Weekly Freebie
Dieser Thread hat es diese Woche zum Weekly Freebie geschafft. Für alle, die noch nicht so lange dabei sind, hier nochmal die Idee der "Learning Community". Dadurch, dass man selber seine Theorien zur Diskussion stellt, ist man gezwungen seine eigenen Gedanken klar und und sauber auszuformulieren. Alleine das dient schon dem Verständnis. Weiter bekommt man anschließend neue Denkanstöße oder wird auf Fehler hingewiesen. Außerdem hab ich das Gefühl, dass ich mich noch nach Ewigkeiten an Diskussionen wie diese erinnere.
Hey,
ich schreibe gerade einen Artikel über das Defenden des Big Blinds im NL 6max und dachte mir jetzt aber so: taugt ja eigentlich für ein Community Projekt ![]()
Meine Idee dafür ist erstmal das historische Poker Wissen aufzugreifen, dann das ganze zu übersetzen in das moderne Gameplan - Konzept. Anschließend hat man dann klare Spots mit kategorisierbaren Ranges, wo man dann bspw Hände analysieren kann.
Sobald dann das Grundgerüst steht für eine erste Defending Strategie kann man auch zeigen wann man wie in welche Richtung adapted.
Hier mal die ersten Gedanken in ausführlicher:
los geht's:
Als erstes finde ich es nicht schlecht sich ein paar abstrakte Grundgedanken präsent zu machen um eine Idee für die ersten Ranges in einem Gameplan 1.0 zu haben. Hier ein paar Gedanken aus den guten alten Zeiten:

- "Ich calle keine Pocketpairs gegen BTN und CO Openraises mehr, da ich nicht genug implied Odds bei Hit hab. Mit deren weiten Ranges haben sie einfach zu selten gut genug getroffen um broke zu gehen. Und so kleine Pairs bekommt man auch nicht vernünftig zum SD. Darum 3bette ich sie manchmal oder folde sie einfach Preflop"
- "So Hände wie KJ, A9s, ATo performen super gut gegen weite Openraising - Ranges und dominieren insbesondere viele Kombos. Zum 3betten eignen sie sich allerdings eher weniger, da sich der Domination - Effekt genau ins Gegenteil umkehrt."
- "Gegen kompetente Gegner versuche ich so wenig wie möglich oop passiv zu defenden: Da ich eine 3betting - Range preflop hab, wissen sie, dass meine Top - Range capped ist und ihre aber nicht. Außerdem werden die Calldown Spots mit TPMK noch ätzender gegen BTN - Ranges, da unsere Hand faceup ist und Villain zudem auch noch viele komische 2pairs in der Range hat, was ihn insgesamt schwer zu lesen macht und den Spot zu einem guessing Game werden lässt, wo einfach nur die Frage ist, ob er oft genug blufft oder halt nicht."
- "Wenn ich passiv defende, dann attackiere auch viele Boards, weil Villain in der Regel viel zu weit cbettet und Druck kaum standhalten kann. Man muss sich nur mal anschauen, dass eine 50% BTN - Range auf Axx realisitisch gesehen niemals getroffen hat"
- "Ich 3bette meine Top Range und viele SC, 1 Gapper usw. Bei meiner Top Range ist es einfach for Value und bei dem Deception Part habe ich den Vorteil, dass ich auf Axx und Kxx viele Pötte mit einer Bluffcbet gewinne. Zudem hab ich auf den den Boards, die meine perceived Broadway lastige Range nicht hitten dadurch eben auch ab und zu mal was."
- "Gegen tighte UTG Ranges 3bette ich nur super polarisiert. Selbst AK ist da manchmal kein trivaler 3bet/call. Dann 3bette ich lieber QQ+, AKs und ein paar Blocker wie A8o oder KJ"

Das müssen wir jetzt in modernes Wording übersetzen, so dass die Begriffe schärfer definiert sind und sich dadurch besser damit arbeiten lässt.
- Man muss den BB gegen verschiedene Ranges Preflop und Postflop - Gameplans verteidigen und sollte das auch seperat behandeln.
- Man sollte sich prinzipiell einen Überblick verschaffen wie gut Villains Ranges zu welchen Boards eigentlich passen und wie hoch die Cbetting und Barreling - Freq. dazu im Vergleich sind um Erfahrungswerte so zu transformieren, dass man damit auch gut arbeiten kann.
- Beim passiven Defend haben wir das Problem, dass "Heros Top Range < Villains Top Range" gilt und es auf mystische Weise dadurch kompensiert werden muss, dass Overall Heros Range > Villains Range ist.
- Wir bekommen Preflop Pot - Odds, die auch in unsere Überlegungen einfließen sollten.
Ich bin persönlich ein großer Fan davon konkrete Aufgaben zu lösen und dann später die Transferleistung zu bringen, wenn sich was ändert statt zu versuchen zu viel auf einmal zu lösen.
