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Guide to the Lowstakes

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dodo1337
Beigetreten: 25.04.2010
Oldschool Grinder

hay,
toller thread :) mach bitte weiter !
bin schon gespannt auf den postflop/cbet teil


Antwort
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Bazz1380
Beigetreten: 17.05.2011
Legacy Member

Erst jetzt drauf gestoßen... schöne sache weiter so!!!!!!!!!


Antwort
Zitat
Weynard Themenstarter
Weynard
Beigetreten: 29.05.2008
PokerStrategist

e.) Raise Sizes Preflop

1.) First in – first raise

In der sehr frühen Phase ( vor Einsetzen der Antes und mit (fast) allen Spielern >50BB deep) raise ich first-in immer 3BB ( +1BB für jeden Limper in der Hand, wenn ich isolieren will), unabhängig von der Qualität meiner Hand oder Position.

In sehr deepen Strukturen mögen größere Opens in den ersten Blindlevels theoretisch sinnvoll sein, und ich habe damit auch viel experimentiert, aber letztendlich hat mich das Argument von anderen überzeugt, dass ich die Potgröße postflop so viel besser kontrollieren kann, dass z.B. ein BB mehr pre zu raisen einfach nicht von Bedeutung ist, wenn wir stark sind. Und es liegt in der Natur der Sache, dass wir meistens eher schwach sind, da wir 2/3 der Flops nicht treffen. Wir können also in diesem Fall einfach ein paar Chips sparen.

Persönliche Anmerkung: theoretisch glaube ich, dass man hier mit unterschiedlichen Raise Sizes preflop mehr herausholen könnte ( siehe z.B. Beobachtungen dazu vorher, oder ein paar andere Threads hier), aber es ist halt nie so wirklich klar, wie und warum die Gegner darauf reagieren und wer da dann im Zweifelsfall wirklich gelevelt wird – immer gleiche Raise Sizes sind da einfach pragmatisch und sicher.

Mit Einsetzen der Antes oder wenn ich ++oder++ 3 Gegner am Tisch weniger als 50BB left haben, reduziere ich auf 2.5BB. Ein Erfahrungswert: bei kleineren Raises gibt’s zu viele Calls/Reraises, und größere sind einfach nicht erforderlich. Der Big Blind sollte zwar oft callen ( wegen der Odds), das machen die Gegner aber nicht.

Irgendwann später ( auf Stars meistens so ab 500/1000) reduziere ich die Raise Size dann auf 2.1BB bis zum Ende des Turniers ( außer wenn es Push/Fold wird) . Im Prinzip ist das halt einfach dasselbe wie Minraising, aber ich glaube da Katie Dozier, dass man so ein paar mehr Folds kriegt. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die krummen Summen auch wirklich einfach ein wenig bedrohlicher aussehen als Minraises, gerade im Blind Battle. Nach meiner Beobachtung folden die Big Blinds auf „unseren Levels“ da z.B. ++definitiv++ immer viel mehr als sie sollten.

2.) 3bet/4bet-Sizes/ Calls von großen Raises der Gegner pre.

In der sehr frühen Phase ( siehe 1) 3-4-bette ich in Position auf 2.5mal ( wie immer +nBB für n Limper/Caller) die Größe des Opens/Raises – und out of position das 3-fache.

Wenn ich selbst nur noch 2.5BB openraise, reduziere ich das out of position auf das 2.8fache.

Ein Wort der Warnung: bessere Spieler als ich befürworten häufig ( zum Teil ++deutlich++) größere Reraises. Aber für mich selbst funktioniert das sehr gut – ich kriege nach meiner Beobachtung meistens genau die Calls und Folds, die ich mir dabei wünsche.

Wenn ich dafür einen Großteil meines Stacks ( jedenfalls sicher ab 50%+, häufig auch weniger – dazu mehr in den „späteren Phasen“ ) investieren müsste, pushe ich halt.

Zu ungewöhnlich „großen“ Opens der Gegner preflop:

Auf Gegner, die uns häufiger mit sowas wie einem 8BB-OpenRaise oder absurden Pushes mit 50BB+ konfrontieren, werden wir ( hoffentlich) schnell Reads aufbauen und dann unser Spiel schnell anpassen, aber readless sind sehr große Openraises fast immer ++sehr++ stark.

