Ich hatte die TSI und ähnliche relative Stärke (RS) Strategien selbst ausgiebig getestet und überprüft. Die genauen Ergebnisse habe ich nicht mehr vorliegen. Ich weiss aber noch, dass die Ergebnisse und Performance der TSI-Strategie vergleichbar mit allen RS-Strategien sind.
Im Detail funktioniert die TSI-Strategie in der Tat sehr gut, wenn man mittelfristig anlegen und die grösseren Trends mitmachen will. Allerdings liegt genau darin der Haken: damit sie funktioniert, muss ein grösserer Trend erfolgen. Während Seitwärtsphasen tauchen sehr viele Fehlsignale auf, die mit entsprechend hohen Verlusten enden, da man meist auf dem lokalen Maximum eingestiegen ist und wegen des SMA (simple moving average) und dessen Trägheit einen Grossteil der Abwärtsbewegung mitmachen muss bis das Ausstiegssignal kommt.
In den letzten 10 Jahre war keine richtige Seitwärtsphase im Markt, die mit der aus den 80ern und frühen 90ern vergleichbar wäre, daher erscheinen aktuell alle RS-Strategien in einem aussergewöhnlich guten Licht. Nun könnte man argumentieren, dass diese Zeit längst vorbei ist und heute eh alles anders ist, aber bekanntlich kann die Aussage "Diesmal ist alles anders" sehr teuer werden.
Zum anderen muss ich gestehen, dass die TSI-Strategie sehr stabil ist. Ich hatte sie mit vielen Variationen der Parameter getestet und die Ergebnisse blieben mehr oder weniger identisch. Das heisst, dass die Strategie nicht überoptimiert wurde.
Zum anderen geht der Aktionär short bei einem allgemeinen Verkaufsignal. Das würde ich mit grosser Vorsicht geniessen, denn Baissemärkte sind viel schneller und heftiger als Haussemärkte. Im allgemeinen fallen die Kurse schneller als sie steigen. Deswegen kann man Strategien, die in Aufwärtsphasen funktionieren, nur begrenzt in Abwärtsphasen einsetzen. Meist wird das Trägheitsmoment, was ich im ersten Abschnitt bereits angesprochen habe, zum Verhängnis. Ich kann mich erinneren, dass andere Leute zum gleichen Ergebnis kamen und Short-Investitionen in einer RS-Strategie verworfen haben. Ich könnte mir aber vorstellen, dass eine geeignete Short-Strategie zum gegebenen Zeitpunkt durchaus erfolgsversprechend wäre.
Abschliessend muss ich zugeben, dass auch ich eine RS-Strategie verfolge und bisher sehr zufrieden damit bin. Trotzdem bin ich mir der oben genannten Risiken bewusst um gegebenenfalls darauf zu reagieren. Darüber hinaus möchte ich noch anmerken, dass die letzten Jahre viele Leute auf eine RS-Strategie setzen. Ich sehe das sehr kritisch, da es meist das Ende einer funktionierenden Strategie einläutet. Umsomehr, da sich die Märkte anscheinend alle 10-15 Jahre ändern, was heisst, dass man seine Strategien anpassen muss. Ein ähnliches Beispiel war das Turtle-Trading, was - sofern ich gut informiert bin - auch nur ein Jahrzehnt gut funktionierte. Heute wird es nur noch für viel Geld an zahlungskräftige Kundschaft verkauft obwohl die Regeln seit Jahren öffentlich zugänglich sind.