Also gibt's heute nur einen Ansatz für einen Teil unserer Defending Strategie gegen einen der regulärsten Regulars in meiner Datenbank. Er openraist eine 17.8% Range UTG. Wenn man noch ein Bisschen die Holdings durchscrollt, die er hin und wieder am SD mal gezeigt hat nach 25k Hands, kommt man zu dem Ergebnis, dass unser Feind ungefähr so aussieht:

Die Idee muss jetzt sein möglichst allgemein einen Gameplan zu entwickeln, der zwar allgemeine Tendenzen der Gegner enthält, aber doch losgelöst ist von unserem konkreten Regular. In meinen Augen kann man hier bereits viele Fehler machen, wenn man sich einfach grundlegend verschätzt indem man Villain per Default zu viel unterstellt.
Merkregel: Wir gehen erstmal nicht davon aus, dass Villain ein Fisch ist.
"Ich seh die Leute aber fast nie folden, weil sie ja wissen dass ... " "HALT"
"Wenn er das Board checkt, dann trappt er fast immer, weil ... " "STOPP"
Um klar zu denken gehen wir bei den jetzt folgenden Betrachtungen davon aus, dass Villain seine Range vernünftig spielt und was mit welcher Range passiert, wenn wir unsere Range vernünftig spielen.
UTG openraises 3BB, fold ... fold Hero bekommt 2 : 4,5, also 1 : 2,25, was natürlich nur so semi relevant ist im NL, aber es ist für mich immer eine gute Erinnerung daran, dass man Postflop nach einem passiven Defend gar nicht so viele Hände gewinnen muss um den Preflop Call EV+ zu machen.
Ansonsten ist mein Ansatz, dass das was ich mir überlege, mir in der Praxis hilft und ich keinen theoretischen Overhead erzeuge, der mich eher verwirrt als Edge generiert. Gerade beim zu starken Ausbalancieren und ausrechnen von breakeven Points gegen 4bets usw. hab ich mir rückblickend lange Zeit zu viele Gedanken gemacht. Man muss in der BSS immer den Blick offen halten für das was gerade abgeht und sollte nicht versuchen mit Equilab only ans Ziel zu kommen. Es ist ein wichtiges Hilfsmittel um bestimmte Spots besser zu verstehen, aber nicht die Lösung auf alle Fragen und Probleme des Alltags.
Also zusammengefasst, solltet man folgende Fehler vermeiden:
- Villain nicht per Default als Fisch einstufen und darauf basierend allgemeine Überlegungen treffen. Exploits sollten wir uns seperat davon überlegen!
- Wir müssen nicht jede Hand gewinnen, die wir defenden!
- Es empfiehlt sich nicht zu tief in irgendwelchen Berechnungen zu versinken. Wir haben alle schonmal Poker gespielt und damit ja eine erste Grundlage, was wir bislang gemacht haben und sollten so anfangen unser Game auszubügeln statt das Rad neu erfinden. Eine Pokerrunde wird nicht auf der ersten Street entschieden.
3betting:
Als erstes muss man einen fairen Kompromiss finden zwischen zu viel 3betten und zu wenig finden.
QQ+, AK sind eine 2.5% Range und da Villain ungefähr 60% Foldequity für einen 4bet Bluff braucht, haben wir gut 3% an Händen mit denen wir deceptive 3betten können. Wem das zu aggressiv ist alle AK Kombos gegen eine 4bet von UTG erstmal ohne konkrete Reads zu shippen, der kann natürlich auch die AK Kombos aufsplitten oder gar zu einem Gameplan übergehen mit AK komplett in der Calling - Range.
Ihr könnt hier für euch ja von eurem derzeitigen Image ausgehen und überlegen, was für euch sinnvoll ist. Wenn ihr mehr so der Typ seid, der bislang ~2% gegen UTG ge3bettet hat, dann hättet ihr bspw. die Option
A 3-4% "balanced" 3betten und mit QQ+ broke gehen oder sogar
B 6% 3betten und tendenziell eher auf Bluffs gewichtet sein.
Wenn ich ein tightes Image hätte, würde ich erstmal ne Ecke lang B wählen, weil ich von mir selber weiß, dass ich selber recht lange brauchen würde zu verstehen, was passiert und dann erst gut mit meiner UTG Range dagegen spielen. Ihr würdet mich quasi mit eurem Image als Altlast exploiten. Ist jetzt auch nicht so schlimm, da ich davor hoffentlich weniger Fehler gegen eure Range gemacht hab ![]()
Was empfiehlt sich zum Auffüllen auch der 3betting Range?