Vollkommen readless werde ich auf ein 6BB+-Openraise nur noch AK,JJ+s ( außer Call-20 funktioniert noch für spekulative Hände) und bei 10BB+ Openraises nur noch KK+ weiterspielen ( siehe Huckebein in seinen alten Silber-Artikeln hier).

Ich bilde mir ein, dass sich hier die Gegner allgemein auch etwas angepasst haben im letzten Jahr auf die „Russen-Maniacs“ ;) . Open-Pushes für 75BB oder sowas sind wirklich ++sehr++ häufig einfach Asse und Könige nach meiner Beobachtung.

Wie ich dabei mit Min-Reraises umgehe, muss ich glaube ich nicht näher ausführen.

OK – damit schließe ich preflop für die frühe Phase eines Turnier endgültig ab ( außer ich habe irgendwas Wichtiges vergessen.

LG
Weynard

PS: Wie immer danke für das Feedback. Sorry, dass ich momentan so wenig schreibe, aber momentan sind andere Themen in meinem Leben wichtiger als Poker – aber keine Sorge: ich werde das Thema nicht vergessen.


Antwort
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Asaban
Beigetreten: 22.09.2006
Elite Grinder

Original von Weynard
In der sehr frühen Phase ( siehe 1) 3-4-bette ich in Position auf 2.5mal ( wie immer +nBB für n Limper/Caller) die Größe des Opens/Raises – und out of position das 3-fache.

Wenn ich selbst nur noch 2.5BB openraise, reduziere ich das out of position auf das 2.8fache.

Ein Wort der Warnung: bessere Spieler als ich befürworten häufig ( zum Teil ++deutlich++) größere Reraises. Aber für mich selbst funktioniert das sehr gut – ich kriege nach meiner Beobachtung meistens genau die Calls und Folds, die ich mir dabei wünsche.

Deutlich größere 3bets sind da absolut fehl am Platz. Im Grunde ist dein Sizing im Late Game das absolute maximum imo. Early würde ich es ebenfalls bei maximal 3fach belassen. In Position bietet sich die kleinere 3bet natürlich an - man darf nur nicht zu klein 3betten auf Grund der Odds die man dem Gegner dann gibt. +nBB halte ich hierbei dann auch für zu viel in den meisten Fällen. Eine kleine Anpassung nach oben tut es hier meist auch.

Gruß,
Asaban


Antwort
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Mythoughts
Beigetreten: 27.08.2009
Elite Grinder

Einfach mal Danke!

Werde bald auch Turniere zum Cashgame (FL) dazunehmen und bin sehr dankbar für die Mühe, die du hier reinsteckst.


Antwort
Zitat
Weynard Themenstarter
Weynard
Beigetreten: 29.05.2008
PokerStrategist

Hallo Leuts : tut mir leid, dass es hier momentan so langsam vorangeht. Ich habe momentan aus persönlichen Gründen ( neuer Job) wirklich wenig Freizeit und damit Zeit fürs Pokern und fürs Schreiben hier – wie versprochen werde ich das Projekt aber definitiv abschließen, wohl halt ein wenig langsamer als ursprünglich geplant.

E. Späte Phase

bzw. möchte ich über das Spiel als Shorty schreiben heute – und ich versuche, mich dabei an der vorgeschlagenen Gliederung von Asaban zu orientieren.

Um meine Vorschläge für diese Phase eines MTTs zu verstehen, muss ich glaub ein wenig ausholen und erst mal erklären, was sehr gute Spieler hier machen und empfehlen in ihren MTTs – ich werde dann später beschreiben, wo ich Anpassungen „für unsere Levels“ empfehle.

Daher erst mal

I. Die „reine Lehre“

und Das „M“-Konzept

Ich benutze hier das Poker-Vokabular, das das Buch „Kill Everyone“ von Nelson/Streib/Lee verwendet. Aber das ist 1:1 kompatibel mit dem von Dan Harrington in „Harrington on Hold'em II“, also wem das eh klar ist, der kann gerne im nächsten Teil weiterlesen.

Was ist dieses „M“?

