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Chartanalyse

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Ajezz
Joined: 20.07.2005

Ich komme aus der Ecke der klassischen Finanzierungstheorie und bin daher der Behavioral Finance immer etwas skeptisch, ihren Auswüchsen wie der Chartanalyse (wenn man diese mal wohlwollend zur Behavioral Finance zählt) eher belustigt gegenüber gestanden. Aus aktuellem Anlaß ( =)) habe ich mich heute nochmal etwas mit dem Thema Chartanalyse beschäftigt, um zu sehen, ob das vernichtende Urteil, das Autoren wie Samuelson oder Fama gefällt haben, durch aktuelle Studien etwa abgemildert werden kann.

Das Ziel der Chartanalyse ist ja im Kern, aus der Betrachtung von historischen Preisen (Kursen) auf die zukünftige Entwicklung der betrachteten Preise zu schließen. Dabei wird ein vielfältiges Instrumentarium eingesetzt, das von Trend- und Unterstützungslinien, Fraktalen hin zu Elliott-Wellen etc. reicht, um daraus Kauf- bzw. Verkaufsignale zu generieren, d.h. also Preisbewegungen vorherzusagen. Dabei geht es mir nicht um die Güte der eingesetzten Instrumente, sondern um deren Prognosefähigkeit überhaupt.

Im Endeffekt geht es dabei um die Frage, ob der Kapitalmarkt effizient ist oder nicht. Nun belegt aber nahezu jede empirische Studie zumindest die schwache Form der Informationseffizienz des Kapitalmarktes, viele sogar die halbstrenge Form. Bereits die schwache Form besagt, daß der Markt alle Informationen aus der vergangenen Preisentwicklung im aktuellen Preis verarbeitet hat. Der aktuelle Preis ist also bereits die beste Prognose für den zukünftigen Preis und - für unsere Zwecke wichtiger - Investitionsentscheidungen auf Basis eigener Analysen der Vergangenheit können demnach nicht besser sein als zufällige Investitionsentscheidungen.

Ich habe heute in meiner (allerdings beschränkten) Recherche keine Hinweise oder aktuelle Studien gefunden, die Gegenteiliges belegen. Ich denke daher, man kann Samuelsons Zitat auch nach knapp 50 Jahren noch so stehen lassen: "This means that there is no way of making an expected profit by extrapolating past changes in the futures prices, by chart or any other esoteric devices of magic or mathematics". 1

Die Behavioral Finance hat die klassische Finanzierungstheorie an vielen Ecken ergänzt und erweitert; aber m. E. eben nicht in Bezug auf die Chartanalyse. Mich würde interessieren, was Vertreter der Chartanalyse bzw. auf dieser basierender Investitionsstrategien ( ;)) dazu zu sagen haben.

1 Samuelson, Paul A., "Proof That Properly Anticipated Prices Fluctuate Randomly", in: Industrial Management Review, Vol. 6 (1965), No. 2, S. 44. Hervorhebung von mir. Das Zitat ist leicht aus dem Zusammenhang gerissen, denn auch über Samuelsons Random-Walk-Hypothese läßt sich trefflich streiten.


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27 replies
jotha
Joined: 20.04.2006

Das ist wie beim Poker. Du hast zwar eine Wahrscheinlichkeit, dass z. B. der Flush kommt, aber im aktuellen Spiel weißt du es eben nicht. Es geht nicht darum, Preisbewegungen vorherzusagen, sondern gewisse Wahrscheinlichkeiten auszunutzen.

Es gibt Märkte oder Produkte, die z. B. lange in Trendkanälen gehandelt werden.
Es gibt Märkte oder Produkte, bei denen z. B. ein übermäßiges Volumen auf eine Übertreibung hinweist.
Es gibt Märkte oder Produkte, bei denen z. B. Instrumente wie Pivot-Punkte oder Fibonacci-Retracements oft angesteuert werden.

...

