Hallo liebe MTTler ! Mich plagt ein kleines aber teures Dilemma in meiner derzeitigen MTT-Karriere und ich hoffe, dass mir hier irgendwie geholfen werden kann
Ich spiele seit kurzer Zeit die 1.10$ 45iger Turbos auf Stars (MTT Neuling detected!) und es läuft irgendwie nicht so richtig rund. Ich denke einfach mal ganz egoistisch, dass ich vom Spielverständnis her eigentlich besser als die meisten dort bin, aber mich plagen einfach einige Umstände, wie sie bei diesem Limit einfach zu hauf und in jedem Turnier auftreten.
Early Phase: Läuft meistens so ab: Ich spiele tight wie es sich gehört, und raise nur meine guten Hände, bzw. calle ggf mit low pockets auf setvalue oder suited connectors in late usw. Also ich würde mein Preflop play dort eigentlich als sehr solide und weitestgehend korrekt bezeichnen. Nur treten dort immer und immer wieder die selben Probleme auf.
- Ich halte AK in später Posi. Vor mir 4 Limper. Ich raise auf 8bb und "schwups" stehe ich 5-7 handed am Flop (das klingt vllt übertrieben, aber ist eigentlich der Normalfall). Meist muss ich dann aufgeben wenn ich nicht treffe und selbst wenn KANN es zu extrem ekeligen Situationen kommen, da man einfach mit sauvielen Leuten den Flop sieht und auf Action steh ich selbst mit meinem TPTK nicht immer gut dar. --> Problem: Ich bekomme durchaus gute Hände, aber kann niemals isolieren. Man kann davon ausgehen, dass, sofern dort jemand limpt, dieser auch ein Raise callt. Auch der BB denkt nur allzu oft, dass er ruhig mal ein 6-8 BB Raise callen kann - man hat ja schließlich schon den Blind bezahlt. Ich habe natürlich schon versucht, dem irgendwie entgegenzuwirken, aber selbst bei 10/20 Blinds callen viele noch ein ~200-250 Raise. Manchmal, wenn mich dann der Tilt packt (ich weiß, mein Fehler) push ich mein AQ/AK auch einfach all in weil ich schlicht keinen Bock hab unnötig Geld zu investieren , auch wenn ich meistens die beste Hand habe, steh ich mit X Leuten Postflop einfach blöd da und muss -fast- immer aufgeben. Ich bin mir durchaus bewusst, das ich Preflop in den allermeisten Fällen vorne liege und definitiv mit einem Raise keinen Fehler machen - nur was soll ich dann am Flop tun? Treffe ich, ist es ja meistens gut. Treffe ich nicht kann ich contibetten eh falten bei so vielen Gegnern und das wars dann auch schon mit der Hand. Noch ein Beispiel:
- MP2 AK: normales Raise, 2 caller. Flop TQ5. Bei 2 Gegner sehe ich mich i.d.r. noch vorne (natürlich boardabhängig, aber es ist ja nur ein Beispiel) und contibette. einer foldet, einer callt. Turn: 3 = blank. Was tun? Jetzt noch mal raisen würde schon spürbare Ausmaße auf meinen Stack haben und wir befinden uns ja schließlich noch in der frühen Phase. Ich tus trotzdem. Er callt. River 9. --> Hand gelaufen c/f. Solche Situationen habe ich leider allzu oft. Spiele ich ab Turn schon c/f unimproved ist es mMn auch schon ziemlich blöd, da wirklich viele einfach ma callen um "den turn zu sehen". Aber es callen halt auch welche dann mit ner 5 (preflop 57s dann halt ma gecallt) und ich steh dumm da.
- Um euch jetzt nicht länger mit irgendwelchen Beispielen zu belästigen: Random Highpocket (TT - KK). 2-X Caller. Overcard im Flop. Wie oft musste ich schon Queens schweren Herzens weglegen, weil da ein A oder K aufm Flop kam und wir 4 handed waren.
Soviel zur Early Phase. Es läuft bei mir meistens (nicht immer) so ab, dass ich mit einer starken Hand Raise und den Flop dann nur allzu oft aufgeben muss. Contibette ich, werde ich meistens gecallt und kann dann am Turn einpacken. Das sind natürlich nur die Negativ Beispiele, es läuft auch schon mal ganz anders und ich treffe mein Set oder Gegner foldet auf Conti oder ich mach TPTK krieg nen netten calldown oder sonstwas. Aber die anderen Situationen überwiegen mMn und das bricht mir oftmals schon früh das Genick, weil ich 2x Preflop raise / contibette und dann schon in PoF bin mit nem 900-1k stack.