Um herauszufinden, was unser „M“ ist, brauchen wir erst mal die „CPR“ ( Cost per Round“) , die „Kosten für eine Runde“. Das sind halt die Blinds und die Antes, die wir in einer Runde am Pokertisch bezahlen müssen.

An einem 9-handed-Tisch mit Blinds von 30/60 und Antes von 5 sind das dann z.B: 30+60+9*5 =135. Also wenn wir eine Runde nur folden würden, müssten wir dafür halt 135 Chips bezahlen.

„M“ ist die Anzahl der Runden, die wir überleben würden, wenn wir immer nur folden würden, also einfach Stacksize/CPR.

Am Anfang eines Turnier ist unser „M“sehr hoch ( unser Stack und der unser Gegner ist groß, Blinds und Antes klein) – im Laufe des Turnier schrumpft es automatisch mit den steigenden Blinds. Nelson/Streib/Lee nennen Stacksize/CPR==CSI ( Chipstand-Index) – was dasselbe ist, was dann Dan Harrington „M“ nennt.

Auf pokerstrategy.de ist das M-Konzept ausführlicher in larsedas Artikel ( Silber-Status) „Der M-Faktor nach Dan Harrington“ erklärt : http://de.pokerstrategy.com/strategy/mtt/1557/1/

Abhängig von M bzw. CSI kann man ( Nelson/Streib/Lee) allgemein 5 Turnierphasen unterscheiden.

„Normal“ M=CSI >=17

„Semi-Aggressiv“ CSI 12-17
„Aggressiv“ CSI 7-12

„All-In“ CSI 2-7

„Speziell“ CSI<=2

Unser konkretes Thema hier ist die Phase „All-In“ ohne spezielle Reads, d.h. unser CSI/M ( bzw. der unseres Gegners in einer Heads-Up-Konfrontation ( da ist dann logischerweise immer nur der kleinere Stack interessant)) ist 3-7.

Bei Opens aus Late Position vielleicht auch CSI 8=9, da da einfach nicht mehr viel Raum für Raise/Fold ist.

Nelson/Streib/Lee formulieren das hier klar und leicht verständlich( S.74): „Bei jeder Hand lautet die Entscheidung vor dem Flop All-In oder Fold. „

Wenn die Spieler dabei mathematisch korrekt spielen, kann man ein „Equilibrum“ ausrechnen, meint: es gibt eine Range, in der man mit einer bestimmten Position mit einem bestimmten CSI +EV pushen kann, und es gibt eine Range mit der man diese Pushes +EV callen kann.

Das sind dann die berüchtigten „Nash-Ranges“ ;), die man auf den letzten Seiten von „Kill Everyone“ nachlesen kann.

All diese Tabellen wirken zunächst bestimmt ++sehr++ kompliziert, aber wenn man sich das dann mal ++wirklich++ anschaut, reicht zum Verständnis eigentlich das Lesen zweier simpler Seiten des Buches: S.309 + S.322 ( die Push- und Call-Ranges mit CSI=M=8) . Die Push-Ranges sind halt irgendwie aus Monstern und ganz „netten„ höheren suited Connectors zusammengesetzt und die Calling-Ranges sind ganz leicht „highcardlastiger“. Mit kleineren Ms ändert sich daran eigentlich nichts wirklich Entscheidendes, es kommt halt mal ne Hand dazu, die dann auch recht logisch ist als „nächste“ m.E.- das kann man glaub ganz gut improvisieren.

Nelson/Streib/Lee beobchteten dabei, dass in realen Turnieren ihrer Erfahrungwelt allgemein deutlich zu tight gepushed wird => wir sollten die volle Range pushen, aber eher deutlich tighter callen als das Equilibrum.

OK – das sollte eine einigermaßen faire Zusammenfassung der „reinen Lehre“ für die Push/Fold-Phase sein und es ist Bettzeit für mich. Bitte korrigiert meine Fehler, und nächstes Mal dann meine Sicht auf diese Phase für „unsere Turniere“.

LG
Weynard


Antwort
Zitat
Floridachris
Beigetreten: 23.08.2006
PokerStrategist

Sehr schön geschrieben. _thumbsup:

Vielen Dank


Antwort
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Lickwick
Beigetreten: 26.02.2012
Oldschool Grinder

Hey Weynard,

ich finde Deinen Guide ziemlich wow. Ich glaube, das wird meine Beschäftigung an meinem heutigen Urlaubstag werden, mich damit auseinander zu setzen.