Wenn man das erkennt, kann man versuchen, daraus einen Gewinn zu holen.
Es gehört auch Geld- und Risiko-Management dazu.
Vieles dabei kann z. B. selbsterfüllende Prophezeiung sein, nur weil viele darauf achten.

Manche haben dabei mehr Glück und Erfolg oder Erfahrung als andere, in bestimmten Situationen das Richtige zu tun.
Auch nicht zu handeln, ist eine Entscheidung.

Original von Ajezz
Bereits die schwache Form besagt, daß der Markt alle Informationen aus der vergangenen Preisentwicklung im aktuellen Preis verarbeitet hat. Der aktuelle Preis ist also bereits die beste Prognose für den zukünftigen Preis und - für unsere Zwecke wichtiger - Investitionsentscheidungen auf Basis eigener Analysen der Vergangenheit können demnach nicht besser sein als zufällige Investitionsentscheidungen.

Wenn Du nur mit dem aktuellen Preis hantieren willst, weil der ja alles behinhaltet, dann ist das so, als wenn Du eine Firma nur nach der Bilanz beurteilen willst.
Das ist ausschließlich bezogen auf einen Stichtag. Wichtig ist aber der Verlauf.
Für eine Firma also z. B. die Varianz im Gewinn. Der Umsatz und dessen Entwicklung und Änderung ist in der Bilanz nicht ersichtlich. Es ist zwar alles beinhaltet, aber man braucht Instrumente, um sich ein eigenes, anderes, umfassenderes (besseres) Bild zu machen.


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JDaniels
Joined: 13.12.2006

hi

ich hatte in der uni auch einen internatoional finance Kurs, der eher den Schwerpunkt Fundamentalanalyse hatte. Allerdings wurde dort auch angesprochen, dass es durchaus Untersuchungen gibt, die die allgemein kritische Haltung gegenüber der technischen Analyse nicht mittragen sondern im gegenteil zum Schluss gekommen sind, dass es durchaus Muster gibt, die sich häufiger Wiederholen, als eine reine Zufallsverteilung dies vermuten ließe.

Etwas älter, aber immerhin eine quelle habe ich noch gefunden: Mamayski & J.Wang (2000) 'Foundation of Technical Analysis: Computational Algorithms, Statistical Interference and empirical Implementations'

Wenn man danach googlet, findet man auch diverse Werke, die darauf basierend Folgeuntersuchungen durchführen.

Ist jetzt auch kein Beweis, aber immerhin gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, in den es nicht als "mumbo jumbo" abgetan wird. :)


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Ajezz
Joined: 20.07.2005

Original von jotha
Es geht nicht darum, Preisbewegungen vorherzusagen, sondern gewisse Wahrscheinlichkeiten auszunutzen.

Ja natürlich sind die zukünftigen Preise irgendwie verteilt und nicht sicher. Deswegen ja auch "expected profit". Für das Argument macht es aber überhaupt keinen Unterschied, wie die Preise verteilt sind.

Original von jotha
Manche haben dabei mehr Glück und Erfolg oder Erfahrung als andere, in bestimmten Situationen das Richtige zu tun.
Auch nicht zu handeln, ist eine Entscheidung.

Naja, "Glück" und "Erfahrung" sind schon komische Worte in dem Zusammenhang. Es müßten mehr Leute mehr und höheres Glück und Erfahrung als Pech und Unerfahrung haben, damit der erwartete Effekt positiv ist. Dafür gibt es aber überhaupt keine Anzeichen.

Original von jotha
Wenn Du nur mit dem aktuellen Preis hantieren willst, weil der ja alles behinhaltet, dann ist das so, als wenn Du eine Firma nur nach der Bilanz beurteilen willst....

