Original von DrStrothmann
Original von Pokerboydd
Vorab: ich habe kein großes verständniss vom Weltfinanzmarkt, und suche heir einen kundigen der es mir erklären kann. Ich bitte darum, spekulationen zu unterlassen, danke.
Ständig ließt man davon, das alle verschuldet sind. Angeblich jeder Staat, wo's nur darum geht wer wieviel Punkte vom BIP in der Kreide steht, ei defizit hat scheinbar jeder.
Die Banken haben das Geld auch nicht, und müssen gerettet werden.
Und wie's scheint, haben's die Firmen auch nicht.
Lapidar gefragt: wo steckts den nun? Wirklich bei einzelnen (Reichen, kleinen Banken), die massiv Staatsanleihen etc... halten?
Oder ist das 'Problem' bloß: das 'Schulden', warum auch immer (Erklärung wäre nice) einfach nicht ausniveliert werden? (Wenn ich meinem Kumpel 100€ schulde, und er sich dann von mir 100€ leiht, sagt mein gesunder Menschenverstand wir seien quit, Finanzmarkttechnisch hätten wir aber wohl beide 100€ Schulden)
Kann's jemand erklären?
Guten Morgen,
ich versuche das mal mit einfachen Worten zu erklären. Erst einmal musst du dir Vorstellen das Geld in verschiedene Geldmengen eingeteilt ist.
Um den gesamten Hintergrund ein wenig zu verstehen, gebe ich dir einmal die verschiedenen Begriffe auf. Das soll keine Lehrstunde, sondern rein informativ sein. Hoffe ich kann mich kurz halten ;-)
Da haben wir im ersten Schritt die Geldmenge M0. Die beinhaltet im Prinzip nur das Zentralbankgeld, auch Basisgeld oder Geldbasis genannt. Das beinhaltet in erster Linie zwei dinge: alle Banknoten und die Guthaben der Banken bei der Zentralbank. Wer es noch nicht wusste, die Bankleitzahl ist nichts anderes als eine Art Kontonummer der Geschäftsbank bei der Zentralbank.
Wie fließt jetzt das Geld von A nach B?
Wenn du mir 5€ für diese Ausarbeitung hier überweist, wird kein Bankangestellter deiner Bank mit einem Koffer zu meiner Bank fahren. Also wird das Geld über die Zentralbank abgewickelt. Deine Bank hat -5€ und meine +5€. Am Ende des Tages muss jede Geschäftsbank auf dem Konto der Zentralbank mindestens 0,0 Schulden haben. Ansonsten muss sich die Bank das Geld leihen. Das ist dann der sogenannte Interbankenhandel (oder auch Geldmarkt). Genau der ist übrigens zur Krise zusammengebrochen, weil Bank A der Bank B nicht traute. Das Geld kann sich die Bank also von einer anderen Bank oder von der Zentralbank leihen (kostet mehr als bei einer Geschäftsbank).
Damit ist schon mal ein Teil von Krediten der Banken erklärt. Wenn also wie bei der Krise keine Bank der anderen Geld leiht, weil alle Angst haben, dass das Geld nicht zurück kommt, muss eine Bank unter umständen dicht machen oder eben Regierungsgeld als Sicherheit bekommen. Im Prinzip ist das wie bei dir zu Hause. Hast du keinen Job, bekommst du keinen Kredit, es sei denn, du hast einen Bürgen. Mehr hat die Bundesregierung im ersten Schritt nicht gemacht.
Jetzt wird es ein wenig komplizierter. Banken benötigen wie wir auch Sicherheiten, um überhaupt Geld leihen oder verleihen zu können.
Im Moment sind es 2% im Euroraum. Diese 2% sind die Mindestreserve, die auf dem Zentralbankkonto gehalten werden muss. Dieses Guthaben ist richtiges Geld, also Bargeld in Form von Geldscheinen oder eben wie oben beschrieben Basisgeld.
Zahlst du mir die 5€ und meine Bank möchte dieses Geld auf die Zentralbank bringen, wird das Geld tatsächlich zu einer Zweigstelle per Geldtransport gebracht.