:f_thumbsup:


Antwort
Zitat
Lickwick
Beigetreten: 26.02.2012
Oldschool Grinder

...wow. Also, weynard, dass, was Du hier schon gepostet hast, ist bereits jetzt wahnsinnig umfangreich (erschließt sich auf dem ersten Blick gar nicht, weil es so verteilt ist) und geht ja echt in die Tiefe.

Das Ding in diesem Thread ist wie Ferrari-fahren mit Hut auf dem Kopf. Völlig unmöglich das noch aufzunehmen, wenn man jetzt erst dazustößt und nicht von Anfang an alles Stück für Stück mitverfolgt hat. Und viel zu wertvoll, um es nicht tatsächlich (wie Du schonmal spekuliert hattest) irgendwann zusammengefasst in Form und Fassung zu präsentieren.

Ich habe jetzt also tatsächlich (!) ungefähr vier Stunden damit verbracht, Deine Gedanken zu studieren und bin gleichermaßen begeistert wie erschöpft. Ich muss mir das ganze morgen in Ruhe nochmal vornehmen.

Jedenfalls hoffe ich, Du machst weiter! Die viele Arbeit, die da bis jetzt schon drinsteckt, verdient es wirklich, abgeschlossen zu werden.

Ich habe mir, weil es für mich nicht anders aufnehmbar gewesen ist, eine Lesefassung angefertigt - damit habe ich allerbesten Erfahrungen gemacht, weil man dann Satz für Satz wirklich durchgehen muss, so lese ich am intensivsten.

Wer, wie ich, jetzt erst hierher kommt, für den mag es eine Hilfe sein, sich zu recht zu finden:

Lickwicks Lesefassung zu

Weynards Guide Of Lowstake Winning

Ich hoffe, bin mir aber auch sicher, Du entschuldigst, dass ich den Link zu einer Bearbeitung Deines Werkes einfach so hier hereinstelle. Wird auch nach 90 Tagen ohnedies wieder gelöscht

Mach weiter so! Und wenn ich morgen das ganze Werk nochmal im Zusammenhang gelesen habe, gibt's auch meine inhaltliche Meinung dazu :f_biggrin:

PS.: Die Hyperlinks sind bei der PDF-Konvertierung leider auf der Strecke geblieben...


Antwort
Zitat
Lickwick
Beigetreten: 26.02.2012
Oldschool Grinder

Hey Weynard,

also, gestern habe ich mir mal Deine Ideen und Anleitungen auf den Tisch gelegt und ein bißerl gespielt. Dabei sind natürlich viele Gedanken entstanden und Fragen aufgeworfen worden.

Ich will nur mal eine herausgreifen - kannst Du bei Gelegenheit mal ein paar Sätze mehr dazu ausführen, wie Du z.B. 33er postflop spielst...??? Ich meine der Gedanke, alle Pockets und dann nicht nur for setmining zu spielen, ist ja einleuchtend. Aber an der Umsetzung haperte es zumindest gestern bei mir doch gewaltig


Antwort
Zitat
Asaban
Beigetreten: 22.09.2006
Elite Grinder

33 spielst du im Normalfall ausschliesslich auf Setvalue. Preflop ggf noch als Steal. Eine andere Aussage habe ich auch im Guide hier nicht finden können.

Auf welche Aussage beziehst du dich denn konkret?

Gruß,
Asaban


Antwort
Zitat
FireFox89
Beigetreten: 04.08.2007
Elite Grinder

Du solltest vll bei deiner M einteilung noch erwähnen dass mann hier aggressive nicht mit loose verwechseln darf.


Antwort
Zitat
Weynard Themenstarter
Weynard
Beigetreten: 29.05.2008
PokerStrategist

Original von Lickwick
Ich will nur mal eine herausgreifen - kannst Du bei Gelegenheit mal ein paar Sätze mehr dazu ausführen, wie Du z.B. 33er postflop spielst...??? Ich meine der Gedanke, alle Pockets und dann nicht nur for setmining zu spielen, ist ja einleuchtend. Aber an der Umsetzung haperte es zumindest gestern bei mir doch gewaltig

Zunächst mal herzlichen Dank für dein überwältigend freundliches Feedback, Lickwick :f_smile: , da muss man ja echt mal rot werden. :O

Du beziehst dich hier konkret auf meine Bemerkung zur First-In-Raising-Range aus Early Position in der frühen Phase eines MTT.