Ja, das sehe ich natürlich genauso, ABER: die Chartanalyse basiert ja AUSSCHLIESSLICH auf der Analyse von Preisentwicklungen. Damit eine solche Strategie Erfolg haben soll, muß der aktuelle Preis regelmäßig nicht den besten Schätzer für den zukünftigen Preis darstellen. Mit anderen Worten, der Markt muß ineffizient sein. Für manche Märkte mag das sogar gelten (irgendwelche Smallcap-Aktien), für Märkte wie z. B. für die großen Währungen mit mehreren Billionen Dollar Tagesvolumen wage ich eine solche Ineffizienz zu bezweifeln.


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Zitat

hab den link auch schonmal in nem anderen thread gepostet aber hier passt er auch
http://www.ftc.at/li/liView/action/display/frmLiID/11120/

Imo der wichtigste Abschnitt:
"Was ist die Chartanalyse eigentlich? Eine reine Betrachtungsweise. All die vielen Hilfskonstruktionen, Kurvenglättungen und Verbindungslinien beinhalten in Wahrheit keinerlei neue Informa-tion. Sie machen lediglich bereits vorhandene Information augenfälliger. Die Interpretation dieser Information ist das einzig Neue. Und erst wenn eine genügend große Zahl von Handelsteilnehmern zu derselben Interpretation (vielleicht aufgrund völlig anderer „Indikatoren“) gelangt, wird der Kurs in die erhoffte Richtung laufen. So gesehen ist Charttechnik vielleicht nichts anderes als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung."


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Sleyde
Joined: 15.01.2005

Ich habe heute in meiner (allerdings beschränkten) Recherche keine Hinweise oder aktuelle Studien gefunden, die Gegenteiliges belegen.

Jegadeesh, N., 1990, "Evidence of Predictable Behavior of Security Returns"

Jegadeesh, N., and S. Titman, 1993, "Returns to Buying Winners and Selling Losers: Implications for Stock Market Efficiency"

Jegadeesh, N., and S. Titman, 2002, "Cross-Sectional and Time-Series Determinants of Momentum Returns"

Cliffs:

- kurzfristige Renditen scheinen negativ autokorreliert. D.h. wenn die Rendite in einer Woche negativ war, ist sie wahrscheinlich in der nächsten Woche positiv. (short-horizon reversal)

- Es gibt anscheinend einen "Momentum" Effekt im Zeitrahmen von 3-12 Monaten. Also gute bzw. schlechte Performance hält über diesen Zeitraum an.

- Anscheinend gibt es einen "reversal" Effekt, d.h. negative Autokorrelation über Jahre hinweg. Also dass Aktienpreise zu einem long-term mean konvergieren und z.B. nicht einem Random-Walk folgen.

Das sind die empirischen Beobachtungen. Ob, das nun auf Markteffizienz zurückzuführen ist oder es andere Erklärungen gibt (z.B. Transaktionskosten etc.), bleibt offen. Das wird in Fama, 1989, Business conditions and expected returns on stocks and bonds, ein bisschen diskutiert. Puzzles of modern finance...

Zumindest den Reversal Effekt scheint es noch zu geben, siehe:

Plyakha, Uppal, Vilkov (2012)

Die meinen, dass ein gleichgewichtetes Portfolio ein auf Basis von marktkapitalisierung gewichtetes Portfolio outperformed. Und das nicht auf Grund der anfänglichen Gewichtung, sondern weil das gleichgewichtet Portfolio monatlich rebalanced um die Gewichte gleichzuhalten. Das antyzyklische Verhalten nimmt sich den Reversal Effekt zum Vorteil und deswegen die Overperformance zum marktkapitalisierungsgewichteten Portfolio. Aber eigentlich in jederzeit effizienten Märkten dürfte kein Portfolio strikt besser abschneiden als das Marktportfolio..

Harter Tobak für Verfechter von Markteffizienz :f_cry: :f_cry:

Das hat jetzt alles nicht so mit Chartanalyse zutun, aber mit Vorhersagbarkeit von Preisen und Markteffizienz, was ja auch so das große Thema außendrum ist. Fama und French würden wahrscheinlich behaupten, dass wir einen Faktor vergessen haben

Damit eine solche Strategie Erfolg haben soll, muß der aktuelle Preis regelmäßig nicht den besten Schätzer für den zukünftigen Preis darstellen.

