du Dir Deine Erfolgserlebnisse?
Hast Du einen konkreten Plan zu Content oder konkrete Themen die durch Dir vorgenommen hast systematisch nach und nach durchzuabeiten?


Ich denke, mein „Spaß“ kommt durch das Spielen selbst, solange es nicht total bergab geht, und durch den Austausch auf diversen Plattformen sowie das „Min/Maxen“ der eigenen Strategie und Stats. Was früher einmal World of Warcraft, Diablo oder Diablo-Klone war, ist jetzt eben Poker. :f_ugly:

Einen Content-Plan habe ich aktuell nicht. Ich schaue einfach regelmäßig Poker-Content in Videoform, während ich Projekt Zomboid oder Path of Exile 2 spiele. Dabei pausiere ich die Spiele und mache mir Notizen, wenn etwas Relevantes besprochen wird. Außerdem reviewe ich täglich meine Hände und markierten Spots, sei es mit Equilab oder GTO+. GTO Wizard habe ich vor einiger Zeit gekündigt. Ab und zu schaue ich mir im Solver Spots an und mache mir Gedanken darüber, was wäre wenn a passiert, was wenn b passiert, was wenn c passiert usw...

Ich habe eine riesige Google-Tabelle mit massig Notizen zu Spots, Faustregeln usw. Für die Challenge hier und den Blog habe ich mir Folgendes notiert:

Spoiler

Einige Spots im Spiel, die nicht wirklich oft vorkommen, machen mir immer noch Probleme. Dabei sind es Fehler, die ich eigentlich schon einmal erkannt habe – besonders, wenn die Ranges klein werden. Zum Beispiel in Situationen, in denen Flop oder Turn bereits geraist wurden oder in 3-Bet-Pots auf schwierigen Board-Runouts: 4-Straight-Boards, 3-Broadway-Karten, Flush-Turns, die auf dem River gepaart werden. Oft erwische ich mich dabei, dass ich meine eigene absolut starke Hand nicht mehr richtig relativ zur Range des Gegners, der Action und dem Board einordnen kann. Da fehlt auch etwas die Routine in den Spots.

Das passt alles zu den oben genannten Notizen. Aktuell ist das meine Priorität Nummer 1 - gemachte Hände richtig und optimal spielen. Weniger Fokus auf kleine Edges.

Zusätzlich arbeite ich daran – Achtung, es folgt viel Text – diese emotionalen Investments einzuschränken. Ich will mir antrainieren, in „Grauzonen“, wo ich mir nicht sicher bin, einfach zu folden. Auch in großen Pots möchte ich lernen, loszulassen und aufzugeben, wenn es die Situation erfordert.

Hier ein Auszug aus meinen Notizen, die ich mir einmal geschrieben habe. Meine Notizen habe ich von ChatGPT Korrektur lesen und neu formatieren lassen. Daher kommt oft die geschwollene Schreibweise. Der inhaltliche Input stammt von Saulo Costa.

Irrational Investments

Spoiler

Irrationale Investments: Zwei Typische Leaks
Im Bereich irrationale Investments gibt es zwei Hauptleaks:
Emotional Investment
Over-Application of Theory

1. Emotional Investment
Dieser Fehler beschreibt Aktionen, die aus Emotionen heraus entstehen – und oft sofort bereut werden. Diese Handlungen basieren nicht auf rationaler Analyse, sondern auf inneren Reaktionen, wie:
Tilt (Wut über den Handverlauf).
Ego (der Wunsch, dem Gegner zu zeigen, dass man ihn durchschaut).
Unsicherheit, etwa wenn man unbedingt den Showdown sehen will.
Diese Investments führen häufig zu Verlusten, da man nicht sicher ist, ob die Züge überhaupt +EV (erwartungswert positiv) sind.
Beispiele für Emotional Investment:
Hände wie Top Pair mit schwachem Kicker oder schlechter, die zu großen Verlusten führen (z. B. >30 Big Blinds bei einem River-Call).
Solche Hände tauchen oft in der Datenbank als teure Fehler auf und sind auf Micro- und Small-Stakes nicht notwendig.
Tipp von Saulo Costa:
Vermeide riskante Investments.
Potentieller Profit: Minimal (z. B. wenn der Gegner wenige Bluffs hat).
Potentieller Verlust: Hoch (z. B. wenn der Gegner gar nicht blufft).
Wenn wir Poker spielen, sollten wir nur Züge machen, die wir als sicher +EV einschätzen können. Unsichere Züge gehören in die Kategorie „Grey Zones“ – hier ist Check/Fold meist die beste Option.
Keine Hero Calls in den Micros!
Minus-EV-Calls: Diese können deine gesamte Winrate ruinieren.
Hero Calls sollten nur in Daten-gestützten Spots gemacht werden, bei denen der Gegner overblufft.
Pauschale Hinweise:
Bluff-Catches auf Ace-High-Boards oder bei ankommenden Flush-Draws sind meist unnötig.
Große Hero Calls sind in den Small Stakes nicht erforderlich. Die Gegner machen in anderen Spots so viele Fehler, dass wir keinen Grund haben, in unsicheren Situationen Geld zu verlieren.
Tipp: Unsicher?
Check/Fold.
Markiere die Hand und analysiere den Spot später außerhalb des Spiels.
Entwickle Heuristiken, um zukünftig die richtigen Entscheidungen in ähnlichen Situationen zu treffen.