Schau es dir mal aus Sicht unserer Gegner an: wenn sie aufmerksam sind, werden sie erst Mal nur wahrnehmen können, dass wir aus EP allgemein offensichtlich wirklich sehr tight openen. ++Wenn++ wir dann mal aus EP raisen, ist das dann häufig sowas wie das erste oder zweite Mal im Turnier.

Und sie tun auch recht daran, weil in 62% der Fälle halten wir mit 99+,AQs+,AQo+ auch ziemliche Monster. Dass wir diesmal nur 33 haben, können sie ja nicht wissen.

Wenn dann jemand called, können wir auf sehr vielen Flops auch ohne Hit gegen 1-2 Gegner einfach bequem mit der C-Bet den Pot einsammeln, z.B. auf Flops wie Axx, oder Qxx, die nicht zu connected sind. Und bei Flops mit nur kleinem Gemüse haben wir ja zudem oft wirklich auch einfach die beste Hand.

Und wenn nach einem Call von Villain auf dem Flop die Turn-Karte unsere EP-Raising-Range deutlich besser hittet als die von Villain, bietet sich auch noch häufig die Chance den gewünschten Fold des Gegners mit einer Second Barrel zu bekommen.

Wie es Asaban schreibt, stealen wir hier. Und wir brechen den Versuch nur deshalb weil keine 3 gekommen ist, halt auch nicht gleich ++automatisch++ ab ( das wäre nur auf „Set Value“ spielen)..
Und selbst wenn das dann mal schief geht, hat es den netten Nebeneffekt, dass wenn wir das nächste Mal dann AA in EP bekommen, wir vielleicht auch Calls oder Reraises bekommen ( „der bluffed doch wieder nur“) – und nicht nur blöde Folds ;).

Allgemein spielen wir readless die kleinen Pockets, da wir sie first-in raisen, halt postflop sehr häufig mit Initiative – ein ähnlicher Fall wäre z.B. ein Minraise eines hinreichend loosen CO, den wir dann aus dem SB mit 33 reraisen. Auch hier werden wir wieder analog viel auf dem Flop abräumen.

Ohne dass wir unsere 3 treffen, spielt unsere konkrete Hand dabei meistens eigentlich überhaupt keine Rolle – sie sollte halt nicht gleich vollkommen nutzlos sein. Das meinte ich damit, dass man statt der kleinen Pockets halt auch sehr gut sowas wie 76s nehmen könnte – Geschmackssache meiner Meinung nach.

Das Post-Flop-Spiel hatten wir bisher ja noch gar ned, aber ich hoffe, das ist für dich so nachvollziehbar.

@Firefox89: „Aggressiv“ ist halt wie Nelson/Streib/Lee diese Phase ( mit M=7-12) nennen – ich finde den Begriff genau wie du nicht gerade übermäßig glücklich gewählt. Ich selbst finde den Begriff „Resteal-Phase“ deutlich passender, und das meinen sie hier eigentlich auch. „Aggressiv“ ist ja first-in sogar irreführend, da wir außerhalb von Steal-Situationen eher tighter sind als mit deeperem Stack.

LG
Weynard


Antwort
Zitat
Lickwick
Beigetreten: 26.02.2012
Oldschool Grinder

Original von Asaban
33 spielst du im Normalfall ausschliesslich auf Setvalue. Preflop ggf noch als Steal. Eine andere Aussage habe ich auch im Guide hier nicht finden können.

Auf welche Aussage beziehst du dich denn konkret?

Gruß,
Asaban

Die hier meinte ich, war schon ganz am Anfang...