Ich glaube, dass der aktuelle Preis regelmäßig nicht der beste Schätzer ist für den "wahren" Wert ist unter einigen Akademikern anerkannt. Siehe http://www.dgf2008.de/content/paper/worldportfolio_12082008.pdf Seite 14 ff. Gibt aber auch andere Meinungen, Perold (2007) z.B... wobei es hier eher um Portfolios als um einzelne Aktien geht. Ich weiß nicht, inwiefern sich das so direkt übertragen lässt.

Es ist alles sehr, sehr puzzling. V.a. wenn man mit seinem Verständnis von Markteffizienz daherkommt und dann die ganzen empirischen Resultate sieht. (ich würde von mir auch behaupten, dass ich denke, dass die Märkte allgemein sehr effizient sind)


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Ajezz
Joined: 20.07.2005

Sehr interessant, danke.


Antwort
Zitat
Sleyde
Joined: 15.01.2005

Falls es dich interessiert, beschäftige mich gerade intensiver mit dem Thema:

Brock, W., Lakonishok, J. and LeBaron, B. (1992), Simple Technical Trading Rules and the
Stochastic Properties of Stock Returns, Journal of Finance, 47, 1731-1764.

Lo, A. W., Mamaysky, H. and Wang, J. (2000), Foundations of Technical Analysis: Compu-
tational Algorithms, Statistical Inference, and Empirical Implementation, Journal of Finance,
55, 1705-1765.

Die beiden halte ich noch für lesenswert, wobei das erste ein bisschen älter ist und methodologisch an manchen Stellen vielleicht nicht ganz up-to-date. Das zweite Paper ist auch sehr interessant, da die anscheinend auch sehr eng mit professionellen Chartanalysten zusammen gearbeitet haben.

Gemeinsamer Konsens scheint aber bei beiden zusein, dass die Chartanalyse in der Tat helfen könnte, Informationen im Preis zu verarbeiten, d.h. dass man damit in der Tat Preise auch vorhersagen kann. Was sie aber beide verneinen ist, dass man daraus Tradingstrategien mit abnormalen Renditen erzielen kann, d.h. dass jene Findings eine Gefahr für die Markteffizienz darstellen. Sehr interessant, da vor allem die Chartanalyse bis heute wenig Einfluss in der akademischen Literatur hat und das immerhin zwei Journal of Finance Artikel sind!


Antwort
Zitat
DrStrothmann
Joined: 29.12.2007

eventuell wird dir hier auch geholfen.


Antwort
Zitat
groovechampion
Joined: 07.05.2009

Wurde mal wissenschaftlich untersucht, welche Grundbedingungen zur Chartanalyse am Markt vorherrschen müssen? Hier, bei Tradimo und auch woanders werden gerne mal technische Analysen durchgeführt, wo ich mir intuitiv sicher bin, daß Chartsignale random-pseudo-signifikante bis falsche Handlungsempfehlungen produzieren (z.B. bei kaum gehandelten Pennystocks; Spot- und Front-Month-rollierten Charts, die sich so garnicht abbilden lassen; physischen Märkten mit starker Inlet-/Outlet-Problematik, die von Charts garnicht erfasst werden können; etc.).


Antwort
Zitat
jotha
Joined: 20.04.2006

Original von groovechampion
Wurde mal wissenschaftlich untersucht, welche Grundbedingungen zur Chartanalyse am Markt vorherrschen müssen? Hier, bei Tradimo und auch woanders werden gerne mal technische Analysen durchgeführt, wo ich mir intuitiv sicher bin, daß Chartsignale random-pseudo-signifikante bis falsche Handlungsempfehlungen produzieren (z.B. bei kaum gehandelten Pennystocks; Spot- und Front-Month-rollierten Charts, die sich so garnicht abbilden lassen; physischen Märkten mit starker Inlet-/Outlet-Problematik, die von Charts garnicht erfasst werden können; etc.).