2. Over-Application of Theory
Ein weiteres typisches Leak ist die Über Anwendung theoretischer Konzepte. Besonders häufig betrifft das:
Blocker-basierte Calls
Es macht keinen Sinn, „krankhafte Hero Calls“ nur auf Basis von Blockern zu machen, wenn der Gegner unter blufft.
Selbst wenn man die „richtigen Blocker“ hat, bleibt der Call -EV, wenn der Gegner nicht genug Bluffs in seiner Range hat.
Beispiele:
In 3-Bet- oder 4-Bet-Pots ist die Bluff-Frequenz der Gegner oft viel zu gering, um rationale Bluff-Catches profitabel zu machen.

Vermeide: Gegner von starken Ranges runter zu bluffen
Besonders in großen Pots zeigt die Datenanalyse, dass die Mehrheit der Spieler nicht in der Lage ist, absolut starke Hände zu folden.
Problem: Damit ein Bluff +EV wird, müsste der Gegner genau solche Hände folden – was oft nicht geschieht.
Empfehlung:
Erzwinge keine Aggression.
Sei aggressiv in Spots, von denen du weißt, dass sie gut sind.
Vermeide es, „blind“ Druck auszuüben. Ähnlich wie beim Bluffcatching können schlechte Bluffs die Winrate ruinieren.

Zusammenfassung: Keep It Simple!
Sei aggressiv mit starken Händen.
Nutze die Imbalances der Gegner aus:
Fokussiere dich auf Spots, in denen du genau weißt, wie der Gegner Fehler macht.
Attackiere bekannte Leaks.
Du musst nicht nach kleinen Edges suchen oder komplexe Moves machen. Deine Winrate auf den Small Stakes ist schon hoch genug, wenn du die klaren plus EV-Spots solide spielst.

Fazit
Keine riskanten Hero Calls: Die Fehler der Gegner reichen aus, um langfristig zu gewinnen.
Keine übertriebenen Bluffs in großen Pots: Insbesondere gegen tighte Ranges lohnt sich das selten.
Konzentriere dich auf profitable Spots, vermeide Grey Zones, und halte deine Strategie einfach und effektiv.


Ein paar Beispiele für diese „wiederkehrenden Fehler“:

Die Beispiele stammen aus meinen letzten Sessions. Hand-Histories habe ich gerade nicht zur Hand, aber es sind alles Situationen, die ich in der Vergangenheit bereits einmal reviewed habe. Zu diesen Spots habe ich sogar Notizen in meinem Dokument gefunden. Trotzdem blieb von diesen Notizen wohl nichts hängen.

Hand 1:
CO vs. BB SRP:
Ich bin im Big Blind und floppe ein Set auf Js4s3d. Am Flop spiele ich Check-Raise, der Turn bringt eine blank, und ich setze groß. Am River kommt sowohl der Flush als auch die Straße an, und das Stack-to-Pot-Ratio beträgt etwa 1. Statt eine Blockbet/Fold-Line zu wählen, shove ich All-in. Ich denke selbst ein Check/Fold wäre besser gewesen, wenn ich keine Blockbet spielen wollte.

Ein anderer wiederkehrender Fehler betrifft River-Donks von tighten Spielern. Wenn der Flush am River ankommt oder das Board paired, level ich mich oft in den Bluffcatch hinein. Dabei gilt die Regel:
„Underbluffed Spots nur callen, wenn wir einen Teil der Value-Range des Gegners dominieren.“

Wir sind OOP, halten einen Flush am Turn, und der River paired das Board. Der in Position befindliche Spieler shoved All-in gegen unsere River-Bet. In solchen Situationen gilt: River-Raises sind meist underbluffed. Ergo wenn der Gegner nicht auch noch schlechtere Flushes in dem Spot shovt, siehts schlecht aus.

