Original von Sleyde
Hm, mein Verständnis war bisher so:
Ein stochastischer Prozess ist ein Martingal, wenn:
E[P(t+1) | P(t), P(t-1), ... ] = P(t) <=> E[P(t+1) - P(t) | P(t), P(t-1), ... ] = 0
P soll hier mal für Preis stehen. D.h. der bedingte Erwartungswert ist gleich dem Wert der vorherigen Beobachtung.
Implikation: die Martingaldifferenz (Preisänderungen) sind ein "fair game" + nicht überlappende Preisänderungen sind über alle Zeitdifferenzen unkorrelliert -> wenn es empirisch serielle Korrelation gibt, kann die Hypothese nicht gehalten werden. Rein theoretisch wäre es auch nicht sehr plausibel, da keine Kompensation für Risiko gäbe und erwartete Preisänderungen immer Null wären.
Die definition stimmt, aber man kann den erwartungswert ja bzgl. verschiedenen W-maßen bilden. Das vorgehen für den test auf arbitragefreiheit wäre etwa so:
Gehen wir mal davon aus, dass die zinsen deterministisch sind und die Vol von meinem Prozess konstant ist. B sei mal der Preis eines Zerobonds. Jetzt müsste ich prüfen, ob es ein maß gibt, sodass P/B ein Martingal ist. Wenn das so ist, dann ist P arbitragefrei. (sind die Zinsen nicht deterministisch oder die Vol nicht kostant kann man nicht durch den bondpreis teilen sondern muss das über den forward machen)
Ich bin mir nicht sicher, ob eine autokorrelation in P wirklich immer die arbitragefreiheit zerstört. Es könnte sein, dass sich die korrelation durch die wahl des entsprechenden numeraires (also wenn ich nicht durch B teilen muss, sondern irgendwas kompliziertes) wieder raushebt. Ob arbitrage möglich ist hängt ja sehr vom unterliegenenden Zinsprozess ab.
Aber um arbitragefreiheit gehts ja eigentlich auch nicht direkt. Wenn man über chartanalyse diskutieren will, ist die markoveigenschaft wohl interessanter.
Original von Sleyde
Ein Random Walk ist einfach nicht-stationäres autoregressives Modell (in der Basisform mit e(t) i.i.d. normalverteilt)
P(t) = µ + P(t-1) + e(t)
Also das, was du sagst. Wenn das in der Gleichung log-preise wären, hätten wir einfach:
r(t) =P(t) - P(t-1) = µ + e(t) und E[r(t)] = µ und E[r(t+1)| P(t), P(t-1) , ... ] = µ != 0
Also wäre meine Schlussfolgerung, dass ein Random Walk mit µ=0 ein Martingal ist, aber nicht jedes Martingal ein Random Walk.
Der Unterschied ist, dass beim Martingal nur aussagen über den EV getroffen werde. Die verteilung kann aber von allem möglichen abhängen und muss nicht i.i.d. sein.
Original von Sleyde
Für Black-Scholes ist der stochastische Prozess doch:
dP = r*P*dt + sigma*P*dW
mit r Zins, sigma Volatilität und dW Wienerprozess Zuwachs. Warum ist das kein Random Walk? Die dW Zuwächse sind doch i.i.d. ?
Die Zuwächse sind nicht i.i.d., sie hängen ja vom aktuellen preisniveau P ab (P*dW). Wenn die Preise niedrig sind, habe ich auch kleinere erwartete Zuwächse. Der prozess der log returns ist aber dann ein randomwalk.
Bei realistischeren Modellen hat man ein r und sigma, was stochastisch und/oder von t abhängig ist. Da hat man dann auch bei den logreturns keinen random walk.
Original von Sleyde
Also das was ich als "markov-eigenschaft" in Erinnerung hatte, war eigentlich, dass Preise heute nicht von der Vergangenheit abhängen. Und dann wäre eine signifikante Autokorrelation mit Vergangenheitsrenditen nicht in Ordnung. Aber vermutlich ist meine Definition von markov-eigenschaft dann einfach nicht richtig.
Die definition der markoveigenschaft ist E(P(t+1)|P(t)) = E(P(t+1)|P(t), P(t-1), P(t-2), ...).
Für den EV ist also nur der letzte Preis entscheidend, alle Preise davor sind egal. Wenn ein prozess diese eigenschaft erfüllt ist chartanalyse sinnlos, da alle infos ja im letzen punkt stecken.
Solche Prozesse können aber auch autokorreliert sein. Also ist ein nachweis der autokorrelation kein argument für die chartanalyse.