Du vermischt mMn verschiedene Handelsansätze und Hilfsmittel zum Trading.

Ein Trader, der z. B. nach Charts handelt, nimmt volumenstarke Underlyings mit geringem Spread, also keine Penny-Stocks.
Charts von Futures werden einfach mit verschiedenen Ansätzen zu einem Endlos-Kontrakt aneinender gehängt (z. B. einfach mit dem Gap oder der verfallene Kontrakt wird geglättet u.ä.). Jeder findet sein eigenes Vorgehen: nur Intraday-Handel, am Hexen-Sabbat und am folgenden Handelstag gar nicht handeln, Handel in großen Zeiteinheiten, nur Handel in Produkten mit kleinen Differenzen, ...

Was verstehst Du unter Inlet-/Outlet-Problematik bei Handelsmärkten?


Antwort
Zitat
JBCMaster
Joined: 24.03.2009

Original von Sleyde
Falls es dich interessiert, beschäftige mich gerade intensiver mit dem Thema:

Brock, W., Lakonishok, J. and LeBaron, B. (1992), Simple Technical Trading Rules and the
Stochastic Properties of Stock Returns, Journal of Finance, 47, 1731-1764.

Lo, A. W., Mamaysky, H. and Wang, J. (2000), Foundations of Technical Analysis: Compu-
tational Algorithms, Statistical Inference, and Empirical Implementation, Journal of Finance,
55, 1705-1765.

Die beiden halte ich noch für lesenswert, wobei das erste ein bisschen älter ist und methodologisch an manchen Stellen vielleicht nicht ganz up-to-date. Das zweite Paper ist auch sehr interessant, da die anscheinend auch sehr eng mit professionellen Chartanalysten zusammen gearbeitet haben.

Gemeinsamer Konsens scheint aber bei beiden zusein, dass die Chartanalyse in der Tat helfen könnte, Informationen im Preis zu verarbeiten, d.h. dass man damit in der Tat Preise auch vorhersagen kann. Was sie aber beide verneinen ist, dass man daraus Tradingstrategien mit abnormalen Renditen erzielen kann, d.h. dass jene Findings eine Gefahr für die Markteffizienz darstellen. Sehr interessant, da vor allem die Chartanalyse bis heute wenig Einfluss in der akademischen Literatur hat und das immerhin zwei Journal of Finance Artikel sind!

Wollte dazu was hinzufügen. Es gibt schon akademische Literatur zur Chartanalyse, gehört aber nicht dem Bereich Finance an, sondern man findet dazu mehr in so Zeitreihen oder so mathematischer Literatur. Es wurde auch letztens ein Hauptseminar bei uns in Mathe dazu abgehalten und Zeitreihen sind eben nichts anderes als Chartanalyse. Es ist mathematisch möglich anhand der Kursverläufe mit bestimmter Wahrscheinlichkeit den Kursverlauf vorherzusagen.


Antwort
Zitat
groovechampion
Joined: 07.05.2009

Original von jotha
Du vermischt mMn verschiedene Handelsansätze und Hilfsmittel zum Trading.
Ich vermische hier eigentlich garnichts, sondern frage nach wissenschaftlichen Grundlagen, unter welchen Umständen Charts von unterschiedlichen Märkten "lesbar" und aussagekräftig werden

Ein Trader, der z. B. nach Charts handelt, nimmt volumenstarke Underlyings mit geringem Spread, also keine Penny-Stocks.
Weiß ich, die Preisfrage ist wie oben: welche Grundvoraussetzungen

Charts von Futures werden einfach mit verschiedenen Ansätzen zu einem Endlos-Kontrakt aneinender gehängt
Auch das ist mir bekannt, das dürfte aber mMn die Aussagekräftigkeit von Charts in einigen Fällen schmälern.