Das Muster zieht sich durch: Ich habe oft eine absolut starke Hand, aber relativ gesehen zur Action ist sie eben nicht so stark. Letztlich endet man mit einem Bluffcatcher in Situationen, in denen nur selten geblufft wird.

Weitere häufige Fehler: Stichwort: "Forced Aggression"
3-Bet-Pots OOP als Aggressor: Ich erkenne oft nicht, wie tight die Ranges tatsächlich sind. Dadurch unterschätze ich, wie stark unsere Hand sein muss, um über drei Straßen zu barreln. Außerdem sind manche River-Bluffs extrem minus EV.
Fehlinterpretierte River-Spots: Hände, die ich ursprünglich für gut gespielt hielt, entpuppen sich im Solver als Punts heraus. Beispiele:
Ein River-Bluff mit -2 EV.
Eine Value-Bet am River, die viel zu dünn war. Ein Check hätte hier zum Beispiel 3 EV mehr generiert.
Oder Call vs Turn Jam mit marginalen gemachten Händen, weil ich irgendwo mal aufschnappte das "Turn shove all in ist merged und mehr bluffed, als kleine raises".
Das sind genau die Spots, in denen ich mich verbessern will – klassische Situationen, in denen ich zwar absolut stark bin, aber nicht im Kontext der gesamten Action.


bigdog63
Joined: 24.10.2011

Vielen Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen. Werde ich mir morgen bzw. heute nochmal mindestens einmal durchlesen. In Ruhe.
Ich sehe viele Parallelen, wobei es mir sehr viel schwerer wird auszuformulieren was und wie ich es verstanden habe. Notizen hin oder her.
1. Emotionola Investment - kann ich sehr gut nachempfinden. Teilweise setzt das Denken komplett aus.


bigdog63
Joined: 24.10.2011

Ich frage mich welche/r Troll/in hier Daumen nach unten votet. Habe einen Verdacht, ist aber auch egal


ElHive
Joined: 24.07.2007
horschd77
Joined: 11.03.2011

Original von Superior1712
Ein wenig Spaß soll das Ganze ja auch machen. Ich denke von mir selbst nicht, dass ich NL100 schlagen würde, und wenn, dann nur mit 0 Winrate, Rakeback und etwas Glück beim Jackpot. 0bb Winrate bedeutet jedoch auch, dass man 100-Buy-in-Downswings oder mehr haben kann.

Ich weiß nicht, wie gut du oder ihr euch mit der GGpoker-Spielerschaft auskennt, aber die meisten grinden einfach breakeven oder als leichte Losing Player. Das ganze Geld kommt dann von Boni, Rakeback, Leaderboards und Jackpots. Das muss man auch verkraften können. Und vor allem braucht man eine Bankroll, die das abfedern kann.

Ich weiß auch nicht, wie viele der stillen Mitleser tatsächlich relevante Summen mit Poker verdienen.

Woher kommt die Annahme, dass man mit 0bb Winrate Swings von 100 Buy-Ins haben kann? Ich frag aus ernsthaftem Interesse :)

Ich denke schon, dass es Leute gibt, die sich etwas Taschengeld oder auch mehr dazu verdienen, auch bei dem absurden Rake. Was relevante Summen sind, ist ja immer so eine Sache. Davon leben ist in Deutschland sicher nicht so easy. Aber auch hier kommt es auf den Lebensstandard an. Selbst wenn man profitabel in den Micros spielt, sind vermutlich schnell die Stromkosten höher, als die 2$ pro Stunde.

Bin schon gespannt, wie schnell du dich wieder hochgrindest & wünsche viel Erfolg ! :f_drink:


ElHive
Joined: 24.07.2007

Die Powermaschine möchte ich sehen, die >5kWh beim 4tabling schluckt


horschd77
Joined: 11.03.2011

Original von ElHive
Die Powermaschine möchte ich sehen, die >5kWh beim 4tabling schluckt

Komm vorbei :f_drink::f_drink:
Du musst einfach nur die Super-Krassen Animationen bei GG aktivieren, dann leidet deine Graka ordentlich :f_rolleyes::f_tongue:
War auch eher etwas überspitzt gemeint :f_cool:


Original von horschd77

Original von Superior1712
Ein wenig Spaß soll das Ganze ja auch machen. Ich denke von mir selbst nicht, dass ich NL100 schlagen würde, und wenn, dann nur mit 0 Winrate, Rakeback und etwas Glück beim Jackpot. 0bb Winrate bedeutet jedoch auch, dass man 100-Buy-in-Downswings oder mehr haben kann.