Mittlere Phase: Eigentlich dasselbe Problem. Oftmals habe ich nicht wirklich den Stack um zu stealen (siehe oben), tue ich es (mit einer passenden Hand und einem passenden Stack) dann doch, werde ich auch nur allzu oft gecallt. Es ist im Prinzip dasselbe, wie in Early Phase: Zuviele Caller, steals klappen einfach nicht. Contibets sind bei sowas dann oftmals schon ein potcommitter oder ich steh anschließend wirklich scheiße da. Natürlich, das muss ich auch sagen, folden die mal auf ne Conti und es lief 1a, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich longterm nicht rentiert. Es wird halt wirklich mit so unglaublich viel scheisse runtergecallt, das ist nicht mehr feierlich. Und ich bin gerade nicht großartig auf tilt oder so, es ist eben oftmals einfach so. Natürlich würden jetzt welche sagen "Freu dich doch, wenn sie dich mit schlechteren Händen callen". Tu ich aber nicht. Ich will in erster Linie die Blinds und wenn mich 2-3 Gegner callen bin ich auch wenn ich PF vorne war jetzt noch lange nicht gut. Gerade mit lowpockets, wenn dann 1-2 Overcards liegen. So gehts dann die ganze Zeit und ich bin auch schon in der
Späten Phase: Dank den Turbos und stetigem Chiploss (s.o.) komm ich hier relativ schnell an. Tja, es kann passieren, dass ich double up bekomme oder ich muss mit 900 left bei 75 / 150 einen dreckigen UTG Push machen, damit ich keinen fast any two call vor mir hab im BB. Ich DENKE meine Pushes sind ganz okay (ich habe sicherlich auch noch einige Leaks), nur leider gibt es bei jenen ja auch einen entscheidenden Faktor: Die Foldequity. Und die habe ich nach meiner Erfahrung auf den Micros einfach kaum. Da wird dann mal 88 gepusht und mit 9Jo gecallt oder am besten noch 2 caller, der andere Ax. Und dann war es das auch schon (manchmal/meistens). Anytwo oder 70%+ Pushes kann man aufgrund der fehlenden FE mMn auch schon fast falten. Auf der anderen Seite habe ich gerade bei Turbo MTTs einfach nicht die Zeit auf sehr gute Hände zu warten.
So buste ich dann ein ums andere Turnier, wo ich mein Play eigentlich okay fand und ich keine größeren Fehler finde. EP raise ich und muss aufgeben. MP steale ich und muss aufgeben. LP pushe ich notgedrungen und fliege raus. Zu nitty werden will ich aber trotzdem nicht, da man im MTTS einfach dadrauf angewiesen ist möglichst viele Chips zu akkumulieren, gerade bei den Steals. Was soll ich also tun? Mein Play verbessern, natürlich, da ist garantiert auch noch eine Menge Raum, aber wenn stealen einfach nicht geht und ich meine Pushes/steals tighter machen möchte, läuft mir einfach die Zeit davon.
Was soll ich also eurer Meinung nach auf den Low Limits (nochmal zur Erinnerung: 1.10$ 45iger Turbos auf Stars) tun? Ich habe mir schon oft gedacht "spiel halt keine Turbos", aber dort soll ja bloß die Varianz größer sein und ich müsste es trotzdem (besser) schaffen. Ich habe schon versucht gegen die Spielweise der Leute dort zu adapten, aber irgendwie funktioniert es einfach nicht (s.o.).
Aber bevor das jetzt hier einen ganz falschen Eindruck vermittelt, ich bin nicht losing player, aber mehr oder weniger Break Even und dafür finde ich mein Play, um es mal ganz arrogant auszudrücken, zu gut. Meine Pushes sind meistens okay, meine steals und Raises in der EP und MP, denke ich auch meistens in Ordnung. Doch die oben genannten Faktoren machen mir das Leben wirklich schwer.
Ich möchte allerdings auf keinen Fall wieder SnGs oder CG spielen, MTTs sind für mich einfach die mit Abstand spaßigste Pokervariante, da ich das "Turnierfeeling" einfach liebe und bei einem 180iger den 1. zu machen ist schon ein geiles Gefühl, ganz zu schweigen von MassMtts.
Ich hoffe, ihr könnt meine Problematik einigermaßen nachvollziehen und ich möchte noch einmal betonen, dass ich mich hier nicht als den UltraMttler darstellen will. Mein Play ist garantiert noch ordentlich ausbaufähig, aber ich denke mir wird hier gerade wirklich ein bisschen "unrecht getan"^^.
mfg GaiA