Was verstehst Du unter Inlet-/Outlet-Problematik bei Handelsmärkten?
Es gibt Märkte, in denen die Lager- und Weiterverarbeitungskapazitäten bei der Preisfindung eine herausragende Rolle spielen (bspw. WTI und HH NG), da die Produzenten Lagerdruck bei nicht kurzfristig erweiterbaren Weiterverarbeitungskapazitäten erzeugen. Bei Henry Hub NG hat es 2011/2012 auch tonnenweise Rebound-Signale gegeben, die nicht eingetreten sind, weil dann einfach mehr Gas von den Erdgasfeldern in die Lagerstätte gepumpt wurde, bei WTI wurde die Seaways Pipeline umgedreht: kein Effekt, es kam einfach mehr Öl nach. Bei NY Harbor gehandelten Produkten (HO, RBOB, etc.) hat man diese Problematik weniger, da das Zeug auch weggekarrt werden kann bzw. das Importöl dann einfach nicht mehr anlandet.

Wenn es keine wiss. Untersuchungen gibt, dann würde ich trotzdem z.B. von Tradimo erwarten, daß es seinen Nutzern mitteilt welche Märkte anhand welcher Charts in welchem Zeitraum handelbar sind, und welche besser nicht. Geht garnicht gegen Tradimo, aber in der gesamten Techn.-Analyse-Community lautet scheinbar das Motto: Solange es einen Chart gibt, dann kann ich ihn auch analysieren. Stimmt, je nach Markt ist diese Analyse aber mMn bedeutungslos. Frage: ab wann macht's Sinn?


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Zitat
jotha
Joined: 20.04.2006

Was erwartest Du von Tradimo?
Die sind derzeit in der Beta-Phase.
Außerdem geht es um Beginner Strategie und dann erweiterte Konzepte.
Da erst mal Forex und jetzt Einführung in Aktienhandel.
Der Umkehrschluss bedeutet eben, dass nicht angesprochene Märkte auch nicht gehandelt werden sollen.
Ansonsten ist alles andere Infos drum rum.
Die sind bei weitem nicht so weit, wie Du das möchtest.

Sorry, ich wollte Dir nicht auf die Füße treten.
Mit den wissenschaftlichen Grundlagen habe ich nichts am Hut.


Antwort
Zitat
JBCMaster
Joined: 24.03.2009

Original von groovechampion

Original von jotha
Du vermischt mMn verschiedene Handelsansätze und Hilfsmittel zum Trading.
Ich vermische hier eigentlich garnichts, sondern frage nach wissenschaftlichen Grundlagen, unter welchen Umständen Charts von unterschiedlichen Märkten "lesbar" und aussagekräftig werden

Ein Trader, der z. B. nach Charts handelt, nimmt volumenstarke Underlyings mit geringem Spread, also keine Penny-Stocks.
Weiß ich, die Preisfrage ist wie oben: welche Grundvoraussetzungen

Charts von Futures werden einfach mit verschiedenen Ansätzen zu einem Endlos-Kontrakt aneinender gehängt
Auch das ist mir bekannt, das dürfte aber mMn die Aussagekräftigkeit von Charts in einigen Fällen schmälern.

Was verstehst Du unter Inlet-/Outlet-Problematik bei Handelsmärkten?
Es gibt Märkte, in denen die Lager- und Weiterverarbeitungskapazitäten bei der Preisfindung eine herausragende Rolle spielen (bspw. WTI und HH NG), da die Produzenten Lagerdruck bei nicht kurzfristig erweiterbaren Weiterverarbeitungskapazitäten erzeugen. Bei Henry Hub NG hat es 2011/2012 auch tonnenweise Rebound-Signale gegeben, die nicht eingetreten sind, weil dann einfach mehr Gas von den Erdgasfeldern in die Lagerstätte gepumpt wurde, bei WTI wurde die Seaways Pipeline umgedreht: kein Effekt, es kam einfach mehr Öl nach. Bei NY Harbor gehandelten Produkten (HO, RBOB, etc.) hat man diese Problematik weniger, da das Zeug auch weggekarrt werden kann bzw. das Importöl dann einfach nicht mehr anlandet.