Ich weiß nicht, wie gut du oder ihr euch mit der GGpoker-Spielerschaft auskennt, aber die meisten grinden einfach breakeven oder als leichte Losing Player. Das ganze Geld kommt dann von Boni, Rakeback, Leaderboards und Jackpots. Das muss man auch verkraften können. Und vor allem braucht man eine Bankroll, die das abfedern kann.

Ich weiß auch nicht, wie viele der stillen Mitleser tatsächlich relevante Summen mit Poker verdienen.

Woher kommt die Annahme, dass man mit 0bb Winrate Swings von 100 Buy-Ins haben kann? Ich frag aus ernsthaftem Interesse :)

Ich denke schon, dass es Leute gibt, die sich etwas Taschengeld oder auch mehr dazu verdienen, auch bei dem absurden Rake. Was relevante Summen sind, ist ja immer so eine Sache. Davon leben ist in Deutschland sicher nicht so easy. Aber auch hier kommt es auf den Lebensstandard an. Selbst wenn man profitabel in den Micros spielt, sind vermutlich schnell die Stromkosten höher, als die 2$ pro Stunde.

Bin schon gespannt, wie schnell du dich wieder hochgrindest & wünsche viel Erfolg ! :f_drink:

Kennst du diese Seite hier nicht? https://www.primedope.com/poker-variance-calculator/
Da kannst du einfach ein bisschen mit den Zahlen herumspielen. Die Standard Deviation kannst du für dich persönlich in PT4 nachschauen. Sie liegt in der Regel irgendwo zwischen 90 und 120, je nach Spielstil und den Games, die du spielst.

Zum Beispiel:
Bei einer 0 bb Winrate landest du nach 300.000 Händen irgendwo zwischen -109 Stacks und +109 Stacks. Deine Bankroll müsste also theoretisch unendlich groß sein, um nicht broke zu gehen, weil Downswings auch mal 500 Stacks oder mehr betragen können.

Spoiler

Natürlich hat man nach Rakeback, Jackpot-EV und Leaderboard-Gewinnen keine 0 bb Winrate, sondern auf lange Sicht eine kleine positive Winrate. Die Swings an den Tischen muss man trotzdem aushalten können. Und es gehört schon ein spezielles Mindset dazu, massives Volumen zu grinden, um am Ende die Jackpots und Leaderboards zu kassieren, während der Graph nur noch nach unten zeigt. Mit einer 30-Buy-In-Bankroll kannst du das vergessen.
Kennt ihr den Streamer rake2high? Der hat letztes Jahr 2.5mio Hände gespielt. RNC 4 bis 8 Table grind für Leaderboard und Rakeback. Oder den ex Streamer Diosvoluntad? Der hat jeden 2. Tag 24h gegrindet um Leaderboard zu gewinnen. Die wissen halt das sie langfristig Kohle damit machen, auch wenn es an den Tischen nur nach unten geht.

Ich denke auch, dass sich der ein oder andere ein kleines Taschengeld dazuverdient. Das habe ich nie abgestritten. Ich habe ja sogar gesagt, dass ich jemanden kenne, der jedes Jahr rund 10k auscasht. Das ist aber auch der Einzige, den ich kenne, der das nebenbei schafft. Alle anderen, die ich kenne, sind Vollzeitspieler. Wobei es ja doch noch mehr sind. Der Ossenberg hier hat ja auch schon die ein oder andere 1000 $ Challenge beendet, und Paxis hat auch den ein oder anderen Winninggraphen als Freizeitspieler gepostet.

Gegenbeispiel zu meinem: "ich grinde lieber niedriger ohne viel Stress"
Auf GGPoker gibt es einige Deutsche, die massiv Volumen für die Leaderboards grinden und gefühlt 18 Stunden täglich im RNC-Pool spielen. Aber wenn sie mal eine Bankroll-Challenge offen haben, sieht man, dass sie dort massiv ins Minus laufen und einige wechseln ständig die Limits, und springen zwischen NL100 und NL10, weil wohl die Bankroll an dem Tag wohl einfach nicht mehr ausreicht. Das wäre einfach nichts für mich.


Update Challenge:

Reg Tische: :f_drink:

Spoiler

RNC: :f_mad:

Spoiler


horschd77
Joined: 11.03.2011

Doch, kenne Primedope. Hab da aber bisher nur für MTT mit rumgespielt und fand 100 Stacks schon krass. Hab auch irgendwie nie so niedrige WinRates eingesetzt ;)

Die Varianz kann schon echt verrückt sein. Vor allem, wenn man erst startet, nicht weiß, ob man winning oder loosing player ist.

Man sieht aber wieder schön: BR-Management ist das A&O.