Meine Ranges dabei ( wir werden allgemein ein sicher sehr tighter Spieler sein):

aa.) Aus Early Position: 22+,AQs+,AQo+ (8.3%)

( Die sehr kleinen Pockets sind dabei meine ( sehr kleine) Bluffing Range, die meine Value Range beschützt, also spielen wir sie dann auch nicht nur auf Set Value. Sicher Geschmackssache – ich bin es gewohnt, mit 33 oop und 3-ways auf einem A75-Board zu spielen und mag es, dass ich dabei immer leicht einschätzen kann, wo ich stehe. Etwas was ich z.B. mit Ajs oft nicht könnte. Was ich wirklich hasse, ist Domination, weil ich dann meistens 2 Straßen bezahlen muss. Aber das ist sicher Geschmackssache – wem z.B. 76s eher taugt als 33, der möge das nehmen).


Antwort
Zitat
Lickwick
Beigetreten: 26.02.2012
Oldschool Grinder

Hey Weynard,

kein Grund, rot zu werden
Und danke für Deine ausführliche Arbeit.

Zum spiel mit kleinen Pockets... ja, ich begreife die Taktik. Die funktioniert natürlich - wenn man es dann "steal" nennt - um so besser, je aufmerksamer die Gegner sind bzw. je mehr Respekt einer z.B. einem UTG-Raise geben. Da bin ich ja noch etwas skeptisch auf meinen Limits :f_biggrin:

Außerdem merke ich auch gerade einen unglücklichen Umstand bei meinen ersten Versuchen damit - ich habe sie in 180er SNGs gespielt.

Nach Deinen Erläuterungen denke ich, sie sind dort tendenziell deutlich schwächer, einfach weil man mit 1500 Chips Starting Stack und einer einzigen schief gegangenen second barrel schon fast verkrüppelt dasteht. Das stelle ich mit mir dann mit 3000 Chips deutlich cremiger vor.

Okay, das kommende Wochenende ist gerettet, ich werde es austesten _grin:


Antwort
Zitat
Bazz1380
Beigetreten: 17.05.2011
Legacy Member

:f_thumbsup: Gute Sache
Bin auch erst jetzt drüber gestolpert, und finde das ganze sehr gut beschrieben, hoffe du hast noch lange spaß dran, dich hier uns mitzuteilen... mach weiter so


Antwort
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Weynard Themenstarter
Weynard
Beigetreten: 29.05.2008
PokerStrategist

E. Späte Phase ( bzw. besser und genauer: das Spiel als Shorty)

I. Die „reine Lehre“

( siehe oben)

II. „Weynard'sche“ Anpassungen

Allgemeine Beobachtung: „unsere“ Gegner pushen i.d.R. weder Nash-Ranges noch orientieren sie sich an ihnen bei ihren Calls von Pushes der Gegner!

Zunächst: bei den üblichen Strukturen auf Stars können wir diese Phase hier etwas einfacher als in der „reinen Lehre“ definieren.

Bis unser Stack so auf 13-14BB schrumpft, können wir noch sehr schön und erfolgreich restealen ( siehe einer der vorherigen Beiträge in diesem Thread). Auch wenn unsere Gegner für Calls dann oft wirklich gute Odds kriegen, haben wir in der Praxis ausreichend Fold Equity.

Eine besondere Situation ist dabei das Spiel als Ultra-Shorty ( was Nelson/Streib/Lee die „spezielle Phase“ nennen – also das Spiel mit M=1-2 , was häufig dann sowas wie 2-3.5 BB sind – dazu dann etwas mehr in einem späteren Beitrag.

Es bleibt der „Rest“ ;) : ich unterscheide für mich dabei zwei Situationen:

a.) Wir haben noch 11-13 BB.
b.) Wir haben 3-10 BB.

Fangen wir mit b.) an:

Irgendwo so um 10-11BB scheint es für unsere Gegner eine psychologische Schmerzgrenze zu geben. Dabei gibt es zwei sich widersprechende Tendenzen im Gegnerverhalten:

1. Unsere Open-Pushes ( selbst mit sowas wie nur noch 5-6BB left) erzeugen allgemein immer noch eine ++erstaunlich++ hohe Fold Equity.

2. Aber ein Teil unserer Gegner ( gerade manche der größeren Stacks) callen dann trotzdem erstaunlich loose und mit sehr überraschenden Ranges, einfach weil sie denken, dass unser kleiner Stack ihnen eh nicht weh tut, und sie auch einfach ganz gerne gamblen.

Wie können wir davon profitieren? => Wir pushen und repushen ++viel++ nittier, als es die „reine Lehre“ nahelegt.