Wenn es keine wiss. Untersuchungen gibt, dann würde ich trotzdem z.B. von Tradimo erwarten, daß es seinen Nutzern mitteilt welche Märkte anhand welcher Charts in welchem Zeitraum handelbar sind, und welche besser nicht. Geht garnicht gegen Tradimo, aber in der gesamten Techn.-Analyse-Community lautet scheinbar das Motto: Solange es einen Chart gibt, dann kann ich ihn auch analysieren. Stimmt, je nach Markt ist diese Analyse aber mMn bedeutungslos. Frage: ab wann macht's Sinn?

schau dir doch einfach den EURUSD Chart über 15 Jahre an, du wirst feststellen, dass entweder a. die Samplesize zu klein ist oder b. es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um einen Random Walk handelt. Im Falle a. würde bedeuten, dass alle ökonomischen Entwicklungen auf der Welt auch ein random Walk sind, was ich für unrealistisch halte und im Falle b. weil es sich nicht um einen random Walk handelt, sind +EV Prognosen anhand der Vergangenheitsdaten möglich und das ist auch wissenschaftlich schon lange ein Fakt. Da musst du keine großen wissenschaftlichen Untersuchungen machen, es sei den du akzeptierst die mathematischen Gesetze nicht.

Random Walk

Ansonsten hier zur wissenschaftlichen Sicht der Zeitreihenanalyse(= Chartanalyse):
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitreihenanalyse


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groovechampion
Joined: 07.05.2009

Es ging mir ausschließlich darum, welche Märkte sinnvoll analysierbar sind, und welche nicht. Mit 'nem „passt scho“ ins Gesicht gemeißelt Charts aller Art zu analysieren, erscheint mir reichlich degeneriert, wenn wirklich alles Wissen was man hat vom Chart kommt.


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DrStrothmann
Joined: 29.12.2007

Grundsätzlich benötigt man natürlich immer auch ein wenig Fundamentaldatenwissen. Auch sind bei einigen Assetklassen Hintergrundinfos über Art des Geschäftsmodells etc hilfreich. Je nach Strategie ist das ein Muss oder ein Kann.

Ich persönlich konnte Chartdeuterei wenig Anerkennung zusprechen, muss aber meine Ansicht seit ein paar Monaten revidieren. Das Thema hat seine Berechtigung und sollte auch von Anhängern der Fundamentalanalyse beachtet werden.


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JBCMaster
Joined: 24.03.2009

Original von groovechampion
Es ging mir ausschließlich darum, welche Märkte sinnvoll analysierbar sind, und welche nicht. Mit 'nem „passt scho“ ins Gesicht gemeißelt Charts aller Art zu analysieren, erscheint mir reichlich degeneriert, wenn wirklich alles Wissen was man hat vom Chart kommt.

Im Prinzip musst du nur prüfen, ob es sich beim Chart wahrscheinlich um einen random Walk handelt oder eher unwahrscheinlich, z.B. SPSS Software macht sowas, erfordert aber einiges an Aufwand, ist aber eigentlich simpel. Kompliziert wird es das Chart richtig zu klassifizieren, das passende Modell zu finden, das auch niemals zu 100% stimmt, lediglich eine approximation darstellt und daraus letztendlich eine passende Strategie abzuleiten. Tradimo macht es aber mehr auf der empirischen Grundlage, weil zu der von mir vorher erklärten Vorgehensweise wären die meisten nicht in der Lage, da es schon einiges an know how vorraussetzt, insbesondere Mathematik. Aber die grobe Idee ist eigentlich die gleiche, lokalisiere den Trend, finde den billigsten Einstiegspunkt, folge den Trend. Vorraussetzung dafür ist, dass es überhaupt ein Trend möglich ist und dazu muss das Chart kein trendloser Random Walk sein.


