Eine Sache scheint ihr alle bei der Rechnung erst nach dem Studium zu sparen zu übersehen.
Nehmen wir das Beispiel, dass man nach 5 Jahren Studium bei 800 Euro Einkommen jeden Monat 20% angespart hätte und am Ende 9600 Euro + Zinsen hat, sagen wir vereinfacht mal 10K. (Ich verstehe wenn man jetzt sagt, dass in München das Leben teurer ist als bei mir im Ruhrgebiet und daher vielleicht nur 10% abzwacken kann. Aber wenn ich hier lesen muss, dass jemand 800 Euro verdient und ein Drittel davon in ein Auto geht, dann wundert es mich kaum, dass man am Ende des Monats mit seinem Geld knapp ist)
Jetzt sagt ihr, dass es sich nicht lohnt, da man lieber nachher mit mehr Einkommen sparen sollte, da man es dann ja schnell zum gleichen Betrag bringt.
Ganz davon ab, dass ihr anscheinend immer noch davon ausgeht, dass der Großteil hier locker über das Durchschnittseinkommen kommt. Durchschnittseinkommen ist halt der Durchschnitt, d.h. hier werden wohl genauso viele oder sogar mehr (gibt nach oben die deutlich größere Schere) Leute sein, die von euren Gehaltsvorstellungen eher träumen. Für die Leute ist eure Strategie doch gar nicht anwendbar.
Aber wie auch immer, selbst wenn man diesen Punkt ausser Acht lässt, genauso wie die psychologische Komponente. In den meisten Fällen ist mehr Gehalt = mehr Ausgaben. Das ist z.B. auch der Grund weshalb jeder vierte Fussballprofi nach der Karriere pleite oder überschuldet ist. (bei teilweise 8 stelligen Verdiensten in 15-20 Jahren) Deshalb ist die Vorstellung, dass man mehr zur Seite legt, wenn man mehr verdient nur eine ideale. Die Realität ist da deutlich härter. Das ist eine Fähigkeit die man sich erarbeiten muss und da gilt halt auch: Je früher du anfängst, umso einfacher wirds dir später fallen.
Naja auch den Punkt lassen wir außer Acht. Bei eurer Rechnung vergesst ihr, dass der Student, der in den 5 Jahren 10K zur Seite gelegt hat, sein Einkommen doch auch steigern wird. D.h. wenn es der gleiche ist, der später in einem Jahr 10 K zur Seite legt (imo in 99% aller Fälle völlige Utopie, wäre eine Sparrate von 833 Euro im Monat), hat der sparende Student zu dem Zeitpunkt doch bereits 20K. Ich wage jetzt auch einfach mal zu behaupten, dass der im Studium sparende Student später sogar mehr zur Seite legen wird (und es ihm vor allem leichter fällt) als der, der neu anfängt, einfach weil er es schon gewohnt ist, sich in für ihn unwichtigen Punkten einzuschränken.
D.h. derjenige der mit 20 angefangen hat zu sparen wird IMMER mehr haben, als der der später anfängt. Und ich glaube dass bei einem Betrag von 10K auch die Zinseszinsen ins Gewicht fallen. Bei nem Zinssatz von 2% und gleichbleibender Sparrate von 833 Euro sind das ca. 7K an Zinseszinsen in 25 Jahren (kann mich irren, kann vielleicht nochmal wer nachrechnen) D.h. mit 50 hat der im Studium sparende Student insgesamt 17K mehr, als derjenige, der erst 5 Jahre später angefangen hat. Also mal eben eine mehrmonatige Weltreise...
Wie schon gesagt, ich finde es ok nicht zu sparen. Aber ich kann nicht verstehen, wie man versuchen will anderen Leuten auszureden, dass Sparen sinnvoll ist. Nur weil es für einen selber kein Sinn macht, bedeutet dass doch nicht, dass es für andere kein Sinn macht. Und für OP macht es anscheinend Sinn, da er sonst nicht gefragt hätte.
NATÜRLICH ist Sparen auch mit Einschränkungen verbunden. Zu wieviel Einschränkungen jemand bereit ist, kann aber doch jeder für sich selbst bestimmen. Der Trick ist für sich eine persönliche Sparrate aufzustellen, die einen nicht erheblich einschränkt und die dann einfach automatisch vom Konto kommt. Wenn mans automatisiert, fällt es einem deutlich leichter, als es sich anhört.