Da wir noch nichts genaueres wissen, sollten wir uns allgemein überlegen, was unser Villain wohl auf eine 3bet so anstellt und vermutlich sieht das ungefähr so aus:

Auch hier gilt: Wenn ihr jetzt gleich denkt: Quatsch! Nie im Leben, dann liegt das vielleicht an eurem Image und ihr müsst euch überlegen, wie bei euch die Grafik wohl aussieht, denn eins ist sicher: Irgendwie wird UTG auch gegen euch seine Range spielen.
Und jetzt kommt ein Schritt, der in meinen Augen recht wichtig ist. Dass was Villain da macht, ist das Ergebnis der Grundaggressivität auf eurem Limit und Villains Adaption auf euch. Poker hat leider diese dynamische Komponete und die Sachen sind immer ein Bisschen im Fluss, afaik ist GTO auch eine Losing Strategie in 6max Games.
Gerade auch in Zeiten, wo HM2 uns Tortendiagramme für jede Line und Handstärke zu Villains serviert, hilft es in meinen Augen einfach mehrere Spielstile zu beherrschen. Warum nicht mal ein Bisschen 20/17 daddeln, wenn jeder denkt, ihr würdet 26/20 spielen. In meinen Augen liegt da enorm viel Edge drin sich mehrere Gameplans zurechtzulegen.
Wir weichen schon wieder vom Thema ab. Wir wollen also gerade eine BB Strategie festlegen mit 6% 3bet Wert.
Wenig Sinn machen Hände wie ATo, KJo auch wenn diese tolle Blocker haben, aber wir sind einfach nur dann fröhlich, wenn Villain foldet. Gegen 4bets sind wir hoffnungslos verloren und wenn Villain nur callt, dürfen wir uns zwar den Flop anschauen, aber selbst bei Hit sind wir oop oft lost.
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Hier gab es eine Diskussion zu:
Trickshot hegt Zweifel
Ich zeige teilweise Einsicht. Hier gibt's auch weitere Gedanken zu Card Removal
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Kleine Pairs?! Ja, kann man machen. Damit weiß man wenigstens, wo man Postflop steht und weiß ziemlich genau, ob man gerade als Bluff cbettet oder nicht.
Wer ein Bisschen mit Equilab rumspielt, sieht auch, dass eine 18% Range gar nicht mal so oft so toll hittet, dass wir unendlich viele implieds haben. Ganz ehrlich: Ich finde es nicht besonders tragisch, wenn wir ein paar Pair Kombos aus unserer Calling Range Preflop in unsere 3betting Range verfrachten.
Da nur Pairs offensichtliche Nachteile haben, nehmen wir noch ein paar SCs hinzu und fertig ist unsere 3betting Range:
QQ+,66-22,AKs,98s,87s,76s,65s,AKo
Und wieder gilt: Das ist eine Möglichkeit seine Range erstmal aufzustellen. Gerade langfristig empfieht es sich wie oben schon angedeutet den "Deceptive" - Part mal auszutauschen, 3bet Freq. insgesamt zu erhöhen oder zu senken... Wer rastet, der rostet. Wichtig ist nur, dass ihr nicht aus dem Moment heraus mal K9s 3bettet, weil euch gerade der Kopf danach steht. Entweder das ist gerade Teil eures Gameplans, wo ihr Postflop dann auch eine Gesamtidee für eure Range habt oder es ist ein Exploit und ihr macht das, weil ihr rausgefunden habt, dass Villain Preflop bspw. neben seinem F23b auch noch super viel am Flop wegfoldet. ABER: Dann könnt ihr genau beschreiben, wo der Value gerade herkommt und seid somit nicht planlos.
noch ein paar Denkanstöße:
Exploits
Villain ist extrem laggy (34/ 26) und hat Angst dass seine weiten Ranges exploitet werden, weshalb er sehr viel 4bettet (2.5x). Seine Broke Range ist TT+,AKo und hin und wieder sogar noch kleinere Pairs bei entsprechender Dynamik.
Spoiler
Der Hauptvalue kommt in Praxis hier daher, dass wir es gegen seine Top Rage reinbringen mit QQ+. Auch ein LAG, der Angst hat exploitet zu werden ist nicht dumm und spielt meist korrekt gegen eine zu tighte 3betting Range. Also polarisiert 3betten und starke Range shippen. Wenn er unsere 3bet nur callt, sollten wir extrem dünn valuebetten, da seine Calling Range vermutlich capped um Monster ist
Villain ist ein guter TAG (25/20) und spielt sehr häufig ohne 4betting Range, d.h. callt Hände wie AA auf 3bets. Wie spielen wir unsere Range auf
7 :heart:T :spade:4
gegen ihn?
usw.
[to be continued]
Wenn ihr wollt könnt ihr ja auch Hände posten, die wir dann uns weiter im Detail anschauen oder schreibt einfach was immer euch gerade dazu einfällt.