Jetzt aufpassen! Die Bank kann Dank der Reserve von 5€ Kredite in Höhe von 250€ geben! Hoch was ist das für ein Trick – versuche du das Mal – mit 5€ ganze 250€ Kredit zu bekommen ;-) Genau hier fängt ein Problem an. Diesen Vorgang nennt man Geldschöpfung.
Der aufmerksame Leser wird ein kleines Problem erkannt haben: Die Bank bucht ja auf mein Konto auch eine Gutschrift von 5€ und das obwohl das Geld ja zur Zentralbank gebracht wurde???!!! Ja genau, wir haben es hier mit einer anderen Form von Geld zu tun: Sichteinlagen – also Giralgeld, auch Bank- und Buchgeld genannt. Wenn alle Kunden ihr Geld vom Girokonto oder vom Tagesgeldkonto abholen würden, wäre gar nicht genug Geld da. Die Menge der Sichteinlagen ist wesentlich höher als das Basisgeld. Ohne Geld zu drucken wird also Geld erzeugt. Verwirrend? Ok..
Wenn du Guthaben bei der Bank hast, hast du kein Bargeld auf der Bank, sondern einen Anspruch auf Auszahlung von Bargeld (kurz AaAvBAR). Diesen Anspruch kannst du jederzeit umwandeln in echtes Geld (Bankautomat).
So was hat das jetzt mit Krediten und Schulden zu tun?
Sagen wir mal du möchtest ein Haus kaufen. Wert 500.000 T€, ruhige Lage, Platz für 7 Kinder. Dann passiert bei deiner Bank folgendes:
Die Bank eröffnet ein Kreditkonto auf deinen Namen und bucht dort -500.000T€ ein. Auf deinem Girokonto wird ein Betrag von +500.000€ gebucht. Innerhalb der Bank ist das kein Basisgeld, sondern „nur“ ein AaAvBar. Da du das Geld dann an den Hausverkäufer weiter überweist, ist gar kein richtiges Geld in Form von Bargeld geflossen. Sprich die Bank musste nicht die Menge an Bargeld besitzen, sonder nur ganze 2% davon. Die Bank also durch eine kleine Verlängerung ihrer Bilanz aus dem nichts Giralgeld erschaffen.
Jetzt passiert folgendes: Immer weniger Kunden können Kredite zurück zahlen, weil es der Wirtschaft vielleicht schlecht geht, Länder weniger Standortvorteile haben (z.B. zu hohe Lohnkosten) und damit Unternehmen abwandern oder oder oder. Die Ursachen sind gar nicht alle zu benennen – ist hier ja auch nicht Thema.
Also geraten immer mehr Banken in Schwierigkeiten. Komischer Weise sind die Sicherheiten die bei Kreditvergabe hinterlegt werden auf einmal nicht mehr viel wert. In America zum Beispiel war es vor der Immobilienblase möglich, Mit nur einem Verdiener ein Haus zu kaufen und dabei 120% oder gar 150% des Wertes an Kredit zu bekommen, um dann noch ein Auto und einen Pool zu kaufen. Zahlen diese Hausbesitzer dann nicht, verliert die Bank Geld, da sie ja durch den Verkauf nicht die komplette Summe rein bekommt. Passiert bei 100000enden, wird es eng ;-)
So entsteht dann ein richtiges Geldproblem, weil dann die Menschen auch noch eines machen: Geld horten.
Jetzt habe ich die Art und Weise der Bankkredite kurz erklärt. Das Thema kann ich rein theoretisch noch über ein ganzes Buch ausführen, würde aber für 99% der Leser uninteressant sein.
Darum komme ich mal zu Teil Staaten… Staaten haben leider das Problem, das schon chronisch mehr Geld ausgegeben wird, als rein kommt. Das liegt an zwei relativ Einfachen Dingen, die hier zusammen spielen: Menschen / Einwohner also und Regierungen, die die Millionen Wünsche der Einwohner erfüllen möchten (sonst verlieren die eben die nächste Wahl). Sicher recht einfach dargestellt – aber das ist im Prinzip die ganze Wahrheit. Bitter, da wir dann ja selbst Schuld sind, an der ganzen Misere.