Wenn dein Stack unter die magische Grenze sinkt ist mein allgemeiner Rat daher einfach: „Don't panic!“ Auch mit 9BB left geht die Welt nicht unter, wenn wir mal 2 Orbits alles folden , weil wir auf eine gute Hand warten: mit 2 Double-Ups haben wir wieder einen gesunden Stack.

Ich habe das von einigen ( OPR) extrem erfolgreichen Spielern gelernt, die genauso handeln und wenn sie ( endlich!) pushen z.B. unfehlbar ein hohes Pocket zeigen. Irgendein Honk called das dann halt i.d.R. Immer, gerne mit Qto, selbst wenn ++offensichtlich++ sein sollte, dass ihre Range extrem stark sein muss.
Oder, auf der anderen Seite, kriegen sie dann von den Gegnern selbst auf 3BB-Open Pushes noch Folds.
Was pushe und repushe ich dann also mit dieser Stacksize?

Ziemlich genau die Ranges aus den „Bronze“- SNG-“Push or Fold“ bzw. Rebound-Tabellen von Morgoth & Michael: http://de.pokerstrategy.com/strategy/sng/787/1/

Dabei interpretiere ich „Rebound“ readless tendenziell sehr liberal: zwei Limps sind für mich i.D.R. Sowas wie ein Push vor mir – und auf einen Limper oder ein Minraise vor mir werde ich häufig trotzdem noch meine gesamte Range pushen.

Ich rechne damit, dass diese Herangehensweise erfahrenen Spielern ( vor allem denen, die auf höheren Levels spielen) einfach +lächerlich+ tight erscheinen wird, aber das ist eine der gaanz wenigen Sachen, die ich selbst „bankrollopfernd“ bis sehr nahe an echte statistische Signifikanz ausgetestet habe, und ich bin mir ziemlich sicher, dass das (zumindest für mich) ++deutlich++ höheren EV als die „reine Lehre“ erzeugt, zumindest in „unseren“ Turnieren.

Die einzigen Situationen, in denen ich readless mit <= 10BB looser openpushe ist vom Button und dem SB, wo ich mindestens +auch+ noch:

BU: 22+, A2+, KT+, K7s, Q8s+, QT+, JT
SB: 22+, A2+, K2+, Q2s+, Q9o+, J7s+, J9o+

hinzunehme.

Zu a.) mit 11-13BB:

Hier werde ich trotz unserer lächerlichen Stacksize noch sehr häufig „normal“ openraisen. Wir überrepräsentieren damit unsere Hand ( viele Gegner machen das nur noch mit Monstern) , so dass unsere Fold Equity eher höher ist als mit einem Open Push.

Natürlich werden wir dann nur noch in extremen Ausnahmefällen die Hand folden in der Folge: unsere Line ist häufig einfach „Push any Flop“ ( das was man auch „Stop and Go“ nennt) .

Auf ganz wenigen Flops ( Zillionen Caller und extrem hässlicher Flop) werden wir trotzdem aufgeben, aber an sich ist das von uns nur als ein Open-Push gemeint, halt in zwei Schritten.

Allgemein spiel ich meistens wie hier beschrieben, aber hand- und gegnerabhängig gelegentlich sicher auch nach der „reinen Lehre“. Die Wahrheit wird dann wohl irgendwo dazwischen liegen.

LG
Weynard

PS:

Original von Ruff813
Mach weiter so!!!
Freue mich schon auf das erste Weynard Video :f_p:

Würde ich an sich schon gerne machen, aber ich bin da computertechnisch leider reichlich ahnungslos. Ich hatte am Samstag einen Deep Run zum Final Table in einem „unserer“ Turniere auf Stars, bei dem ich glaub auch wirklich 1:1 genau wie hier beschrieben gespielt habe. Die Handhistory und meine Gedanken/Reads zu den Händen/Gegnern würde ich dabei auch sicher gerne zur Verfügung stellen, nur ein Video kann ich leider selbst momentan einfach nicht mit vertretbarem Aufwand produzieren.


Antwort
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Lickwick
Beigetreten: 26.02.2012
Oldschool Grinder

Die technik einer Videoproduktion wäre nicht das Problem, das ist easy, könnte ich machen. Das Problem ist nur, dass so was ja vielleicht von jemandem kommentiert werden sollte, der richtig Ahnung hat statt von mir .