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Ist doch egal ob es kein random walk ist. Was man zeigen muss ist, dass es kein Martingal oder Markovprozess ist.


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Sleyde
Joined: 15.01.2005

Original von JBCMaster

Original von Sleyde
Falls es dich interessiert, beschäftige mich gerade intensiver mit dem Thema:

Brock, W., Lakonishok, J. and LeBaron, B. (1992), Simple Technical Trading Rules and the
Stochastic Properties of Stock Returns, Journal of Finance, 47, 1731-1764.

Lo, A. W., Mamaysky, H. and Wang, J. (2000), Foundations of Technical Analysis: Compu-
tational Algorithms, Statistical Inference, and Empirical Implementation, Journal of Finance,
55, 1705-1765.

Die beiden halte ich noch für lesenswert, wobei das erste ein bisschen älter ist und methodologisch an manchen Stellen vielleicht nicht ganz up-to-date. Das zweite Paper ist auch sehr interessant, da die anscheinend auch sehr eng mit professionellen Chartanalysten zusammen gearbeitet haben.

Gemeinsamer Konsens scheint aber bei beiden zusein, dass die Chartanalyse in der Tat helfen könnte, Informationen im Preis zu verarbeiten, d.h. dass man damit in der Tat Preise auch vorhersagen kann. Was sie aber beide verneinen ist, dass man daraus Tradingstrategien mit abnormalen Renditen erzielen kann, d.h. dass jene Findings eine Gefahr für die Markteffizienz darstellen. Sehr interessant, da vor allem die Chartanalyse bis heute wenig Einfluss in der akademischen Literatur hat und das immerhin zwei Journal of Finance Artikel sind!

Wollte dazu was hinzufügen. Es gibt schon akademische Literatur zur Chartanalyse, gehört aber nicht dem Bereich Finance an, sondern man findet dazu mehr in so Zeitreihen oder so mathematischer Literatur. Es wurde auch letztens ein Hauptseminar bei uns in Mathe dazu abgehalten und Zeitreihen sind eben nichts anderes als Chartanalyse. Es ist mathematisch möglich anhand der Kursverläufe mit bestimmter Wahrscheinlichkeit den Kursverlauf vorherzusagen.

Also Chartanalyse ist nicht gleich Zeitreihenanalyse. Allein schon weil Zeitreihenanalyse ein allgemeines Teilgebiet der Statistik/Ökonometrie ist und nicht nur auf Finanzdaten angewandt wird. Im Endeffekt kommt es vermutlich auf das selbe raus (die Hypothese, dass zukünftige Renditen/Preise mit Vergangenheitsdaten vorhergesagt werden können), aber die Chartanalyse benutzt dafür halt Geometrie/pattern recongition und die Zeitreihenanalyse statistische/mathematische Modelle.

Ist doch egal ob es kein random walk ist. Was man zeigen muss ist, dass es kein Martingal oder Markovprozess ist.

Wenn es kein Random Walk ist, dann kann es auch kein Martingal sein, denn ein Martingal ist ein Random Walk mit Drift 0 oder?! Unabhängig davon, das gilt es auch nicht zu zeigen! Es ist längst gezeigt worden in zahlreichen empirischen Studien, dass Renditen keinem Markovprozess folgen, sondern dass es z.B. signifkante Autokorrelationen zwischen Vergangenheitsrenditen und Gegenwartsrenditen gibt. Auf dieser Grundlage arbeitet auch die Chartanalyse, nur eben in einem anderen Jargon.

Was aber nun interessant wäre und zu zeigen wäre ist: Kann man aus dieser Vorhersagbarkeit der Renditen denn wirklich Profit erzielen? D.h. wie schaut es aus mit Transaktionskosten, Verlässlichkeit, Liquidität, Volumen, usw. Und da gibt es eben noch kein eindeutiges Urteil, d.h. die Hypothese von Markteffizienz kann nicht verworfen werden. So ist zumindest mein Stand.


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