Voller Erwartung habe ich mir nun endlich doch, diesen so für megatoll beschworenen Film Inception rein gezogen (Achtung Ironie!). Nein es reicht nicht mal für einen Punkt. Ich hab mich angestrengt, hab mit mir gekämpft, ich kann nicht anders, bin ehrlich. Wenn nicht hier wann dann muss eine Null hin. Hier ist also die Kritik die keiner hören will, die keiner denken will, die keiner verstehen will.
Ein Film der so große Wellen schlägt, von so vielen Menschen und Kritikern für so gut befunden wird sollte man auf den (gesellschaftskritischen)-Grund gehen und nicht bloß bis zu 3. oder 4. unteren Ebene wie uns der Film unausgereift vormachen will.
Was will der Film eigentlich zeigen, welche Werte und moralischen Grundsätze will er vermitteln, wie wirkt er sich auf die heutige Zeit und die lebenden Menschen aus, was für Ansätze/Ziele verfolgt Mr. Nolan mit seiner Regie?
Gerade dann wenn etwas von so vielen Menschen als gut bewertet wird, sollte jedem mit gesundem Menschenverstand zunächst skeptisch werden lassen, aufhorchen lassen, ob man mit der großen Masse (unbewusst) mitschwimmt, ob man sich mit Inhalten identifizieren kann welche im Film gezeigt werden? Ist man in der heutigen Zeit, fernab jeglichen Stimmungen überhaupt noch in der Lage gedanklich neutral zu reflektieren? Übernimmt man alles unbewusst sorgenlos was einem von oben herab vorgegaukelt wird? Wo viel Masse ist leider auch viel Durchschnitt.
Inception ist nichts anderes als die Verkörperung des modernen Mainstreamkinos, ist für den Mainstream und seine Bedürfnisse wie geschaffen. Der, in heutigen Informations- und Konsumgesellschaft lebende und manipulierte Kino-Mensch will Unterhaltung, Spannung, Spaß und Lustempfinden. Wenn dann vom Berufsalltag gestresste Nerven und Gemüt mit etwas zudem geheimvollen und komplexen, wie Traum und Unterbewusstsein konfrontiert wird, ist die Mischung für ein Megastreifen scheinbar perfekt.
Wer als Filmproduzent in unserem kapitalistischen Filmgeschäft überleben und Geld verdienen will, muss diese niedrige Instinkte des Mainstreams zwangsläufig bedienen.
Um den Film inhaltlich in seinen vollen Zügen verstehen und nachvollziehen zu können wage ich mal zu bezweifeln, ob hierzu ein Studium der Traumdeutung plus 10 Jahren Forschungsarbeit ausreichten aber das ist ein anderes Thema. Schließlich geht es um die komplizierten Zusammenhänge des Unterbewusstseins ja auch gar nicht, nicht wahr?
Vielleicht geht es darum zu zeigen, wie unglaublich pervers unserer menschliches (Un)empfinden gegenüber „Kleinigkeiten“ fortgeschritten ist; wenn unser toller Hauptdarsteller und Familienvater bei der ersten Schießerei im Film jemanden, den es eigentlich gar nicht gibt (welche Ironie!) einfach von hinten eiskalt abknallt, ohne Konsequenzen für seine Persönlichkeits- und Sympathiewerte und sein Image befürchten zu müssen.
Muss man das hinterfragen, nein? Dann weiter.
Gleich zu Beginn des Films sehen wir Waffen, Macht und Symbolik. Die Grundwerte unserer gesellschaftlichen Ordnung. Mit Waffen verteidigen wir unser Recht auf Freiheit, mit Macht und Symbolik sichern wir unsere Stellung in der Gesellschaft. So war es schon immer und so soll es auch bleiben. Kein Grund zu Aufregung oder Besorgnis.
Auf der anderen Seite wird uns eine Familienidylle mit tollem Haus und Garten, brav sorgenfrei spielenden Kindern eingeblendet, die hier in einer Welt voller Gewalt und Elend ein wenig deplaziert wirken. Vielleicht ein längst verlorener Traum eines modernen Menschen: das Glück erscheint flüchtig wie ein Traum (welche Ironie!). Der Vater macht seinen Job, erschießt irgendwelche unbekannten Traumfiguren. Ein Job der hier an keiner Stelle auf seine moralischen und ethnischen Werte hin beleuchtet und hinterfragt wird. Warum auch? Es ist bloß ein Job wie jeder andere auch, irgendeinen Job, es könnte auch ein Fabrikarbeiter sein, der durch seine stumpfe Produktivität den Kreislauf unseres Kapitals, ja unseres Systems aufrechterhält, who cares?
Welche Werte und Erziehungsgrundsätze unser Familiendaddy seinen Kindern, mit denen er am Ende des Film zusammenkommt vermitteln will und wird darüber wollen wir Filmzuschauer gar nicht nachdenken. Nein, hier an diese Grenze wagen wir uns nicht heran. Wir lassen lieber alles so wie es ist. Es wird schon gut gehen. Wir vertrauen blind. Wir träumen von einer besseren Welt. Wir sind die eigentliche Inception des Films.
Statt sich mit den moralischen Grundfragen des Films zu beschäftigen wird unser Focus ganz bewusst übrigens auf andere belanglose Sachen gelenkt.
Wir wollen wissen was mit seiner Frau los ist, die im ersten Traumlevel unseres Filmhelden im Untergeschoss scheinbar gefangen gehalten wird. Wie kommt sie dahin, wie geht es mit ihr weiter, wer oder was ist eigentlich daran Schuld, was soll dieser Zug darstellen?
Wird das voll aufgeklärt? who cares? Eine Liebesbeziehung die bis zum hohen Alter und Tod anhält erscheint uns Menschen übrigens auch wie ein Traum (noch eine Ironie). Sind wir nicht stets auf der Suche nach etwas besserem, schönerem, passendem und trennen uns im Durchschnitt alle 2 Jahre von unseren Partnern?
Der Film ist durchzogen von Schießereien, von sinnlosen Kampfszenen die nichts aufklären und doch alle Zuschauer scheinbar zufrieden stellen. Der Film ist besetzt mit ziemlich schwachen, unausgebildeten, unausgereiften Persönlichkeiten, die mit ihren platten Dialogen nichts vermitteln und eine Distanz schaffen, die nur noch von denen erkennt wird, die noch nicht zu den Manipulationsopfern unseres gesellschaftlichen Systems und seinen vermittelten irreführenden Normen und Strukturen geworden sind.
Jede Gesellschaft bekommt die Kinder die sie verdient, wie wahr, wie wahr.
Wir vertrauen.
Es wird schon gut gehen.