Gucken wir uns mal den Bundeshaushalt an: Ausgaben für Krankversorgung, Arbeitslosenhilfe, Bundeswehr, Schulbildung, Rente und aus meiner Sicht den schlimmsten Ausgaben: Subventionen wie Kohlepfennig, Solarförderung, Brachlandprämie, Kilometergeld aber auch Beamte, Angestellte im öffentlichen Dienst.
Immer weniger Menschen tragen zum sogenannten Bruttoinlandsprodukt bei. Die Regierungen (ob nun diese oder die davor oder die danach) versucht uns immer weis zu machen, dass alles in die richtige Richtung läuft. Tut es aber nicht – die Schuldenuhr tickt immer schneller.
Wir geben also immer mehr aus, als wir einnehmen. Wir, weil der Staat ja wir sind! Und wenn wir selbst betroffen sind (z.B. bei mir Thema Kinderbetreuung), zeigen wir mit dem Finger auf andere und sagen „Aber die müssen zuerst sparen oder sich bewegen“.
Der Staat braucht also Geld. Das leiht er sich via Bundesanleihen, Obligationen oder Schatzbriefen. Käufer sind Anleger wie du und ich. Das ist das Geheimnis. Aber wie kommt es dann zur Krise? Oder besser, wie verschärft sich diese?
Da sind paar „kleine“ Punkte zu betrachten: Staaten machen also immer mehr Schulden. Auch wenn es vielleicht jeder schon mal gehört hat, aber hat mal einer darüber nachgedacht, dass immer nur von Neuverschuldung die Rede ist? Nie von Rückzahlung, Tilgung? Die Regierung Tilgt nicht, sie zahlt nur Zinsen. Ach Gott, dann zahlen wir ja immer mehr Zinsen. Genau hier fängt ein Problem an. Je mehr Kredite ein Staat hat, desto mehr Zinsen muss er zahlen, um Geld zu bekommen. Warum? Nun weil Menschen wie ich nicht bereit sind, einem Pleitestaat für 1% Geld zu geben. Das höhere Risiko (nämlich das der Staat nicht zahlt) ist zu hoch, also möchte ich 7-8% haben oder mehr (Argentinien lässt grüßen). Staaten können pleite gehen, sie machen einfach eine Währungsreform.
Jetzt passieren zwei Dinge: Die Zinsbelastung ist schon hoch, durch steigende Zinsen bei höheren Schulden muss noch mehr gezahlt werden. Da die Einahmen nicht oder häufig nur leicht steigen (Deutschland hat ein Wachstum von gut 1% - was nicht heißt das auch 1% mehr Steuern fließen), aber die Zinsen bei Staaten in Schwierigkeiten „explodieren“ ist der Staat zuzusagen Bankrott. Da das nicht immer geht (siehe Griechenland) stützen verbundene Staaten mit Krediten und Bürgschaften. So damit verschiebt man das Problem von Staat A ein Stück weit zu Staat B. Der Staat B wird dann irgendwann auch Probleme bekommen.
Genau hier sind Regierungen aber vor allem die Bevölkerung gefragt: Sparen heißt Abstriche machen. Keine Subventionen, weniger Ausgaben für Bereiche wie Armee, Staatsdiener und vor allem: keine neuen Schulden. Das bedeutet aber: wir alle müssen Abstriche machen.
Steigen die Zinsbelastungen eines Staates über 20% vom BIP ist der Staat zu einer fast 100%igen Sicherheit nicht mehr in der Lage, den Bankrott abzuwenden.
Kleiner Exkurs über Spekulanten: Spekulanten nutzen Misstände aus, dadurch werden sie mit brachialer Gewalt sichtbar. Griechenland war schon fast tot, als Spekulanten anfingen das auszunutzen. Die Schuld liegt an den Griechen, nicht an den Leuten, die das ausgenutzt haben. Ob das ethisch vertretbar ist, steht auf einem anderen Blatt.
Puh – liest das einer alles??
Beste Grüße