Genau sowas passiert da häufig. Die Turniere sind extrem loose, "manche" Spieler wissen offenbar nicht so richtig was sie tun. Ich bin neulich (mein zweiter Besuch) mit KK mit ca. 8000 Chips all in gegangen, nachdem zwei Spieler ein raise auf 1500 gecallt hatten (Blinds 100/200 glaube ich). Ein Spieler callt mich mit A-X, meine Könige hielten, er war dann busto. Als ich ihn völlig entgeistert anschaute, kam folgender Spruch: "Hatte isch As, musste isch bezahlen."
Eine solche Denke herrscht dort und damit lässt sich durchaus Geld machen, man muss aber stets bereit sein, krasse bad beats zu akzeptieren.
Trotzdem werde ich das Etablissement zukünftig eher meiden. Warum? Zumindest ich fühle mich dort nicht wohl wegen des Klintele, dass man antrifft. Nur drei Punkte, die mich extrem gestört haben:
1. Da wird - auch mitten in einer Hand - auf bosnisch, türkisch, arabisch und wer weiß was sonst noch parliert. Der Dealer oder die Dealerin weist zwar immer pflichtschuldig darauf hin, bitte nur Deutsch oder Englisch zu sprechen. Das hat aber leider nur einen momentanen Effekt, kurz danach quatschen die gleichen Leute munter weiter in ihren Heimatsprachen. Konsequenzen, z.B. Aussetzen für zwei Buttonrunden? Keinesfalls, es finden keine Sanktionen statt.
2. Das Gleiche gilt für Telefongespräche während des Spiels. Es ist bemerkenswert, wie viele wichtige Gespräche offenbar mitten in einer Hand abgewickelt werden müssen. Nahezu ständig ist irgendjemand am telefonieren. Konsequenzen oder Sanktionen? Ebenfalls keine.
3. Die Showdown-Prozedur: Wenn es bei zwei dieser Leute zu einem Showdown kommt, wird sich erstmal mächtig geziert. Obwohl der Dealer "Showdown, bitte zeigen sie ihre Karten" ankündigt, wird die Hand bzw. die höhere Karte davon zunächst einmal verbal annonciert. Wenn der Dealer insistiert, wird manchmal widerwillig eine Karte aufgedeckt und erst bei nochmaligem Insistieren kommt es dann zum Showdown. Dieses unerträgliche Getue kostet nur wertvolle Zeit und ist besonders nervig für diejenigen, die den nächsten Blind höher zahlen müssen, wenn die Blindtimeruhr nur noch wenige Sekunden Zeit lässt.
Hält das jemand für übertrieben? Dann mal nichts wie hin auf einen Besuch in der Hasenheide.
Darüber hinaus - es kommt selbstverständlich zu Collusion, gegen die sich von Seiten der Floorpersonnels kaum was ausrichten lässt. Nur ein Beispiel, dass ich selbst bei meinem ersten Besuch erlebt habe:
Sechs Spieler left, fünf bekommen ein Ticket für das 200-er-Turnier des nächsten Tages am Potsdamer Platz. Blinds 2500/5000. Ein Spieler hat noch 4500 Chips und müsste als übernächstes den big Blind zahlen. Er geht mit seinem rest all in. Normalerwiese hätten jetzt alle "in stillem Einverständnis" den big Blind gecallt und durchgecheckt. Was passiert: Ich (direkt hinter dem all in Spieler) calle, mein Nachbar ebenfalls, der Spieler hinter ihm - ein big Stack - geht all in.
Alle - bis auf den short all in Spieler fangen natürlich an zu stöhnen. Man könnte jetzt vielleicht noch wohlwollend annehmen, der big Stack hätte die Situation strategisch nicht vollständig verstanden, dass kommt bei dem dortigen Spielerniveau durchaus vor. Aber nein, nachdem alle gefoldet haben passiert folgendes: Der big Stack zeigt mit folgenden Worten (!!!!!!!) seine Karten: "Er ist mein Bruder, ich musste das machen." Er zeigt 3-6 offsuit. Natürlich gewinnt sein "Bruder" die Hand mit A-7. Er hätte aber nicht gewonnen, wenn alle anderen Spieler in der Hand gebleiben wären.
Die hitzige Auseinandersetzung geht los. Alle übrigen Spieler rufen "Floorman, Collusion". Nachdem sich der Staub gelegt hat, wird entschieden, dass das Manöver des big Stacks zwar moralisch nicht einwandfrei ist, das Ergebnis der Hand aber so gewertet werden müsse. Konsequenz: Der short Stack verdreifacht sich, ein anderer Spieler fliegt in der nächsten Hand aus dem Turnier und die verbliebenen (inklusive der zwei Brüder, pikanterweise ist einer schwarz, der andere weiß) bekommen Starttickets für das Freitagsturnier am Potsdamer Platz. Was niemanden ernsthaft wundern kann: keiner von beiden ist dort ins Geld gekommen.
Soviel von meinen Eindrücken im Pokerfloor Hasenheide. Man kann dort mit ein bisschen Glück durchaus preiswert an ein Ticket für die höherpreisigen Turniere am Potsdamer Platz gelangen... wenn man bereit ist, ein paar nervige Details zu akzeptieren.
Taboo