Weynard, kannst Du nicht mal die Handhistory hier reinstellen? Mich interessiert es und zumindest für sich selbst kann es sich ja jeder in einem Replayer ansehen - oder ein Video selbst produzieren :f_biggrin:


Antwort
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Weynard Themenstarter
Weynard
Beigetreten: 29.05.2008
PokerStrategist

Original von Lickwick
Weynard, kannst Du nicht mal die Handhistory hier reinstellen? Mich interessiert es und zumindest für sich selbst kann es sich ja jeder in einem Replayer ansehen - oder ein Video selbst produzieren :f_biggrin:

Hmm, soo ist mir das dann definitiv doch einfach zuu -EV. ;)

Bei allen meinen ( offensichtlichen) Leaks bin ich doch trotzdem ein Pokerspieler und somit gewinnorientiert. :) Meine Gedanken in diesem Thread zu beschreiben hat für mich einen gewissen Nutzen, der den Aufwand für mich rechtfertigt. Wenn das dann auch für andere Nutzen haben sollte: fein – das wäre Win-Win.

Also sollte ich mein Angebot hier besser präzisieren: ich würde sehr gerne jemandem diese ( oder eine andere) Handhistory und Gedanken für ein Video zur Verfügung stellen, der dann auch garantiert, seine eigenen Gedanken dazu zu veröffentlichen(!). Das ist dann fair, da ich ja selbst davon lernen könnte, auch ganz unabhängig von der Spielstärke des Reviewers.

Aber ne, einfach mal so ne Handhistory zum Download zur Verfügung zu stellen und mich damit zum gläsernen Spieler zu machen – so edel bin ich ned ;) .

LG
Weynard

PS: für dich ganz privat würde ich da nebenbei eine Ausnahme machen, Lickwick, aber dazu müsstest du mich dann persönlich anschreiben.


Antwort
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Weynard Themenstarter
Weynard
Beigetreten: 29.05.2008
PokerStrategist

Während ich heute abend so ein wenig for mich hindonkte, habe ich recht lange über diesen Thread nachgedacht.

Meine ursprüngliche Idee war, mehr oder minder ernsthaft die ein oder andere Idee, die hier in den letzten Jahren (oft eher nebenbei) als herrschende bzw. Lehrmeinung zum Spiel von Low-Level-MTTs von „Coaches“ präsentiert wurde, und die ich persönlich für ++eindeutig++ und mathematisch fehlerhaft hielt ( und auch immer noch halte) kontrovers zu diskutieren, und ihr eine auch für vollkommene MTT-Anfänger sehr gut spielbare und bewusst möglichst einfache Alternative gegenüber zu stellen. Zu dieser Diskussion kam es dann aber nie. ;)

Das ursprüngliche Thread-Thema dazu war: „Schlag den Fisch“ - und meine erste Post hier war dort sowas wie Post 26. Ich sah dabei vor meinem geistigen Auge einige generelle Ideen, die ich ansprechen wollte, da ich glaub(t)e, dass sie ( und das Spiel und Spielniveau auf „unseren Levels“auch von sehr guten Spielern häufig missverstanden werden.

Womit ich dabei nicht rechnete ist, dass es einen derart großen Bedarf gibt, ( endlich) mal die absoluten „Basics“ des MTT-Spiels lesen ( und lernen) zu können. Ich hoffe, das bis zu einem gewissen Grad in diesem Thread bedient zu haben.
PokerStrategy sollte aus meiner Sicht vielleicht Lehren daraus ziehen. Ich sehe wirklich echten Bedarf für einen etwas aktuelleren MTT-Anfänger-Kurs hier – es gibt Interesse an diesem Thema..

Aber für mich selbst ist ein Punkt errreicht, an dem ich denke, dass im Rahmen meiner eigenen Möglichkeiten halt mal ein Anfang gemacht wurde. Und mehr wollte ich nie.

Weitere Kapitel würden meiner Meinung nach einfach den Rahmen sprengen. Daher denke ich, das jetzt mal einfach so stehen zu lassen hier.

LG
Weynard


Antwort
Zitat
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